Gemälde

Wieso das Porträt Adele Bloch-Bauer I so besonders ist und welche Rückschlüsse es zu ihrer Beziehung mit Klimt zulässt

Gustav Klimt, Adele Bloch-Bauer I, 1907Gustav Klimt, Adele Bloch-Bauer I, 1907

Das atemberaubend schöne, wie eine byzantinische Ikone mit Blattgold überzogene Gemälde Adele Bloch-Bauer I (auch: "Goldene Adele) ist eines von Klimts berühmtesten Werken. Das Porträt entstand auf dem Höhepunkt seiner goldenen Phase und ist zusammen mit Der Kuss eins der wichtigsten Kunstwerke des österreichischen Jugendstils.

Formale Eigenschaften des Gemäldes

  • Kunstgattung: Malerei
  • Kunststil: Wiener Moderne, Jugendstil
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    Technik: Ölfarbe mit Silber- und Goldbelägen auf Leinwand
  • Datum: 1907
  • Größe: 138 × 138 cm
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    Ausstellungsort: Neue Galerie, New York

Bildbeschreibung von Adele Bloch-Bauer I

Gustav Klimt, Adele Bloch-Bauer I, 1907

Gustav Klimt, Adele Bloch-Bauer I, 1907

Die Dargestellte ist Adele Bloch-Bauer, die Ehefrau des österreichischen Großindustriellen Ferdinand Bloch-Bauer.

Kopf, Schultern und Hände von Adele treten aus der fesselnden Oberfläche hervor. Sie ist das Zentrum der weiblichen Realität, die Gefahr läuft, sich wieder in den Strudel der verschlungenen Ornamente zu verlieren. 

Es wird nicht versucht, die Dargestellte in einem dreidimensionalen Raum zu positionieren. Ihr Kleid ist nur ein weiteres Element des Kompositionsschemas, das Verweise auf die frühen Zivilisationen Ägyptens, Mykene und Rom enthält, die ebenfalls von Gold als Zierdematerial fasziniert waren.

Adele wie einen byzantinischen Schatz zu präsentieren, war nicht nur künstlerisch faszinierend, sondern auch ein klarer Verweis auf den Reichtum, den Wohlstand und den Geschmack des Ehegatten Ferdinand, der später ein weiteres Porträt seiner Frau bei Klimt in Auftrag geben sollte.


Interpretation von Adele Bloch-Bauer I

Im Mittelpunkt der Interpretationen des Porträts steht meist die Frage, ob Adèle und Klimt eine geheime Liebesbeziehung führten.

Diese Frage lässt sich heute nicht mit Sicherheit beantworten.

Sicher ist allerdings, dass sie sich in einer Zeit kennenlernten, als sie bereits mit Ferdinand verheiratet war. Sie war die einzige Frau, die zweimal für ein Porträt von Klimt posierte.

Einige Kunsthistoriker erwähnen auch Judith und Holofernes aus dem Jahr 1901 als mögliches weiteres Gemälde, für das Adèle Modell stand. Als ob die Ähnlichkeit der Gesichter der Frauenfiguren in Adele Bloch Bauer I und Judith I nicht schon genug wäre, scheint auch das markante Goldhalsband in beiden Gemälden ähnlich.

Adele Bloch-Bauer-I
Judith I Gustav Klimt

Auch in Adele Bloch-Bauer I selbst lassen sich Rückschlüsse auf eine intime Beziehung zwischen Maler und Modell ziehen. Die Sinnlichkeit, die die Darstellung verströmt, lässt auf mehr als nur eine platonische Verbundenheit zwischen Maler und Motiv schließen.

Der geöffnete Mund von Adele Bloch-Bauer offenbart zwei Zähne, während ihre schweren haselnussbraunen Augen einen suggestiven Blick erzeugen. Ihr Körper ist nach innen gerichtet - eine ebenso sinnliche wie kokette Geste.

Klimts subtiler Farbgebrauch kann ebenfalls auf eine erotische Bedeutung schließen lassen. Vor allem das zarte Blau im Bereich des Schlüsselbeins und das Rot der Wangen könnten Indizien für eine intime Verbundenheit sein. 


Die heutige Bedeutung des Gemäldes

Dieses Gemälde gelangte im Juni 2006 in die Sammlung der Neue Galerie New York, als es bei einer Auktion für eine Rekordsumme von 135 Millionen Dollar ersteigert wurde. Jahre zuvor hing das Porträt in der Belvedere-Galerie in Wien, der Stadt, in der sowohl der Künstler als auch die Dargestellte lebten. Im Februar 2006 wurde das Porträt jedoch nach einem langen Gerichtsverfahren als eines von fünf Gemälden Klimts an Maria Altmann, die in Los Angeles lebende Nichte von Adele Bloch-Bauer, zurückgegeben.

Adele war 1925 gestorben und ihr Ehemann Ferdinand blieb zunächst im Besitz des Gemäldes, bis er nach der Annexion durch die NSDAP 1938 gezwungen war, aus Wien zu fliehen. Ferdinand verlor alles und auch seine riesige Kunstsammlung wurde geplündert. Auf diesem Weg gelangten einige Gemälde, darunter auch dieses Bild, in die Sammlungen österreichischer Museen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren rechtliche Schritte zur Rückgabe des Nachlasses von Ferdinand Bloch-Bauer an die Erben zunächst erfolglos. Ende der 1990er Jahre wurden schließlich weitere Anstrengungen unternommen, um in den Besitz der aus Ferdinands Sammlung gestohlenen Gemälde zu gelangen. Schliesslich gingen 2006 mehrere Werke Klimts in den Besitz von Maria Altmann über, die dann den Entschluss fasste, dieses Porträt zu verkaufen.

Bei der sensationellen Versteigerung in New York übertraf Klimt ein Werk von Picasso als das teuerste jemals versteigerte Kunstwerk. Es ist interessant, dass im selben Jahr, als Klimt daran arbeitete, die glitzernde Goldoberfläche auf dieses Bild aufzutragen, Pablo Picasso sich in Paris mit Les Demoiselles d'Avignon beschäftigte. Auf der Suche nach einer neuen Kunst hatten sie sehr unterschiedliche Richtungen eingeschlagen, die sich beide als überaus einflussreich und im heutigen Kunstmarkt als überaus lukrativ herausstellten.

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