Kunst

6 alkoholabhängige Künstler, die mit ihren Werken Geschichte geschrieben haben

Alkoholabhängige Künstler: Vincent van Gogh, Die Trinker, 1890Vincent van Gogh, Die Trinker, 1890

Viele Künstler von der Antike bis in die Gegenwart haben der Bedeutung des Alkohols in ihren Werken Tribut gezollt. Ob sie nun eine Szene in Marmor meißelten, in der Dionysos Krüge mit Wein ausschenkt, oder ob sie einfach nur das tägliche Nachtleben quirliger Großstadtbars in Öl auf Leinwand festhielten: Im Laufe der Jahrhunderte haben viele Künstler die Eigenschaft des Alkohols gefeiert, einen Zustand kreativen Schaffens hervorzurufen und das soziale Schmiermittel zu liefern, das im Leben so vieler Menschen für Vergnügen sorgt.

Die traurige Wahrheit ist allerdings, dass viele Künstler selbst nicht verhindern konnten, dass ihr Genuss von Alkohol zu einer schwerwiegenden Sucht wurde. Der geistige Kampf, der mit dem Künstlerdasein einhergeht, gepaart mit dem oft rücksichtslosen Lebensstil, kann eine gefährliche Mischung sein, die dazu führt, dass sie in den Alkoholismus abrutschen. 

Hier findest du sechs beeindruckende alkoholabhängige Künstler, die mit ihrer Sucht zu kämpfen hatten, von Vincent van Gogh bis Jackson Pollock.

Frans Hals: Künstler des Goldenen Zeitalters der Niederlande

Alla Prima Malerei

Frans Hals, Malle Babbe, 1633 - 1635

Frans Hals wird oft als einer der bedeutendsten Künstler des Goldenen Zeitalters der Niederlande beschrieben. Seine charakterstarken Porträts von Adligen und Armen geben dem Betrachter seit jeher einen Einblick in das Leben der Niederländer des 17. Jahrhunderts.

Doch während Hals für seine Darstellungen von ungestümen Trunkenbolden bekannt sein mag, ist es eine weniger bekannte Tatsache, dass er selbst auch ein schwieriges Verhältnis zum Alkohol gehabt haben soll. 

Sein Alkoholismus wurde erstmals vom zeitgenössischen Kunsthistoriker Arnold Houbraken detailliert geschildert. Er beschrieb Hals als "jeden Abend voll bis an die Kiemen". So soll es auch ein Running Gag unter seinen Zeitgenossen gewesen sein, dass er öfter in einer Kneipe als in seinem Atelier anzutreffen war. 

Dies mag der Grund für die Genauigkeit sein, mit der Hals in der Lage war, den Zustand der Trunkenheit so eindrucksvoll abzubilden. Wenn es tatsächlich so war, dass er den Großteil seiner Abende mit Bier und Wein in den Haarlemer Kneipen verbrachte, dann war er wahrscheinlich auch mit den anderen Personen dort gut vertraut.

Seit den 1800er Jahren wird allerdings unter Kunsthistorikern versucht, den Mythos zu widerlegen, dass Hals ein Alkoholiker war. Es wurde argumentiert, dass dies lediglich eine erfundene Beschreibung des Mannes war, die mehr auf dem Inhalt seiner Bilder als auf einer historischen Tatsache basierte. 

Der Historiker Seymore Slive wies darauf hin, dass ein Maler, nur weil er in der Lage ist, das Gesicht und die Persönlichkeit eines Trunkenbolds treffend darzustellen, nicht automatisch selbst ein Alkoholiker ist.

Es ist jedoch wahrscheinlich, wenn auch nicht sicher, dass Hals viel Zeit in der Kneipe verbrachte, Starkbier trank und mit Menschen aus allen Gesellschaftsschichten verkehrte. Es kann also nicht als Grund für sein Lieblingsmotiv ausgeschlossen werden. 

Vincent Van Gogh: Künstler des Post-Impressionismus

Vincent van Gogh, Selbstbildnis, September 1889

Vincent van Gogh, Selbstbildnis, September 1889

Vincent van Gogh ist ein Name, der leider ein Synonym für geistige Instabilität ist. Sein Nervenzusammenbruch in dessen Folge er sich einen Teil seines Ohrs abschnitt dient als bedauerliche Erinnerung an die Dunkelheit, die Hand in Hand mit seinem kreativen Genie ging. Die Auswirkungen des Alkohols auf sein Leben und die besonders schädliche Beziehung, die er zum Alkohol hatte, werden jedoch oft wenig beachtet. 

Natürlich war Absinth ein beliebtes Getränk unter Künstlern im Paris des 19. Jahrhunderts - wo Van Gogh kurze Zeit als junger Mann lebte. Van Gogh war als Liebhaber des Getränks bekannt, das er gleich mehrfach in Gemälden abbildete. Einmal warf er sogar betrunken ein Glas des Getränks nach seinem Künstlerkollegen Paul Gauguin. 

In Gauguins Tagebuch ist vermerkt, wie er dem Wurfgeschoss auswich und Vincent aus der Bar und in seine Wohnung schleppte, wo er dann volltrunken einschlief. Van Gogh wachte am nächsten Morgen auf und sagte zu Gauguin: "Mein lieber Gauguin, ich habe eine vage Erinnerung, dass ich Sie gestern Abend beleidigt habe."

Während dies die Art von Anekdote ist, die auch heute noch Anlass zum Lachen unter Freunden geben könnte, zeigt sie auch die Exzesse von Van Goghs Trinkgewohnheiten und die Auswirkungen, die sie auf sein Verhalten, seine Beziehungen und seine Gesundheit hatten.  

An seinen geliebten Bruder Theo schrieb er kurz nach seiner Abreise aus Paris, dass das einzige, was ihn tröstet und seine Gedanken ablenkt, ein starker Drink sei. In einem anderen Brief an seinen Bruder ein Jahr später räumt Vincent ein, dass sein Alkoholmissbrauch "eine der großen Ursachen meines Wahnsinns" sein könnte.

Vincent van Gogh, Das Nachtcafé, 1888

Vincent van Gogh, Das Nachtcafé, 1888

Letztendlich sind Gemälde wie sein "Nachtcafé" (1888) tatsächlich mit einer größeren Traurigkeit behaftet, als wir ihnen normalerweise zugestehen würden. Die anonymen Gäste, die unter dem schwankenden Schein der Lichter zusammengesunken sind, waren Personen, die Van Gogh so gut kannte wie jedes andere Motiv, das er malte. Schließlich war er selbst einer von ihnen.

Alkoholabhängige Künstler: Henri de Toulouse-Lautrec

Maurice Guibert, Mr. Toulouse paints Mr. Lautrec, 1891

Maurice Guibert, Mr. Toulouse paints Mr. Lautrec, 1891

Ein weiterer Liebhaber des Absinth war der Pariser Künstler Henri de Toulouse-Lautrec. Wir wissen sogar, dass er und Van Gogh hin und wieder gemeinsam einen Drink zu sich nahmen, da Lautrecs Porträt von Van Gogh diesen beim Nippen an einem Glas Absinth zeigt. 

Bei einer Gelegenheit nahmen die beiden an einem Trinkgelage teil, das damit endete, dass Lautrec nach einem Streit mit einem ebenfalls betrunkenen Belgier, der seinen niederländischen Freund nicht respektiert hatte, anbot, sich an Van Goghs Stelle zu duellieren.

Henri de Toulouse-Lautrec, Portrait des Vincent van Gogh, 1887

Henri de Toulouse-Lautrec, Portrait des Vincent van Gogh, 1887

Die beiden teilten jedoch nicht nur Getränke. Auch Lautrec hatte psychische Probleme, obwohl seine Probleme größtenteils auf seine körperlichen Behinderungen zurückzuführen waren, die das Ergebnis eines ausfälligen Vaters waren. 

Er war kleinwüchsig, da sich seine Beine nach seinen Teenagerjahren nicht weiterentwickelt hatten, was bedeutete, dass sein Kopf, seine Arme und sein Oberkörper unproportional zur unteren Hälfte seines Körpers waren. Abgesehen von den offensichtlichen psychologischen Auswirkungen einer solchen Behinderung war dieses Leiden der Grund dafür, dass Lautrec von vielen seiner Zeitgenossen schikaniert wurde.

Lautrec begann zu trinken, um sein Selbstvertrauen zu stärken. Doch schon bald war er in seinen Kreisen als einer der exzessivsten Trinker bekannt. Er genoss Absinth und Cognac und begann seine Tage regelmäßig mit einem Glas Rum. 

Letztendlich schaffte es Lautrec jedoch, als relativ gut funktionierender Alkoholiker den größten Teil seines Lebens als Erwachsener zu arbeiten. Er malte sehr viel und hätte noch länger gelebt, wenn er nicht an Syphilis erkrankt wäre. 

Francis Bacon: Expressionistischer Künstler

Irving Penn: Francis Bacon (1962) | Foto: cea + / Flickr

Irving Penn: Francis Bacon (1962) | Foto: cea + / Flickr

Francis Bacon ist ein berühmter Künstler, der für seine alptraumhaften Gemälde von verzerrten und gequält aussehenden Körpern bekannt ist. Darüber hinaus zeigt sein Atelier, das heute noch so zu sehen ist, wie es bei seinem Tod hinterlassen wurde, die chaotische Natur seines künstlerischen Schaffens.

So ist es nicht verwunderlich, dass er ein Mann war, der in seinem Leben jenseits der Kunst mit psychischen und physischen Problemen zu kämpfen hatte. 

Vielen seiner Londoner Bekannten war Bacon als lebhaftes Mitglied des gesellschaftlichen Lebens in Soho bekannt. 

Sein Freund und Weggefährte John Edwards witzelte einmal über ihn: "Er war eine wunderbare Begleitung, ein Spaßvogel und ein großartiger Trinkgefährte." Er war auch dafür bekannt, dass er rief: "Wir kommen aus dem Nichts und gehen ins Nichts", während er jedem in einem seiner Lieblingslokale Champagner einschenkte.

Doch so sehr er auch ein geselliger Trinker war, so sehr war er auch ein Gewohnheitstrinker. Tagsüber malte er, bevor er für ein paar Drinks in den Pub ging. In den meisten Nächten ging das Trinken in Bars, Restaurants, Casinos und Nachtclubs weiter und er kehrte früh am Morgen für ein paar Stunden Schlaf zurück, bevor er aufwachte und den Kreislauf von vorne begann.

Letztlich diagnostizierten seine Ärzte Bacon jedoch nie als Alkoholiker - möglicherweise auch aufgrund seiner eigenen Behauptung, dass es ihm mehr Nutzen (sowohl kreativ als auch künstlerisch) als Schaden brachte.

Jüngste Analysen seiner medizinischen Aufzeichnungen deuten jedoch darauf hin, dass bei ihm eine Reihe von Problemen an den Nerven diagnostiziert wurden, die sich bei Alkoholkranken häufig verschlimmern. 

Joan Mitchell: Amerikanische Malerin des abstrakten Expressionismus

Joan Mitchell, Bracket, 1989, Öl auf Leinwand

Joan Mitchell, Bracket, 1989, Öl auf Leinwand | Foto: Rocor / Flickr

Joan Mitchell ist eine der berühmtesten Künstlerinnen des Abstrakten Expressionismus, der in den 1960er Jahren Amerika eroberte. Sie war bekannt für ihre großen Farbexplosionen voller Dynamik, die über die Leinwand schossen, und ihre engen persönlichen Beziehungen zu vielen anderen wichtigen Künstlern der Bewegung bedeuteten, dass sie mitten im Zentrum des schnellen Aufstiegs dieser Bewegung stand. 

Wie viele ihrer Künstlerkollegen in dieser Gruppe war sie jedoch dafür bekannt, ein ernsthaftes Alkoholproblem zu haben. Ähnlich wie eines ihrer künstlerischen Vorbilder Van Gogh kämpfte sie ihr ganzes Leben lang mit Depressionen und Alkoholabhängigkeit.

Mitchells Biografin Patricia Albers sagte jedoch über sie: "In der Malerei wie im Leben war sie eine hochfunktionale Alkoholikerin mit einer erstaunlichen Fähigkeit zur geistigen und körperlichen Konzentration."

Das bedeutete, dass ihr Alkoholismus größtenteils keinen direkten Einfluss auf die Entstehung ihrer Werke hatte. Wie viele andere alkoholabhängige Künstler war Mitchell in der Lage, den schmalen Grat zwischen kreativer Exzellenz und sozialer Nonkonformität, die durch Alkohol angeheizt wurde, zu überwinden.

Mitchells Abhängigkeit  war letztlich die Ursache für ihren Tod. Sie war ebenso starke Raucherin und nach mehreren Krebserkrankungen erlag sie schließlich 1992 im Alter von 66 Jahren dem Lungenkrebs.

Alkoholabhängige Künstler: Jackson Pollock

Jackson Pollock, One: Number 31, 1950

Foto: Rocor / Flickr

Traurigerweise gibt es jedoch einen Künstler, der nicht in der Lage war, ein Leben zu führen, in dem er sowohl erfolgreicher Künstler als auch schwerer Alkoholiker sein konnte. Jackson Pollock war ein weiterer Künstler des Abstrakten Expressionismus und ein enger Freund von Joan Mitchell.

Tatsächlich fielen Pollocks erfolgreichste Jahre als Maler in das kurze Zeitfenster, in dem seine Frau Lee Krasner ihm einen Arzt vermitteln konnte, der ihm half, seine Alkoholsucht kurzzeitig zu überwinden. 

Der alkoholabhängige Künstler kam bei einem Autounfall ums Leben, den er unter Alkoholeinfluss selbst verursachte. Der Unfall ereignete sich, als sich Krasner wegen Pollocks zunehmender Untreue und Alkoholabhängigkeit von ihm getrennt hatte. Sie war nach Europa gereist, um von Pollock wegzukommen, der sich mit der viel jüngeren Künstlerin Ruth Kligman eingelassen hatte.

Auch Pollock hatte seine künstlerische Laufbahn scheinbar beendet, denn seine Abhängigkeit vom Alkohol und die damit einhergehende Entfremdung von seiner Arbeitsweise ließen ihn ohne jegliche Orientierung und Motivation zurück.

Eines Abends im Jahr 1956 hatte Pollock, der damals 44 Jahre alt war, mit Ruth und einigen anderen Freunden getrunken, als sie beschlossen, in seinem Oldsmobile Cabrio in die Nacht zu fahren. Pollock fuhr geradewegs gegen einen Baum, woraufhin sich das Auto überschlug und er und seine Freundin Edith Metzger ums Leben kamen.

Krasner kehrte sofort aus Frankreich zurück, um an seiner Beerdigung teilzunehmen und verbrachte den Rest ihres Lebens damit, den Verkauf seines Nachlasses an Museen und Galerien in aller Welt zu organisieren. Schließlich gründete sie eine Stiftung, die den Namen beider trug und die auch heute noch aufstrebende Künstler zu Beginn ihrer Karriere unterstützt.