Malerei

5 bedeutende Allegorien in der Kunst, die diese Gattung bestens veranschaulichen

Allegorien in der Kunst, Jean-Léon Gérôme, Leda und der Schwan, 1895Jean-Léon Gérôme, Leda und der Schwan, 1895

Schon seit Anbeginn der Steinzeit lieben es die Menschen, Geschichten zu erzählen. Von Poesie und Literatur bis hin zu Musik und Kunst werden Geschichten durch eine Vielzahl von Medien ausgedrückt. Eines der wirksamsten Mittel, um eine Erzählung oder ein Konzept zu verbreiten, ist eine Allegorie. 

In der Malerei haben Künstler Allegorien verwendet, um komplexe Ideen durch bildliche Symbole und Metaphern zu vermitteln. Eine Allegorie ist in gewisser Weise eine verborgene Botschaft, die nur darauf wartet, vom Betrachter entdeckt zu werden. 

Ein allegorisches Gemälde kann Figuren enthalten, die verschiedene Emotionen wie Neid oder Liebe personifizieren. Religiöse Symbole umfassen oft Tauben, Blumen oder Heiligenscheine.

In der gegenständlichen Kunst wurden allegorische Themen regelmäßig von der Renaissance bis Mitte des 19. Jahrhunderts eingesetzt. Danach widmeten sich einige Künstler der Moderne abstrakteren Darstellungen auf eine gänzlich verschiedene Herangehensweise. 

Viele Allegorien in der Kunst sind heute noch nur schwer zu verstehen. Die Figuren müssen vom Betrachter identifiziert werden können, um die Bedeutung zu erkennen. Weil die Darstellungen so subjektiv sind und die Bedeutungen im Kontext ihrer Zeit verwurzelt sind, kann es sehr schwierig sein, die Absicht des Künstlers Jahrhunderte später zu entschlüsseln.

Um dir einen Einstieg in die Auseinandersetzung mit Allegorien in der Kunst zu ermöglichen, findest du nachfolgend fünf bekannte Beispiele samt Interpretationsansätzen.

Bedeutende Allegorien in der Kunst: Sandro Botticelli, Primavera, um 1482

La Primavera Botticelli

Sandro Botticelli, La Primavera, um 1482

Primavera von Sandro Botticelli befindet sich in den florentinischen Uffizien und zieht mit seiner klassischen Symbolik und aufwändigen Komposition nach wie vor viele Zuschauer an, die von der klassischen Symbolik fasziniert sind. 

Die Frühlingsszene spielt in einem mythischen Wald, dessen Vielfalt Botticelli mit rund 500 verschiedenen Pflanzenarten beeindruckend veranschaulichte. Darunter befinden sich rund 200 Blumenarten, die heute eindeutig identifiziert werden können.

Die Orangenblüten an den Bäumen sind ein wichtiges Hochzeitssymbol, doch enthält das Gemälde auch eine Reihe figurenbezogener Bildthemen, von denen viele glauben, dass sie auch den Bund der Ehe und der Liebe darstellen sollen.

In der Mitte der Komposition steht die Venus, die in typischer florentinischer Kleidung des 15. Jahrhunderts gekleidet ist. Über der Venus richtet ihr Sohn Amor seinen Pfeil und Bogen auf die Drei Grazien (als Symbol für Vergnügen, Keuschheit und Schönheit).

Links von den drei Grazien benutzt Merkur seinen Stab, um eine Wolkengruppe am Bildrand zu vertreiben. Auf der rechten Seite des Gemäldes greift Zephyr, der griechische Gott des Winds, nach Chloris, einer Nymphe, die mit Blumen assoziiert wird.

In der Mythologie verwandelt sie sich nach dem Kuss in Flora, die Göttin des Frühlings, die auf der linken Seite des Paares als die Frau in einem Blumenkleid dargestellt ist. Aus diesem Grund glauben einige Kunsthistoriker, dass Botticellis Primavera den ewigen Frühling symbolisiert, der in verschiedenen Phasen und unterschiedlichen Ausdrucksformen im Gemälde dargestellt wurde.

Jean-Léon Gérôme, Leda und der Schwan, 1895

Allegorien in der Kunst, Jean-Léon Gérôme, Leda und der Schwan, 1895

Jean-Léon Gérôme, Leda und der Schwan, 1895

Jean-Léon Gérôme stellt in diesem meisterhaft arrangierten Werk die mythologische Erzählung von Leda und dem Schwan dar. Der Legende nach wird Leda von dem griechischen Gott Zeus verführt, der die Gestalt eines Schwans angenommen hat.

Obwohl die spannungsgeladene Erzählung oft als gewalttätig interpretiert wird, stellt Gérôme sie als einen willkommenen, intimen Moment zwischen Liebenden dar. Leda steht nackt im Gewässer und hat ihre Arme empfänglich zum Schwan hin ausgestreckt, der elegant auf sie zugeschwommen kommt, geleitet von einer Gruppe von Amoretten (die die Liebe repräsentieren). Man geht davon aus, dass beide Figuren Sinnlichkeit und Begehren verkörpern.

Pieter Brueghel der Jüngere, Der Alchemist, 1558

Pieter Brueghel der Jüngere, Der Alchemist, 1558, nach einem Stich seines Vaters

Pieter Brueghel der Jüngere, Der Alchemist, 1558, nach einem Stich seines Vaters

In Der Alchemist warnt Pieter Brueghel der Jüngere den Betrachter vor den Gefahren von Torheit und Gier. 

Das Gemälde stellt einen Alchemisten bei der Arbeit dar, der verzweifelt versucht, Gold zu erschaffen. Neben ihm ist seine Frau zu sehen, die verzweifelt nach mehr Münzen in ihrer Geldbörse sucht. Außerdem ist ein Narr in der Nähe und fächert ein Feuer an: Ein Feuer, das das ganze Vorhaben anheizt.

In der rechten oberen Ecke des Bildes ist die Familie des Alchemisten dargestellt, die um Münzen bettelt. Dies verdeutlicht die letzte Auswirkung ihrer törichten Versuche, Gold herzustellen, ohne es zu verdienen.

Zu der Zeit, als diese Situation im 17. Jahrhundert gemalt wurde, war die Alchemie bereits vollkommen in Verruf geraten. Dieses Werk kann daher als Warnung an die Betrachter jener Zeit verstanden werden, sich von Betrug und Gier zu hüten.

Agnolo Bronzino, Allegorie der Liebe, vor 1550

Agnolo Bronzino, Allegorie der Liebe, vor 1550

Agnolo Bronzino, Allegorie der Liebe, vor 1550

Die Allegorie der Liebe von Agnolo Bronzino zeigt sowohl Venus, die Göttin der Liebe, als auch Amor. Venus wird gezeigt, wie sie in ihrer erhobenen Rechten einen Pfeil der Liebe hält, den sie wohl aus seinem Köcher gezogen hat. Die zwei Personifizierungen der Liebe küssen sich während Amor die Brust und den Kopf der Venus hält. Die erotische Szene wird durch das Taubenpaar am Fuße des Amors aufgegriffen und verstärkt.

Zugleich liegen zwei Masken in der Nähe der Füße der Venus, die die komödiantischen und tragischen Elemente des Lebens darstellen können, die in der liebevollen Vereinigung abgelegt werden.

Über die Kreatur im Hintergrund (unmittelbar unter dem Flügelpaar des Amors), die sich voller Verzweiflung und Wahnsinn die Haare rauft, ist im Laufe der Zeit viel spekuliert wurden. Einige Kunsthistoriker gehen davon aus, dass diese Figur die Eifersucht oder den Neid personifizieren könnte.

Allegorien in der Kunst: Die Erziehung des Achilles, Eugène Delacroix, 1852

Eugène Delacroix, Die Erziehung des Achilles, 1862

Eugène Delacroix, Die Erziehung des Achilles, 1862

Die Erziehung des Achilles von Eugène Delacroix ist ein beeindruckendes Werk der französischen Romantik, in dem ein Motiv aus der griechischen Mythologie aufgegriffen wird.

Eugène Delacroix zeigt in seinem letzten Pastell den jungen Krieger auf dem Rücken des Zentauren Chiron reitend. Chiron zeigt Achilles, wie er mit Pfeil und Bogen umgehen muss, damit aus ihm ein gefährlicher Kämpfer wird.

Das dynamische Pastell verkörpert auf so simple und anschauliche Weise die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler, die schon in der frühen Mythologie eine bedeutende Rolle spielte. Mit seiner Leichtigkeit veranschaulicht das Werk gleichzeitig den Prozess des Lernens und Lehrens als befreienden und erfüllenden Teil des menschlichen Zusammenlebens.