Andy Warhols Marilyn Monroe
GrafikMalerei

Andy Warhols Marilyn Monroe: Entstehung und Interpretation einer Ikone

Foto: Chris Beckett / Flickr / CC BY-NC-ND 2.0

Andy Warhol war zu seinen Lebzeiten immer mit dem Konzept der Prominenz verknüpft. Es wird oft gesagt, dass Andy Warhol die Faszination der globalen Berühmtheit und ihre Auswirkungen auf die heutige Gesellschaft verstanden hat, lange bevor Klatschzeitschriften zur Wirklichkeit wurden.

Noch ausgeprägter war seine Faszination für IT-Girls und berühmte Schauspielerinnen jener Zeit, die er oft in seinen nunmehr zeitlosen Kunstwerken verewigte.

Das Marilyn Monroe Diptychon - seine erste Abbildung der Marilyn - ist Andy Warhols bekanntestes Kunstwerk, das auch nach so vielen Jahren von einer schier unvorstellbaren Faszination umgeben wird.

Hier sehen wir uns die Entstehungsgeschichte des Kunstwerks genauer an. Du erfährst, welche Symbolik sich in der Darstellungsweise verbirgt und wirst erkennen, wieso wir von dem Bild noch immer so angetan sind.

Andy Warhols Marilyn Monroe

Obwohl sich Warhols Frühwerk auf die Vorliebe Amerikas für das konsumorientierte Leben in der Zeit nach dem Krieg konzentrierte, sind Warhols teuerste Werke Arbeiten weiblicher Prominente.

Die bemerkenswertesten Bilder sind sicherlich seine Marilyn Monroe-Porträts, aber Warhol zeigte in seinen Werken auch andere Frauen wie Liza Minelli, Liz Taylor, Debbie Harry und Joan Collins. Im Studio 54, seinerzeit der Künstlerclub schlechthin in Manhattan, fand Warhol viele seiner prominenten Modelle.

So berühmt und für Andy Warhols künstlerische Laufbahn wichtig war allerdings nur eine unter ihnen: Marilyn Monroe.

Andy Warhol Marilyn

Foto: Rocor / Flickr / CC BY-NC 2.0

Andy Warhols Marilyn Monroe verkörperte alles, was Pop Art war. Nicht zuletzt alleine schon deshalb, da Marilyn Monroe eine der größten Ikonen der amerikanischen Populärkultur ihrer Zeit war.

Warhols Darstellungen von den Sternchen der Zeit erkunden die Beziehungen zwischen Konsumgesellschaft, Mode, Ruhm, Sensationslust und dem Tod. Es wird auch angeführt, dass Warhol mit seinem unverwechselbaren Arbeitsstil auf eine Gesellschaft verwies, in der das Individuum eher als bloßes Produkt denn als Mensch angesehen wurde.

Andy Warhol und der Siebdruck

Andy Warhol war eine wichtige Persönlichkeit der Kunstgeschichte. Andy Warhol und seine künstlerischen Leistungen machen es möglich, dass die Welt immer noch von der Pop-Art fasziniert ist. Andy Warhol ist zu einem so bedeutenden Bestandteil der modernen Kunst geworden, dass eines seiner Kunstwerke 2013 bei einer Sotheby's-Auktion für 105 Millionen Dollar versteigert wurde.

Geboren als Sohn slowakischer Einwanderer, hatte Andy keine normale Kindheit. Er litt unter Chorea minor, die eine Vielzahl von medizinischen Problemen verursachte, die Warhol oft zwangen, die Schule zu verlassen. Als Kind war er oft vom Kontakt zu seinen Freunden abgeschnitten und war daher stark von seiner eigenen Umgebung beeinflusst.

Sein Stil wurde immens von den Menschen geprägt, die er im Fernsehen sah.

Die Siebdrucktechnik war ein integraler Bestandteil von Warhols künstlerischem Schaffen. Dabei wird Tinte mit Hilfe von Netzgewebe auf die Leinwand übertragen. Dort wo keine Tinte landen soll, werden die Maschenöffnungen durch Schablonen farbundurchlässig gemacht. Er wiederholte diesen Vorgang mit verschiedenen Farben und Schablonenmustern mehrmals, bis er die Leinwand vollständig ausgefüllt hatte.

Andy Warhol und andere Werbegrafiker nutzten diese Technik gerne, da sie die effektivste Methode zur Herstellung von Massendrucken war, lange bevor es Laserdrucker gab. Der Siebdruck prägte Warhols Stil und Karriere; er verwendete selten ein anderes Medium in seiner Arbeit. Diese Technik wandte er auch bei der Produktion der Marilyn Monroe Drucke an.

Da Prominente wie Liza und Marilyn für Warhol von einer außergewöhnlichen Aura umgeben zu sein schienen, wollte Andy Warhol, dass seine Darstellungen makellos waren. So sieht man bei seinen Frauenporträts nie Augenringe, Akne oder Falten, sondern sie sind stets idealisiert und wunderschön.

Andy Warhol, Liza (Turquoise), 1978

Andy Warhol, Liza (Turquoise), 1978 | Foto: Ali Eminov / Flickr / CC BY-NC 2.0

Die Entstehung des Marilyn Monroe Porträts

Marilyn Monroe war und ist eines der größten Erotiksymbole aller Zeiten. Als sie noch am Leben war, war ihr Privatleben interessanter als ihr Arbeitsleben. Sie war bereits mehrere Male verheiratet und wie viele ihrer Fans war Warhol fasziniert von der Idee populärer Persönlichkeiten wie Monroe, die einen unvorstellbar glamourösen Lebensstil führten und die als Hollywood-Ikonen einen fast mythischen Status erlangt hatten.

Es war reiner Zufall, dass Warhol sich für Marilyn Monroe entschied, um sie in seinen frühesten und wohl berühmtesten Werken der Pop Art abzubilden. Obwohl sie bereits zum Zeitpunkt der Entstehung des Bildes verstorben war, bildeten ihr bekanntes Gesicht und ihr Ruhm eine solide Grundlage für den späteren Erfolg der Drucke von Andy Warhol.

Für sein Marilyn-Porträt porträtierte Warhol die berühmte Filmdarstellerin von einem Werbefoto, das für den 1953 erschienenen Film Niagara aufgenommen wurde. Warhols Marilyn Diptychon entstand aus 2 Leinwänden, auf denen Warhol 50 Mal ein Bild von Monroe siebdruckte.

Seine Marilyn Monroe Serie gestaltete Warhol, indem er die Leinwand zuerst mit verschiedenen Farben bemalte, bevor er das inzwischen berühmte Bild von Marilyn auf der Leinwand abrollte. Das Zusammenspiel zwischen Siebdruck und Malerei führte zu einer dynamischen Oberfläche, die er dann mit einem Spektrum von Farben ausarbeitete.

Dieser Akt des Drucks und der Malerei in mehreren Variationen ermöglichte es Warhol, die Bandbreite der grafischen Möglichkeiten zu erforschen, die dieses einzelne Bild von Marilyn zu bieten hatte. Warhol demonstrierte seinen außergewöhnlichen Einsatz von Farbe durch die Verwendung von Metallicfarben, die in der zeitgenössischen Kunst nicht üblich waren, was dem Bild zusätzlich zur Differenzierung verhalf.

Bedeutung und Interpretation von Andy Warhols Marilyn Monroe Porträt

Die fünf Reihen des Diptychons ähneln den filmartigen Streifen, die ihren Status als Ikone der Filmindustrie bestätigen. Die Wiederholung ihres Bildes symbolisierte die Massenproduktion, wohingegen das Dyptichon bis zur byzantinischen Kunst zurückreicht, in der Heiligendarstellungen oft als Paarbilder nebeneinander gemalt wurden. So gesehen erhebt Warhol Marilyn Monroe Status als Medienikone, hin zu einer beinahe heiligen Figur, die von ihren Fans angehimmelt wird.

Die Frauenporträts gehören zu den eindrucksvollsten von Warhol und machen einen beträchtlichen Teil seines Werkes aus. Viele bewerten seine Serien von weiblichen Promi-Porträts als oberflächlich, weil er den Schwerpunkt auf die Lippen, Haare und Lidschatten seiner Modelle gelegt hat, auch wenn sie alles andere als das sind.

Obwohl er von ihren Karrieren zutiefst fasziniert war, interessierte sich Warhol auch für die Sorgen und Probleme, die diese Frauen hinter ihrem malerischen Lächeln verbargen. Warhol schuf seine Marilyn-Serie nur zwei Wochen, nachdem sie Selbstmord begangen hatte. In seinem anderen Stück wurde Liz Taylor abgebildet, als sie schwer krank war. Seine Arbeiten "Red Jackie" und "Blue Jackie" sind kurz nach der Ermordung JFKS sowie nach der Beerdigung entstanden.

Andy Warhol, Red Jackie, 1964

Andy Warhol, Red Jackie, 1964 | Foto: CameliaTWU / Flickr / CC BY-NC-ND 2.0

Warhols Kunst erinnert daran, dass hinter all dem Ruhm und Glamour eine echte Person steckt. Vielleicht wollte er der Welt zeigen, dass diese berühmten Frauen normale Menschen waren, die trotz ihrer Berühmtheit Schmerzen und Leiden erlebten.

Man kann auch sagen, dass dieses Diptychon sowohl eine Huldigung als auch eine Satire auf die menschliche Besessenheit von Materialismus und Ruhm ist. Es war sowohl eine Anbetung der Dargestellten als auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Kultur ihrer Zeit. Gleichzeitig benutzte Warhol das Porträt der Marilyn Monroe auch, um sich selbst zu kritisieren, da auch er vom Ruhm und der Berühmtheit besessen war - schon seit seines Kindesalters.

Obwohl er während seiner gesamten Karriere darauf bedacht war, seinen Glauben zu verstecken, wird vermutet, dass das Marilyn Monroe-Diptychon auch ausdrücklich religiös war: Marilyn Monroe erscheint auf der Leinwand als übermenschlich und ist fast heilig. Marilyn wurde daher verwendet, um eine Märtyrerin zu vertreten, die bis heute unverändert und makellos geblieben ist, auch wenn die Moral der modernen Gesellschaft fortschreitend verfällt.

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