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Audrey Flack – Biografie einer der prägendsten Künstlerinnen des Fotorealismus

Katharina von Braganza Skulptur in Lissabon, nach Modell von Audrey FlackKatharina von Braganza Skulptur in Lissabon, nach Modell von Audrey Flack | Foto: Peter Burka / Flickr / CC BY-SA 2.0

Audrey Flack, geboren am 30. Mai 1931, ist eine amerikanische Künstlerin. Ihre Arbeiten, vor allem in der Malerei und Skulptur, haben sie an die Spitze der Pop-Art und des Fotorealismus gebracht.

Frühes Leben und künstlerische Ausbildung

Flack wurde 1931 in New York City im nördlichen Bezirk von Manhattan in Washington Heights geboren. Als Teenager besuchte sie eine öffentliche Kunsthochschule, die High School of Music and Art. Ihre formale Kunstausbildung begann im Jahr 1948, als sie ihr Studium an der New Yorker Cooper Union begann. Flack blieb dort bis 1951 und wurde dann in Yale aufgenommen, was vor allem dem Einfluss des deutsch-amerikanischen Künstlers Josef Albers (der damals die Abteilung der Kunst an der Uni leitete) zu verdanken war.

Während ihrer Zeit in Yale entwickelte Flack ihren eigenen Stil weiter, indem sie von ihren Lehrern und Mentoren beeinflusst wurde. Ihr Frühwerk zeigte vor allem einen abstrakt-expressionistischen Stil, der Albers' Werk ähnelt. Flack schloss 1952 mit dem Bachelor of Fine Arts ab. Im folgenden Jahr kehrte sie nach New York zurück und studierte ein Jahr lang Kunstgeschichte am Institute of Fine Arts der New York University.

Von der Abstraktion zum Realismus

Zu Beginn war Flacks Arbeit in den 1950er Jahren ein klarer Ableger ihrer Ausbildung bei abstrakten Expressionisten. Sie betonte auch die Kitschigkeit auf eine selbstbewusste, ironische Weise. Im Laufe der Zeit begann sie zu spüren, dass der abstrakte expressionistische Stil, den sie einsetzte, nicht das erreichte, was ihrer Meinung nach ein wichtiges Ziel war: die Kommunikation mit dem Publikum. Aus diesem Wunsch heraus, Kunst zu schaffen, die für den Betrachter verständlicher ist, begann Flack, sich in Richtung des Realismus zu orientieren.

Sie schrieb sich in der Art Students League (ASL) ein, wo sie unter der Leitung von Robert Beverly Hale Anatomie studierte, und begann, sich von Künstlern aus vergangenen Epochen inspirieren zu lassen.

Ihr Werk begann sich in der Tendenz des Nouveau Réalisme zu etablieren und verlagerte sich schließlich in den Fotorealismus, in dem ein Künstler versucht, ein aufgenommenes Bild so realistisch wie möglich in einem anderen Medium zu reproduzieren.

Flack war eine der ersten Studentinnen an der ASL, die sich dem Fotorealismus verschrieben hat und Fotos als Referenz für ihre Arbeit verwendete. Der Fotorealismus ist in vielerlei Hinsicht ein Schwestergenre der Pop-Art: Er stellt alltägliche, banale Gegenstände dar, oft als Stillleben, die den Realismus der Fotografie so genau wie möglich nachahmen. 

1966 war Flack die erste fotorealistische Malerin, deren Werke im Museum of Modern Art ausgestellt wurden.

Marilyn

Erhöhter Einfluss

In einigen Fällen ging Flacks Werk an den typischen Stillleben vorbei und stellte historische Ereignisse dar. Eines ihrer berühmtesten Werke ist Kennedy Motorcade, 22. November 1963, das eine Szene der Ermordung von Präsident John F. Kennedy darstellt. Ihre historischen Gemälde, darunter auch ihre Vanitas-Arbeiten, zeigten oft einen gesellschaftspolitischen Kommentar. 

Auch ihre Stilllebenmalerei tat dies häufig. So waren ihre Gemälde mit weiblich gekennzeichneten Gegenständen wie Make-up und Parfümflaschen tendenziell mit einem gewissen Kommentar zu Geschlechterrollen und -konstrukten verbunden.

In den frühen 1970er Jahren entwickelte Flack eine neue Technik für ihre Bilder. Anstatt nur ein Foto als Referenz zu verwenden, projizierte sie das Bild als Dia auf die Leinwand und entwickelte dann eine Airbrush-Technik, um die Farbschichten zu erzeugen. In den 1970er Jahren malt Flack auch ihre Vanitas-Serie, die sich mit Schmuck und Szenen aus Konzentrationslagern des Zweiten Weltkriegs beschäftigt.

In den 1980er Jahren hatte Flack jedoch ihr Hauptmedium von der Malerei auf die Skulptur verlagert. Sie ist völlig autodidaktisch in Bildhauerei, im Gegensatz zu ihrer bedeutenden formalen Ausbildung in Malerei.

Howard H. Baker Jr. Federal Courthouse

Es gibt auch andere wesentliche Unterschiede in ihren skulpturalen Arbeiten gegenüber ihren Gemälden. Wo sich ihre Gemälde beispielsweise auf gewöhnliche Objekte oder historische Szenen konzentrierten, neigen ihre Skulpturen dazu, religiöse und mythologische Themen darzustellen. Meistens sind Frauen in ihren Skulpturen zu sehen, die etwas idealisierte, aber unvollkommene und vielgestaltige Variationen der weiblichen Form darstellen.

Zeitgenössische Arbeit

In den 90er und 2000er Jahren erhielt Flack ein beachtliches Auftragsvolumen. Einmal wurde sie beauftragt, eine Statue der Katharina von Braganza, der britischen Königin, nach der der Bezirk Queens in NYC benannt wurde, zu schaffen. Das Projekt stieß auf mehrere Einwände und wurde nie abgeschlossen. In jüngster Zeit wurden ihre Statuen Recording Angel und Colossal Head of Daphne von der Stadt Nashville, Tennessee, in Auftrag gegeben und dort installiert.

In den letzten Jahren ist Flack zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Sie empfand die fotorealistische Bewegung als limitierend und wechselte zurück zu barocken Einflüssen. Sie schrieb 1986 ein Buch, in dem sie ihre Gedanken über Kunst zusammenfasste und schreibt, was es bedeutet, Künstlerin zu sein. 

Derzeit ist sie Honorarprofessorin an der George Washington University und Gastprofessorin an der University of Pennsylvania.