Skulptur

Auguste Rodin – Biografie, Lebenslauf und bekannte Werke

Auguste Rodin

Auguste Rodin wurde am 12. November 1840 in Paris geboren. Als Bildhauer hatte er einen großen Einfluss auf die moderne Kunst. Anders als viele berühmte Künstler etablierte sich Rodins außergewöhnlicher Ruf erst im mittleren Alter, doch überdauerte er seinen Tod und beeinflusst auch heute noch Künstler auf der ganzen Welt.

Rodins anhaltende Popularität zeigt sich in den zahlreichen Abgüssen seiner Skulpturen, die auch nach seinem Tod noch angefertigt wurden und heute in vielen der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt zu finden sind.

Kernideen von und zu Auguste Rodin

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    Rodin löste viele der Referenzierungen zum klassischen Mythos auf, die der akademischen Bildhauerei im späten 19. Jahrhundert noch anhafteten. Er legte eine neue Betonung auf die Einfachheit der menschlichen Gegenwart. Statt Götter oder Musen darzustellen, schuf er lebensechte Figuren in einer ausgesprochen modernen Haltung der Liebe, der Nachdenklichkeit und der stolzen Körperlichkeit.
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    Rodins Errungenschaft als Bildhauer bestand vor allem darin, einen Weg zu finden, die brachiale Materialität der Skulptur mit dem Ausdruck der flüchtigen Bewegungsfreiheit des modernen Menschen zu kombinieren. Um dies zu erreichen, gab er die idealisierten Figuren der akademischen Bildhauerei auf und schuf rauere, unfertige Oberflächen, die Unruhe, Körperlichkeit und Bewegung besser zum Ausdruck brachten.

Biografie von Auguste Rodin

Kindheit

Auguste Rodin wurde am 12. November 1840 in einer ärmlichen Gegend des fünften Pariser Arrondissements als Sohn von Jean-Baptiste Rodin, einem Angestellten im örtlichen Polizeirevier, und Marie Cheffer geboren.

Trotz Jean-Baptistes bescheidenem Einkommen versuchten die Eltern, für eine bürgerliche Erziehung zu sorgen, indem sie Auguste in ein Internat in Beauvais schickten. Er war kein erfolgreicher Schüler, was vielleicht teilweise auf seine Kurzsichtigkeit zurückzuführen ist.

Im Alter von 13 Jahren entschied er sich für eine künstlerische Laufbahn und besuchte die École Spéciale de Dessin et de Mathematiques, die Jungen in den dekorativen Künsten ausbildete

Frühwerk

Nach einem dreijährigen Studium der Zeichenkunst und Bildhauerei bewarb sich Rodin an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris. Während er den Aufnahmetest in der Zeichnung bestand, scheiterte er dreimal im Bereich der Bildhauerei.

Sein Streben nach mehr Realismus passte höchstwahrscheinlich nicht zum akademischen Stil der Hochschule. Nach der dritten Ablehnung gab Rodin die Bewerbung im Alter von 19 Jahren auf und fing an, in Gipswerkstätten zu arbeiten, um dort architektonische Ornamente zu schaffen.

Obwohl er nicht gerne für andere arbeitete, ermöglichten ihm diese Werkstätten ein spärliches Einkommen für die nächsten 20 Jahre. In seiner Freizeit fertigte er weiterhin Skulpturen an, darunter eine Porträtbüste mit dem Titel Mann mit gebrochener Nase (1863-64). Er hielt sie für herausragend schön und reichte sie 1864 beim Pariser Salon ein, wo sie allerdings abgelehnt und nicht ausgestellt wurde.

Mann mit gebrochener Nase

1866 lernte Rodin Rose Beuret kennen, die trotz seiner zahlreichen Affären seine Lebensgefährtin blieb. Im selben Jahr bekamen sie einen Sohn, Auguste-Eugene Beuret, den Rodin allerdings nie rechtlich anerkannte.

Beruflich fand Rodin um diese Zeit in der Werkstatt von Albert-Ernest Carrier-Belleuse wirtschaftlich auskömmlichere Aufträge. Seine Arbeit wurde im Jahr 1870 durch den Deutsch-Französischen Krieg unterbrochen. Rodin diente als Offizier, bis die Franzosen 1871 kapitulierten, und folgte dann Carrier-Belleuse nach Brüssel.

Mittleres Werk

1875 reiste Rodin nach Florenz, um die Kunst von Michelangelo bewundern zu können. Als er nach Brüssel zurückgekehrt war, schuf er eine lebensgroße Skulptur eines jungen Offiziers, die er Das eherne Zeitalter (1876) betitelte.

Der Salon von Paris nahm das Werk 1877 an, doch wurden Zweifel an seiner Authentizität geäußert. Er wurde beschuldigt, einen Guss direkt vom Körper des Modells angefertigt zu haben.

Auguste Rodin, Das eherne Zeitalter

Foto: Daniel Ullrich / Wikipedia

Obwohl Rodins Proteste von den meisten Kritikern nicht anerkannt wurden, wurde das Werk im Auftrag des Ministerialdirektors des Ministeriums für Schöne Künste in Frankreich erworben. Edmond Turquet beauftragte Rodin im Anschluss mit der Schaffung eines monumentalen Bronzetors für ein geplantes Kunstgewerbemuseum. Dieses Projekt wurde zu Rodins wahrscheinlich bedeutendstem Werk, obwohl das geplante Museum nicht realisiert wurde und das gesamt Höllentor auch erst nach Rodins Tod gegossen wurde.

Die Jahre, in denen Rodin am Höllentor arbeitete, fielen mit seiner Begegnung mit Camille Claudel zusammen. Die junge Bildhauerin, die 1884 als Assistentin in sein Atelier kam, hatte eine turbulente Affäre mit Rodin, die bis 1892 andauerte, obwohl sie sich noch bis 1898 sahen. Während ihrer gemeinsamen Zeit schuf Rodin mehrere erotische Skulpturen von Liebespaaren. Claudel trennte sich von Rodin, als klar wurde, dass er Rose nicht verlassen würde, um sie zu heiraten.

1889 fand in Paris die Hundertjahrfeier der Französischen Revolution statt, die Exposition Universelle. Zu diesem Anlass präsentierte Rodin zusammen mit Claude Monet 36 Werke in der Galerie von Georges Petit. Fast alle davon waren einzelne Figuren und Kompositionen aus dem Höllentor. Nach dieser großen Ausstellung ist ein stilistischer Bruch in Rodins Werk zu erkennen. Er wurde spontaner und lockerer. Seine Zeichnungen der weiblichen Form wurden vereinfacht und abstrahiert, während die Skulpturen oft unvollendet blieben.

Spätwerk und Tod

Bis 1899 hatte Rodin eine große Werkstatt mit mehreren Assistenten aufgebaut. Seine Arbeit verursachte allerdings weiterhin viele Kontroversen. Rodins Die Bürger von Calais (1889) wurden von den Auftraggebern beinahe zurückgewiesen, weil sie die Helden der Stadt als niedergeschlagene Opfer darstellten.

Auguste Rodin, Die Bürger von Calais, Kopenhagen

Foto: Wolfgang Sauber / Wikipedia

Mehrere Ausstellungen um die Jahrhundertwende brachten ihm weltweites Ansehen. So stellte er 1899 in Belgien und Holland aus und erhielt 1900 in Paris seine erste Retrospektive. Weitere Ausstellungen fanden in Prag, New York und auch in Deutschland statt.

1908 zog Rodin in das Hotel Biron, wo er mit anderen berühmten Mietern wie Isadora Duncan, Rainer Maria Rilke und Henri Matisse unter guter künstlerischer Gesellschaft war.

Das Hotel wurde zu seinem neuen Atelier und zum Ausgangspunkt seiner Affäre mit der Marquise Claire de Choiseul. Sie übte sieben Jahre lang großen Einfluss auf sein Leben und den Verkauf seiner Werke aus, bis sie des Diebstahls einer Kiste mit Zeichnungen beschuldigt wurde.

Wegen ihrer Intrigen ermutigten Freunde Auguste Rodin, Rose Beuret im Januar 1917 zu heiraten. Rose starb zwei Wochen nach der Hochzeit und Auguste verstarb am 17. November desselben Jahres.


Das Vermächtnis von Auguste Rodin

Vor Rodins Tod vermachte er alle seine Zeichnungen, Skulpturen und Aufzeichnungen dem französischen Staat, um im Hotel Biron in Meudon ein Museum zu errichten. Doch auch ohne ein nationales Museum hätten seine Skulpturen und Zeichnungen einen großen Einfluss auf die jüngeren Künstler gehabt.

Henri Matisse wurde von der Spontanität seiner Zeichnungen beeinflusst, während Kubisten und Futuristen von seinem Bewegungssinn und der Fragmentierung seiner menschlichen Formen fasziniert waren. Während Rodins Ansehen in den Jahrzehnten unmittelbar nach seinem Tod abnahm, legten seine Rebellion gegen akademische Standards und sein expressiver Ausdruck der menschlichen Form den Keim für eine neue französische Bildhauerei.

Heute besitzt fast jedes große Kunstmuseum einen Abguss einer seiner Skulpturen. Regelmäßig finden Ausstellungen seiner Werke statt, was Rodin zu einem der bekanntesten Künstler des letzten Jahrhunderts gemacht hat.


Bedeutende Kunstwerke von Auguste Rodin

Das eherne Zeitalter

Auguste Rodin, Das eherne Zeitalter

Foto: Daniel Ullrich / Wikipedia

Ein junger Offizier war das Modell für diese Skulptur, die den ersten großen skandalösen Erfolg in Rodins Karriere darstellte. Die Komposition und die raue Oberfläche der Figur waren für akademische Verhältnisse überaus unkonventionell. Auch das eigentliche Thema bleibt verschlüsselt. Der Titel deutet nur vage auf die klassische Kunst hin und löste bei den Kritikern Verwirrung aus.

Doch die wesentlich Kontroverse drehte sich letztlich um die Behauptungen, dass das Werk ein direkter Abguss des Körpers und nicht eine modellierte Skulptur sei. Die Behauptungen zeugten von Rodins technischen Fähigkeiten, obwohl die Unterstellung, er habe betrogen, den Bildhauer zutiefst beleidigte, der die Behauptung mit Fotos seines Modells widerlegen konnte.

Das Höllentör

Das Höllentor Rodin

Foto: Roland zh / Wikipedia / CC BY-SA 4.0

Rodin arbeitete über zwanzig Jahre lang an diesem gigantischen Projekt. Es wurde 1880 für das geplante Kunstgewerbemuseum in Paris in Auftrag gegeben, aber das Museum wurde nie verwirklicht. Es wird vermutet, dass Rodin sich bei der Thematik auf Dantes Inferno stützte.

Es war ein bewusster Versuch, mit Lorenzo Ghibertis berühmten Bronzetüren für das Baptisterium der Kathedrale von Florenz zu konkurrieren, von denen oft behauptet wird, dass sie die Renaissance auslösten. Als die Pläne für das Museum abgesagt wurden, ließ Rodins Drang zur Fertigstellung der Skulptur nach, und die Arbeit zog sich in die Länge.

Im Jahr 1900 stellte er eine Gipsfassung der Skulptur in Paris aus, aber erst 1925, acht Jahre nach seinem Tod, entstanden zwei Bronzegüsse.

Der Denker

Der Denker von Auguste Rodin

Foto: Yuliia Myroniuk / Shutterstock

Obwohl Das Höllentor zu Rodins Lebzeiten nie fertiggestellt wurde, inspirierte seine Arbeit an dem Projekt doch viele andere fertige Werke, und Der Denker ist das berühmteste Beispiel.

Dabei handelt es sich um eine Auskopplung von einer Figur an der Spitze der Skulptur ab, die mit Melancholie auf die höllischen Szenen unter ihm blickt. Obwohl die sitzende Figur tief in Gedanken versunken ist, verleiht ihm die dynamische Pose ein Gefühl von Bewegung.

Auf den ersten Blick erscheint die Pose natürlich, aber in Wirklichkeit ist der rechte Arm des Mannes auf dem linken Knie in übertriebener Weise verdreht. Von dieser Skulptur wurden über fünfzig Abgüsse angefertigt, die heute in der ganzen Welt verstreut sind.