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Bauhaus – Die Geschichte des Staatlichen Bauhaus und die mit ihm assoziierte Kunstauffassung

Bauhaus Titelbild

Das Staatliche Bauhaus war die wohl einflussreichste Kunstschule der Moderne. Die Lehrmethoden und die Beziehung zwischen Kunst, Gesellschaft und Technologie hatten sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten einen großen Einfluss, lange nachdem die Lehrinstitution 1933 unter dem Druck der NSDAP geschlossen worden war.

Das Bauhaus wurde von künstlerischen Richtungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts beeinflusst. Strömungen wie die Arts and Crafts-Bewegung oder der Jugendstil mit seinen vielen internationalen Ausprägungen hatten einen maßgeblichen Einfluss auf den Stil, den man später sinnbildlich mit dem Begriff "Bauhaus" verknüpfte.

Alle diese Bewegungen versuchten, die Unterscheidung zwischen den bildenden und angewandten Künsten zu ebnen. Mitte der 1920er Jahre wich diese Vision jedoch einer Betonung der Vereinigung von Kunst und Industriedesign, was letztlich zu den wichtigsten Errungenschaften des Bauhaus führte.

Die Schule ist auch für ihre außergewöhnliche Fakultät mit zahlreichen bemerkenswerten Dozenten bekannt, die nach der Schließung des Lehrbetriebs die Entwicklung der modernen Kunst in ganz Europa und den Vereinigten Staaten anführten.


Kernideen & Errungenschaften

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    Die Ursprünge des Bauhaus reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück, als Ängste vor der Seelenlosigkeit der modernen Fertigung und dem Verlust der gesellschaftlichen Relevanz der Kunst aufkamen. Das Bauhaus zielte darauf ab, bildende Kunst und funktionales Design wieder zu vereinen, indem es Gebrauchsgegenstände mit einer künstlerischen Geisteshaltung schuf.
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    Obwohl das Bauhaus viele Aspekte der traditionellen Ausbildung in der bildenden Kunst aufgab, beschäftigte es sich intensiv mit intellektuellen und theoretischen Ansätzen zu diesem Thema. Verschiedene Aspekte der Kunst- und Designausbildung wurden zusammengeführt und die seit der Renaissance bestehende Hierarchie der Künste wurde geebnet: Das praktische Handwerk (Architektur, Innenarchitektur, Textil- und Holzarbeiten) wurde den bildenden Künsten wie Bildhauerei und Malerei gleichgestellt.
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    Bei der gleichberechtigten Betonung der bildenden Kunst und des Handwerks ist es nicht verwunderlich, dass viele der einflussreichsten und nachhaltigsten Leistungen des Bauhauses in anderen Bereichen als der Malerei und Bildhauerei erbracht wurden. Die Möbel- und Geräteentwürfe von Marcel Breuer und Marianne Brandt ebneten den Weg für den stilvollen Minimalismus der 1950er-60er Jahre, während Architekten wie Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe als Wegbereiter des ähnlich schnittigen Internationalen Stils anerkannt wurden.
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    Die Betonung von Experimentierfreudigkeit und Problemlösung, die den Lehransatz des Bauhauses prägte, hat sich als enorm einflussreich für die zeitgenössische Kunstausbildung erwiesen. Sie führte zu einem Umdenken der "Bildenden Kunst" und zu einer Neukonzeption des Kunstschaffens, das eher einer Forschungswissenschaft als einem geisteswissenschaftlichen Fach gleicht.

Entstehung und Eigenschaften des Bauhauses

Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar vom Architekten Walter Gropius ins Leben gerufen. Er hatte 1915 die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule Weimar übernommen, aus deren Zusammenschluss mit der Weimarer Akademie der bildenden Künste vier Jahre später das Staatliche Bauhaus zu Weimar entstand.

 

Konzeptionell ging das Bauhaus aus dem Wunsch des späten 19. Jahrhunderts hervor, bildende und angewandte Kunst zu vereinen, die Technologisierung der Kreativität zurückzuweisen und die Kunstausbildung zu reformieren.

Zugleich schuf die Entwicklung des russischen Konstruktivismus in den 1910er Jahren einen unmittelbaren und stilistisch passenden Präzedenzfall für die Verschmelzung von künstlerischer und technischer Gestaltung am Bauhaus.

Gropius forderte von der Schule einen neuen Respekt vor dem Handwerk und der angewandten Kunst und schlug eine Rückkehr zu der Haltung, die das Mittelalter geprägt hatte. Er stellte sich vor, dass das Bauhaus die Gesamtheit der künstlerischen Medien, einschließlich der bildenden Kunst, des Industriedesigns, des Grafikdesigns, der Typografie, der Innenarchitektur und der Architektur, umfassen sollte.

Der Lehrplan am Bauhaus

Lehrplan des Bauhaus

Foto: SuperManu / Wikipedia

Im Mittelpunkt der Lehrweis der Kunstschule stand ihr einflussreicher Lehrplan.

Dieser wurde von Gropius als ein aus konzentrischen Ringen bestehendes Konzept aufgesetzt, wobei der äußere Ring den Vorkurs darstellte, einen von Johannes Itten initiierten sechsmonatigen Grundlagenkurs, der sich auf die elementaren Aspekte des Designs konzentrierte, insbesondere auf die kontrastierenden Eigenschaften verschiedener Formen, Farben und Materialien. 

Die beiden mittleren Ringe stellten die dreijährigen Zwischenkurse dar. Die Formlehre, die sich auf die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Werkstoffen konzentrierte, und die Material- und Werkzeuglehre, die sich an handwerklichen und technischen Fertigkeiten orientierte, waren die prägenden Elemente dieser Ausbildungsperiode.

In diesen Kursen lag der Schwerpunkt auf dem Funktionalismus, insbesondere auf der Verwendung einfacher geometrischer Formen, die leicht reproduziert werden konnten, was zu einem konzeptuellen Dreh- und Angelpunkt der modernen Architektur und des Designs in den kommenden Jahrzehnten wurde.

Im Mittelpunkt des Kurskonzepts standen Kurse, die sich auf den Bau spezialisierten und den Studenten die Grundlagen von Architekturentwürfen, des Ingenieurwesens und des Bauwesens lehrten, allerdings mit dem Schwerpunkt auf persönlichem Handwerk und handwerklichem Können, das in modernen Bauprozessen verloren galt. 

 
 

Hinweis: Ein Hauptziel des pädagogischen Ansatzes, der sich durch alle Kurse zog, war die Beseitigung von Konkurrenztendenzen, um nicht nur die individuelle Kreativität, sondern auch den Gemeinschaftssinn und die Erreichung eines gemeinsamen Ziels zu fördern.

Die Qualität der Dozenten in der Fakultät

Verantwortlich für die Gestaltung und Durchführung dieses Programms waren die begabten Lehrkräfte, die Gropius nach Weimar geholt hatte.

Die Maler Johannes Itten und Lyonel Feininger sowie der Bildhauer Gerhard Marcks gehörten zu den ersten Ernennungen von Gropius.

Itten war für das frühe Selbstverständnis der Schule besonders wichtig: Mit seinem Hintergrund im Expressionismus war er für einen Großteil der anfänglichen Betonung des mittelalterlichen Romantizismus verantwortlich, die das Bauhaus prägte, insbesondere für den von ihm entworfenen Vorkurs.

Berühmt für seine expressionistischen und esoterischen Tendenzen stand er allerdings im Widerspruch zu Gropius' wissenschaftlich ausgerichteter Herangehensweise, weshalb die beiden schnell in Konflikt miteinander gerieten.

1923 hatte sich Itten vom Bauhaus abgewandt, an dessen Position László Moholy-Nagy trat. Moholy-Nagy gestaltete den Vorkurs zu einem Programm um, das die Technologie und die soziale Funktion der Kunst umfasste. Dennoch behielt das Bauhaus in der kurzen Zeit des Bestehens die ästhetischen Einflüssen bei. 

Obwohl Persönlichkeiten wie Moholy-Nagy heute bis zu einem gewissen Grad mit dem technologischen Ethos des Konstruktivismus in Verbindung gebracht werden, gehörten zu den anderen wichtigen frühen Ernennungen expressionistisch beeinflusste Maler wie Wassily Kandinsky und Paul Klee.

Das Bauhaus in Dessau

Bauhaus Dessau

1925 siedelte das Bauhaus in die Industriestadt Dessau über und leitete damit seine produktivste Zeit ein. Gropius entwarf ein neues Gebäude für die Schule, das seither als Wahrzeichen der modernen, funktionsorientierten Architektur gilt. 

Hier schuf die Schule endlich eine Abteilung für Architektur, die in ihrer bisherigen Zusammensetzung gefehlt hatte. Doch schon 1928 war Gropius durch seine Arbeit und durch die zunehmenden Auseinandersetzungen mit den Kritikern der Schule abgearbeitet.

Er trat zurück und übergab die Leitung an den Schweizer Architekten Hannes Meyer. 

Meyer, der die Architekturabteilung leitete, war ein überzeugter Kommunist und brachte seine politischen Ideen in Studierendenorganisationen und Lehrplangestaltungen ein. Die Schule wurde immer einflussreicher, aber die Kritik an Meyers Marxismus wuchs, woraufhin er 1930 als Direktor entlassen wurde. Nachdem die Kommunalwahlen 1932 die Nationalsozialisten in Dessau an die Macht gebracht hatten, wurde die Schule erneut geschlossen und verlegt, diesmal nach Berlin, wo sie das letzte Jahr ihres Bestehens erleben sollte.

In Berlin bestand das Bauhaus kurzzeitig unter der Leitung des Architekten Ludwig Mies van der Rohe, der später wie Gropius mit dem so genannten Internationalen Stil in Verbindung gebracht wurde. Mies van der Rohe standen allerdings weitaus geringere Mittel als seinen Vorgängern zur Verfügung. 

Auch hatten zu dieser Zeit bereits einige der bedeutendsten Lehrpersonen die Organisation verlassen. Er versuchte, die Politik aus dem Lehrplan der Schule zu streichen, wobei dieses Anliegen erfolglos blieb, als die NSDAP 1933 auf nationaler Ebene an die Macht kam. Das Bauhaus wurde unter enormem politischen Druck auf unbestimmte Zeit geschlossen.


Entwicklungen nach dem Bauhaus

In den Jahrzehnten nach der Schließung waren viele ehemalige Fakultätsmitgliedern gezwungen, aus Europa zu fliehen, als sich die Auswirkungen des Faschismus zunehmende bemerkbar machten.

Nach seiner Übersiedlung in die Vereinigten Staaten 1937 lehrte Gropius an der Graduate School of Design der Harvard University und galt als entscheidend für die Einführung der Architektur des Internationalen Stils in den USA. 

Das gleiche gilt für Mies van der Rohe, der im selben Jahr wie Gropius in die USA kam und Direktor des College of Architecture, Planning, and Design am Illinois Institute of Technology wurde.

Vier Jahre zuvor war Josef Albers zum Leiter des Malprogramms am legendären Black Mountain College in North Carolina ernannt worden, wo er später weltbekannte Schüler wie Robert Rauschenberg und Cy Twombly ausbildete.

Nach seiner Flucht aus Deutschland im Jahr 1933 gründete László Moholy-Nagy das spätere Institute of Design in Chicago.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit der Gründung der Hochschule für Gestaltung in Ulm 1953 auch das bundesweite Erbe des Bauhauses aufgefrischt. Diese Schule war in vielerlei Hinsicht die geistige Nachfolgerin des Bauhauses, zu deren erstem Rektor der ehemalige Bauhaus-Schüler Max Bill ernannt wurde.

Bill, Moholy-Nagy und Albers waren besonders wichtig für die Anpassung der Bauhaus-Philosophie an eine neue Zeit: Moholy-Nagy und Albers gestalteten sie zu einer modernen Forschungsuniversität um, die sich besser für eine marktorientierte Kultur eignet, während Bill eine bedeutende Rolle bei der weltweiten Verbreitung der geometrischen Abstraktion in Form der Konkreten Kunst, einer Nachfolgebewegung des Konstruktivismus, spielte.


Ausprägungen und Stile des Bauhaus

Der Stil des Bauhauses wird gemeinhin als eine Kombination der Arts and Crafts-Bewegung mit der Moderne charakterisiert, was sich in der Betonung der Funktion eines Objekts zeigt.

Typische Bauhaus-Entwürfe - ob in Malerei, Architektur oder Innenarchitektur - zeichnen sich daher durch wenig Verzierung und eine Konzentration auf ausgeglichene Formen und abstrahierte Formen aus.

Die vom Bauhaus inspirierte Kunst

Hauptweg und Nebenwege Paul Klee

Paul Klee, Hauptweg und Nebenwege, 1928

In der Kunst zeigt sich diese Betonung der Funktion in den ausgewogenen Kompositionen der abstrakten Gemälde von Künstlers wie Wassily Kandinsky und Paul Klee. Zweifellos von der Architektur inspiriert, verbinden die Gemälde typischerweise ebene Flächen mit sich überlappenden Formen, um Dimensionalität anzudeuten.

Neben Gemälden schufen die Künstler häufig abstrakte Skulpturen, avantgardistische Collagen und moderne Plakate mit gewagter Typografie und auffälligen Farbblöcken.

Merkmale der Bauhaus-Architektur

Bauhaus Architektur

Foto: Adrian be / Flickr

Ähnlich wie die Kunst des Bauhauses zeichnet sich die Architektur in diesem Stil durch harmonisch ausgewogene geometrische Formen und eine Betonung der Funktion aus.

Mit einer Fokussierung auf offenen Räumlichkeiten und viel Glas ist es inspiriert vom einfachen, aber dennoch ausgefeilten Look der amerikanischen "Arts and Crafts"-Bewegung.

Darüber hinaus inspirierte diese moderne Architekturrichtung stark das Aussehen moderner Häuser in der Mitte des 20. Jahrhunderts, die die klaren Linien und das funktionale Design der Bauhaus-Entwürfe aufgreifen.

Innenarchitektur

Bauhaus Innenarchitektur

Foto: Jan Uy / Flickr

Die Innenräume nach den Idealen des Bauhaus sind für ihre Schlichtheit und Offenheit bekannt. Sie sind nur minimal mit ikonenhaften Möbeln und unkomplizierten Akzenten geschmückt und spiegeln ihre äußere Formbetonung perfekt wider.

Lehrplan des Bauhaus

Foto: Dibe / Wikipedia / Freischwinger von Marcel Breuer