Malerei

Berthe Morisot – Wie sie zur ersten impressionistischen Malerin wurde

Berthe Morisot, Selbstportrait, 1895Berthe Morisot, Selbstportrait, 1895

Als Impulsgeber der modernen Kunst ist es nicht verwunderlich, dass der Impressionismus auch heute noch als eine der innovativsten Bewegungen der Kunstgeschichte gilt. Impressionisten sind für ihre fortschrittliche Pinselführung und ihr Interesse an flüchtigen Eindrücken bekannt, die sie in ihrer Malerei zum Ausdruck bringen. Neben diesen grundlegenden technischen Entwicklungen war der Impressionismus aus einem weiteren Grund wegweisend: Die Einbeziehung und Anerkennung von weiblichen Künstlerinnen als mitwirkende Persönlichkeiten der Bewegung.

Obwohl die Bewegung in ihren Ausprägungen noch immer von Männern entscheidend geleitet wurde, konnten sich gleich mehrere Künstlerinnen einen Namen in der Szene machen. Vor allem zum Ende des 19. Jahrhunderts, in der Zeit des Fin de Siecle, stiegen Künstlerinnen wie Mary Cassatt und Berthe Morisot auch außerhalb der Pariser Szene als wichtige Persönlichkeiten des Impressionismus auf.

Künstlerischer Hintergrund

Berthe Morisot wurde 1841 in Bourges, einer Stadt im geografischen Zentrum Frankreichs geboren. Im Alter von 11 Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Paris, wo sie wie viele andere wohlhabende Mädchen privaten Kunstunterricht bei Joseph Guichard erhielt. Neben der Ausbildung ihrer technischen Malfertigkeit half der beliebte Privatdozent Berthe Morisot dabei, in die Pariser Kunstszene vorzudringen. Guichard war es, der die junge Künstlerin mit bekannten Persönlichkeiten der Pariser Kunstszene bekannt machte. So stellte er Morisot unter anderem Jean-Baptiste-Camille Corot und Édouard Manet vor, dessen Bruder Eugène sie später heiraten würde.

Die Künstlerin lernte während ihrer umfangreichen Studien im Louvre zu Beginn der 1860er Jahre auch eigenständig eine Reihe anderer aufstrebender Künstler kennen. Mitte der 1860er Jahre war Morisot bereits fester Bestandteil eines aufstrebenden Künstlerkreises in Paris.

Während Morisot letztendlich für ihre Ölgemälde bekannt wurde, beschäftigte sie sich schon zu Beginn ihrer Karriere mit der Zeichnung und Bildhauerei. Bedauerlicherweise sind heute nicht mehr viele dieser Stücke in Umlauf. Morisot war der Meinung, dass sie unfähig war, irgendetwas richtig zu machen und zerstörte eine beträchtliche Anzahl ihrer eigenen Kunstwerke, die in den 1860er Jahren entstanden waren.

Diese Einstellung änderte sich jedoch in den 1870er Jahren, als Morisot mit der Plein Air Malerei ihr liebstes Arbeitsumfeld fand, einer Technik, die später prägend im Impressionismus eingesetzt wurde.

The Harbor at Lorient

Berthe Morisot, The Harbor at Lorient, 1869

Mitwirken bei den Impressionisten

Von 1864 bis 1873 feierte Morisot Erfolge in den Pariser Salons, die dem klassischen Geschmack der Académie des Beaux-Arts entsprachen.

Diese Ausstellungen tendierten dazu, konventionelle Themen zu bevorzugen - einschließlich historischer, mythologischer und allegorischer Szenen, die in einem realistischen Stil dargestellt wurden.

Gegen Ende ihres Zeit im Salon wurde Morisot in ihren Arbeiten immer experimenteller und mischte oft verschiedene Farbarten innerhalb eines Gemäldes. Ihre Kunstwerke waren häufig eine Mischung aus Aquarellen, Ölfarben und Pastellen. In Verbindung mit ihrem zunehmenden Interesse an der Malerei außerhalb der Grenzen eines traditionellen Ateliers veranlasste diese Wandlung Morisot dazu, auf die Reputation des Pariser Salons zu verzichten. Stattdessen schloss sie sich der Société Anonyme Coopérative des Artistes Peintres, Sculpteurs, Graveurs in Paris an.

Société Anonyme Coopérative des Artistes Peintres, Sculpteurs, Graveurs

Zu dieser Gruppe von Künstlern, aus dessen Kreis schlussendlich der Impressionismus hervorging, gehörten auch Claude Monet, Edgar Degas und Camille Pissarro.

Im Jahr 1874 veranstaltete die Gruppierung ihre erste eigenständige Ausstellung. Berthe Morisot war mit ihrem Ölgemälde Morisot "Le Berceau" (dt. Die Wiege) vertreten, das zu einem ihrer bekanntesten Kunstwerke wurde.

Le Berceau Morisot

Auch wenn die Ausstellung auf gemischte Resonanz stieß, wurde Morisots Gemälde für die sichtbare "weibliche Grazie" gepriesen.

"Femininer" Stil von Berthe Morisot

Über ihre gesamte Karriere hinweg galt Morisots Stil als "feminin". Diese Charakterisierung lässt sich auf zwei wesentliche Merkmale zurückführen:

  • Eine weiche Farbauswahl 
  • Eine zarte Ausstrahlung

Farbe

Unabhängig vom Medium bevorzugte Morisot es, in Pastelltönen zu arbeiten und eine Menge Weiß in ihre Kompositionen einzuarbeiten. Mit dieser Farbskala nahmen ihre Arbeiten eine ganz sanfte Ausstrahlung an: In ihren Porträts erhält die menschliche Haut eine porzellanähnliche Schönheit, in ihren Meeresbildern sieht das Meer aus wie Glas, und in ihrer Landschaftsmalerei wirken die Wolken so süß wie Zuckerwatte.

Morisots hervorragender Umgang mit Farbe wurde von ihren Künstlerkollegen und der zeitgenössischen Kunstpresse gleichermaßen gewürdigt.

Freiheit der Handhabung

Ähnlich wie bei der Farbgestaltung wurde Morisots Ansatz der Pinselführung und der Umgang mit Pastellfarben zu einem festen Bestandteil ihrer Kunst.
Vom Musée Marmottan Monet in Paris wird ihre Herangehensweise poetisch auch als "Freiheit der Handhabung" bezeichnet.

Und genau diese Herangehensweise passte perfekt zu ihren bevorzugten Motiven. Die Landschaften in der Normandie und blumige Darstellungen ihres Mannes und ihrer gemeinsamen Tochter.

Mehr: Eugène Monet als beliebte Muse von Berthe Morisot

Eugene Manet

Berthe Morisot, Eugene Manet mit Tochter in Bougival, 1881

Spätwerk und künstlerisches Vermächtnis

Morisot verfeinerte während ihrer gesamten Karriere als Malerin ihren zarten Stil.

Mit dem Aufkommen der Fotografie in der Kunst fing sie in den 1880er Jahren an, mit veränderten Komposition zu spielen. Inspiriert von der grafischen Ästhetik japanischer Ukiyo-e Grafiken, spielte sie in den 1890er Jahren stärker mit ihrer Bildsprache und ihrer Linienführung. Trotz allem behielt sie während dieser Experimenten ihre pastellfarbene Handschrift und die graziöse Darstellungsweise aus ihrer Zeit als Impressionistin bei.

Heute ist ihr Gesamtwerk nicht so bekannt wie das ihrer männlichen impressionistischen Zeitgenossen, wie beispielsweise Claude Monet. Trotzdem wird Berthe Morisot mit ihren femininen Bildsprache auch heute noch als wichtige Innovatorin der Bewegung angesehen.

Gemeinsam mit der Impressionistin Mary Cassatt gilt Morisot als eine der herausragendsten Künstlerinnen der Kunstgeschichte.

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