Kunst

Wie du eine perfekte Bildanalyse in der Kunst schreibst: Das 5-Phasen-Modell

Bildanalyse in der Kunst

Die Bildanalyse in der Kunst wird meist in 5 Abschnitte untergliedert, die alle in ihrer Logik aufeinander aufbauen. In dieser beispielhaften Analyse erfährst du, welche Fragen du in jedem Teil deiner Analyse beantworten kannst und wie du zu einer beeindruckend konsistenten Interpretation eines Kunstwerks gelangst.

1. Einleitung

In der Einleitung sollten der Titel des Kunstwerks, der Name des Künstlers und das Entstehungsdatum des Werkes genannt werden. Ferner kannst du auch das Medium, den Zeitraum, in dem es geschaffen wurde, und seinen aktuellen Standort angeben.

Biografische Angaben über den Künstler sind zwar nicht notwendig, aber wenn du etwas über die Belange des Künstlers oder die Einflüsse der Epoche weißt, die dieses Werk möglicherweise bestimmt haben, kannst du sie hier angeben. Sofern du dich in einer Prüfungssituation mit akutem Zeitdruck befindest, sollte die die Einleitung jedoch nur auf das Wesentliche reduzieren.

Am einfachsten ist es, dich an den 5 W-Fragen des Journalismus entlangzuhangeln. Bedenke, dass du in der Einleitung nur die äußerlichen Eigenschaften des Kunstwerks vorstellst. Der Bildinhalt wird noch nicht beschrieben.

  • Wer? (Künstler)  
  • Was? (Titel, Bildgattung, Sujet) 
  • Wie? (Mal- bzw. Zeichentechnik, Bildformat)
  • Wo? (Ausstellungsort)  
  • Wann? (Datum)

In der Regel sollte die Einleitung mit einer These abgeschlossen werden, die die Bedeutung oder den Inhalt des Werkes aufzeigt, um anschließend die formalen Elemente, die du zur Analyse ausgewählt hast, darzulegen.

2. Bildbeschreibung

Die Bildbeschreibung beantwortet die Frage: "Was ist im Bild zu sehen?"

In der Bildbeschreibung werden die formalen Qualitäten des Bildes beschrieben. Es handelt sich um eine reine Beschreibung des Motivs ohne Urteil, Analyse oder Interpretation.

 

Denk dran: Achte darauf, dass du die analysierenden und wertenden Abschnitte nicht durch Bemerkungen und Nebensätze vorwegnimmst. Die Bildbeschreibung sollte möglichst objektiv und wertungsfrei sein.

Zu den verschiedenen Elementen, die eine Beschreibung ausmachen, gehören:

  • Elemente oder allgemeine Formen innerhalb der Komposition, Identifizierung der Objekte
  •  
    Beschreibung der Perspektive (z.B. Vogel-, Frosch- oder Zentralperspektive)
  • Beschreibung der Strichführung, einschließlich der Kontur (z.B. weich, eben, gezackt)
  •  
    Beschreibung, wie die Linien Form und Raum beschreiben (z.B. Unterscheidung zwischen Objekt- und Kompositionslinien; Beschreibung der Linien als z.B. dick, dünn, uneinheitlich, undeutlich)
  •  
     
    Beziehungen zwischen Formen ( z.B. groß und klein, überlappend)
  •  
    Beschreibung von Farbe und Farbschema
  •  
    Textur der Oberfläche oder andere Anmerkungen zur Ausführung der Arbeit

3. Die eigentliche Bildanalyse in der Kunst

Die Bildanalyse beantwortet die Frage "Wie hat der Künstler das Motiv gemalt?"

Nun geht es darum zu bestimmen, was die Merkmale suggerieren. Warum hat der Künstler solche Merkmale zur Vermittlung bestimmter Ideen verwendet?

Als erstes kannst du mit der Analyse der Komposition beginnen (Organisation der Formen). Einige der nachfolgenden Fragen können dir als Anregung dienen.

  •  
    Welche Arten von Formen werden in diesem Kunstwerk verwendet (z.B. runde, gebogene, geradlinige oder geometrische Formen)?
  •  
    Gibt es eine Mischung aus verschiedenen Formen oder bilden die Form eine Einheit?
  •  
     
    Sind einige Teile der Komposition voller Formen und einige Teile frei gehalten worden, oder sind die Formen gleichmäßig über das Kunstwerk verteilt?
  •  
     
    Werden einige Formen wiederholt oder werden sie in anderen Bereichen des Werks wieder aufgegriffen?
  •  
    Steckt die gesamte Komposition voller Energie und Bewegung oder sieht sie ruhig und friedlich aus? Wie hat der Künstler diese Bewegung/Stille geschaffen?
  •  
     
    Worin liegt der Interessenschwerpunkt in der Komposition?
  •  
     
    Wie lenkt der Künstler die Aufmerksamkeit des Betrachters auf diesen Punkt?

Als nächstes kannst du dich dem symbolischen Aspekt des Gemäldes widmen. Benenne ikonographische Merkmale, sofern vorhanden (z.B. historisches Ereignis, Allegorie, Mythologie):

  •  
     
    Auswahl der markantesten Merkmale oder Charakteristika (z.B. Linien, Form, Farbe, Textur)
  •  
     
    Analyse der Gestaltungsprinzipien oder Kompositionsprinzipien (z.B. beständig, sich wiederholend, rhythmisch, einheitlich, symmetrisch, harmonisch, geometrisch, abwechslungsreich, wirr)
  •  
     
    Diskussion darüber, wie die einzelnen Bestandteile oder das strukturelle Gliederungssystem des Kunstwerks zur Erscheinung des Bildes oder der Funktion beitragen
  •  
     
     
    Analyse des Einsatzes von Licht und die Rolle der Farbe ( z.B. kontrastreich, schattig, warm, kühl)
  •  
     
    Behandlung von Raum und Landschaft unter Einbeziehung der Perspektive (z.B. tief, flach, surrealistisch, naturalistisch (Vogel-, Frosch- oder Zentralperspektive))
  •  
     
    Darstellung von Bewegung und wie sie erzielt wird
  •  
    Wirkung des verwendeten Mediums unter Berücksichtigung des Bildthemas
  •  
    Einschätzung zu Gleichgewicht, Proportion und Maßstab

4. Interpretation

Der interpretierende Teile einer Bildanalyse beantwortet die Frage: "Was will der Künstler zum Ausdruck bringen? Was geht im Bild vor"

Nun kommt deine Interpretation des Kunstwerks. Dieser Abschnitt der Bildanalyse in der Kunst wird von vielen Schülern und Studenten als der schwerste Teil erachtet.

 

Hinweis: Sei dir bewusst, dass viele Kunstwerke auf vielfältigste Art und Weise interpretiert werden können. Wichtig ist, dass du in deiner Interpretation schlüssige Argumente für deine Sichtweise anführst. Dazu solltest du die analysierten Aspekte des Kunstwerks aufgreifen und mit deiner Interpretation in Einklang bringen.

Einige Fragen, die du in der Interpretation des Kunstwerks berücksichtigen kannst, sind folgende:

  •  
     
    Was will der Künstler mit diesem Kunstwerk zum Ausdruck bringen? Was bedeutet das Kunstwerk?
  •  
     
     
    Worin liegt das Hauptthema oder die Idee dieses Werks?
  •  
     
     
     
    Hat das Kunstwerk einen Erzählungsstrang?
  •  
     
     
     
    Ist es ein abstraktes oder ein realistisches Kunstwerk? Welche Merkmale dieser Kategorien erfüllt es?

Achte darauf, dass du Belege für deine Interpretation nennst, um eine konsistente Deutung zu ermöglichen, die von einem Lehrer oder einem Dozenten nachvollzogen werden kann.

Es ist sinnvoll, die anfänglich vorgestellte These erst nach einer ausführlich ausgearbeiteten und logisch erklärbaren Interpretation aufzustellen. Die Interpretation der Arbeit bildet die Grundlage deiner Einschätzung des Werks in der formulierten These.

5. Eine abschließende Bewertung

In diesem Abschnitt der Bildanalyse in der Kunst kannst du deine eigene Stellungnahme vorstellen. Greife die These auf und begründe deine Sichtweise in diesem Teil.

Die Kriterien: Welche Kriterien halte ich für die Beurteilung des Kunstwerks für am besten geeignet?

Die Beweise: Welche Beweise innerhalb oder außerhalb des Kunstwerks beziehen sich auf jedes Kriterium?

Beurteilung: Wie beurteile ich die Qualität des Kunstwerks auf der Grundlage der Kriterien und Beweise?

Deine Bewertung kann in einem kurzen Absatz zusammengefasst werden.

Hier wird der logische Schlussstrich unter deine Argumentationskette gezogen.

Beispiel für eine gelungene Bewertung: 

"Vincent van Gogh hat ein spannungsreiches, ausdrucksstarkes Gemälde geschaffen. Die leuchtenden, konstrastreichen Farben und die lebhaften Pinselstriche, die er in der für sein Spätwerk typischen Impasto-Technik aufgetragen hat, erzeugen ein allgemeines Gefühl von Energie und Aufregung. 

Sowohl seine Motivwahl, als auch seine Farbauswahl und seine Pinselführung spiegeln seine interne Gefühlslage nach seinem psychischen Zusammenbruch wider."