Gemälde

Bildbeschreibung und Symbolik in “Briefleserin in Blau” von Vermeer

Briefleserin in Blau Vermeer

Die “Briefleserin in Blau” ist eins der wenigen erhaltenen Werke, die Johannes Vermeer sicher zugeschrieben werden können. Das 46,5 x 39 cm kleine Ölgemälde befindet sich heutzutage im Rijksmuseum in Amsterdam.

Hier findest du eine Bildbeschreibung samt Analyse zu der in dem Gemälde versteckten Symbolik.

Bildbeschreibung

Auf dem Gemälde von Johannes Vermeer sieht man einen ruhigen, privaten Moment. In “Briefleserin in Blau” ist eine junge Frau mit dem Lesen eines Briefes beschäftigt. Sie sieht so aus, als wäre sie schwanger. Man kann davon ausgehen, dass es morgens ist, da sie noch ihr blaues Nachthemd trägt. Die Farbe Blau war in Gemälden dieser Zeit eine Seltenheit, da der für die Herstellung von Ultramarinblau benötigte Lapislazuli extrem teuer war.

Während der Betrachter nicht weiß, was in dem Brief geschrieben wurde, ist die Komposition des Bildes aufschlussreich. Die Karte der Niederlande an der Wand hinter der Frau kann so interpretiert werden, als ob der Brief von einem reisenden Ehemann geschrieben wurde. Alternativ, wie in anderen Gemälden aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande, könnte die Perlenschachtel, die auf dem Tisch gerade noch sichtbar ist, einen Liebhaber suggerieren, da Perlen manchmal ein Symbol für Eitelkeit sind.

Wie die meisten von Vermeers weiblichen Dargestellten ist auch das Gesicht dieser Dame zurückhaltend und ruhig. Keine Emotionen sind zu beobachten. Das Interieur mit dem nüchternen Tisch und den Stühlen aus Rindsleder, die den Raum um die Frau herum definieren, ist denkbar schlicht.

Vermeers Änderungen an Briefleserin in Blau

Vermeer war ein Meister der Innenarchitektur und benutzte einige Maltricks. Um die Komposition zu verbessern, vergrößerte er das Interieur. Technische Untersuchungen des Gemäldes zeigen, dass die Karte an der Wand ursprünglich schmaler war. Vermeer hat auch die Jacke der Frau verändert. Ursprünglich war es ein breiterer, pelzbesetzter Umhang. Vermeer vereinfachte den Look der Jacke und machte sie schmaler.

Am deutlichsten sticht die Farbe Blau in der gesamten Komposition hervor. Während das Unterkleid der Frau, Arme und Gesicht in schwachen Erdtönen gehalten wurden und sich kaum von der Farbe der Landkarte oder der Wand abheben, sticht die Jacke regelrecht hervor. Auch die Bezüge der Stühle sind in Blautönen gestaltet, wenngleich diese wesentlich dunkler gemalt wurden. Das reine Ultramarin, das zur Gestaltung des Nachthemds verwendet wurde, überstrahlt den Rest des Gemäldes regelrecht. Rot- und Gelbtöne, die dieses farbliche Ungleichgewicht ausgleichen könnten, sind kaum zu sehen.

Weitere Werke von Vermeer

Über Vermeer ist wenig bekannt, obwohl seine Gemälde als eine der höchsten Leistungen des niederländischen Goldenen Zeitalters gefeiert wurden. Er hat 35 Werke geschaffen, von denen bekannt ist, dass sie von ihm gemalt wurden. Der Künstler malte überwiegend häusliche Innenraumszenen, von denen fast alle in zwei kleinen Räumen in seinem Haus in Delft entstanden sind. Sie zeigen die gleichen Möbel und Dekoartikel in verschiedenen Anordnungen und porträtieren oft die gleichen Personen, meist Frauen. Er wurde zu Lebzeiten in Delft und Den Haag bekannt, aber seine kleine Berühmtheit geriet nach seinem Tod in Vergessenheit. Im 19. Jahrhundert änderte sich alles, als Gustav Friedrich Waagen und Théophile Thoré-Bürger ihn wiederentdeckten.

Die Briefleserin in Blau ist ein Paradebeispiel für seine Fertigkeit, Detail und Stimmung auf einen verhältnismäßig kleinen Malgrund zu bringen. Noch wesentlich bekannter ist jedoch “Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“, das nach der Briefleserin entstanden ist.