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Gemälde

Die Geschichte zur “Dame mit dem Hermelin” von Leonardo da Vinci

Detail: Leonardo da Vinci Dame mit dem Hermelin

Die Dame mit dem Hermelin ist eines von lediglich vier Frauenporträts, die Leonardo da Vinci in seinem Leben gemalt hat. Lange Zeit war man sich nicht sicher, wie die Dame zu interpretieren sei, da der Hintergrund so stark übermalt wurde.

Vor ein paar Jahren konnten die verschiedenen Arbeitsschritte Leonardos rekonstruiert werden, sodass man sich heute einig ist, wen das Gemälde darstellt und wie es sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat.

Dame mit dem Hermelin - beschreibung


  • Titel: Dame mit dem Hermelin (auch: Porträt eines Mannes), 1489–1490
  • Künstler: Leonardo da Vinci, 1452 - 1519
  • Medium: Öl und Tempera auf Holz
  • Größe: 54,7  × 40,3  cm
  • Gattung: Porträt
  • Epoche: Renaissance
  • Standort: Czartoryski-Museum, Krakau

Die Identität der Dame mit dem Hermelin

Dieses bedeutende Kunstwerk von Leonardo da Vinci zeigt Cecilia Gallerani, die um 1473 geboren wurde und bis 1536 lebte. Die junge Frau war so talentiert in der Musik und Literatur, dass sie dem Mailänder Hof beitrat und dort Gedichte verfasste, die uns heute leider nicht mehr erhalten sind.

Sie galt ihrer Zeit als das Leuchtfeuer der italienischen Sprache, weshalb sie von ihren Zeitgenossen sogar mit Sappho, der berühmten Dichterin der griechischen Antike, verglichen wurde.

Mit ihrem außergewöhnlichen Talent und ihrer Schönheit zog sie auch Ludovico Sforza, den Herzog von Mailand, in ihren Bann.

Anspielung auf Ludovico Sforza in Dame mit dem Hermelin

Leonardo da Vinci Farben

Leonardo da Vinci, Dame mit dem Hermelin, 1489/1490

Das berühmte weiße Hermelin ist in Wirklichkeit ein Anspiel auf Ludovico, der 1488 vom König von Neapel Ferdinand I. mit dem Orden des Hermelins ausgezeichnet wurde. Daher wurde er auch als das weiße Hermelin bezeichnet.

Ludovico und Cecilia wurden ein Liebespaar, aber um einigen öffentlichen Verpflichtungen nachzukommen, heiratete er stattdessen Beatrice d'Este im Januar 1491. Im Mai dieses Jahres gebar Cecilia seinen Sohn Caesar. Von seiner Frau gezwungen, bat er Cecilia, den Hof zu verlassen und verheiratete sie mit Lodovico Carminati de Brambilla. 

Es wird angenommen, dass Cecilia ihr von Leonardo da Vinci gemaltes Porträt beim Verlassen des Mailänder Hofs mitgenommen hat. Belegt scheint dies durch einen Brief zu sein, den Isabella d'Este im Jahr 1498 an sie richtete, und in dem sie um eine Ausleihe von "Dame mit dem Hermelin" bat.

Die Dunkelzeit des Gemäldes

Nach Cecilias Tod verschwand das Porträt für mehrere Jahrhunderte, bevor es um 1800 in Polen wieder auftauchte. Der polnische Fürst Adam Jerzy Czartoryski kaufte das Werk und schenkte es seiner Mutter.

In Polen wurde es jahrelang fälschlicherweise als das Bildnis der "Belle Ferronière", einer berühmten Geliebten des französischen Königs Franz I., betrachtet, wie die Inschrift LA BELE FERONIERE / LEONARD D'AWINCI in der linken oberen Ecke belegt.

Dame mit dem Hermelin Inschrift

Die Inschrift ist nur schwach aber eindeutig zu erkennen

Die beeindruckende Reise der Dame mit dem Hermelin

Auch wenn diese Inschrift offensichtlich falsch ist, ist es trotzdem erstaunlich, dass die Dame mit dem Hermelin so viele Jahre überstanden hat - vor allem in Anbetracht ihrer umkämpften Situation im 20. Jahrhundert. Die Dame mit dem Hermelin, die während der deutschen Besetzung Polens zwischen Deutschland und Polen hin und her transportiert wurde, überstand diesen verheerenden Krieg quasi unversehrt.

Das sich zu dieser Zeit im Czartoryski-Museum in Krakau befindliche Gemälde wurde 1939 nach der Eroberung der Deutschen ins Bodemuseum nach Berlin gebracht. Hans Franck veranlasste die Rückführung des Werks im Jahr 1940 in seine Residenz nach Krakau. 1944 wurde das Gemälde der Dame mit dem Hermelin bei der Flucht nach Deutschland mitgenommen und erst nach dem Kriegsende von den amerikanischen Besatzungsmächten gefunden.

Heute hängt das Gemälde aufgrund von Umbauarbeiten des Czartoryski-Museum im Krakauer Nationalmuseum.

Foto: Ben / Flickr / CC BY-ND 2.0

Retuschierungen und Übermalungen

Die Dame mit Hermelin ist stark übermalt. Leider wurde der ursprüngliche Hintergrund wohl schon im 17. Jahrhundert überdeckt. Auch das Kleid von Cecilia unter dem Hermelin wurde retuschiert und ein transparenter Schleier, den die Frau trug, wurde neu gemalt, um die Farbe ihres Haares anzupassen. Daraus resultiert auch der heutige Eindruck, dass das Haar der Frau bis unter ihr Kinn reicht. Bei Röntgenuntersuchungen wurde allerdings eine Tür im Hintergrund des ursprünglichen Motivs gefunden.

Die Frau hat ein anderes Geheimnis. Der französische Wissenschaftler Pascal Cotte verbrachte drei Jahre mit der Untersuchung des Gemäldes. Im Jahr 2014 stand das Fazit der Analysen fest, dass Leonardo das Werk nicht nur in einer, sondern in drei deutlich voneinander abgegrenzten Phasen malte.

Seine erste Version war ein schlichtes Porträt der Frau ohne Hermelin. Im zweiten Anlauf malte da Vinci schließlich ein kleines graues Hermelin auf das Gemälde. In der letzten Phase wurde das Tier in ein großes weißes Hermelin verwandelt, wie es heute noch zu sehen ist.

Leonardo da Vinci Techniken

In dem Gemälde hat da Vinci eine Reihe seiner Techniken angewandt. Besonders deutlich sticht das heute noch erhaltene Sfumato hervor - eine Technik, die da Vinci häufig einsetzte, um besonders weiche Hauttöne zu malen.

Relevant: Die wichtigsten Techniken von Leonardo da Vinci

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