Gemälde

Londoner Kunstrestauratoren entdecken die Signatur von Artemisia Gentileschi auf einem Gemälde von David und Goliath

Artemisia Gentileschi, David und Goliath, Späte 1930er Jahre, Foto: Simon Gillespie StudioArtemisia Gentileschi, David und Goliath, Späte 1630er Jahre, Foto: Simon Gillespie Studio

Die lange Zeit verborgene Signatur der Barock-Meisterin Artemisia Gentileschi wurde kürzlich auf einem Gemälde von David und Goliath aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Das Werk wurde früher einem weniger bekannten männlichen Maler zugeschrieben.

Artemisia Gentileschi und ihr David und Goliath

Artemisia Gentileschi (1593-c. 1654) ist eine der wenigen historischen Künstlerinnen, die weitreichende Beachtung gefunden haben. In ihren dramatischen, fesselnden Bildern sind häufig biblische Frauen zu sehen, die sie oft in mächtigen, selbstbewussten Posierungen abbildete.

Die Wiederentdeckung ihres David und Goliath ist eine schöne Gelegenheit, sich auf ihr Werk zu konzentrieren, das manchmal in den Hintergrund ihrer faszinierenden Lebensgeschichte gerückt wird.

Der Londoner Kunstrestaurator Simon Gillespie kündigte Ende Februar 2020 die Neubewertung der Arbeit und die Zuschreibung zu Artemisia Gentileschi an.

Als Gillespies leitende Restauratorin Majo Prieto Pedregal etwas Übermalung von Davids Schwert entfernte, enthüllte sie eine versteckte Signatur mit der Aufschrift "ARTEMISIA" und einen Teil des Datums. Die Übermalung wurde zu einem späteren Zeitpunkt von jemand anderem als dem ursprünglichen Künstler hinzugefügt.

Artemisia Gentileschi, David und Goliath, späte 1630er Jahre

Artemisia Gentileschi, David und Goliath, späte 1630er Jahre

Die Zuschreibung wurde schon in den 90ern vermutet worden

Gillespie nannte die Entdeckung einen "erstaunlichen Moment", aber es war keine völlige Überraschung. Der Gentileschi-Spezialist Gianni Papi schlug 1996 erstmals eine Zuschreibung zu Gentileschi vor. Zu dieser Zeit war David und Goliath seit den 1970er Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden, und obendrein war das Gemälde nicht in bester Verfassung.

Das Gemälde war schmutzig, übermalt und mit abgedunkeltem Lack überzogen. Wahrscheinlich wurde es deshalb dem unbedeutenderen Schüler ihres Vaters Giovanni Francesco Guerrieri (1589-1655) zugeordnet.

Trotz des schlechten Zustands und der falschen Zuschreibung sah Papi in einem Auktionskatalog eine Schwarz-Weiß-Fotografie des Gemäldes und vermutete bereits ein Werk von Gentileschi. Seine Hypothese gab er 1996 in einer italienischen Kunstzeitschrift bekannt.

Die Prüfung, die zur Zuschreibung führte

Als das Werk 2018 wieder in der Öffentlichkeit erschien und zur Versteigerung angeboten werden sollte, nahm das Auktionshaus in letzter Minute eine Zuschreibung an Artemisia auf der Grundlage von Papis Artikel in die Auktionsbeschreibung auf. 

Die Entdeckung der versteckten Signatur bestätigte also einen jahrzehntelangen Verdacht. In der Tat dürften der neue Besitzer und die Konservatoren des Gemäldes alle auf eine solche Entdeckung gehofft haben. Die Restauratoren suchten an mehreren anderen Orten nach einer Signatur und hatten es fast aufgegeben, als sie unerwartet auf dem Schwert fündig wurden.

Wie konnte Papi schon so früh von einem Werk Gentileschis ausgehen?

Woran machte Papi seine Vermutung der wahren Urheberschaft fest? An kleinen Details. Einige der Farben und Stoffe in Davids Kleidung ähneln denen, die in den bekannten Werken von Artemisia vorkommen. Ebenso wie die Beleuchtung auf Davids Gesicht und die Landschaft im Hintergrund.

In seinem Artikel von 1996 schrieb Papi, dass die Atmosphäre und die Figur Davids besonders charakteristisch für Artemisia sind. Andere Aspekte der Komposition, der Belichtung und der Position der Figur deuten auf einen Künstler von Artemisias Raffinesse hin.