Francisco Goya Die schwarzen Gemälde
Gemälde

Francisco Goyas “Pinturas negras” – Die schwarzen Gemälde im Detail

Die Schwarzen Gemälde von Francisco Goya zeichnen sich in der Kunstgeschichte vor allem durch ihre dunkle Gestaltung und ihre Themen aus.

Das größte Geheimnis verbirgt sich allerdings in der Bedeutung der Arbeit. Goya hat die Werke nicht für die Öffentlichkeit gemalt und niemandem von ihrer Existenz erzählt. Erst nach seinem Tod wurden die 14 Schwarzen Gemälde, die er in Öl an die Wand seines Hauses gemalt hatte, aufgefunden.

Bis 1819 hatte der Maler Francisco Goya einiges durchgemacht. Der 1746 geborene Goya hatte das Chaos des Krieges erlebt, als Napoleon in Spanien einmarschierte, und das Chaos in Spanien, als seine Regierung zwischen einer konstitutionellen Monarchie und einer absoluten Monarchie hin und her gerissen war. Er ist mehrmals schwer krank geworden und hatte mehrmals Angst, dass er verrückt wird. Eine dieser Krankheiten hatte ihn taub gemacht. Mit zunehmender Verbitterung über die Menschheit, sowie seine Angst vor dem Tod und seinem Wahnsinn, zog sich Goya in ein Haus außerhalb Madrids zurück.

In dem Anwesen hat Goya einige seiner dunkelsten und gruseligsten Kunstwerke gemalt, die auch als Pinturas Negra - Die Schwarzen Bilder - bekannt sind. Bei dieser Serie aus 14 Bildern handelt es sich um Arbeiten, die sich stark von seinem Frühwerk unterschieden. Er erwähnte sie nie, sodass die Titel der Bilder von Kunsthistorikern stammen.

Die Schwarzen Gemälde im Detail

Zwei alte Männer

Two Old Men

Die 14 Schwarzen Gemälde wurden fast ausschließlich mit dunklen, nüchternen Farben gemalt. Die menschlichen Figuren sind in einem expressionistischen Stil gemalt, der den Menschen als monströse Gestalt darstellen. Goya hatte die Brutalität gesehen, die die Menschen einander zugefügt hatten, und die Gesichter seiner menschlichen Subjekte spiegeln diese innere Abscheulichkeit wider.

Abgesehen davon ist die Interpretation einzelner Abbildungen der Schwarzen Gemälde eine echte Herausforderung. Goya hatte nicht vor, sie öffentlich auszustellen und auch die Hintergründe der Gemälde sind auf der Suche nach Anhaltspunkten ebenfalls keine Hilfe.

Zwei alte Männer essen Suppe

Zwei alte Männer essen Suppe

Die zwei alten Männer beim Essen der Suppe sind zwar nicht gruselig, allerdings erwecken sie beim Betrachten Gefühle des Elends. Zwei ältere Gestalten, eine davon mit einem zahnlosen Gebiss, sitzen gebeugt über ihrem Essen, eingehüllt in einen Mantel der Dunkelheit.

Duell mit Knüppeln

Duell mit Knüppeln

Francisco Goya, Duell mit Knüppeln, 1820

Das Gemälde mit der klarsten Aussage ist das "Duell mit Knüppeln". Es zeigt zwei Bauern, die sich gegenseitig mit Knüppeln schlagen, wobei sie in einem Sumpf feststecken. Es wirkt so, als steckten sie so tief fest, dass sie nicht voneinander entkommen könnten. Die einzige Möglichkeit, den Angriffen des Gegenübers zu entfliehen ist es, ihn selbst zu erschlagen.

Die meisten Kunsthistoriker sind sich einig, dass dieses Motiv aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegs stammen muss. Beide Männer stecken in demselben Land fest und bekriegen sich gegenseitig. Der einzige Weg, um sich zu verteidigen, ist es, den Gegner anzugreifen.

Das Dunkelste der Schwarzen Gemälde: Saturn verschlingt seinen Sohn

Saturn verschlingt seinen Sohn

Das bekannteste der schwarzen Gemälde ist zweifellos der Saturn, der seinen Sohn verschlingt. Saturn war in der römischen Mythologie einer der Titane. Saturn war an die Macht gekommen, indem er seinen Vater Caelus gestürzt hatte, aber es wurde prophezeit, dass eines seiner Kinder dasselbe mit ihm machen würde. Um dies zu vermeiden, verschlang er seine Kinder unmittelbar nach ihrer Geburt.

In Saturn verschlingt seinen Sohn kaut Saturn reißt Saturn seinen Nachkommen quasi in Stücke. Das auffälligste Detail ist jedoch die Stimmung in dem Gemälde, die Saturns Wahnsinn verdeutlicht. In Goyas Version des in der Kunstgeschichte vielfach abgebildeten Motivs hockt Saturn im Dunkeln mit einem verrückten Gesichtsausdruck.

Es ist mit Abstand das gruseligste Gemälde der schwarzen Gemälde von Goya. Es lässt sich nur spekulieren, dass Goyas Angst vor dem eigenen Wahnsinn in dem Bild zum Ausdruck gekommen ist.

Mehr: Die 7 gruseligsten Gemälde der Kunstgeschichte

Hexensabbat

Hexensabbat, 1821 - 1823

Francisco Goya, Hexensabbat, 1821 - 1823

Satan, mit dem Kopf eines Ziegenbocks, schwebt über einer Gruppe von ängstlichen Hexen. Ein verschlossenes junges Mädchen sitzt in der Ecke.

Der berühmte Kunsthistoriker Licht glaubt, dass dieses Gemälde Goyas Reflexion war, um die Angst vor menschlicher Unzulänglichkeit und seine eigenen Gefühle des persönlichen Zweifels körperlich zu vermitteln.

Männer beim Lesen

In diesem vertikalen Bild kauert eine Gruppe von Männern, die in der Dunkelheit verhüllt sind, um ein Schriftstück. Einer der Männer blickt verzweifelt nach oben.

Judith und Holofernes

Francisco de Goya, Judit y Holofernes, 1819-1823

Francisco de Goya, Judit y Holofernes, 1819 - 1823

Das Bild ist Goyas persönliche Interpretation der Erzählung aus dem "Buch Judith". In der Geschichte rettet Judith ihr Volk, indem sie den Feldherren Holofernes enthauptet. Andere bekannte Versionen des Motivs stammen von Artemisia Gentileschi und Caravaggio.

Wallfahrt nach San Isidro

Wallfahrt nach San Isidro

Francisco Goya, Wallfahrt nach San Isidro, 1820 - 1823

Das Bild zeigt die Wallfahrt armer Dorfbewohner zusammen mit Nonnen und Männern mit Zylindern. Die Pilger scheinen entweder betrunken oder verzweifelt zu sein und singen mit entstellten Gesichtsausdrücken. Goya untersucht das Thema Pilgerfahrt, um den populären Aberglauben und die Unwissenheit zu diesem Thema zu vermitteln.

Zweifel an Francisco Goyas Urheberschaft

Trotz der makabren Anziehungskraft dieser Geschichte glauben einige Experten nicht, dass Goya der wahre Künstler hinter den Schwarzen Gemälden war.

Hauptargument ist der gewaltige Bruch mit seinem Stil im Vergleich zu den Werken in den Jahren zuvor. Dieses Argument lässt sich jedoch dadurch entkräften, dass Goya diese Bilderserie auftragsunabhängig gemalt hat und sie nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. So hatte er die Möglichkeit, seinen Gedanken und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen.

Aber weitere Details könnten darauf hindeuten, dass Goya diese Bilder nicht gemalt hat. La Quinta del Sordo war ursprünglich ein einstöckiges Haus, obwohl die Schwarzen Gemälde auch die Wände eines zweiten Stockwerks, das später hinzugefügt wurde, bedeckten. Historiker haben Renovierungsdokumente aus Goyas Zeit in der Villa gefunden, von denen jedoch keines den Anbau eines zweiten Stockwerks erwähnt. Es ist möglich, dass der zweite Stock des Hauses nach Goyas Tod hinzugefügt wurde - was bedeuten würde, dass die Pinturas Negras im zweiten Stockwerk auch später hinzugefügt worden sein müssten.

Quintasordo

Anordnung der Bilder im Haus - Foto: I, Chabacano / Wikipedia / CC BY-SA 3.0

Manche Kunsthistoriker glauben aus diesen Gründen, dass Franciscos Sohn Javier die Schwarzen Gemälde geschaffen hat. Javiers Sohn, Mariano, erbte das Haus später. Mariano hatte Geldprobleme, so dass es denkbar ist, dass er die Schwarzen Gemälde seinem berühmten Großvater Francisco zuschrieb, um einen besseren Verkaufspreis des Anwesens zu erzielen.

Diese Theorie wird aber wohl niemals bewiesen oder abschließend verneint werden können.

Einfluss der Schwarzen Gemälde auf andere Künstler

Die Schwarzen Gemälde dienen als Grundlage des Expressionismus und Surrealismus und hatten Einfluss auf die Werke von Picasso, Manet und anderen Meistern des 20. Jahrhunderts.

Obwohl es heute noch immer Zwang, Elend und Trauer um uns herum gibt, hat man das Gefühl, dass vieles geschönt dargestellt wird. Die Pinturas Negras tun dies nicht. Sie zeigen ganz unverblümt menschliche Eindrücke und Empfindungen in all ihrer Dunkelheit und Gruseligkeit.

Tief von der Zeit und von persönlichen Leiden gezeichnet, dienen die Schwarzen Gemälde als erlösender Ausdruck seiner ungeschliffenen Sicht auf den Menschen. Es ist inspirierend zu sehen, wie sich der Künstler von einem Maler, der seine Auftraggeber zufrieden stellen wollte, zu einem hemmungslosen Künstler entwickelt hat, der seine Kunst als die reinste Form des Selbstausdrucks nutzte.

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