Skulptur

Finde heraus, wie Donatellos Davidskulptur den Weg für Bildhauer in der Renaissance ebnete

Donatello DavidFoto: Patrick A. Rodgers / Flickr / CC BY-SA 2.0

Der biblische Charakter Davids war ein überaus beliebtes Thema in der Kunst der Renaissance, das vielleicht am berühmtesten durch Michelangelos Marmorskulptur zur Geltung gebracht wurde.

Vor ihm jedoch schuf der florentinische Bildhauer Donatello eine eindrucksvolle, in Bronze gegossene Darstellung Davids, die sich von seinen Nachfolgern abhebt. Die Bronzeskulptur zeigt den jungen Hirten, nachdem er Goliath bereits enthauptet hat und auf den abgetrennten Kopf des Feindes tritt.

Donatellos David war bei seiner Entstehung unglaublich innovativ, da es die erste bekannte freistehende Aktstatue war, die seit der Antike geschaffen wurde. Es war auch das erste freistehende Werk in Bronze, das in der Renaissance gegossen wurde.

Auch wenn Donatellos David heute häufig von Michelangelos Werk überschattet wird, bleibt die Bronzestatue ein besonderes Werk der Renaissance, das sich durch seine einzigartige Darstellung des biblischen Helden auszeichnet.

Wer war Donatello?

Donatello Biografie

Donatello wurde um 1386 als Donato di Niccolò di Betto Bardi in der Republik Florenz geboren.

Er erhielt seine frühe künstlerische Ausbildung in einer Goldschmiedewerkstatt und erlangte 1401 erste Anerkennung durch seine Teilnahme an dem berühmten Gestaltungswettbewerb für die Türen des Baptisteriums in Florenz. Donatellos Talent fiel dem Gewinner des Wettbewerbs, Lorenzo Ghiberti, ins Auge, der ihm eine Ausbildung in seinem renommierten Atelier anbot.

Nach Angaben des Kunsthistorikers Giorgio Vasari reiste Donatello mit seinem Künstlerkollegen Brunelleschi nach Rom, wo sie die klassische Bildhauerei des antiken Rom und Griechenlands studierten.

Als er seine Arbeit fortsetzte, wurde er zu einem der wichtigsten Künstler in der frühen Renaissance, die auf eine Rückkehr zur klassischen Ästhetik drängten, die eine Betonung des anatomischen Naturalismus, der Räumlichkeit und der Perspektive umfasste.

Um das Jahr 1430 fand Donatello in Cosimo de' Medici, dem Oberhaupt der einflussreichsten Familie von Florenz, einen unheimlich vermögenden Auftraggeber. Unter seiner Förderung schuf der Bildhauer seine Davidskulptur.

Die Geschichte von David und Goliath

Caravaggio, David mit dem Haupt des Goliath, 1610

Caravaggio, David mit dem Haupt des Goliath, 1610

Die Geschichte von David und Goliath basiert auf einer Bibelstelle im 1. Buch Samuel, Kapitel 17. In der Renaissance und im Barock wurde häufig verbildlicht, da die Schrift kirchliche Bezüge hatte und auch als politische Allegorie verstanden werden konnte. 

Die Bibelstelle beschreibt die Geschichte von David, einem jungen israelischen Hirtenjungen, der die Herausforderung annimmt, den besten Krieger der Philister, Goliath, im Zweikampf zu bekämpfen. Obwohl David kein ausgebildeter Soldat ist, gelingt es ihm, Goliath mit einer Schleuder und einem Stein zu überwältigen, woraufhin er das Schwert des Goliath aus der Scheide zog und ihm den Kopf damit abschlug.

Im biblischen Kontext symbolisiert die Geschichte des David gegen Goliath meist den Sieg des Guten über das Böse.

David wurde als junger Hirte, der durch gottgewollte Stärke und Mut triumphierte, zu einer beliebten Figur in der Kunst der Renaissance. Künstler wie Donatello, Michelangelo und Bernini stellten David jeweils als den Inbegriff jugendlicher männlicher Schönheit dar.

Donatellos David-Skulptur

Die erste Version aus Marmor

Donatello, David (Marmor), 1408–1409

Donatello, David (Marmor), 1408–1409

Jahre bevor Donatello sich dem bronzenen David näherte, widmete er sich dem gleichen Thema in Marmor.

Diese Skulptur wurde 1408 in Auftrag gegeben und sollte auf einem der Stützpfeiler der Kathedrale von Florenz aufgestellt werden. Sie fand schließlich ihren Platz im Palazzo della Signoria (heute Palazzo Vecchio).

Donatellos David aus Marmor gilt als seine erste Auftragsarbeit und zeigt seinen stilistischen Übergang von der Gotik zu einer eher klassischen Darstellung. Obwohl David in seinem Kontrapost ein Streben nach realistischer Darstellung erkennen lässt, fehlt in seinem Ausdruck sämtliche Emotion. In dieser Hinsicht wirkt er eher wie die starren Figuren der gotischen Kunst.


Der Bronzedavid von Donatello

Um 1440 wurde Donatello von Cosimo de' Medici beauftragt, den Helden nun in Bronze darzustellen. Die Skulptur beweist als erste freistehende Aktskulptur seit der Antike den Einfluss der klassischen Kunst auf Donatello. In den drei Jahrzehnten zwischen den beiden Skulpturen hatte sich sein Stil drastisch gewandelt.

Donatello David

Foto: Patrick A. Rodgers / Flickr

Donatello David

Foto: aiva. / flickr

David zeigt den Hirten, nachdem er bereits Goliath erschlagen hat, wie er auf dem geköpften Kopf des Feindes steht. Der Jüngling ist nackt und trägt nur einen mit Lorbeer geschmückten Hut und ein Paar Stiefel. In Davids linker Hand befindet sich der Stein, mit dem er Goliath zu Boden brachte, und in seiner rechten Hand das Schwert, mit dem er seinem Gegenüber den Kopf abschlug.

Die Skulptur stellt den Jungen als Inbegriff von Jugend und Schönheit dar. So sind seine Gesichtszüge sehr fein und von schulterlangen Locken eingefasst. David lächelt zufrieden und steht dabei völlig ungezwungen im Kontrapost.

Diese Betonung seines Alters und seines zarten Aussehens zeigt, dass er nicht durch physische Kraft, sondern durch göttliche Hilfe gewonnen hat.

Donatellos David und sein Einfluss auf Michelangelo

Mehr als fünfzig Jahre nach der Fertigstellung des David in Bronze schuf Michelangelo seine eigene Version von David in Marmor.

Obwohl sie größer ist und David wesentlich muskulöser präsentiert, lässt sich in Michelangelos Interesse an der anatomischen Realitätstreue und der Vorliebe für die Thematik ein Bezug zu Donatellos David herstellen.

Davidskulptur

Foto: giovannamatarazzo / Flickr