Gemälde

Edvard Munchs Vampir – Beschreibung und Interpretation eines seiner zentralen Werke

Edvard Munch, Vampir, 1893

Edvard Munchs Darstellung eines erschöpften Mannes, der seinen Kopf in den Schoß einer rothaarigen Frau legt, ist seit ihrer ersten Ausstellung vor über einem Jahrhundert äußerst umstritten und hat heftige Debatten über die Bedeutung des Motivs ausgelöst.

Die vielen Fassungen von Edvard Munchs Vampir

Der norwegische Künstler Edvard Munch ist dafür bekannt, seine zentralen Motive in vielen Versionen abgebildet zu haben.

Auch das Bildmotiv Vampir - oder wie der Künstler es zuerst nannte: Liebe und Schmerz - malte und druckte er in zahlreichen Fassungen. Insgesamt 13 Versionen des Motivs hat Munch in zwei Schaffensphasen erstellt, die zeitlich rund 20 Jahre auseinander lagen.

In der Zeit zwischen 1893 und 1895 malte Munch sechs Versionen desselben Motivs. 

Edvard Munch, Vampir, 1893

Edvard Munch, Vampir, 1893

Edvard Munch, Vampir, 1893D

Edvard Munch, Vampir, 1893

Edvard Munch, Vampir, 1894

Edvard Munch, Vampir, 1894

Edvard Munch, Vampir, 1895

Edvard Munch, Vampir, 1895

Auch zwei Lithografien des Bildes wurden von Munch in dieser Zeit angefertigt.

Edvard Munch, Vampir, Lithografie, 1895

Edvard Munch, Vampir, Lithografie, 1895

Edvard Munch, Vampir, Lithografie, 1895:1902

Edvard Munch, Vampir, Lithografie, 1895/1902

Dasselbe Motiv wiederholte er zwischen 1916 und 1918 in fünf weiteren Gemälden. Einige der Werke aus der zweiten Periode zeigen die zwei Figuren vor dem Hintergrund eines Waldes und sind in wesentlich helleren Farbtönen gemalt.  

Edvard Munch, Vampir, 1916-1918

Edvard Munch, Vampir, 1916-1918

Edvard Munch, Vampir, 1916-1918

Edvard Munch, Vampir, 1916-1918

Munch erklärte, dass er das malte, woran er sich erinnerte, und nicht das, was er gesehen hatte. So war jede neue Version seiner Bilder seine Art war, eine Erinnerung wiederzufinden und diese sich als Kunstwerk entwickeln zu sehen.

Mit jeder neuen Fassung gibt es neuen Zugang zum Leben des Künstlers und zu seinem geistigen Zustand, der sich erheblich in Farbe, Größe und Technik widerspiegelt.

Interpretationsansätze und Munchs Erläuterung

Seit der ersten Ausstellung in Berlin im Jahr 1902 hat Edvard Munchs Vampir zu einer Reihe von Interpretationen geführt, wobei die vermeintliche Abbildung eines Vampirs, die dem Werk seinen Beinamen gegeben hat, die bekannteste Deutung ist.

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    Dieser Interpretationsansatz geht auf den polnischen Schriftsteller, Kunstkritiker und Freund von Munch Stanisław Przybyszewski zurück, der sofort das Abbild eines weiblichen Vampirs erkennt wollte, die ihre Zähne in den Nacken eines zerrütteten Mannes bohrte. Der Künstler nahm den Vorschlag seines Freundes an, das Bild in Vampir umzubenennen. 
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    Andere wollen in dem Motiv einen Mann sehen, der eine Prostituierte umarmte. Häufig wird das mit dem feurig roten Haar der weiblichen Figur begründet.
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    Auch wollten manche Betrachter eine Andeutung an den tragischen Tod der Schwester des Künstlers in Edvard Munchs Vampir sehen.

Munch wies diese Interpretationsansätze zurück und bestand darauf, dass das Motiv lediglich eine Frau zeigt, die einen Mann am Nacken küsst, während sich die beiden Figuren umarmen.