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Kunst

Emotionale Beziehungen in der Kunst – Das Verkaufsgeheimnis von Banksy & Co

Emotionale Beziehungen KunstFoto: Jeremy Reddington / shutterstock.com

In diesem Artikel geht es um einen Aspekt, den du als Künstlerin oder Künstler meistern musst, wenn du deine Kunst verkaufen willst: Emotionale Beziehungen zu deinen Kunden.

Zunächst klären wir, wieso Kunst und Kommerz so eng miteinander verflochten sind. Anschließend erfährst du anhand mehrerer Beispiele, wieso die emotionale Bindung zwischen dir, deiner Kunst und deinen Kunden so wichtig ist, um im umkämpften Markt erfolgreich zu sein.

Zu guter Letzt sehen wir uns an, wie du eine emotionale Beziehung durch Authentizität aufbauen kannst. Dazu besprechen wir zunächst, was mit authentischer Kunst gemeint ist, bevor Banksy uns mit einem seiner sozialen Experimente dazu das beste Veranschaulichungsmaterial überhaupt liefert.

Verstrickung von Kunst und Kommerz

An der Oberfläche sind Kunst und Kommerz nicht eindeutig miteinander verbunden; häufig scheinen sie sogar im Widerspruch zueinander zu stehen, wenn man sich die zahlreichen Geschichten des mittellosen Künstler ansieht.

Kunst ist der Ausdruck menschlicher Kreativität und Phantasie, der zu Werken führt, die wegen ihrer Schönheit und Ästhetik geschätzt werden. Kunst erweckt Emotionen beim Betrachter, wobei die Reaktionen von Person zu Person gänzlich verschieden sind.

Unter Kommerz versteht man ganz unverblümt gesprochen den Kauf und Verkauf von Waren, vor allem im größeren Stil.

Vor dem Industriezeitalter ging es im Kommerz darum, einen Bedarf zu decken. Zum Beispiel musst du Nahrung zu dir führen, um zu überleben. Deshalb hast du einen Bedarf an Nahrung, den du decken musst. Aus diesem Grund haben sich die Menschen damals ein Brot gekauft des Bäckers um die Ecke gekauft, ohne sich Gedanken um die Qualität des Produkts zu kümmern.

Erweiterung der Kunden-Lieferanten-Beziehung um handwerkliches Können und künstlerische Eigenschaften

Im Laufe der Zeit schlich sich die Kunst in diese Beziehung zwischen Kunden und Lieferanten ein. Es gab nicht mehr nur eine, zwei oder drei Produzenten, die ihre Produkte an dieselbe Zielgruppe verkaufte, sondern mehrere, dutzende und mittlerweile kann online quasi jeder mit jedem ein Geschäft abschließen.

Auf diese Weise wurde aus dem reinen Pragmatismus zwischen Bedarf und Bedarfsdeckung eine Beziehung, die den Geschmack des Kunden und das Können des Herstellers in Relation setzte. Diejenigen, die ihre Produkte mit handwerklichem Geschick von den Produkten der Konkurrenz unterschieden, setzten sich durch.

Emotionale Beziehungen sind alles in der Kunst

Warum ist das so? Nun, die Fähigkeit, deine Kunden zu erreichen, ist kostengünstiger denn je - deshalb sind die immateriellen und emotionalen Elemente zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal geworden.

Kennst du Nusret Gökçe, besser bekannt als die Internet-Sensation „Saltbae"? Der türkische Restaurantbetreiber ist eines der besten Beispiele dafür, wieso sich emotionale Beziehungen zum Kunden in einem umkämpften Markt immer durchsetzen. 

Es gibt endlos viele hervorragende Steakhäuser auf der Welt, aber er hat es mit seinen kurzen Online-Videos geschafft, seine Leidenschaft für das was er tut einem Millionenpublikum zu zeigen. In nur wenigen Jahren hat er so eine treue Fangemeinschaft aufgebaut, die dem sympathischen Fleischliebhaber jeden Abend die Türen zu seinen Restaurants einlaufen und Hunderte Dollar für ein Steak bezahlen.

Auch wenn wir uns vornehmen, rational und pragmatisch zu denken, ist und bleibt der Mensch ein von Emotionen getriebenes Wesen, das den Austausch mit anderen Menschen sucht. Du willst nicht irgendeine Suppe, du willst die Suppe, wie sie deine Oma in deiner Kindheit für dich gekocht hat. Du willst nicht irgendein Smartphone, sondern du willst das besondere Smartphone.

Die Geschichte, die Erfahrung und der Prestige hinter dem Kauf eines Produkts sind es, was Leute dazu antreibt, ein Kunstwerk für mehrere Millionen Euro zu kaufen, auch wenn es „objektiv betrachtet“ keinen Sinn ergibt.

Die emotionale Beziehung ist es, die die Sammler mit ihrer Kunst verbindet und den Handel im Kunstmarkt vorantreibt.

Authentizität als Schlüssel zum Erfolg

Einer der Kernfaktoren, um eine solche Beziehung mit deinen Kunden aufzubauen, ist die Authentizität. Die Herausforderung dabei ist, dass ein Produkt erst dann authentisch wird, wenn du von ihm felsenfest überzeugt bist und du aufrichtig dahinter stehst. Authentizität kannst du eben nicht dadurch erzeugen, dass du ein künstliches Image nach dem Motto „Fake it til you make it“ erzeugst.

Aus diesem Grund ist es in der Beziehung zwischen Kunst und Kommerz im Markt der Gegenwart umso wichtiger, dass du an dein Produkt glaubst - egal, ob es sich dabei um ein Gemälde, eine Skulptur oder ein Gericht handelt.

Authentische Kunst - Was ist das?

Die Kunstwelt ist ein perfektes Beispiel, wie man den Aspekt der Authentizität mit kommerziellem Erfolg in Verbindung bringen kann.

Denken wir uns folgendes Beispiel aus, das in ähnlicher Form regelmäßig vorkommt:

Eine neue Künstlerin ist dem Markt noch vollkommen unbekannt. Niemand weiß, was sie macht oder wofür sie steht. Die Werke verkaufen sich nicht besonders gut, obwohl das Talent deutlich zu erkennen ist.

Auf einmal wird die Künstlerin in einem Kunst-Magazin mit riesiger Leserschaft vorgestellt. Ein langes Interview erscheint, indem der Redakteur die Person hinter der Kunst vorstellt. Wieso malt die Person, was will sie damit ausdrücken? Woraus schöpft die Künstlerin ihre Inspiration?

Die Leser und Kunstsammler erfahren durch das Interview, was hinter der Kunst steht. Sie lernen die Geschichte der Künstlerin kennen und können sich mit ihr identifizieren.

Die Story wird geteilt, das Interesse an der Künstlerin steigt, ebenso wie die Nachfrage nach ihren Werken. 

Richtig gehört: Obwohl die Kunst dieselbe ist, steigt die Nachfrage, weil die Sammlerschaft nun über die Motive der Künstlerin Bescheid weiß. Die Authentizität der Künstlerin ist gewachsen und das macht ihre Kunst interessant.

Lerne von Banksy

Street Artist Banksy hat den Aspekt der Authentizität in der Kunst mit einem Experiment im Jahr 2013 eindrucksvoll bewiesen.

Obwohl Banksy schon damals weltbekannt war und seine Werke für Millionen Dollar und mehr versteigert wurden, hat er Originaldrucke seiner bekanntesten Werke an einem Verkaufsstand an einem Bürgersteig in New York City für kleines Geld angeboten. Ein Verkäufer bot seine Drucke für 60 Dollar pro Stück an, obwohl sie einen Marktwert von mehreren Tausend Dollar erzielen könnten, während das Experiment mit versteckter Kamera gefilmt wurde.

Touristen und Einheimische passieren den Stand mehrere Stunden lang, ohne auch nur einen Print zu kaufen. Eine Frau kauft schließlich zwei der Drucke für ihre Kinder. Dabei handelt sie noch einen fünfzigprozentigen Rabatt raus - 2 zum Preis von 1 sozusagen. 

Nachmittags kauft eine Frau aus Neuseeland zwei weitere Drucke. Ein Mann aus Chicago bemerkt, dass er einfach etwas Dekoration für seine Wand braucht, und kauft vier Drucke.

Um 6 Uhr abends schließt der Verkäufer seinen Verkaufsstand mit einem Tagesumsatz von 420 Dollar.

2015 wurde schließlich einer dieser Drucke mit dem bekannten „Love is in the Air“-Motiv für 249.000 US-Dollar versteigert. 

Ein guter Deal für den glücklichen Verkäufer, der den Print damals für 60 Dollar gekauft hatte.

Welche Schlüsse kannst du daraus ziehen?

Umso eindrucksvoller ist allerdings der Beweis, dass Kunst eine so subjektive Angelegenheit ist, dass häufig lediglich der Name bzw. die Signatur auf einem Gemälde den Preis bestimmt, weil die Leute die Geschichte und die Motive des Künstlers kennen.

Die Nachfrage steigt nicht dadurch, dass ein Bedarf nach dem Produkt herrscht, der gedeckt werden muss, sondern dadurch, dass die Menschen sich mit der Kunst identifizieren können. Die Geschichte hinter dem Kunstwerk löst eine emotional gesteuerte Nachfrage aus, die durch einen Kauf befriedigt wird.

Immaterielle Werte wie emotionale Beziehungen sind es, die darüber entscheiden, ob ein Kunstwerk für 60 oder für 249.000 Dollar verkauft wird.

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