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KunstMalerei

Der Farbkreis nach Itten – Farbharmonien und Kontraste besser verstehen

Foto: inxti / Shutterstock

Johannes Itten war ein Schweizer Farbtheoretiker und Künstler, der den Grundkurs in Kunsthandwerk durch das Studium von Farbe und Form am Bauhaus lehrte. Er lehrte und studierte Farben sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus künstlerischer Sicht.

Einflüsse der Farbe

Ittens bemerkenswertester Einfluss auf die heutige Farbtheorie war seine Assoziation bestimmter Farben mit bestimmten Emotionen. Er erklärte, dass Farben Kräfte sind, strahlende Energien, die uns positiv oder negativ beeinflussen, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Laut Itten repräsentieren alle mit Weiß aufgehellten Farben die helleren und besseren Aspekte des Lebens, während alle mit Schwarz abgedunkelten Farben alle dunkleren, traurigen und negativen Kräfte repräsentieren.

Ittten wies Farbqualitäten wie warm und kühl zu, um zu beschreiben, wie Farben miteinander reagieren und wie sie Menschen physisch und psychisch beeinflussen. Sein Buch Kunst der Farbe war eine Synopse seiner Lehren am Bauhaus und bahnbrechend in seiner Studie darüber, wie Farben den Betrachter beeinflussen. Seine Verwendung der Psychoanalyse zur Verbreitung seiner Theorien unterschied ihn von seinen Zeitgenossen.

Itten glaubte, dass einige Individuen eine Vorliebe für bestimmte Kontraste und Schwierigkeiten im Umgang mit anderen haben. Er nannte die bevorzugten Farbkombinationen einer Person subjektive Farben.

Farbkreis Itten

Itten organisierte seinen Farbkreis nach primären, sekundären und tertiären Ordnungen: 

  • Die Grund- oder Primärfarben sind gelb, rot und blau. Sie sind in einem gleichwertigen Dreieck mit gelb oben, rot unten rechts und blau unten links angeordnet.
  • In den gleichschenkligen Dreiecken zwischen den benachbarten Seiten des Primärfarbdreiecks befinden sich drei Mischfarben, die jeweils aus zwei Primärfarben bestehen. Das sind die Sekundärfarben
  • Außerhalb dieser sechs Primär- und Sekundärfarben liegt der Farbkreis mit insgesamt 12 Farben. Neben den jeweils drei Primär- und Sekundärfarben befinden sich sechs Tertiärfarben in dieser Anordnung, die sich durch das Mischen aus einer Primär- und der benachbarten Sekundärfarbe ergeben.

In einem Modell nach Itten sieht diese Anordnung wie folgt aus:

Tertiärfarben Itten

Primärfarben (1), Sekundärfarben (2), Tertiärfarben (3) - Farbkreis nach Johannes Itten

Alle gegenüberliegende Komplementärfarben sowie alle Dreiklänge, deren Farben gleichschenklige Dreiecke bilden, und alle Vierecke, die ein Quadrat oder Rechteck bilden, sind harmonische Farben, so Itten.

Itten ging noch einen Schritt weiter und schuf eine kugelförmige Version seines Farbkreises, die die 12 Farbtöne und einen zweistufigen Farbton und Schatten für jeden Farbton (sowie Schwarz und Weiß für die absolute Helligkeit und Dunkelheit) enthielt. Die Form einer Kugel wurde bestimmt, da es sich um die elementare Form der universellen Symmetrie handelt. Sie dient der Veranschaulichung aller grundlegenden Zusammenhänge zwischen den Farben und zwischen Schwarz und Weiß. Die äquatoriale Zone der Kugel zeigt die reinen Farbtöne, die anschließend mit Weiß aufgehellt und mit Schwarz abgedunkelt werden. 

Die verschiedenen Tönungen jeder Helligkeits- oder Dunkelheitsstufe sollten gleich sein und dem Grau dieser Ebene entsprechen.

Johannes Ittens Sieben Farbkontraste

Itten war einer der ersten, der erfolgreiche Methoden entwickelte, um markante Farbkontraste zu erzeugen. Seine Sieben Farbkontraste haben auch heute noch eine maßgebliche Bedeutung. Diese Kontraste umfassen den Farbe-an-sich-Kontrast, Hell-Dunkel-Kontrast, Komplementärkontrast, Kalt-Warm-Kontrast, Qualitätskontrast, Quantitätskontrast, Simultankontrast, Sukzessivkontrast.

Er sagte, dass diese Prinzipien an sich zwar keinen guten Künstler machen wo das Talent fehlt, aber dass es vielen die Peinlichkeit ersparen würde, ungeschickte Fehler hinsichtlich Farbspektrum und Harmonie zu machen.

Johannes Ittens Schülerexperimente

Itten führte interessante Experimente mit seinen Schülern durch. Er bat sie, die vier Jahreszeiten in beliebigen Farben darzustellen. Zu seiner Überraschung verwendeten alle Schüler völlig unterschiedliche Farbsätze voneinander, aber jeder konnte leicht erkennen, welche Jahreszeiten ihre Mitschüler ausdrückten.

Johannes Itten Farbkreis Blätter

Foto: naKornCreate / Shutterstock.com

Als Ergebnis dieser Erfahrungen beschrieb Itten den Frühling als jugendlich, hell und strahlend, ausgedrückt mit leuchtenden Farben, insbesondere gelb, gelbgrün, rosa und lila. Die Sommerfarben sind warm, gesättigt und aktiv, mit klaren Primärfarben wie Rot, Königsblau, Smaragdgrün, Violett und Magenta, die alle einen dezenten blauen Unterton haben. Die Farben, mit denen der Herbst beschrieben wird, stehen in einem sehr starken Kontrast zu denen, die den Frühling darstellen. Typische Herbstfarben sind Rost, Blaugrün, Avocadogrün, Senfgelb und Beige. Herbstblätter, Lagerfeuer, Kürbisse und die ganze Natur spiegeln die Farben der Herbstpalette perfekt wider. Der Winter wird typischerweise mit den grau getönten, gedämpften, kühlen Farben wie Schieferblau, Winterweiß, Holzkohle, Malve, Burgunder und einer endlosen Vielfalt an Pastellen und eisigen Farben dargestellt. Die Farben des Winters sind wie eine Schneelandschaft: eisig, gedämpft, grau und sehr gedämpft.

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