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Florine Stettheimer – Leben, Werk und Einflüsse

The Cathedrals of Fifth Avenue, 1931Florine Stettheimer, The Cathedrals of Fifth Avenue, 1931

Für ein einzigartiges Kunsterlebnis laden die Gemälde von Florine Stettheimer (1871-1944) ein. Als Tochter einer wohlhabenden deutsch-jüdischen Familie in New York schuf Stettheimer eine Ästhetik, die ganz ihr eigen war. Sie zeigte moderne Szenen der reichen New Yorker Upperclass in einem bunten und festlichen Stil, der sowohl Elemente der Volkskunst als auch der Avantgarde miteinander verbindet.

Ihre Bilder scheinen die Gewohnheiten und Sorgen ihrer eigenen bürgerlichen Welt auf satirische Art und Weise darzustellen. Ihre Arbeiten sind jedoch so voll gepackt mit Fröhlichkeit und bunten Farben, dass es sich dabei nicht um reine Sozialkritik ohne jegliche Zuneigung für ihre Motive handelt.

'The_Cathedrals_of_Broadway'_by_Florine_Stettheimer,_1929

Florine Stettheimers Figuren sind launisch und verzerrt, als ob sie in einer Traumwelt leben würden. Sie sind schlaksig und nehmen übertriebene Posen an, die sie so aussehen lassen, als wären sie aus Gummi. Auch ihre Größe und Zusammensetzung sind oft unerwartet.

Sie malte manchmal mit so dicker Farbe, dass ihre Leinwände beinahe gestickt aussahen, wenn man sie aus der Nähe betrachtet. Sie hat oft markante Schriften in ihre Bilder aufgenommen, die ihnen ein modernes, werbeähnliches Gefühl verleihen. Sie signierte ihre Arbeiten an ungewöhnlichen Stellen und es kann Spaß machen, ihr Handschriften zu suchen.

Stettheimer nahm nur selten an traditionellen Galerien- oder Museumsausstellungen teil. Stattdessen zog sie es vor, ihre Arbeiten zu ihren eigenen Bedingungen bei Veranstaltungen zu zeigen, die sie “Geburtstagsfeiern” nannte.

A-Model-Nude-Self-Portrait-by-Florine-Stettheimer

Stettheimers Familie war wohlhabend, so dass sie keine Kunst verkaufen musste, um sich selbst zu versorgen. Das machte sie wahrscheinlich zu einer Außenseiterin in der Kunstwelt und exakt diese Unabhängigkeit scheint ihr auch die Freiheit gegeben zu haben, zu malen, wie sie wollte. Doch trotz der Tatsache, dass Florine Stettheimers Gemälde selten an den Wänden der Galerie auftauchten, blieb sie mit wichtigen Persönlichkeiten der Kunstwelt eng vernetzt. Stettheimer, ihre Mutter und ihre Schwestern veranstalteten Salons, die bei einem Publikum der Avantgarde beliebt waren, darunter der Künstler Marcel Duchamp. Diese Künstler, Schriftsteller und andere Persönlichkeiten erscheinen in vielen Gemälden Stettheimers, genau wie ihre Schwestern, ihre Mutter und sie selbst. Dies wurde so interpretiert, dass sie ihre Teilnahme an den von ihr karikierten sozialen Bräuchen anerkannte.

Stettheimers akademische Ausbildung

Nur weil ihre Werke naiv aussehen, bedeutet das nicht, dass sie es tatsächlich waren. Stettheimer wurde an der Art Students’ League in New York und in Europa ausgebildet und konnte hervorragend zeichnen. Florine Stettheimers Gemälde sehen daher vollkommen freiwillig so aus, wie sie aussehen. Durch dieses Markenzeichen werden ihre Werke erst richtig interessant.

Florine Stettheimer war nicht nur in der praktischen, sondern auch in der theoretischen Kunstausbildung erstklassig aufgestellt. Vor dem Ersten Weltkrieg verbrachte sie mit ihrer Familie Zeit in Europa, wo sie viel Kunst aus erster Hand erleben konnte. Sie wurde stark von den Post-Impressionisten beeinflusst, aber es ist auch leicht, ihr Wissen über die Kunst der früheren Vergangenheit zu beobachten. Ihr eigenes nacktes Selbstporträt kommt beispielsweise mit deutlichen Anspielungen auf Manets Olympia und sie malte ebenfalls eine Hommage an Botticellis Geburt der Venus. Ihre Figuren erinnern aufgrund ihrer oft lang gestreckten Proportionen und ihres eigenartigen Verhaltens an mittelalterliche Marginalien, die an den Rändern von kunstvoll gestalteten Manuskripten zu finden waren. Stettheimer bewegte sich mit Leuten wie Duchamp in Dada-Kreisen, und ihre Arbeit scheint eine sanftere Seite des unsinnigen Dada widerzuspiegeln.

The Cathedral of Art
The Cathedral of Art

Stettheimers berühmteste Werke parodieren die Gesellschaft, in der sie lebte – die des bürgerlichen New York der 1910er und 1920er Jahre. Ihre bekannte Serie “Cathedrals of New York” bezieht sich auf vier Schlüsselelemente der New Yorker Gesellschaft – Fifth Avenue, Broadway, Wall Street und Kunst.

Florine Stettheimer: Intention ihrer Kunst

Florine Stettheimer war eindeutig ein Individuum – eine Frau, die ihr eigenes Ding machte, egal ob es beliebt war oder nicht. Sie schrieb nicht sehr viel über ihre Werke, und ihre Schwester vernichtete auf Florinen Wunsch hin einen Teil ihrer Notizen nach ihrem Tod. Das bedeutet, dass wir nicht viel über Florine Stettheimers Bilder oder Absichten aus ihrer eigenen Sicht wissen. Allerdings schrieb sie Gedichte und das ist wahrscheinlich unser bestes Mittel, um ihre Intention nachzuvollziehen. Trotzdem war es wohl das Anliegen von Florine, die Interpretationen dem Betrachter zu überlassen und ihn nicht durch ihre eigenen Worte oder Notizen zu den Werken zu beeinflussen.

Dennoch sind Florine Stettheimers Gemälde zweifellos einzigartig und spannend, so dass sie wahrscheinlich immer unterschiedliche Ideen und Interpretationen bei verschiedenen Betrachtern auslösen werden.

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