Malerei

Ratgeber zur Fluid Art: Die vielfältigen Möglichkeiten in einer Übersicht

Fluid Painting Beispiel

Ein Fluid Painting ist ein Kunstwerk, das mit besonders flüssigen Farben gemalt wurde. Während das Acrylic Pouring eine beliebte Form des Fluid Painting ist, ist es nicht die einzige Option. Genauso gut kannst du Alkoholtinten verwenden, aber auch Aquarellfarbe ist in der Lage, wässrige, fließende Strukturen zu erschaffen.

Das Besondere an einem Fluid Painting ist die Tatsache, dass du ein wenig Kontrolle an die Farbe abgeben musst. Es geht nicht darum, ein bestimmtes Motiv möglichst naturalistisch zu malen, sondern die Farbe so zu manipulieren, dass das Ergebnis deinen abstrakten Ideen entspricht. Es kann möglichst interessant, besonders kontrastreich oder sogar harmonisch sein. 

Sehen wir uns in diesem Artikel an, welche Farbarten dir zur Auswahl stehen, wie du bei der Vorbereitung der Farbe vorgehst und von welchen physikalischen Kräfte die Wechselwirkung der Farben abhängt.

Diese Farbarten stehen dir zur Auswahl

Ein Fluid Painting mit Acrylic Pouring gießen

Acrylic Pouring Techniken Titelbild

Besonders fließfähige Acrylfarben sind wohl das gängigste Farbmedium, um Fluid Art zu kreieren. Dazu werden die Farben mit einem Gießmedium und Wasser verrührt, um die gewünschte Viskosität zu erreichen. Anschließend werden die Farben in unterschiedlichen Gießtechniken auf den Untergrund aufgetragen.

Der Vorteil der Acrylfarbe ist die besonders hohe farbliche Intensität, ihre Deckkraft und die außergewöhnliche Beständigkeit. Nachteilig sind der recht hohe Vorbereitungsaufwand und die recht hohen Kosten für die großen Farbmengen und Gießmedien.

Fluid Paintings mit Alkohol Tinte

Alcohol Ink Beispiel

Foto: FolsomNatural / Flickr

Der Einsatz von Alkoholtinten kann eine spielerische Art und Weise sein, ein Fluid Painting zu erschaffen. Es eignet sich besonders für Hintergründe oder Werke mit fließenden Strukturen. Du kannst dieses Medium auch verwenden, um Fluid art auf verschiedenen Oberflächen wie Glas und Metallen zu malen.

Alkoholfarben sind ein säurefreies, hochpigmentiertes und schnell trocknendes Medium, das auf nicht saugfähigen Oberflächen verwendet werden kann. Willst du Alkoholtinte beispielsweise auf Stein verwenden, benötigst du eine undurchlässige Grundierung wie Gesso, die die Oberfläche versiegelt.

Besonders beliebt sind die Tinten auf Alkoholbasis wegen ihrer marmorierten Struktur. Gerne werden sie in Mixed Media Kunstwerken eingesetzt, können aber auch als alleinstehende Werke ihre volle Wirkung entfalten.

Ein Fluid Painting in Aquarell malen

Aquarellmalerei

Foto: Boyan Dimitrov / Shutterstock

Aquarellfarben sind die am einfachsten zugängliche Form flüssiger Farbe. Da sie auf Wasser basieren, sich leicht mischen lassen und in Windeseile angerührt werden, kannst du mit Aquarellfarben unkomplizierte und schöne Fluid Art erschaffen. Du benötigst keine Zusatzstoffe (außer Wasser), um eine geeignete Viskosität zu erhalten.

Aquarellfarben sind transparenter als Acrylfarben und Alkoholtinten und müssen deshalb sehr sorgfältig aufgetragen werden. „Fehler“ kannst du nicht so leicht korrigieren wie mit Acrylfarbe. Eben dieses Element des Zufalls macht allerdings auch die Schönheit dieser Farbart aus.

Auch Resin Art ist flüssige Kunst

Resin Art Beispiel

Resin bedeutet auf Deutsch so viel wie Harz. Gemeint ist hier ein Kunstharz wie Epoxidharz, das mit Farbe vermischt ebenfalls eingesetzt werden kann, um ein Bild zu malen. Besonders gerne wird das glänzend aushärtende Material zur Darstellung von Meeresszenen genutzt. 

Die Vorbereitung ist aufwändiger als die der anderen Farbmedien, da du die zwei Komponenten der Verbindung (Harz und Härter) miteinander vermischen musst, um sie zu aktivieren. Im Anschluss beginnt das Material auszuhärten, sodass die Verarbeitungszeit begrenzt ist. Neben dem Einsatz von Handschuhen und Atemschutz ist im Umgang mit dem Gemisch höchste Sorgfalt gefragt. 

Belohnt wirst du mit hoher Strahlkraft, einer einzigartigen Bildtiefe und einer resistenten Oberfläche, die sich beispielsweise auch als Tischplatte eignet. 


Und so gehts: Das erste Fluid Painting erschaffen

Sortiere deine Materialien

Fluid Art gelingt am besten auf einer versiegelten, grundierte Oberfläche. Eine mit Gesso grundierte Leinwand ist perfekt geeignet, aber ebenso gut eignet sich grundiertes Papier oder grundiertes Holz. Nur dann, wenn die Oberfläche die Farbe nicht aufsaugt, kann sie ungehindert gleiten und sich gleichmäßig verteilen, ohne ihre Intensität zu verlieren. 

Je nach Farbart solltest du unterschiedliche Utensilien bereithalten. Beispielsweise wirst du für ein Fluid Painting im Sinne des Acrylic Pouring einige Mischbecher, Stäbchen sowie Zusatzstoffe zur Verdünnung der Farbe kaufen müssen. Für die Alcohol Ink sowie für die Aquarellfarbe ist der Aufwand ein wenig geringer.

Bereite deine Farben vor

Auch hier spielt die Farbart die entscheidende Rolle. 

Willst du - so wie es viele Künstler bevorzugen - mit Acrylfarben fließend aussehende Kunstwerke erschaffen, musst du die Farbe, ein Gießmedium und Wasser in den richtigen Mengen vermischen, um die Acrylfarbe zu verdünnen. Anschließend erwartet dich das Abfüllen der Farben in Becherchen, die du in einer Reihenfolge deiner Wahl miteinander zusammengießt.

Alkoholtinten müssen häufig ebenfalls mit einem Medium verdünnt werden, um ihre Fließeigenschaften für dein Vorhaben anzupassen. Da hier Alkohol als Lösungsmittel zum Einsatz kommt, kannst du nicht einfach Wasser zum Verdünnen der Farbe verwenden, sondern benötigst reinen Alkohol.

Aquarellfarben bedürfen lediglich ein wenig Wasser, um sie für dein Kunstwerk anzurühren. Befeuchte deinen Pinsel und rühre die Farben in den Näpfchen an. Anschließend kannst du ihre Intensität durch weitere Zugabe von Wasser reduzieren und ihre Fließeigenschaften gezielt steuern.

Die Farben auf die Maloberfläche bringen und verteilen

Je nach Farbe ist der Auftrag gänzlich unterschiedlich. Im Acrylic Pouring wird die Acrylfarbe auf die Oberfläche gegossen und dann durch Neigungen verteilt. Die Alkoholtinte kann gegossen oder mit einem Pinsel verteilt werden. Aquarellfarbe wird idealerweise mit einem weichen Haarpinsel unter Zugabe von sehr viel Wasser aufgetragen, um ein wenig Kontrolle auf die Aquarelleffekte ausüben zu können.


Die Wissenschaft hinter der Fluid Art

Wusstest du, dass es eine Wissenschaft hinter den physikalischen Prozessen im Fluid Painting gibt?

Obwohl die Popularität des Fluid Painting und des Acrylic Pouring in letzter Zeit stark zugenommen hat, existiert die Technik selbst schon seit den 1930er Jahren. Ein mexikanischer Künstler namens David Alfaro Siqueiros erkannte in seinem Atelier erstmals diese Technik, die er als "zufällige Malerei" bezeichnete.

Siqueiros verliebte sich sofort in die Ästhetik, die eine Mischung aus Wissenschaft und Kunst sowie Komplexität und Schönheit darstellt. Seine Faszination für dieses Phänomen führte ihn zur Wissenschaft der Fluiddynamik.

Wenn eine dichtere Flüssigkeit auf einer weniger dichten ruht, strebt die obenauf liegende Flüssigkeit nach unten, wodurch die charakteristische Struktur eines Rasters entsteht.

In der Physik wird diese Wechselwirkung unterschiedlicher Dichten als Rayleigh-Taylor-Instabilität bezeichnet.

Verschiedene Pigmente werden aus unterschiedlichen Materialien hergestellt und jedes dieser Materialien hat ein spezifisches Gewicht und eine spezifische Dichte. Einige sind schwerer, wie Metalle, und andere stammen aus pflanzlichen Stoffen wie Blumen oder Harzen.

Wenn die Pigmente alle mit einem ähnlichen flüssigen Medium gemischt werden, so dass die Pigmente ähnlich gebunden sind und sich gegenseitig beeinflussen können, werden diese miteinander gegeneinander wirken, wenn man sie übereinander legt. Je nach Viskosität verdrängen sie sich, manchmal vermischen sie sich, aber am häufigsten steigen und sinken sie und erzeugen die typische Zellstruktur an der Maloberfläche.