Skulptur

Die traurige Geschichte des “Gallier Ludovisi” im Museo Nazionale Romano

Gallier Ludovisi

Der Gallier Ludovisi wird im Museo Nazionale Romano im Palazzo Altemps in Rom ausgestellt. Die Skulptur ist unter dem Namen bekannt, weil sie im 16. Jahrhundert zur Sammlung des Kardinals Lodovico Ludovisi gehörte.

Das hellenistische Vorbild war Teil des großen Siegesdenkmals im alten Pergamon, das König Attalus I. dem Hofbildhauer Epigonus anvertraute, um den Triumph seiner Armee gegen die Gallier im Jahr 240 n. Chr. zu feiern.

Diese Statuen sind römische Marmorkopien früherer griechischer Bronzen, die heute verloren sind.

Abgebildete Handlung des Gallier Ludovisi

Gallier Ludovisi Bart

Foto: Marie-Lan Nguyen / CC BY-SA 2.5

Anstatt vom Feind gefangen genommen zu werden, wählt der Gallier, seine Frau zu töten und Selbstmord zu begehen (auch gelegentlich als "Gallischer Selbstmord" bezeichnet). Der Mann ist dargestellt, wie er die Gestalt einer sterbenden Frau in der linken Hand hält und mit der Rechten eine Klinge unter sein Schlüsselbein drückt.

Seine Nacktheit, sein Schnurrbart und sein buschiges Haar helfen, den Mann als Gallier zu identifizieren, während die aufwendig gekleidete Frau als die Frau eines keltischen Häuptlings identifiziert werden kann.

Die Skulptur im Kontext ihrer Entstehungszeit

Sobald wir den historischen Kontext der ursprünglichen griechischen Bronzen und der späteren römischen Arbeit kennen, können die Figuren identifiziert und das Thema und die Symbolik verstanden werden: Die Komposition ist zwar aus mehreren Blickwinkeln zu bewundern, aber es scheint eine sehr umständliche Form des Selbstmords zu sein.

Gallier Ludovisi Selbstmord

Foto: Livioandronico2013 / Wikipedia / CC BY SA 4.0

Das Gewicht des Mannes liegt auf dem linken Bein und sein Körper ist nach rechts gedreht, wobei das rechte Bein hinten steht. Er hält einen Dolch in der rechten Hand, schiebt aber die Spitze der Waffe auf der linken Seite unter das Schlüsselbein. Die daraus resultierende Muskelbewegung wird vom Bildhauer spektakulär dargestellt - eine erstaunliche Darstellung von Muskulatur und Anatomie.  

Aber ist es überhaupt möglich, das Herz zu durchbohren, indem man eine Kling in der rechten Hand hält, eine zusammengebrochene Frau in der linken und hinter sich selbst schaut?

Vielleicht ist es der letzte Blick des Galliers auf den Feind vor dem tödlichen Moment, wenn er seine Frau loslässt und den Dolch mit beiden Händen in sein Herz presst.