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Georg Baselitz – Biografie, bekannte Werke und künstlerischer Einfluss

Georg Baselitz BiografieFoto: Jean-Pierre Dalbéra / Flickr

Georg Baselitz hatte einen enormen Einfluss darauf, einer Generation deutscher Künstler zu zeigen, wie sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Kunst und den Fragen der nationalen Identität auseinandersetzen konnte.

Während sich andere der Konzeptkunst, der Pop Art und der Arte Povera zuwandten, belebte Baselitz den von den Nationalsozialisten angeprangerten deutschen Expressionismus wieder und gab der menschlichen Figur ihre zentrale Stellung in der Malerei zurück.

Baselitz inspirierte in den 1970er Jahren eine Wiederbelebung der neoexpressionistischen Malerei in Deutschland, wobei sein Beispiel auch viele weitere Künstler in den 1980er Jahren über die deutschen Grenzen hinaus anregte, mit ähnlichen Stilen zu experimentieren.


Biografie von Georg Baselitz

Frühes Leben und Ausbildung

Geboren als Hans-Georg Kern wuchs Georg Baselitz in Deutschbaselitz in der späteren DDR als Sohn eines Lehrers auf. Im Jahr 1950 zog die Familie Baselitz nach Kamenz, wo ihr Sohn das Gymnasium besuchte.

In einem Interview beschreibt Baselitz, wie er in seiner Jugend den Drang verspürte aufzufallen, nachdem er sich von seinen Gleichaltrigen außen vor gelassen fühlte. Zunächst probierte er sich in der Musik am Klavier, dann in der Dichtung, bevor er schließlich die Malerei für sich entdeckte.

1956 begann Baselitz sein Studium der Malerei an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Ostberlin. Nach zwei Semestern wurde er wegen "gesellschaftspolitischer Unreife" von der Hoschule verwiesen.

Er setzte sein Studium in West-Berlin an der Hochschule für Bildende Künste (heute: Universität der Künste Berlin) fort.

Im obigen Interview schildert Baselitz, wie gravierend ihn eine Ausstellung der abstrakten Expressionisten in seiner Hochschule beeinflusste.

Mittleres Werk

Georg Kern nahm den Nachnamen Baselitz 1958 als Hommage an seine sächsische Heimat an. Während seiner Zeit in West-Berlin schuf Baselitz eine Reihe von fantasievollen Porträts, darunter der Rayski-Kopf

Die Serie konzentrierte sich auf die deutsche Identität in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde von Kriegssoldaten inspiriert, die in der Nähe von Baselitz' Heimat stationiert waren. Die Gemälde bestehen aus dicken, fließenden Pinselstrichen, wobei die Personen eher als Karikaturen denn als traditionelle realistische Porträts erscheinen.

In den 1960er Jahren vertiefte Baselitz in Gemälden und Holzschnitten bestimmte Archetypen, meist von Rebellen, Helden und Hirten. Er interessierte sich zunehmend für die Anamorphose, die verzerrte Darstellung eines Bildes, wie sie in den Proportionen und Gesichtszügen seiner Figuren zum Ausdruck kommt.

Bei seiner ersten Einzelausstellung 1963 wurden viele seiner groteskeren Gemälde, wie Der Nackte Mann und Die große Nacht im Eimer, als zu umstritten angesehen und in der Folge von der Staatsanwaltschaft als obszön bezeichnet und beschlagnahmt.

 

Baselitz fuhr fort, seinen Stil durch Experimente neu zu erfinden. In dem Versuch, den Stil vom Gegenstand zu befreien, schuf Baselitz 1969 sein erstes auf dem Kopf stehendes Gemälde mit dem Titel Der Wald auf dem Kopf.

Georg Baselitz zog 1975 ins Schloss Derneburg, wo er bis 2006 lebte und arbeitete. Er hatte Anstellungen als Dozent für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und an der Hochschule der Bildenden Künste in West-Berlin. 

Er benutzte weiterhin die Malerei als sein primäres Ausdrucksmittel, wobei er weiterhin eine emotionale Aufruhr durch verzerrte Figuren und einen  markanten Pinselstrich darstellte.

Baselitz erfand sein Werk 1979 neu, als er begann, Holzskulpturen zu schaffen. Ähnlich wie seine Gemälde waren die Skulpturen kraftvoll und schroff zugleich. Er verzichtete auf eine Glättung der Bildelemente, so dass die Oberfläche abgesplittert, zerkratzt und uneben blieb, was zu dem rauen Aussehen beitrug.

Baselitz' Ruf als bedeutender bildender Künstler wurde bekräftigt, als er 1980 ausgewählt wurde, Deutschland auf der Biennale von Venedig zu vertreten. Dort stellte er eine grob geschnitzte Holzfigur aus, die aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Armhaltung Kontroversen und Vergleiche mit dem Nazi-Gruß auslöste.

Fortgeschrittenes Werk und derzeitiges Schaffen

Georg Baselitz, Meine neue Mütze, 2003

Georg Baselitz, Meine neue Mütze, 2003 | Foto: Heinz Bunse / Flickr

Seit den 1990er Jahren fertigt er weiterhin Zeichnungen, Holzschnitte, Gemälde und Skulpturen an und war auch als Bühnenbildner für Opern tätig.

Im Jahr 1995 fand seine erste große Retrospektive in den Vereinigten Staaten im Guggenheim Museum in New York City statt.
Georg Baselitz lebt und arbeitet derzeit in München und Imeria.


Der Einfluss von Georg Baselitz

Georg Baselitz hat sich als bildender Künstler von internationalem Rang etabliert und deckt nahezu alle künstlerischen Medien ab. Sein Werk setzt sich mit der eindringlichen Realität der deutschen Vergangenheit und der Tragödie des Deutschseins in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auseinander.

Baselitz ist heute vor allem für seine auf den Kopf gestellten Bilder bekannt, die den Schwerpunkt vom Thema auf die Eigenschaften der Malerei selbst verlagern und nicht nur eine bemalte Leinwand, sondern ein fast skulpturales Objekt schaffen.

Die anamorphotische Qualität seiner Figuren hatte einen starken und internationalen Einfluss auf die Künstler des Neoexpressionismus.


Bedeutende Werke von Baselitz

Die große Nacht im Eimer, 1962/63

Die große Nacht im Eimer stellt einen kleinen Jungen dar, vielleicht ein Selbstbildnis des Künstlers, der einen übertriebenen Phallus hält, und ist eines der umstrittensten Gemälde von Baselitz. Es wurde durch einen Artikel über den irischen Dramatiker Brendan Behan inspiriert, der ein berüchtigter Trinker war.

Während seiner ersten Einzelausstellung 1963 in einer Berliner Galerie wurde das Bild von der Staatsanwaltschaft wegen "Verstoßes gegen die öffentliche Ordnung" beschlagnahmt. Das schockierende Bildmotiv sollte ein Erwachen fördern, das Baselitz in einem Nachkriegsdeutschland, das sich in einer Zeit der Amnesie bezüglich seiner jüngsten Vergangenheit eingelullt hatte, für notwendig hielt.

Der Wald auf dem Kopf, 1969

Der Wald auf dem Kopf ist Baselitz' erstes Gemälde, in dem er sein Sujet umdreht, um die Erkennbarkeit der dargestellten Objekte zu erschweren.

Sein Motiv, das auf einem Bild des Malers Louis Ferdinand von Rayski aus dem frühen 19. Jahrhundert basiert, ähnelt den Motiven seines früheren Werks, doch ordnet er es hier den physikalischen Eigenschaften des Mediums unter. 

Diese radikale Herangehensweise erschwert unsere Fähigkeit, das Bild zu interpretieren, so dass wir uns fragen, ob wir nun eine Abstraktion oder einfach nur eine konventionelle, umgedrehte Szene vor uns sehen. Man könnte es als symptomatisch für Baselitz' anhaltende Versuche interpretieren, einen anderen Weg zu finden als den, der bei seinem künstlerischen Aufstieg vorherrschte.

Modell fur eine Skulptur, 1980

Modell fur eine Skulptur ist Baselitz' erste Skulptur. Es ist ein typisches Beispiel für seinen Umgang mit Holz. Eine Vorgehensweise, die dem Umgang mit Farbe in seinen früheren Arbeiten entspricht. Baselitz fand Inspiration für diesen Ansatz in der afrikanischen Skulptur, da er glaubte, dass sie ein Modell für einen spontaneren Ausdruck von Bewegung und menschlicher Emotion bietet. 

Das Werk wurde erstmals 1980 im Westdeutschen Pavillon der Biennale von Venedig ausgestellt. Baselitz hatte ursprünglich beabsichtigt, Gemälde zu zeigen, änderte seine Entscheidung ziemlich spät und lieferte nur diese Skulptur.

Das Werk löste sofort Kontroversen aus, da die Geste des erhobenen Arms der Figur einem Nazi-Gruß ähnelt. Die rot-schwarze Farbgebung der Figur wurde auch als Anspielung auf die Farben des Dritten Reiches gewertet.

Es bieten sich jedoch auch andere Quellen für die Skulptur an: vielleicht die Futuristischen Bronze "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum" von Umberto Boccioni. Baselitz hat auch gesagt, dass das Werk von einer Köstlichkeit inspiriert wurde, die er auf einem Markt in Dresden fand.