Basteln & DIY

Gießharz, Epoxidharz und Resin: Kunst und Bastelei mit Harz

Gießharz EpoxidharzFoto: Ermak Oksana / shutterstock.com

In Handwerk und Industrie wird Gießharz vor allem zur Oberflächenversiegelung, etwa bei Booten oder Karosserien, genutzt. Doch Kunstharz ist nicht nur funktional, sondern kann auch richtig apart ausschauen. Aktuell sind Gießharz-Schmuckstücke ein angesagter DIY- Trend. In transparentes Gießharz lassen sich Blüten, Glitzer und noch mehr einschließen, um schöne Hingucker zu kreieren.

Was du sonst noch so mit Kunstharz anstellen kannst? Wir haben ein paar kreative Gießharz-Ideen zusammengestellt und geben Tipps, wie du sie selbst umsetzen kannst.

Gießharz – was ist das eigentlich?

Doch auf Anfang! Gießharz – im Englischen „resin“ genannt – bekommst du im Baumarkt oder Bastelladen. Bevor du loslegst, solltest du wissen, dass es mehrere Arten von Gießharz gibt. Epoxidharz und Polyesterharz unterscheiden sich hauptsächlich darin, wie lange sie zum Aushärten brauchen. Zur Herstellung werden Harz und Härter in einem bestimmten Mischverhältnis miteinander vermengt. Dabei ist es wichtig, dass du dich genau an die Herstellerangaben hältst. Sofern keine Messhilfe in der Packung vorhanden ist, kannst du auf einen Messbecher oder eine digitale Küchenwaage zurückgreifen. Im Handel gibt es außerdem Kunstharz zur Herstellung im Mischverhältnis 1 : 1. So reicht es, einfach dasselbe Gefäß zum Abmessen zu verwenden, um die gleiche Menge Harz und Härter miteinander zu vermischen.

Epoxidharz – glasklare Versiegelung für deine Schmuckstücke

Nach Hinzufügen des Härters verbindet sich das Gemisch beim Epoxidharz zu einer festen Masse. Je nach Anteil des Härters variiert die Zeit, bis das Harz fest ist, sowie der Härtegrad. Epoxidharz liegt meist in transparenter Form vor und bietet sich daher besonders zur Schmuckherstellung mit eingeschlossenen Details an.

Tipp: Durch das Beimengen von Farbpigmenten kannst du interessante Effekte bei deinen DIY-Werken erzielen.

Epoxidharz – jetzt kommt Farbe ins Spiel

Das transparente Harz ist ideal, um Kleinstteile wie getrocknete Blüten oder Glitzer effektvoll einzuschließen. Wenn dir das trotzdem zu farblos erscheint, kannst du Epoxidharz nach deinen Wünschen einfärben. Achte darauf, dass die verwendeten Farben vom Harz nicht aufgelöst werden.

Die folgenden Färbemittel haben sich im Umgang mit Epoxidharz bewährt.

  • Acrylfarbe – verdünnt oder pur
  • Airbrushfarbe – z. B. mit Glitzereffekt
  • Pigmentpulver – auf passende Körnung achten und unbedingt vor Beimengen des Härters zum Harzgemisch geben

Eine weitere Möglichkeit, deine Werke lebendiger aussehen zu lassen, ist das Arbeiten mit natürlichen Materialien, allen voran mit getrockneten Blüten. Doch auch die Samenschirmchen von Pusteblumen sehen toll in deinem Schmuckstück aus. Damit dieses organische Material in deiner Bastelei nicht irgendwann zu faulen anfängt, muss es vor dem Einschließen in das Harz vollkommen durchgetrocknet sein.

Tipp: Zu diesem Zweck kannst du Blüten mehrere Wochen zwischen zwei Schichten von Papier und beschwert von dicken Büchern trocknen. Diese Vorgangsweise kennst du vielleicht aus dem Bio-Unterricht, wenn es darum geht, ein Herbarium anzulegen.

Darüber hinaus können kleine Druckwerke oder Fotos in deine Bastelei eingeschlossen werden. Allerdings sind nicht alle Druckfarben feuchtigkeitsbeständig. Damit dein Motiv beim Einlassen des Gießharzes nicht verläuft, solltest du dein Bild vorher mit einem Fixativ besprühen.

Polyesterharz – formgebend bei deinen Projekten

Nur wenige Tropfen des Reaktionskatalysators genügen, damit Polyesterharz beginnt zu härten. Polyesterharz härtet jedoch nicht nur schneller als Epoxidharz aus, sondern ist anschließend auch stabiler. Vor allem größere Formteile werden daher aus Polyesterharz gefertigt. Papier und andere Materialien erhalten durch eine Oberflächenversiegelung mit Polyesterharz die nötige Stabilität. Das Harz ist daher von besonderem Interesse für Modellbauer und Leute, die selber Cosplay-Kostüme herstellen.

Kunststoffplatten aus Fiberglas werden durch das Auftragen von Polyesterharz zunächst formbarer. Das funktioniert, indem das im Harz enthaltene Styrol den Binder im glasfaserverstärkten Kunststoff auflöst. Schöner Nebeneffekt: eine glatte Oberfläche nach dem Aushärten. Zu den ungewollten „Nebenwirkungen“ gehört jedoch, dass der Stabilisator Styrol ein leicht entflammbares Gemisch mit der Luft eingeht und reizend auf die Atemwege wirkt. Grundsätzlich sollte bei der Arbeit mit Polyesterharz auf eine gute Raumbelüftung geachtet werden. Außerdem solltest du eine Atemschutzmaske tragen.

Form mit Funktion – Gießharz-Anleitung

Wie der Begriff Gießharz erahnen lässt, benötigt du eine Gussform, um Schmuckanhänger, Dekoration und anderes herzustellen. Meist werden hierfür Formen aus Silikon verwendet.

Gussformen, die du womöglich schon zuhause hast

Runde, eckige und andere Förmchen aus Silikon bieten sich insbesondere für die Schmuckherstellung an. Die passenden Gussformen hast du vielleicht schon zuhause – in der Küche. Eiswürfel- und Backformen aus Silikon gibt es heutzutage in nahezu allen erdenklichen Designs und sie bieten sich auch fürs Basteln mit Gießharz an. Genauso leicht wie du Eiswürfel, Muffins & Co aus der Form drücken kannst, funktioniert das Ganze auch mit Kleinteilen aus Gießharz.

Hinweis: Am besten du nutzt Silikonformen entweder zum Kreieren von Basteleien oder zum Kredenzen von Leckereien. Nicht beides.

Harte Schale, harter Kern – andere Gussformen

Während Silikonformen den Vorteil haben, dass du deine Basteleien aus dem flexiblen Material einfach herausdrücken kannst, musst du bei harten Gussformen vorsorgen, damit du dein Werk nach dem Aushärten aus der Form lösen kannst. Grundsätzlich kannst du Kappen, Hüllen und andere Formen aus Plastik, Metall und weiteren festen Werkstoffen als formgebende Helfer beim Basteln mit Gießharz verwenden.

Tipp: Du kannst für deine selbstgemachten Gussformen nicht nur feste Formen wie Dosen, Einmachgläser oder Kronkorken verwenden, sondern auch flexible Gegenstände wie etwa Plastiktüten, solange sie dem Harz gegenüber beständig sind und sich nicht auflösen.

Bedenke jedoch, dass sich das Harz während des Aushärtens fest mit der Form verbindet. Daher ist es wichtig, dass du deine Gussformen vor dem Einlassen des Gießharzes ordentlich einfettest, wenn du dein Werk nachher noch aus der Form bekommst. Der Ölfilm verhindert, ähnlich wie beim Backen, dass das Harz am Rand der Form „kleben“ bleibt. Das Einpinseln des Innern der Form mit herkömmlichem Speiseöl genügt.

Fällt nicht aus dem Rahmen: Arbeiten ohne Form – Gießharz-Ideen

Du kannst das flüssige Gießharz einfach in feste oder flexible Formen füllen, musst dies aber nicht. Leere Schmuckfassungen kannst du auch freihändig mit Harz ausfüllen. Kleide deine Arbeitsfläche dazu mit einer schützenden Unterlage aus Wachstuch, Butterbrotpapier oder ähnlichem aus. Anschließend kannst du die gewünschte Fassung darauf platzieren und dich mit Epoxidharz, Glitzer und anderem Zubehör kreativ austoben, um dein ganz persönliches Schmuckstück zu fertigen.

Sicher arbeiten mit Gießharz – Anleitung und Zubehör

Beim Arbeiten mit Gießharz kommt es nicht nur auf das richtige Mischverhältnis zwischen Harz und Härter an. Zu deiner eigenen Sicherheit und im Sinne des Umweltschutzes solltest du auch alle anderen Herstellerhinweise auf der Packung beachten, insbesondere:

  • Arbeiten mit Handschuhen – entweder gewöhnliche Haushaltshandschuhe oder (für besseres Fingerspitzengefühl) Einweghandschuhe
  • Werkeln in gut belüfteten Räumen und bestenfalls mit Atemschutzmaske
  • Basteln auf sauberem, staubfreiem, trockenem Untergrund mit entsprechender Unterlage aus Material, an dem das Harz nicht haften kann, z.B. Wachspapier
  • Sicheres Entsorgen von Resten gemäß Herstellerangaben

Tipps im Umgang mit Gießharz – Anleitung für ein sauberes Ergebnis

Ordnung ist das halbe Leben, heißt es. Ob das wirklich stimmt? Im Umgang mit Gießharz schon. Vor allem in transparentem Epoxidharz würde nachher jeder Krümel und jede Staubfluse sichtbar werden. Achte daher auf eine aufgeräumte Arbeitsumgebung. Dabei sollte nicht nur der Untergrund, auf dem du arbeitest, sauber und trocken sein, sondern insbesondere die Stelle, wo du dein Werk zum Aushärten aufstellst, auch von oben geschützt sein.

Tipp: Stülpe nach dem Arbeiten einen Karton, eine Plastikbox oder ähnliches über dein Werk, damit kein Staub oder Schmutz an die Oberfläche gelangt, solange deine Bastelei noch nicht trocken ist.

Wovor so eine Haube jedoch nicht schützt: Luftbläschen. Und auch sie sind unschön und ärgerlich nach all der Arbeit. Durch das behutsame Einfüllen von Gießharz kannst du das Aufkommen von Lufteinschlüssen verringern. Zeigen sich dennoch Luftbläschen im Werk, kannst du ihnen mit einem Flambierbrenner oder Föhn zu Leibe rücken. Dazu schwenkst du das Gerät gleichmäßig in Bahnen über die Oberfläche.

Hinweis: Achte bei der Verwendung eines Flambierbrenners auf den nötigen Abstand (mind. 10 cm) zum Objekt. Damit nichts verbrennt, solltest du außerdem nicht zu lange an einer Stelle verweilen.

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