Kunst

Goldener Schnitt – Das Konzept der perfekten Proportion in der Kunst

Goldener Schnitt - Das Konzept der perfekten Proportion in der KunstFoto: Solomon7 / Shutterstock.com

Es gibt ein mathematisches Verhältnis in der Natur, das verwendet werden kann, um ansprechende, natürlich aussehende Kompositionen in deiner Kunst zu schaffen. Wir nennen es den Goldenen Schnitt, obwohl es auch unter dem goldenen Mittel oder dem griechischen Buchstaben phi bekannt ist.

Ganz egal, ob Maler, Illustrator oder Designer, es lohnt sich, den Goldenen Schnitt bei deinen Projekten in Betracht zu ziehen.

Definition des Goldenen Schnitts nach Euklid

Der Goldene Schnitt wird oft als eine Linie dargestellt, die an einem bestimmten Punkt geteilt wurde. Die Linie ist in zwei Segmente unterteilt. Die relative Proportion des ersten Teils zum zweiten Teil, ist so wie die Proportion des zweiten Teils zur gesamten Stecke – klingt verwirrend, oder?

Der Goldene Schnitt wird am besten visuell verstanden:

Goldener Schnitt Rechteck

In der Fibonacci-Sequenz (0, 1, 1, 1, 2, 3, 3, 5, 8, 13,…) ist jeder Term die Summe der beiden vorangegangenen, und das Verhältnis konvergiert immer stärker zum Verhältnis von 1:1,61.

Es wird angenommen, dass der Goldene Schnitt seit mindestens 4.000 Jahren in der menschlichen Kunst verwendet wird. Einige behaupten, dass die alten Ägypter das Prinzip beim Bau der Pyramiden angewandt haben.

In der heutigen Zeit kann der Goldene Schnitt in Musik, Kunst und Design rund um dich herum beobachtet werden. Durch die Anwendung einer ähnlichen Arbeitsmethode kannst du die gleichen gestalterischen Feinheiten in deine eigene Arbeit einbringen.

Sehen wir uns einige Beispiele des Goldenen Schnitts an, die das Konzept in den Kontext ihrer Umgebung setzen.

Der Goldene Schnitt in der griechischen Architektur

Die altgriechische Architektur benutzte den Goldenen Schnitt, um angenehme dimensionale Beziehungen zwischen der Breite eines Gebäudes und seiner Höhe, der Größe des Portikus und sogar der Position der Säulen, die die Struktur tragen, zu bestimmen.

Das Endergebnis ist ein Gebäude, das sich völlig proportional anfühlt. Auch die neoklassische Architekturbewegung nutzte diese Prinzipien erneut.

Der Goldene Schnitt in der Natur

Es gibt auch zahlreiche Beispiele für den Goldenen Schnitt in der Natur – man kann ihn überall um sich herum beobachten. Blumen, Muscheln und sogar Wabenkörper weisen alle das gleiche Grundverhältnis in ihrer Zusammensetzung auf.

Das Konzept in der Kunst

In der Renaissance nutzte Leonardo Da Vinci die Proportionen des Goldenen Schnitts, um seine Meisterwerke zu konstruieren. Die Skizze des Vitruvianischen Menschen ist das beste Beispiel dafür.

Sandro Botticelli, Michaelangelo, Georges Seurat und andere scheinen diese Technik in ihren Kunstwerken ebenfalls eingesetzt zu haben.

Gary Meisner auf dem Golden Number Blog hat die geometrischen Grundlagen ausgewählter Gemälde per Software abgebildet, die unten zu sehen sind:

Die Geburt der Venus (Sandro Botticelli)

Botticelli Goldener Schnitt Venus

Die Erschaffung Adams Michelangelo

Michelangelo Erschaffung Adams Goldener Schnitt

Im 19. Jahrhundert organisierten die Künstler Georges Seurat und Edward Burne-Jones ihre Kompositionen mit Hilfe der Geometrie. Seurats postimpressionistisches Gemälde “Badende bei Asinères” (1884) lässt sich in drei Rechtecke unterteilen, die beispielsweise die Vorder-, Mittel- und Hintergründe begrenzen.

Badende bei Asinères

Obwohl sich die Moderne von einer strengen Anwendung des Goldenen Schnitts abwendet, ist die Geometrie in vielen Sätzen zu dieser Zeit stark vertreten. Klare Linien und Formen in Grundfarben besiedeln Gemälde und Grafiken, wie die Stilrichtungen des Konstruktivismus, Suprematismus und De Stijl zeigen.

Composition A
Piet Mondrian, Composition A, 1923

Die Geometrie, die sich in drei Dimensionen bewegt, war im zwanzigsten Jahrhundert stark von der Idee des goldenen Schnitts geprägt. Die Bildhauer Constantin Brancusi, Barbara Hepworth und Henry Moore arbeiten abstrakt, aber mit einfachen, schlichten Linien und Formen.

Nicht zuletzt lässt der Künstler Salvador Dali in seiner surrealistischen Hommage “Das Sakrament des Abendmahls” (1955) die göttlichen Proportionen von da Vinci wieder aufleben und bringt uns dorthin zurück, wo wir begonnen haben.