Gemälde

“Guernica” von Picasso – Ein monumentales Anti-Krieg-Meisterwerk im Detail

Guernica von PicassoFoto: euskalherrian / flickr.com / CC BY-SA 2.0

Die Guernica von Picasso ist eins der bekanntesten Gemälde der Welt, das dem spanischen Künstler globale Aufmerksamkeit nach der Veröffentlichung im Jahr 1937 eingebracht hat.

Was aber macht die Guernica von Picasso so berühmt?

Einzigartigkeit der Guernica

Im Januar 1937 gab die spanische Regierung ein Werk bei Pablo Picasso in Auftrag, in dem der Künstler die neuen Technologien darstellen sollte. Die Auftraggeber verlangten ein Wandbild von Picasso, das zur Weltausstellung desselben Jahres in Paris ausgestellt werden sollte.

Zu der Zeit lebte Picasso in Paris. Er war seit mehr als drei Jahren nicht mehr in seine Heimat zurückgekehrt, hatte aber noch immer engen Kontakt zum ehemaligen Leiter des Madrider Prado-Museum, sodass er den Auftrag annahm. Nachdem Picasso für mehrere Monate ohne Inspiration vor sich hin skizzierte, entdeckte er die Schilderungen von George Steer, der die Augenzeugen des deutschen Bombenangriffs der spanischen Stadt Guernica am 26. April befragte. Unmittelbar daraufhin veränderte Picasso seine ursprünglichen Pläne und begann mit Vorzeichnungen für das, was später als die Guernica in die Kunstgeschichtsbücher eingehen sollte.

Nach der Fertigstellung des monumentalen Werkes wurde es zur Weltausstellung in Paris präsentiert, wo der Kritikkonsens eher negativ ausfiel. Anschließend wurde die Guernica in 19 verschiedenen Ländern in Europa und Nordamerika ausgestellt, um auf die Gefahren des Faschismus aufmerksam zu machen und Gelder für die Opfer und die Schäden der Stadt einzusammeln.

Durch diese Tour geriet der spanische Bürgerkrieg in den Mittelpunkt der globalen Aufmerksamkeit, wodurch die Guernica von Picasso zum wohl bekanntesten Anti-Krieg-Kunstwerk aller Zeiten wurde.

Das Thema des Gemäldes

Guernica ist bekannt für die Darstellung des gewaltigen Leids des spanischen Bürgerkriegs. Die zahlreichen unschuldigen Zivilisten, die bei den Angriffen verletzt oder getötet wurden, sind Teil der Guernica. Die deutschen Streitkräfte bombardierten das kleine Städtchen Guernica im Norden Spaniens, um General Franco im spanischen Bürgerkrieg zu unterstützen.

Die Bombardierung hielt für mehrere Stunden an und hat den Ort beinahe ausnahmslos verwüstet. Die Anwohner wurden selbst bei ihren verzweifelten Fluchtversuchen attackiert. Diese Tat des gnadenlosen Luftangriffs auf Anwohner kann als Novum in der globalen Kriegsgeschichte verstanden werden. Rund 1.600 Menschen wurden bei dem deutschen Angriff in Guernica verwundet oder getötet, rund ein Drittel des gesamten Dorfes.

Beschreibung und Inhalt der Guernica von Picasso

040.- Guernica

Bei der Guernica handelt es sich um ein riesiges Ölgemälde auf Leinwand, das ohne weiteres eine ganze Wand füllen kann. Es ist rund 3,3 Meter hoch und 7,5 Meter breit, was zur Wirkung des Gemäldes beiträgt. Picasso wählte eine schwarz-weiße Darstellung mit vielen schwarzen und weißen Flächen. Möglicherweise spielt Picasso damit auf die mediale Berichterstattung der Geschehnisse in Guernica an, die genauso entschieden ein bestimmtes Bild darstellen wollten. Eine texturierte Fläche in dem Gemälde erinnert ein wenig an die Schrift einer Zeitung, ein weiteres Indiz für diesen Interpretationsansatz.

Das Gemälde ist im typischen kubistischen Stil Picassos gemalt worden. Auf den ersten Blick sieht es nach einem einzigen Chaos aus, was wiederum das Motiv unterstreicht, bei genauerem Hinsehen lassen sich jedoch auch einzelne Figuren ausmachen. Am hervorstechendsten sind die vor Schmerz schreiende Frau, die den Körper ihres Kindes nur noch tot in den Händen halten kann. Das Pferd, das in seiner Aufregung sein Maul aufreißt und nur so den Schmerz vermittelt, den alle Lebewesen in dieser Handlung erleben mussten. Die Figuren, die im Chaos der Verzweiflung ihre Arme von sich recken. Eine Szene, die durch und durch vom Horror des Bombenangriffs gezeichnet wurde – ohne Ausnahme.

Von Anfang an beschließt Picasso, den Schrecken von Guernica nicht realistisch oder romantisch darzustellen.  Schlüsselpersonen – eine Frau mit ausgestreckten Armen, ein Stier, ein gequältes Pferd – werden Skizze für Skizze verfeinert und dann auf die riesige Leinwand übertragen, die er ebenfalls mehrmals überarbeitete.

Picasso sagte über die Deutung seiner Werke unter anderem Folgendes:

Ein Gemälde ist nicht durchdacht und wird nicht im Voraus abgerechnet. Während es gemalt wird, ändert es sich, wenn sich die Gedanken des Künstlers ändern. Und wenn es fertig ist, ändert es sich weiter, je nachdem, in welchem Gemütszustand derjenige ist, der es betrachtet.

Es ist schwer, die genaue Bedeutung der gequälten Figuren und Bilder im Gemälde zu kennen, da es ein Markenzeichen von Picassos Werk ist, dass ein Symbol viele, oft widersprüchliche Bedeutungen haben kann.

Als Picasso gefragt wurde, seine Symbolik zu erklären, bemerkte er: “Es ist nicht Sache des Malers, die Symbole zu definieren. Sonst wäre es besser, wenn er sie in vielen Worten ausdrücken würde! Die Öffentlichkeit, die das Bild betrachtet, muss die Symbole so interpretieren, wie sie sie versteht.“

Was das Gemälde jedoch tut, unabhängig davon, wie die Symbole interpretiert werden, ist, die Idee einer heroischen Kriegsführung zu demaskieren und dem Betrachter stattdessen seine Grausamkeiten zu zeigen. Durch den Einsatz von Bildern und Symbolik vermittelt es die Schrecken des Krieges auf eine Weise, die die Herzen der Zuschauer trifft, ohne Abscheu zu erzeugen. Es ist ein Gemälde, das schwer zu betrachten, aber auch schwer nicht zu betrachten ist.

Wo befindet sich das Gemälde jetzt?

Contemplando el Guernica

Nachdem das Gemälde bis 1981 im Museum of Modern Art in New York City aufbewahrt wurde, wurde es nach Spanien zurückgebracht. Picasso hatte festgelegt, dass das Gemälde nicht nach Spanien zurückkehren dürfe, bis das Land demokratisch wurde. Derzeit befindet es sich im Reina Sofia Museum in Madrid, Spanien.

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