Malerei

Wie du den perfekten Hintergrund für ein gegenständliches Motiv findest

Hintergrund Malen TitelbildJacques-Louis David, Der Tod des Sokrates, 1787

Der Hintergrund eines Gemäldes steht naturgemäß nicht im Vordergrund des Werks. Aber das bedeutet nicht, dass er nicht wichtig ist!

Tatsächlich übernimmt der Hintergrund die unglaublich wichtige Aufgabe, den Zusammenhang und den Kontrast für die Hauptthemen zu schaffen. Denke daran, dass in der Malerei alles relativ ist und von der Umgebung beeinflusst wird.

In diesem Artikel gehen wir auf die verschiedenen Möglichkeiten ein, wie du einen Hintergrund malen kannst. Du siehst einige Beispiele bekannter Künstler, die die unterschiedlichen Ansätze verdeutlichen.

Hintergrund malen - Die unterschiedlichen Optionen

Es gibt verschiedene Hintergrundarten, die du in deinem Gemälde verwenden kannst. Jeder dieser Hintergründe eignet sich für unterschiedliche Themen und Stile.

Kein Hintergrund

Gar keinen Hintergrund zu verwenden, passt am besten zu Skizzen oder abstrakten Werken. In praktisch jedem anderen Fall wäre es besser, wenn du zumindest eine gewisse Vorstellung von einem Hintergrund hättest, der das Thema ergänzt, egal wie schlicht er ist.

Alte Meister platzierten ihre Motive regelmäßig vor einem leeren Hintergrund. In Skizzen für umfangreiche Gemälde lässt sich nachvollziehen, dass es sich in diesem vorbereitenden Stadium vor allem um Beobachtungsarbeiten handelt, die auf eine genaue Ausarbeitung der Umgebung verzichten können. 

Rembrandt, Selbstporträt nach vorne lehnend, 1628

Rembrandt, Selbstporträt nach vorne lehnend, 1628

Gefärbter Hintergrund

Ein gefärbter Hintergrund ist zwar fast so, als hätte das Gemälde keinen Hintergrund, doch hat man den Vorteil, dass zumindest etwas Farbe und Textur vorhanden sind.

In dieser Faltenwurfskizze hat Leonardo geschickt mit dem getönten Zeichenpapier als Mittelwert gearbeitet, um hellere und dunklere Flächen für Licht und Schatten zu verwenden.

Leonardo da Vinci, Skizze zum Faltenwurf, 1470

Leonardo da Vinci, Skizze zum Faltenwurf, 1470

Partieller Hintergrund

Manchmal genügt ein partieller Hintergrund, um einen gewissen Kontext und Kontrast zu erzeugen. Dies kann einen sehr plastischen Effekt erzeugen und sehr effektiv sein, um das Motiv in einem Stillleben oder Porträt in den Mittelpunkt zu rücken.

In der folgenden Studien verwendete Edgar Degas einen partiellen Hintergrund, um einen Kontrast zum Motiv zu schaffen. Er setzte gleichmäßige und starre Linien ein, um einen Kontrast zu den organischeren und geschwungenen Linien des Gesichts herzustellen.

Edgar Degas, Mademoiselle Malo, ca. 1877

Edgar Degas, Mademoiselle Malo, ca. 1877

Ein einfacher, vollständiger Hintergrund

Ein vollständiger aber dennoch einfacher Hintergrund liefert den Kontext, ohne die Aufmerksamkeit vom Hauptthema abzulenken.

In seiner Gemäldeserie Boulevard Montmartre malte Camille Pissarro verschiedene Ansichten auf den Straßenzug in unterschiedlichen Atmosphären.

Pissarro setzte den Himmel als Hintergrund stets ein, um die Stimmung der Szene zu verdeutlichen. In der Version Mardi Gras wird der Kontrast zwischen dem Vorder- und Hintergrund besonders deutlich. Im Vordergrund malte Pissarro äußerst texturiert. Es scheint gar, als habe der Maler über die Farbflächen der Leinwand gekratzt. Die Textur verstärkt den Trubel der Szene, die von einem Umzug und vielen Schaulustigen begleitet wird.

Im Hintergrund komplettiert ein einfacher, ruhiger Himmel die Szene. Die ruhigen Farben und die flache Textur verstärkt den Kontrast zum städtischen Treiben und verleiht dem Gesamtmotiv mehr Intensität.

Wie du den perfekten Hintergrund für ein gegenständliches Motiv findest

Camille Pissarro, Boulevard Montmatre (Mardi Gras), 1897

Einen detaillierten und vollständigen Hintergrund malen

Ein detaillierter Hintergrund kann zu verblüffenden Ergebnissen führen, ist aber aufwendig zu realisieren. Im besten Fall entsteht ein vielschichtiges Gemälde, das viele interessante Teile zu bieten hat.

Aber im schlimmsten Fall erhältst du ein verwirrendes Gemälde, dem es an Fokus und Zusammenhang mangelt.

Die Sabinerinnen von Jacques-Louis David ist ein beeindruckendes Kunstwerk. Jeder, der schon einmal vor dem gewaltigen Gemälde im Louvre stand, weiß, wie atemberaubend die Wirkung der Leinwand ist. Das liegt nicht zuletzt am Hintergrund, den David äußerst akribisch ausgestaltet hat. 

Es ist vor allem die atmosphärische Perspektivische vom Vorder- in den Mittel- und Hintergrund, die uns Eins mit dem Bildausschnitt werden lässt. Je weiter die Objekte vom Betrachter entfernt sind, desto flacher hat David die Farben gewählt. Der große Felsen im Zentrum des Bildes wirkt beinahe ein wenig verschwommen, da er im Dunst des Himmels versinkt.

Auch wenn das Gemälde im Hintergrund nicht denselben Detaillierungsgrad wie im Vordergrund aufweist, so ermöglicht der Übergang zwischen den verschiedenen Ebenen des Bildes ein äußerst harmonisches, perspektivisch fesselndes Spektakel, in das der Betrachter quasi unweigerlich hineingezogen wird.

Jacques-Louis David, Die Sabinerinnen, 1796-1799

Jacques-Louis David, Die Sabinerinnen, 1796-1799