Malerei

Kasimir Malewitsch – Biografie, Werke und Einfluss des russischen Avantgarde-Künstlers

Kasimir Malewitsch vor seinen Gemälden im Museum für Malkultur, LeningradKasimir Malewitsch vor seinen Gemälden im Museum für Malkultur, Leningrad

Kasimir Malewitsch (23. Februar 1878 - 15. Mai 1935) war ein Maler der russischen Moderne und der Begründer der abstrakten Kunstrichtung des Suprematismus.


Kasimir Malewitsch Bücher

Bevor wir uns der Biografie von Kasimir Malewitsch widmen, findest du nachfolgend eine Übersicht an Büchern, die dir einen noch ausführlicheren Einblick in das Leben, das Werk und die Theorien von Malewitsch bieten.


Biografie von Kasimir Malewitsch

Kindheit und künstlerische Ausbildung

Malewitsch wurde 1878 in der Ukraine als Sohn polnischstämmiger Eltern geboren. Sein Vater arbeitete in einer Zuckerfabrik und im Eisenbahnbau, wo auch der junge Kasimir im frühen Teenager-Alter beschäftigt war. 

Ohne besondere Förderung durch seine Familie begann der Junge im Alter von 12 Jahren zu zeichnen. Mit dem festen Entschluss, eine künstlerische Laufbahn anzustreben, besuchte Malewitsch in seiner Jugend eine Reihe von Kunstschulen, beginnend 1895 mit der Kunstschule in Kiew.

Im Jahr 1904 zog Malewitsch nach Moskau, um die Kunstakademie Stroganow zu besuchen. Er nahm auch Privatunterricht unter Ivan Rerberg, einem bedeutenden Architekt und Dozent im Russland dieser Zeit.

Malewitsch setzte seine Ausbildung an der Moskauer Schule für Malerei, Bildhauerei und Architektur fort, wo ihm Künstler wie Konstantin Korowin impressionistische und postimpressionistische Maltechniken beibrachten.

Malewitschs Frühwerk war weitgehend im postimpressionistischen Stil gemalt. Der Einfluss des Symbolismus und Jugendstils auf seine frühe Entwicklung war jedoch auch ersichtlich.

Eine Verschiebung hin zu einer entschieden progressiveren Bildsprache vollzog sich in Malewitschs Werk um das Jahr 1907, als er Künstler wie Wassily Kandinsky und Michail Larionow kennenlernte.

1910 lud Larionow Malewitsch ein, sich seinem Ausstellungskollektiv anzuschließen. Nach einem Streit mit Larionow übernahm Malewitsch eine führende Rolle in der Vereinigung der futuristischen Künstler, die als Jugendunion (Sojus Molodezhi) bekannt war und ihren Sitz in Sankt Petersburg hatte.

Die meisten seiner Werke aus dieser Zeit konzentrierten sich auf Szenen des bäuerlichen Lebens. Von 1912 bis 1913 arbeitete Malewitsch vor allem im kubofuturistischen Stil, indem er die wesentlichen Elemente des synthetischen Kubismus und des italienischen Futurismus miteinander kombinierte, was zu einer dynamischen geometrischen Dekonstruktion der Figuren im Raum führte. 

1913 beteiligte sich Malewitsch an einer der bedeutendsten künstlerischen Partnerschaften der Neuzeit und schuf Bühnenbilder für die futuristische Oper Sieg über die Sonne.

1915 legte Malewitsch mit der Veröffentlichung seines Manifests "Vom Kubismus zum Suprematismus in der Kunst, zum neuen Realismus in der Malerei, als der absoluten Schöpfung" den Grundstein für den Suprematismus, indem er die figurativen Elemente in der Malerei ganz aufgab und eine reine Abstraktion bewarb.

Mittleres Werk von Kasimir Malewitsch

Die Oktoberrevolution von 1917 schlug für Malewitsch ein neues Kapitel auf.

Im Jahr 1918 trat er dem Volkskommissariat für Aufklärung als Mitarbeiter der Abteilung für Schöne Künste bei. Die neue Agentur sollte Museen verwalten und die Kunsterziehung in der neuen Sowjetrepublik beaufsichtigen.

Malewitsch unterrichtete auch an den Kunstschulen (SVOMAS) in Moskau und wies seine Studenten an, sich mit extremen Formen der Abstraktion zu beschäftigen. 

Im Jahr 1919 vollendete Malewitsch das Manuskript seines neuen Buches O Novykh Sistemakh v Iskusstve (Über die neuen Systeme in der Kunst), in dem er versuchte, die theoretischen Prinzipien des Suprematismus auf die neue Staatsordnung anzuwenden und den Einsatz avantgardistischer Kunst im Dienste des Staates und seines Volkes zu fördern.

Später im selben Jahr verließ Malewitsch die Hauptstadt und zog nach Wizebsk, wo er unter der Leitung von Marc Chagall eingeladen wurde, Dozent an der dortigen Kunstschule zu werden.

Als Chagall Wizebsk in Richtung Paris verließ, blieb Malewitsch der einflussreiche Leiter der dortigen Kunstschule. Dort organisierte er die Studenten in einer Gruppe unter dem Namen UNOVIS. Besonders an der Gruppierung war, dass die Einzelpersonen keine Werk mit ihrem eigenen Namen signieren durften, sondern nur mit dem Gruppentitel. Die UNOVIS-Gruppe konzentrierte sich nicht nur auf die eigentliche Malerei, sondern entwarf ab 1922 propagandistische Plakate, Textilmuster, Porzellan und Dekorationsobjekte, die an die Werke des Bauhaus erinnerten.

Kasimir Malewitsch entwickelte seine Architekturideen in einer Reihe von Modellen utopischer Städte weiter, die als Architektonen bekannt sind. Diese Modelle bestanden aus rechteckigen und kubischen Formen, die so angeordnet waren, dass ihre formalen Qualitäten und ihr ästhetisches Gewicht verstärkt wurden.

Architektone Kasimir Malewitsch

Architekton Alpha | Foto: Sailko / Wikipedia

Malewitsch durfte diese Modelle auf Ausstellungen in Polen und Deutschland mitnehmen, wo sie bei lokalen Künstlern und Intellektuellen Interesse weckten. Nach seiner überstürzten Abreise nach Russland hinterließ Malewitsch mehrere Architektonen, theoretische Texte, Gemälde und Zeichnungen in Deutschland. 

In der Sowjetunion wurde jedoch ein anderes kulturelles Paradigma losgelöst. Der künstlerische Aufschwung der 1920er Jahre wurde durch das Aufkommen der staatlich geförderten Kunst des Sozialistischen Realismus gebremst, der schließlich alle anderen Kunststile verdrängte.

Späte Jahre und Tod

Malewitsch und sein Werk waren dazu verurteilt, unter solch gegensätzlichen, konservativen soziokulturellen Umständen in Vergessenheit zu geraten.

1930 wurde Malewitsch nach seiner Rückkehr von einer Reise in den Westen verhaftet und zu seinen politischen Ideologien befragt. Als Vorsichtsmaßnahme verbrannten die Freunde des Künstlers einige seiner Schriften.

1932 fand in Moskau und Leningrad eine große staatlich geförderte Ausstellung zum 15. Jahrestag der bolschewistischen Revolution statt. Malewitschs Kunst wurde zwar ausgestellt, doch wurden seine Bilder von abschätzigen Sprüchen begleitet, die seine Kunst als entartet und anti-sowjetisch bezeichneten. 

 
 

Hinweis: Von staatlichen Schulen und Ausstellungsorten ausgeschlossen, kehrte der Künstler in seinen späten Jahren zu alten Motiven der Bauern- und Genreszenen zurück, wobei er auch eine Reihe von Porträts von Freunden und Familie anfertigte.

Kasimir Malewitsch starbr am 15. Mai 1935 in Leningrad an Krebs und wurde in einem von ihm selbst entworfenen Sarg beigesetzt, auf dessen Deckel das Bild seines Schwarzen Quadrats angebracht war.

Nachdem die meisten Werke Malewitschs nach seinem Tod in die Keller sowjetischer Museen verbannt worden waren, wurden sie erst unter Gorbatschow 1988 hervorgeholt und der Öffentlichkeit gezeigt.


Das Vermächtnis von Kasimir Malewitsch

Malewitsch konzipierte den Suprematismus vor der Revolution von 1917, doch war der Einfluss dieser Kunstauffassung in der russischen Avantgarde bedeutend. Malewitschs Verwendung gegenstandsloser Bilder und sein Interesse an der geometrischen Form im Raum beeinflussten die Werke von Künstlern wie El Lissitzky. 

In sowjetischem Russland wurde der Sozialistische Realismus zum einzigen akzeptierten Kunststil, wodurch das Werk und die Kunsttheorien von Malewitsch lange Zeit in Vergessenheit gerieten.

Glücklicherweise wurden einige von Malewitschs Ideen durch die Ausstellung seiner Stadtpläne in Polen und Deutschland in den Westen übertragen, wo die Avantgarde Malewitschs theoretische Blickweisen auf die Abstraktion berücksichtigte.

Malewitsch unternahm 1927 nur eine einzige Reise in den Westen, begleitet von einer Reihe Gemälden, die im Stedelijk Museum in Amsterdam ausgestellt wurden, wo sie anschließend von vielen europäischen Künstlern gesehen wurden.

Im weiteren Sinne zeigt sich Malewitschs Einfluss in den Arbeiten späterer Künstler in Europa und insbesondere in den Vereinigten Staaten, deren Werk aus völlig abstrakten Formen besteht, die Technologie, Universalität oder Spiritualität verkörpern können.

Der erste Direktor des Museum of Modern Art in New York Alfred Barr erwarb eine große Anzahl von Malewitschs Werken für die Sammlung des Museums.

Über diese Wege ebnete Malewitsch vielen Generationen nachfolgender abstrakter Künstler - insbesondere den Minimalisten - den Weg, sich von Bezügen zur realen Welt zu lösen.


Bekannte Kunstwerke von Kasimir Malewitsch

Woman with Pails: Dynamic Arrangement

Kazimir Malevich - women with pails

In dieser Gestaltung, die an Fernand Legers Kunst angelehnt ist, widmete sich Malewitsch entschlossener der Abstraktion. Er zerlegte die Figur und die Bildfläche in geometrische, ineinandergreifende Formen. Die Figur ist immer noch identifizierbar, ebenso wie die Eimer, die sie trägt. So gesehen besteht in diesem Werk noch ein figürlicher Bezug zu einem gegenständlichen Subjekt. Die Farbauswahl besteht aus kühlen Farben, die von Blau und Grau dominiert werden, obwohl die Akzente von Rot, Gelb und Ocker zur visuellen Dynamik des Motivs beitragen, was das im Titel angedeutet Thema unterstreicht.

Schwarzes Quadrat, 1915

Black Suprematic Square

Das ikonische Schwarze Quadrat, das mittlerweile einzelne Risse aufweist, wurde 1915 von Malewitsch präsentiert. Dieses Werk verkörperte die theoretischen Prinzipien des Suprematismus, die Malewitsch 1915 in seinem Essay entwickelt hatte.

 

Obwohl Malewitsch früher vom Kubismus beeinflusst worden war, glaubte er, dass die Kubisten die Abstraktion nicht weit genug geführt hatten. So ist hier die abstrakte Form eines schwarzen Quadrats das einzige Bildelement in der Szene. Auch wenn das Gemälde einfach erscheint, sind unter der rissigen schwarzen Farbschicht solche Feinheiten wie Pinselstriche, Fingerabdrücke und Farben sichtbar. 

Nach Malewitsch sollte die Wahrnehmung solcher Formen immer frei von Logik und Vernunft sein, da sich die absolute Wahrheit nur durch die persönliche, emotionale Auseinandersetzung erkennen ließe. Für den Künstler repräsentiere das Quadrat Gefühle und das Weiß das Nichts. Darüber hinaus sah Malewitsch das schwarze Quadrat als eine Art Ikone oder sogar als das Göttliche in sich selbst.

Tatsächlich wurde das Schwarze Quadrat zu so etwas wie einer Ikone der modernen, abstrakten Kunst, das als Einzelwerk eines der einflussreichsten Gemälde darstellt.

Suprematist Composition, 1916

Suprematist Composition

Suprematist Composition wurde im selben Jahr gemalt, in dem Malewitsch 1916 sein Suprematistisches Manifest verfasste. Das Gemälde wurde 2008 bei Sotheby's in New York für 60 Millionen Dollar verkauft und war damit das teuerste russische Gemälde, das je versteigert wurde.

Im Jahr 1927 reiste Malewitsch mit Suprematist Composition nach Deutschland, um es auf Ausstellungen in Warschau und Berlin zu zeigen, und veranlasste, dass es zusammen mit mehreren anderen Werken in Deutschland gelagert werden soll.

Später geriet das Werk in die Hände des deutschen Architekten und Schriftstellers Hugo Häring, der das Gemälde angeblich an das Amsterdamer Stedelijk Museum verkaufte. 

Suprematist Composition blieb die nächsten 50 Jahre in Holland, bis es vor der Versteigerung an Malewitschs Erben zurückgegeben wurde.