Skulptur

Wie sich das Motiv des männlichen Kouros in der griechischen Kunst gewandelt hat

KourosFoto: Andy Montgomery / Flickr

Der Kouros (Plural Kouroi) ist eine archaische griechische Statue, die einen jungen stehenden Mann darstellt. Obwohl der Einfluss vieler Nationen in bestimmten Elementen dieser Figuren zu erkennen ist, scheint das erste Erscheinungsdatum solcher monumentalen Steinfiguren mit der Wiederaufnahme des griechischen Handels mit Ägypten (um 672 v. Chr.) zusammenzufallen. Bis etwa 460 v. Chr. blieben die Kouros eine beliebte Erscheinungsform in der griechischen Bildhauerei.

Ursprünge des Kouros in Griechenland

Die großen Steinfiguren tauchten in Griechenland um 615-590 v. Chr. auf. Während viele Aspekte des Kouroi direkt den ägyptischen Einfluss widerspiegeln - insbesondere die Verwendung des ägyptischen Maßstabes in einigen Kouroi - nahmen sie nach und nach ausgeprägte griechische Merkmale an.

Wie sich das Motiv des männlichen Kouros in der griechischen Kunst gewandelt hat

Skulptur aus der ägyptischen Saitenzeit, zwischen 664-525 v.Chr. | Foto: Twospoonfuls / Wikipedia

Wie sich das Motiv des männlichen Kouros in der griechischen Kunst gewandelt hat

Der große Kouros von Samos, zwischen 600 - 580 v.Chr.

Im Gegensatz zu den ägyptischen Skulpturen hatte die Kouroi keinen expliziten religiösen Zweck und dienten unter anderem als Grabsteine und Gedenkmarken. Sie repräsentierten manchmal den Gott Apollo, aber sie stellten auch lokale Persönlichkeiten wie Athleten dar.

Ein weiterer Unterschied zwischen den ägyptischen und griechischen Figuren zeigt sich kurz nach dem ersten Erscheinen archaischer griechischer Statuen: Die Ägypter hatten eine Formel für die menschliche Figur entwickelt, die sie - mit wenigen Ausnahmen - über einen Zeitraum von Tausenden von Jahren konsequent befolgten.

Die Individualisierung der griechischen Kouri 

Die Unterscheidung zwischen Individuen wurde vor allem an Gesichtszügen deutlich.

Der früheste Kouroi folgte eng der ägyptischen geometrischen Norm: Die Formen waren kubisch, breitschultrig und schmal tailliert. Die Arme wurden nahe an den Seiten gehalten, die Fäuste meist geballt. Beide Füße wurden fest auf den Boden gestellt, die Knie starr, der linke Fuß leicht vorwärts.

Wie sich das Motiv des männlichen Kouros in der griechischen Kunst gewandelt hat

V.l.n.r.: Kleobis and Biton, ca 580 v.Chr.; Kouros von Tenea, ca. 560-550 v.Chr; Kroisos-Kouros, ca. 540 - 515 v.Chr.; Aristodikos Kouros, ca. 510 - 500 v.Chr.; Foto: Μαρσύας

Mit zunehmendem Verständnis der menschlichen Anatomie durch die Nachforschungen der Griechen wurde der Kouros immer naturalistischer. Am Ende waren die Figuren nicht mehr so frontseitig und auch die Arme und Beine wirkten weniger starr.

Nachdem sie die Anatomie der menschlichen Figur und das Problem des Gleichgewichtes gemeistert hatten, wandten sich die griechischen Bildhauer der Gestik und der Darstellung von Handlungen zu.