Kunst

#KunstGeschichteAlsBrotbelag – Wie das Twitter-Hashtag nun als Buch erschienen ist

Foto: Twitter-User K44Bot / Auszug aus "Kunstgeschichte als Brotbelag"

Von wegen brotlose Kunst! #KunstGeschichteAlsBrotbelag war ein Twitter- und Instagram-Phänomen, das im Sommer 2018 Appetit auf mehr Kunst machte.

Nun ist ein Kunstbuch erschienen, das die schönsten Kreationen der Brotkünstlerinnen und -künstler in einem Band zeigt. Bloggerin und Initiatorin des Hashtags Marie Sophie Hingst hat die 49 schönsten Stullen ausgewählt und das Buch im Dumont Verlag herausgegeben.

Ein Pinselstift-Set

Kunstgeschichte als Brotbelag

Kunstgeschichte als Brotbelag

Zum Besten gegeben wurden Neuinterpretationen von Meisterwerken wie Klimts Der Kuss, da Vincis Abendmahl und Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrgehänge.

Hier einige der Highlights von #KunstGeschichteAlsBrotbelag:

Teils wurden sogar die vermeintlichen Grenzen der Kunstbrote gesprengt. Manche Twitter-User fingen an, die Beschränkung auf den reinen Belag zu hinterfragen und ihr gesamtes Morgenmahl als Leinwand zu inszenieren.

Es darf auch abstrakt sein, wie dieses Käsebrot nach Paul Klees Vorlage. Wir wünschen einen guten Appetit!

Ursprung von Kunstgeschichte als Brotbelag

Die Frage, was Kunst ist und wo ihre Grenzen liegen, beschäftigt Künstler, Kunsthistoriker und Kunstinteressierte gleichermaßen schon seit langer Zeit.

Im Laufe der Kunstgeschichte wurden ihre Grenzen in Form von neuen Bewegungen und Strömungen immer weiter gedehnt, indem die bis dato zumindest vage abgesteckten und als gültig angesehenen Eigenschaften der Kunst durch revolutionäre Ansichten und Techniken hinterfragt wurden.

Dass gerade Essen als Kunstobjekt abgebildet wird, ist erst einmal nichts neues.

Schon Anfang der 1930er Jahre schlugen Befürworter des Futurismus mit ihrer Cucina Futurista eine neue Form der Kulinarik vor. Geschmacksexplosionen wie Mortadella mit Nougat oder Ananas mit Sardinen sollten bewusst die Öffentlichkeit erregen und gleichzeitig die Essgewohnheiten der Bevölkerung ändern, da man davon ausging, dass das Denken und Handeln eng mit dem zusammenliegt, was man isst und trinkt.

In gewisser Weise ist #KunstGeschichteAlsBrotbelag also auch eine Suche nach den Grenzen der Kunst. Darf ein Brot Kunst sein? Darf man Kulturgüter von solcher Bedeutung überhaupt mit einfachen Materialien wie Brot, Käse, Gemüse und Wurst abbilden? Oder wird es hier lediglich als Mittel zum Zweck eingesetzt, um die Kunstgeschichte auf eine neue Art und Weise zu veranschaulichen, nicht aber, um den Kunstbegriff selbst zu ergründen?

Wie dem auch sei: Die Brotkunst hat es geschafft, neue Medien als Instrument zu verwenden, um klassische Bildung ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken und so neuartige Denkanstöße zu den wichtigen Fragen der Kunst zu liefern.

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