Malerei

Der Kunstraub von Boston 1990 – Isabella Stewart Gardner Museum

Kunstraub Boston

Am 18. März 1990 orchestrierten zwei unbekannte Diebe im Isabella Stewart Gardner Museum in Boston einen Kunstraub, dessen Schaden auf rund 500 Millionen Dollar geschätzt wird. Damit entspricht der Kunstraub von Boston dem teuersten Diebstahl eines Privatbesitzes aller Zeiten.

Das Duo machte sich mit einer atemberaubenden Sammlung davon, die Werke von Rembrandt, Degas, Manet und Artefakte aus der Shang-Dynastie umfasste.

Mehr als 25 Jahre später bleibt der Fall ungelöst, und die Werke fehlen nach wie vor.

Die vermissten Stücke

Vermeer: Das Konzert, 1664

Vermeer Das Konzert

Das wohl wertvollste gestohlene Gemälde ist “Das Konzert” von Jan Vermeer. Ein Diebstahl eines echten Vermeers ist besonders tragisch, da sein Gesamtwerk lediglich 37 Bilder umfasst, die ihm sicher zugeschrieben werden können. Eins davon ist Das Konzert aus dem Jahr 1664.

Experten gehen davon aus, dass es das wertvollste verschollene Bild der Welt ist. Der Wert wird auf eine Summe von bis zu 200.000.000 Dollar geschätzt.

Rembrandt: Christus im Sturm auf dem See Genezareth, 1633

Christus im Sturm auf dem See Genezareth

Typisch für Rembrandts Kunst ist die Verwendung von Helligkeit und Dunkelheit, um den Blick des Betrachters zu lenken und die Bedeutung der Figuren zu verdeutlichen. Auch in “Christus im Sturm auf dem See Genezareth” hat er genau das meisterhaft zur Schau gestellt.

Das 160 cm × 128 cm große Gemälde wird als das zweitwertvollste der Diebstahlsammlung gehandelt. Experten dotieren das Werk mit Preisen von bis zu 100.000.000 Dollar.

Rembrandt: A lady and gentleman in black, 1633

A lady and gentleman in black

Flinck: Landscape with an Obelisk, 1638

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Degas: La Sortie de Pesage

La Sortie de Pesage

Sonstige Werke

Abgesehen davon wurden vier Skizzen von Degas gestohlen, eine Radierung von Rembrandt, ein etwa 3.000 Jahre alter chinesischer Gu und Bronzeadler, den die Diebe aufgrund der Optik wahrscheinlich für einen Adler aus Gold hielten.

Alles in allem belaufen sich die Schätzungen zum Wert der 13 gestohlenen Objekte auf rund 500 Millionen Dollar.

Das Isabella Stewart Gardner Museum stellt auch nach all den Jahren die leeren Rahmen der fehlenden Werke in ihrer Sammlung aus. Einerseits, um die Gemälde und Künstler zu ehren, andererseits, um an den beispiellosen Diebstahl zu erinnern und die Hoffnung auf eine Rückkehr der Werke zu veranschaulichen.

Kunstraub Boston: Tathergang

Gegen Mitternacht am Sonntag, dem 18. März 1990, hielt sich ein roter Dodge Daytona in der Nähe des Seiteneingangs des Isabella Stewart Gardner Museums entlang der Palace Road auf. Zwei Männer mit gefälschten Polizeiuniformen warteten mindestens eine Stunde im Auto, um von den Gästen einer St. Patrick’s Day Feier unbemerkt zu bleiben. Um etwa 1 Uhr morgens kehrte der Wachmann Richard Abath an die Rezeption zurück, nachdem er durch das Museum patrouillierte, um die Stellungen mit einem Kollegen zu wechseln.

Um 1:24 Uhr betätigte einer der beiden Diebe von draußen die Türsprechanlage und teilte Abath mit, dass es sich um Polizisten handele, die von einer Störung im Innenhof hörten und darum baten, hineingelassen zu werden. Abath wusste, dass er unangemeldete Personen nicht hineinlassen sollte, aber er war sich nicht sicher, ob die Regel auch für Polizisten galt.

Er konnte die Männer sehen und glaubte, dass sie Polizisten in ihren Uniformen waren. Als die Eindringlinge am Hauptsicherheitsschalter ankamen, meldete einer von ihnen Abath, dass er ihm bekannt vorkam und es einen Haftbefehl für seine Festnahme gab. Abath trat hinter seinem Schreibtisch hervor, wo sich der einzige Alarmknopf zur Alarmierung der Polizei befand. Er wurde rasch nach seinem Ausweis gefragt und ihm wurde befohlen, zur Wand zu schauen, bevor er in Handschellen gefesselt wurde. Abath glaubte, dass die Verhaftung ein Missverständnis war, bis er erkannte, dass der Schnurrbart eines Offiziers aus Wachs war.

Der zweite Sicherheitsmann des Museums kam Minuten später an und wurde ebenfalls gefesselt, woraufhin er die Eindringlinge fragte, warum er verhaftet worden sei. Die Diebe erklärten, dass sie nicht verhaftet wurden, sondern es sich um einen Raubüberfall handele. Sie brachten die Wachen in den Keller des Museums. Sie fesselten die Wachen an Rohre und wickelten Klebeband um ihre Hände, Füße und Köpfe.

Da das Museum mit Bewegungsmeldern ausgestattet war, wurden die Bewegungen der Diebe im gesamten Museum aufgezeichnet. Nachdem sie die Wachen gefesselt hatten, gingen die Diebe nach oben in den Niederländischen Raum. Als sich einer von ihnen Rembrandts Selbstbildnis aus dem Jahr 1629 näherte, ertönte ein lokaler Alarm, den sie sofort zerschlugen und zum erstummen brachten.

Sie nahmen das Bild von der Wand und versuchten, die Holzplatte aus ihrem schweren Rahmen zu nehmen. Bei dem Versuch blieben sie erfolglos, sodass sie das Bild auf dem Boden liegen ließen. Sie schnitten Rembrandts “Christus im Sturm auf dem See Genezareth” und “A Lady und Gentleman in Black” aus dem Rahmen, sodass der Transport nicht so schwer ist. Sie entfernten auch Vermeers “Das Konzert” und Govaert Flincks “Landschaft mit Obelisk” aus ihren Rahmen. Zusätzlich entwendeten sie auch einen chinesischen Gu aus der Shang-Dynastie.

An anderer Stelle im Museum stahlen sie fünf Degas-Zeichnungen und eine Adlerspitze. Der Adler befand sich auf der Spitze einer napoleonischen Flagge, die sie versuchten, von der Wand zu lösen, daran aber scheiterten. Manets “Chez Tortoni” wurde ebenfalls an seinem Standort im Blauen Saal gestohlen.

Bewegungsmelder-Aufzeichnungen zeigen, dass die einzigen Schritte, die in dieser Nacht im Blauen Raum entdeckt wurden, um 12:27 Uhr und um 12:53 Uhr aufgenommen wurde. Diese Zeiten stimmen mit den Patrouillen-Zeiten von Abath überein.

Die Diebe trugen während des 81-minütigen Diebstahls zwei mal Kunstwerke zu ihrem Auto. Bevor sie aufbrachen, besuchten sie die Wachen noch einmal und sagten ihnen, dass sie in einem Jahr noch einmal von ihnen hören würden. Die Wachen wurden am nächsten morgen gefunden, die Werke des Bostoner Kunstraubs sind seither verschollen.