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Lavinia Fontana – Leben, Werk und Einfluss der Manierismusmalerin

Wie eine Malerin den Weg für zahllose Künstlerinnen nach ihr ebnete

Lavinia Fontana Porträt
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Nur wenige Künstlerinnen waren in der Lage, im Renaissance-Europa mit ihren Werken erfolgreich zu werden. Dennoch: Es gibt sie und ihre Kunst steht der ihrer männlichen Kollegen in nichts nach. Lavinia Fontana (1552-1614) war definitiv eine der wenigen Künstlerinnen des Manierismus.

Tatsächlich scheint sie die erste Frau gewesen zu sein, die eine erfolgreiche Karriere in der Kunstwelt hinlegte, ohne mit einem Hof oder mit einem Kloster verbunden zu sein. Genau das ist auch der Grund, wieso Lavinia Fontana eine prägende Rolle in der Kunst einnimmt: Sie war Wegbereiterin für viele Künstlerinnen nach ihr, die unabhängig von Institutionen Kunst kreierten.

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Lavinia Fontana, Die heilige Familie mit der heiligen Katharina von Alexandria, 1581. Los Angeles County Museum of Art

Lavinia Fontana: Werke und Bedeutung

Fontana lernte die Malerei von ihrem Vater, Prospero Fontana, der ein angesehener Künstler in Bologna war. Lange Zeit war ein Künstler als Vater eine wichtige Voraussetzung für Künstlerinnen, da die künstlerische Ausbildung für Frauen sonst schwer zu realisieren war. Die bekannteren Künstlerinnen Artemisia Gentileschi und Angelica Kauffmann wurden ebenfalls von ihren Vätern bzw. deren Angestellten gelehrt. Wie es aber auch bei den anderen Frauen der Fall war, waren es Fontanas Talent und ihre hochwertige Arbeit, die ihren Erfolg begründeten, nicht lediglich die familiären Beziehungen.

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Lavinia Fontana, Porträt eines Mädchens, 1580-3. Privatsammlung

Fontana ist vor allem für ihre Porträts bekannt, von denen sie Dutzende schuf. Viele zeigen sehr formelle und gut gekleidete italienische Adlige und Wohlhabende. Anscheinend waren Adlige aus Bologna ihre treuesten Gönner, aber auch religiöse Persönlichkeiten wie Papst Gregor XIII. gaben ihre Porträts bei ihr in Auftrag. Quellen berichten, dass viele ihrer Porträts ausgiebig bezahlt wurden, was sicherlich nach einer Erfolgsgeschichte klingt. Als Porträtmalerin war sie so begehrt, dass Papst Clemens VIII. sie 1603 einlud, nach Rom zu kommen und päpstliche Porträts zu malen.

Lavinia Fontana, Portrait of Gerolamo Mercuriale, 1588-9. Walters Art Gallery, Baltimore, MD
Lavinia Fontana, Porträt des Gerolamo Mercuriale, 1588-9. Walters Art Gallery, Baltimore

Fontana malte auch religiöse Werke, darunter mehrere Altarbilder für italienische und spanische Kirchen. Dass sie Aufträge zur Bemalung von Altarbildern erhielt, ist für eine Künstlerin dieser Zeit ungewöhnlich. Dass sie auch Historienbilder anfertigte, ist noch ungewöhnlicher. Aber keines ist so bemerkenswert wie die Tatsache, dass ihre Werke manchmal nackte Figuren darstellten, die für Künstlerinnen viele Jahrhunderte lang grundlegend verboten waren. Ihre Akte erscheinen oft als klassische Figuren wie Venus und Minerva.

Fontanas Privatleben

Lavinia Fontana heiratete einen Künstlerkollegen, der auch Schüler ihres Vaters war. In einer überraschend modernen Familienkonstellation malte Fontana zur finanziellen Unterstützung der Familie, während ihr Mann bei ihrer Arbeit und bei der Erziehung ihrer vielen Kinder half. Dennoch hielten diese elf Kinder sie nicht vor den beeindruckenden Leistungen ab. Neben alldem promovierte sie an der Universität Bologna und wurde Mitglied der Akademie von Rom. Sie verbrachte das letzte Jahrzehnt ihres Lebens in Rom, wo sie so hoch angesehen war, dass diese schöne Bronzemedaille zu ihren Ehren geformt wurde.

The Sacred Triangle

Vor kurzem wurde sie von Judy Chicago ausgewählt, um ihren Namen auf dem Heritage Floor von Chicagos berühmter “The Dinner Party Installation” im Brooklyn Museum erscheinen zu lassen. Neben ihren anderen Werken malte Fontana mehrere Selbstporträts, die sich als die erfolgreiche Künstlerin und gut ausgebildete Frau zeigten, die sie war. Scheint so, als hätte sie sich ihren Platz auf der Dinner Party verdient.

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