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Louise Bourgeois: Biografie, Kunstwerke und künstlerischer Einfluss

Foto: Joaquin Ossorio Castillo / Shutterstock

Louise Bourgeois' Werk, das den größten Teil des 20. Jahrhunderts überspannte, war stark von traumatischen Erlebnissen aus ihrer Kindheit beeinflusst, insbesondere von der Untreue ihres Vaters. Bourgeois' oft sexuell ausgeprägte Thematik und ihr Fokus auf die dreidimensionale Form waren für Künstlerinnen ihrer Zeit selten.

Ab den 1970er Jahren veranstaltete sie in ihrer Wohnung in Chelsea jeden Sonntag Ausstellungen, in denen Studierende und junge Künstler ihre Arbeiten von Bourgeois kritisieren ließen, die rücksichtslos sein konnte und sich mit ihrem trockenem Humor an die Veranstaltungen mit "Sunday Bloody Sunday" (Anspielung an das Lied von U2) erinnerte. Dennoch war diese Erreichbarkeit und Bereitschaft, die jungen Künstler zu betreuen, für eine etablierte Künstlerin ihres Rufs außergewöhnlich. 

Ihr Einfluss auf andere Kunstschaffende seit den 1970er Jahren ist groß, äußert sich aber am deutlichsten in der feministisch inspirierten Kunst und in der Weiterentwicklung der Installationskunst.

Biografie von Louise Bourgeois

Eckdaten


  • Name: Louise Joséphine Bourgeois
  • Geboren: 25. Dezember 1911, Paris
  • Gestorben: 31. Mai 2010, New York City
  • Gattungen: Skulptur, Installation, Malerei, Grafik
  • Epochen: Zeitgenössische Kunst, Moderne Kunst, Surrealismus, Feministische Kunst

Kindheit

Louise Bourgeois wurde 1911 in Paris geboren und nach ihrem Vater Louis benannt, der sich einen Sohn gewünscht hatte. Die meiste Zeit des Jahres lebte ihre Familie im schicken Viertel St. Germain in einer Wohnung über der Galerie, wo ihre Eltern Wandteppiche verkauften. Die Familie hatte auch eine Villa und eine Werkstatt auf dem Land, wo sie ihre Wochenenden damit verbrachten, antike Tapisserie zu restaurieren.

Während ihrer Kindheit wurde Bourgeois in der Werkstatt als Helferin eingestellt, um zu waschen, nähen und zeichnen. Die Werkstatt wurde von Bourgeois' Mutter Josephine geleitet, der sie sehr nahe stand. 

Als Jugendliche besuchte Bourgeois die Elite Lycee Fenelon in Paris. Spannungen im Haushalt, insbesondere die Tatsache, dass die Geliebte ihres Vaters (die auch die Privatlehrerin von Louise war) bei der bürgerlichen Familie wohnte, würden später das hochautobiografische Werk von Bourgeois ausmachen.

Ausbildung und Frühwerk

Louise Bourgeois verfügte über eine weitreichende Ausbildung. In den frühen 1930er Jahren studierte sie Mathematik und Philosophie an der Sorbonne, wo sie ihre Dissertation über Blaise Pascal und Emmanuel Kant schrieb.

Nach dem Tod ihrer Mutter 1932 begann sie ein Kunststudium und schrieb sich zwischen 1934 und 1938 in mehreren Akademien ein, darunter die Ecole des Beaux-Arts, die Academie Ranson und die Academie de la Grande-Chaumiere. Ihr erstes Pariser Appartement befand sich in der Rue de Seine im selben Gebäude wie André Bretons Galerie Gradiva, wo sie mit dem Werk der Surrealisten in Kontakt kam. 

1938 begann sie mit der Ausstellung ihrer Arbeiten im Salon d'Automne und eröffnete ihre eigene Galerie in einem abgetrennten Bereich des Tapisserie-Ausstellungsraums ihres Vaters, wo sie Drucke und Gemälde ausstellte. Während ihrer kurzen Karriere als Kunsthändlerin lernte sie den Kunsthistoriker Robert Goldwater kennen, mit dem sie 1938 heiratete und nach New York City zog.

Mittleres Werk

Nach ihrer Ankunft in New York schrieb sich Bourgeois an der Art Students League of New York ein und richtete ihr Augenmerk auf die Druckgrafik und die Malerei. In den vier Jahren dort bekam sie drei Kinder, sodass die Zeit knapp war, ihrer Leidenschaft nachzugehen.

In den 1940er und 50er Jahren stellte Goldwater Bourgeois einer Vielzahl von New Yorker Künstlern, Kritikern und Händlern vor, darunter auch Alfred Barr, der damalige Leiter des Museum of Modern Art, der 1953 eines ihrer Werke für die MoMA-Sammlung kaufte. In den späten 40er und 50er Jahren hatte sie mehrere Einzelausstellungen in verschiedenen New Yorker Galerien.

Ihr Mann erhielt ein Fulbright-Stipendium und kehrte Anfang der 1950er Jahre mit ihren Kindern für mehrere Jahre nach Frankreich zurück, in der Zeit, in der ihr Vater starb.

In den 1960er Jahren begann Bourgeois mit Latex, Gips und Gummi zu experimentieren und reiste auch nach Italien, wo sie mit Marmor und Bronze arbeitete.

Spätwerk

Bourgeois' Mann starb im Jahr 1973 und die Künstlern begann noch im selben Jahr, an verschiedenen Institutionen in New York City zu unterrichten, darunter am Pratt Institute, Brooklyn College und der Cooper Union.

In den 1970er und 1980er Jahren nahm sie auch an mehreren Ausstellungen teil und begann, Performance-Kunst stärker in die Aufmerksamkeit der Kunstwelt zu rücken. In den 1970er Jahren wurde Bourgeois auch als Frauenrechtlerin und Sozialistin politisch aktiv. Sie schloss sich der Fight Censorship Group an, die den Gebrauch von explizit sexuellen Darstellungen in der Kunst verteidigte.

Als Zeichen ihres Ansehens in der Kunstwelt widmete das MoMa ihr im Jahr 1982 ihre erste Retrospektive - ein Novum für die Einrichtung, das erstmals einer weiblichen Künstlerin diese Ehre zuteil werden ließ. 

Bourgeois hatte im Jahr 1955 die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen und wurde 1993 als Repräsentantin ausgewählt, die USA bei der Biennale in Venedig zu vertreten.

Im Jahr 2010 starb sie im Alter von 98 Jahren in New York City.

Künstlerisches Erbe von Louise Bourgeois

Bourgeois' Werk beeinflusste die aufkeimende feministische Kunstbewegung maßgeblich. Die ersten Assemblagen von Louise Nevelson entstanden zum Beispiel einige Jahre nachdem Bourgeois mit ähnlichen Szenen experimentiert hatte, wie The Blind Leading the Blind (1947-49).

Bourgeois' Auseinandersetzung mit männlichen und weiblichen Geschlechtsteilen in den 1960er Jahren war eine wichtiger Einfluss für feministische Künstlerinnen wie Judy Chicago, deren Werk ähnliche Themen aufgreift.

Bourgeois' Arbeiten beschäftigen sich stets mit der Wiederaufnahme einer ihrer Erinnerungen, was in ihrer langen künstlerischen Laufbahn zu einem bemerkenswerten Gesamtwerk an Skulpturen, Zeichnungen, Büchern, Drucken und Installationen führte.

Kunstwerke von Louise Bourgeois

The Blind Leading the Blind, 1947-49

"The Blind Leading the Blind" [1947—1949] by Louise Bourgeois

Beschreibung des Kunstwerks: The Blind Leading the Blind, erbaut aus gespitzten Holzplanken, die an einem flachen Balken befestigt sind, ist eine frühe Skulptur, in der Bourgeois mit abstrakten Formen persönliche Gefühle gegenüber ihren Eltern ausdrückte.

Die Künstlerin vergleicht dieses Stück mit einem Tisch ihres Elternhauses, unter dem sie saß, um zu beobachten, wie sich die Beine ihrer Eltern durch den Raum bewegten. Außerdem erinnert sie sich an diese unangenehme Zeit, da sie sich von ihren Eltern entfremdet fühlte und unter Möbeln Zuflucht suchte.

Der Titel The Blind leading the Blind lässt sich als das Gleichnis des Blindensturz ins Deutsche übersetzen. Gemeint ist das Gleichnis, das Jesus gebraucht, um das Bild eines Blinden zu schildern, der einen anderen Blinden führt, woraufhin beide in die Grube fallen.

Bourgeois' Titelwahl kann man so interpretieren, dass sie ihre Eltern für unfähig hielt, eine gesunde Beziehung zu führen. Stattdessen vertrauen beide Elternteile der anderen Person, die genauso blind ist wie sie selbst, die Verantwortlichkeiten der Beziehung an - was wiederum beiden schadet.

Fillette, 1968

Louise Bourgeois: Fillette / Janus Fleuri (Mapplethorpe)

Beschreibung des Kunstwerks: Fillette ist eines der berühmtesten Kunstwerke von Louise Bourgeois. Das Stück zeigt ihre Verwendung von biomorphen Formen sowie ihre Experimente mit der männlichen und weiblichen Anatomie, oft bis zu dem Punkt, an dem sie nicht mehr voneinander unterscheidbar sind.

In einer Version hängen die Skulpturen an einem Deckenhaken und verweisen so auf das Thema der Kastration. In der zweiten Version wird die Skulptur von Bourgeois selbst getragen. Das Foto dieser Szene - geschossen von Robert Mapplethorpe - ist weltbekannt (oben abgebildet).

The Destruction of the Father, 1974

Beschreibung des Kunstwerks: The Destruction of the Father war Bourgeois' erste Installation zu einer Zeit, als die Installationskunst noch in den Kinderschuhen steckte.

Das Werk war auch das erste von Bourgeois, das ihre Wut über die Untreue ihres Vaters explizit aufdeckte, was eine wesentliche Motivation für einen Großteil ihrer Arbeiten war. Mit den weichen Formen ihrer Landschaftsserie und ihren oft expliziten Körperbildern reagiert die Arbeit auf eine Kindheitsfantasie, in der sie sich an ihrem Vater rächt, der sich am Esstisch häufig großspurig verhielt und prahlte.

Ein lebensgroßer Esstisch in einer Höhle oder einem Gebärmutterraum ist mit fleischfarbenen Formen bedeckt, die wie zerstückelte Körperteile erscheinen. Die Szene ist in ein sanftes rotes Licht getaucht, das Wut und Tod symbolisiert und den Betrachter einlädt, die Folgen des Mordes mitzuerleben.

Maman, 1999

Louise Bourgeois Maman Bilbao

Foto: shell300 / Shutterstock

Beschreibung und Analyse des Kunstwerks: Die Spinne taucht erstmals in den 1940er Jahren in Bourgeois' Werk auf und hatte klare, positive Assoziationen für die Künstlerin, die die Spinne als Symbol ihrer Mutter sah. Bourgeois ist über diesen Zusammenhang im Klaren:

"Die Spinne ist eine Ode an meine Mutter. Sie war meine beste Freundin. Wie die Spinne war meine Mutter eine Weberin. Meine Familie war im Geschäft der Tapisserie-Restaurierung tätig, und meine Mutter war für die Werkstatt verantwortlich. Wie Spinnen war meine Mutter sehr schlau. Spinnen sind freundliche Wesen, die Moskitos essen. Wir wissen, dass Moskitos Krankheiten verbreiten und daher unerwünscht sind. So sind Spinnen hilfreich und beschützend, genau wie meine Mutter."

Bourgeois stellte Spinnen in einer Vielzahl von Medien und Größen her. Maman war mit einer Höhe von mehr als 9 Metern die größte Ausführung.

Obwohl die frühesten Beispiele von Spinnen in Bourgeois' Werk in zwei Zeichnungen von 1947 zu finden sind, konzentrierte sie sich in den 90er Jahren am konsequentesten auf das Thema, als sie in ihrem gehobenen Alter von Erinnerungen an ihre Mutter und ihre Kindheit erfüllt wurde.

Mehr: Was du über die weltbekannte Spinnenskulptur wissen musst

Spiral Woman (2003)

Beschreibung des Kunstwerks: Spiral Woman, eine hängende Puppe, zeigt Bourgeois' langjähriges Interesse an der Puppenherstellung und der Spiralform, wie in der viel früheren Arbeiten zu sehen ist. Die hier abgebildete Version von 2003 ist kopflos mit weiblichen Kurven.

Wie so vieles in Bourgeois' Werk hatte auch die Spirale für sie autobiographische Bedeutung, wie die Künstlerin selbst erklärte (übersetzt nach Vorlage auf National Galleries Scotland)

"Die Spirale ist mir wichtig. Es ist eine Verdrehung. Als Kind würde ich nach dem Waschen der Wandteppiche sie im Fluss drehen und wenden und auswringen [...] später würde ich von der Geliebten meines Vaters träumen. Ich würde es in meinen Träumen tun, indem ich ihren Hals umdrehte. Die Spirale - ich liebe die Spirale - steht für Kontrolle und Freiheit."

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