Skulptur

Louise Bourgeois’ Maman – Was du über die bekannte Spinnenskulptur wissen musst!

Louise Bourgeois GuggenheimFoto: Rudy Mareel / Shutterstock

Louise Bourgeois' Maman, die riesige Stahl- und Marmorskulptur in der Gestalt einer riesigen Spinne, wurde 1999 von der französischen Künstlerin entworfen.

Die Skulptur ist mehr als 9 Meter hoch und 10 Meter breit, was sie zu einer der größten Skulpturen der Welt macht. Erstmals wurde sie als Auftragsarbeit in der Turbinenhalle der Tate Modern im Jahr 2000 ausgestellt. Mehrere Versionen der Skulptur wurden anschließend in Bronze gegossen, von denen viele vor führenden Museen auf der ganzen Welt, von Bilbao bis Tokio, dauerhaft präsentiert werden.

Hier sind alle Infos zu der Spinnenskulptur, hinter der viel tiefgründigere Gedanken stehen, als man zunächst annehmen mag. Dazu sehen wir uns die Reaktionen auf das Werk an und finden heraus, welche künstlerische Intention Bourgeois' tatsächlich mit ihrer Skulptur verfolgte.

Das Schöne und das Erhabene

Louise Bourgeois Maman Bilbao

Foto: shell300 / Shutterstock

Die riesige Spinneninstallation von Bourgeois, die an das Alptraumhafte und Surreale erinnert, kann im Sinne der westlichen Kunst verstanden werden, die in der Lage ist, gleichermaßen Wunder wie Schrecken zu verkörpern.

Die Definition des Erhabenen nach dem irischen Philosophen Edmund Burke aus dem 18. Jahrhundert umfasst eine komplexe physiologische und emotionale Reaktion, die leicht mit den Gefühlen in Verbindung gebracht werden konnte, die durch den Anblick von Bourgeois' Maman ausgelöst werden.

In Philosophische Untersuchung über den Ursprung unserer Ideen vom Erhabenen und Schönen schreibt Burke über das Erhabene:

„Eine Art von Schrecken oder Schmerz ist immer die Ursache des Erhabenen.“ - „Seinen höchsten Grad nenne ich das Erschauern; die untergeordneten Grade sind Ehrfurcht, Verehrung und Achtung [...].

Louise Bourgeois' Maman wiederum löst mit ihren langen und faserigen Beinen und ihrer hoch aufragenden Gestalt sicherlich einen der höheren Grade des Erhabenen aus.

Die Intention der Künstlerin

Louise Bourgeois Spinne

Foto: Richie Chan / Shutterstock

Trotz des Erschauerns vieler Kritiker als Reaktion auf das Kunstwerk ist Bourgeois' eigene Einstellung bezüglich ihres Werkes überraschend einfühlsam. 

Die Spinne erschien 1947 erstmals als Motiv in Form einer kleinen Zeichnung im Werk der Künstlerin und war in ihrer langen künstlerischen Tätigkeit immer wieder zu sehen. Maman" ist das französische Wort für Mutter und die Skulptur selbst ist ein Symbol für Bourgeois' eigene Beziehung zu ihrer Mutter.

Die Mutter der Künstlerin starb, als Bourgeois eine junge Frau im Alter von 21 Jahren war, was einen tiefen emotionalen Riss bei ihr hinterließ. Ihre Trauer war sogar so tief, dass Louise Bourgeois einige Tage nach dem Tod ihrer Mutter versuchte, sich zu ertränken. Das Trauma, das in ihrer Kindheit begann und von der Untreue ihres Vaters ausgelöst wurde, wurde durch ihren Verlust noch verstärkt.

Die Mutter der Künstlerin restaurierte Tapisserien und hatte deshalb täglich mit Geweben und Fäden zu tun, genau wie das Symbol der Spinne. Das Motiv kann daher in diesem Kontext als Symbol des mütterlichen Schutzes verstanden werden, anstatt als Symbol des Schreckens zu dienen.

Louise Bourgeois' Maman, die ihre Eier aus Marmor sorgsam in ihrem Kokon beschützt, ist nicht nur eine gnadenlose Hüterin, sondern auch eine Reparateurin, die buchstäblich und im übertragenen Sinne die Emotionen von Angst, Verlust und Verlassenheit ausbessert.

Eierkokon Louise Bourgeois Maman

Foto: Roland zh / Wikipedia / CC BY-SA 3.0

Ihre Größe wiederum ist bezeichnend für ihre Wichtigkeit und Stärke, während die langen, dünnen Beine der Spinne eine gewisse Verletzlichkeit ausstrahlen.

Louise Bourgeois' Wortlaut zu der Skulptur

Bourgeois sagte über Maman (übersetzt nach englischer Vorlage auf tate.org.uk):

Die Spinne ist eine Ode an meine Mutter. Sie war meine beste Freundin. Wie die Spinne war meine Mutter eine Weberin. Meine Familie war im Geschäft der Tapisserie-Restaurierung tätig, und meine Mutter war für die Werkstatt verantwortlich. Wie Spinnen war meine Mutter sehr schlau. Spinnen sind freundliche Wesen, die Moskitos essen. Wir wissen, dass Moskitos Krankheiten verbreiten und daher unerwünscht sind. So sind Spinnen hilfreich und beschützend, genau wie meine Mutter. 

In dem 1995 von der Künstlerin veröffentlichten Gedicht "Ode an meine Mutter" (Ode à ma mère) beschreibt Bourgeois das Wesen ihrer Mutter genauer (übersetzt nach englischer Vorlage auf tate.org.uk):

... meine beste Freundin war meine Mutter und sie war bedächtig, klug, geduldig, besänftigend, vernünftig, anmutig, zierlich, unverzichtbar, ordentlich und so nützlich wie eine Spinne. Sie konnte sich auch verteidigen, und mich ....

Maman, die Mutter als skulpturale Verkörperung von Angst, Verletzlichkeit, weiblichem Schutz und gewaltiger Macht, ist ein ikonisches und komplex schönes Kunstwerk einer produktiven und hochbegabten Künstlerin.

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