Kunst

Marina Abramović – Biografie, bedeutende Performances und künstlerischer Einfluss

Marina Abramović, TitelbildFoto: Nadja Varga / Flickr / CC BY 2.0

Marina Abramović wurde 1946 in Belgrad im damaligen Jugoslawien geboren. Seit Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn Anfang der 1970er Jahre, als sie die Akademie der Bildenden Künste in Belgrad besuchte, hat Abramović Pionierarbeit in der Performance als visuelle Kunstform geleistet. Der Körper war sowohl ihr Thema als auch ihr Medium.

Auf der Suche nach emotionaler und spiritueller Transformation hat sie die physischen und mentalen Grenzen ihres Seins erkundet und dabei Schmerzen, Erschöpfung und Risiken ausgehalten.

Als bedeutendes Teil der Generation bahnbrechender Performance-Künstler schuf Abramović einige der historischsten frühen Performance-Werke und ist auch heute noch ein maßgeblicher Einfluss für die zeitgenössische Kunst.

Kernideen zu Marina Abramović

  • Die Arbeit von Marina Abramović ist typisch für die rituelle Strömung der Performancekunst der 1960er Jahre. Sie bringt sich selbst oft in Gefahr und vollbringt lange, quälende Performances, die sie an ihr körperliches Limit bringen.
  • Ihre Performances haben einen rituellen Aspekt, den sie selbst für eine Versammlung von Zuschauern durchführt. Die körperlichen Qualen, die sie erduldet, bilden die Grundlage für die Erforschung von Themen wie Vertrauen, Ausdauer, Erschöpfung und Abschied.
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    Zwischen 1976 und 1988 arbeitete sie mit dem deutschen Künstler Ulay zusammen. Die Performances, die das Paar in dieser Zeit schuf, nutzten oft ihre Zweifachheit aus, um Ideen wie die Trennung zwischen Geist und Körper, Natur und Kultur und natürlich zwischen Mann und Frau zu untersuchen.

Biografie von Marina Abramović

Kindheit und Jugend

Marina Abramović wurde am 30. November 1946 in Belgrad, Jugoslawien, als Tochter von wohlhabenden Eltern geboren. Ihre Familie hatte in der kommunistischen Regierung herausragende Positionen inne. Ihr Vater Vojin war in der Garde des Marschalls, und ihre Mutter, Danica, war Kunsthistorikerin und beaufsichtigte historische Denkmäler.

Nachdem ihr Vater die Familie verlassen hatte, übernahm ihre Mutter die strikte Kontrolle über die achtzehnjährige Marina und ihren jüngeren Bruder Velimir. Die Beziehung zwischen der Mutter und ihrer Tochter war keine leichte, obwohl sie das Interesse ihrer Tochter an der Kunst trotzdem unerstützte. Während ihrer Kindheit erlebte Abramovic zahlreiche Biennalen in Venedig, auf denen sie mit internationalen Künstlern wie Robert Rauschenberg in Kontakt kam.

Frühwerk

Abramovic studierte von 1965 bis 1970 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Belgrad und schloss ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Zagreb mit dem Magister ab. Anfang der 1970er Jahre begann sie mit der Performance-Kunst, wobei sie zunächst Klanginstallationen schuf, sich aber schnell zu Werken entwickelte, die den Körper mit einbeziehen.

Bis Mitte der 1970er Jahre lehrte sie an der Kunstakademie der Universität von Novi Sad. In ihrem Frühwerk setzte sie ihren Körper oft um ihrer Kunst willen ein. So nahm sie beispielsweise in Rhythm 2 Medikamente zur Therapie von schizophrenen Erkrankungen ein.

In Rhythm 0 lud sie die Betrachter ein, ihren Körper mit verschiedenen Gegenständen zu bedrohen, darunter eine geladene Pistole.

Marina Abramovic Rhythm 0

Foto: Francesco Pierantoni / Flickr

In ihrer Performance Lips of Thomas ritzte sie sich mit einer Rasierklinge ein Pentagramm in den Bauch und erreichte auf einem Eisblock einen Zustand der Unterkühlung. Sie hat angedeutet, dass die Inspiration für eine solche Arbeit sowohl von ihrer Erfahrung des Heranwachsens in einer kommunistischen Diktatur als auch von der restriktiven Behandlung durch ihre Mutter kam.

Entsprechend fanden die rebellischen Aufführungen in kleinen Studios, Studienzentren und alternativen Räumen in Jugoslawien statt und endeten um zehn Uhr, nach der strengen Ausgangssperre, die ihre Mutter verhängt hatte.

Mittleres Werk und ihre Arbeiten mit Ulay

Marina schuf diese bahnbrechenden Werke, als die Performance-Kunst eine aufstrebende Kunstform in Europa war. Während einer Reise nach Amsterdam im Jahr 1975 traf sie den deutschen Künstler Frank Uwe "Ulay" Laysiepen. Als leidenschaftliche Pioniere durchquerten Abramovic und Ulay Europa in einem Transporter, lebten mit australischen Aborigines und in tibetisch-buddhistischen Klöstern und verbrachten Zeit in der Sahara, der Thar- und der Gobi-Wüste.

Ihr künstlerischer Zusammenschluss war von Zuneigung und Verbundenheit geprägt, was in Relation in Time besonders eindrucksvoll zum Ausdruck kam, bei dem sie Rücken an Rücken mit zusammengebundenem Haar saßen.

Breathing In/Breathing Out (1977) beinhaltete die Zirkulation des Atems aus dem Mund des anderen, bis beide nach rund 17 Minten ohnmächtig zu Boden fielen. 

Light/Dark (1977) ist ein weiteres Beispiel ihrer besonderen Beziehung, in der sie sich aus Protest abwechselnd ins Gesicht schlugen.

Als Abramovic und Ulay 1988 beschlossen, ihre künstlerische Zusammenarbeit und ihre persönliche Beziehung zu beenden, begannen sie die Performance mit dem Titel The Lovers. Die zwei starteten ihre Reise an jeweils einem Ende der Chinesischen Mauer und liefen drei Monate lang, bis sie sich in der Mitte trafen und sich dann trennten.

Nach der Trennung von Ulay kehrte Marina zu ihren Soloarbeiten zurück und arbeitete zunehmend mit der medialen Videokunst. Im Jahr 1989 begann sie mit einer Reihe von skulpturalen Arbeiten, die Objekte umfassen, die die Beteiligung und Interaktion des Publikums anregen sollen.

Zusätzlich zu ihren Performances lehrte Abramovic von 1990-1991 an der Hochschule der Künste in Berlin und der Academie des Beaux-Arts in Paris sowie an der Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg.

Ab 1994 lehrte sie sieben Jahre lang als Dozentin für Performancekunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.

Gegenwärtige Performances

Im Jahr 2010 veranstaltete das Museum of Modern Art (MoMA) in New York City eine umfassende Retrospektive der Arbeiten von Abramović mit dem Titel The Artist Is Present. Für die Ausstellung wurde Abramović mit der gleichnamigen Performance vorgestellt, in der sie still saß, während die Museumsbesucher ihr gegenüber saßen und sie ansahen.

The Artists Is Present Moma

Foto: Rory / Flickr

Die Möglichkeit, sich an der Arbeit zu beteiligen, trug dazu bei, lange Schlangen von Besuchern anzuziehen. In der Retrospektive war auch eine Gruppe von Performern zu sehen, die die frühere Arbeit von Abramović nachstellten. Obwohl die Re-Performances oft dafür kritisiert wurden, dass sie die Energie und Unberechenbarkeit der ursprünglichen Performances auslöschten, brachten sie Abramović weitere Anerkennung.

Auch die HBO-Dokumentation The Artist Is Present von 2012 ist in diesem Zug entstanden. Als Chronik der Retrospektive dokumentierte sie auch den Test der körperlichen Ausdauer von Abramović, als sie während der dreimonatigen Ausstellungsdauer täglich sieben Stunden bewegungslos saß.


Künstlerischer Einfluss von Marina Abramović

Marina Abramović, die sich in der Vergangenheit selbst als "Mutter der Performance-Kunst" bezeichnete, gehörte zu den frühesten experimentellen Künstlerinnen der Performance. 

Heute ist sie einer der wenigen Pionierinnen dieser Zeit, die noch immer neue Werke schafft. Sie war und ist auch weiterhin ein wesentlicher Einfluss für Performance-Künstler, die in den letzten Jahrzehnten Werke geschaffen haben. 

Obwohl sie ihr eigenes Kunstwerk nicht durch den Rahmen der feministischen Kunst betrachtet, hat ihre Konfrontation mit dem physischen Selbst und dem weiblichen Körper auch diese Richtung der Kunst prägend beeinflusst.