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Oculus Ground Zero
Architektur

Das “Oculus” am Ground Zero ist ein architektonisches Meisterwerk

Foto: astudio / Shutterstock

In den fast zwei Jahrzehnten seit den Terroranschlägen von 9/11 haben Architekten aus der ganzen Welt hart daran gearbeitet, das Zerstörte wieder aufzubauen. Anstatt das nachzubilden, was einst existierte, haben sich viele dieser kreativen Köpfe entschieden, neue Designs zu entwickeln, die den früheren Bauwerken und vor allem denjenigen, die bei den Anschlägen vom 11. September ihr Leben verloren haben, ihren Respekt entgegenbringen.

Dieser architektonische Ansatz zeigt sich in der Sanierung und Rekonstruktion mehrerer Gebäude. Während viele Bauwerke in dem Gebiet betroffen waren, wurden die markanten Zwillingstürme des World Trade Centers vollständig zerstört. Neben den zwei Türmen wurden auch Bürogebäude, ein Hotel und die World Trade Center Station, ein Verkehrsknotenpunkt im Herzen des Areals zerstört.

Im Jahr 2003 wurde die U-Bahn-Station wieder in Betrieb genommen, wobei dieser wichtige Bahnhof, wie wir ihn heute kennen, erst 2016 wieder für die Öffentlichkeit freigegeben wurde. Zusätzlich zu den unterirdischen Einrichtungen umfasst diese komplett neue Station eine Glas- und Stahlkonstruktion, die den Namen Oculus trägt. Dieser lichtdurchflutete Raum, der von dem berühmten spanischen Architekten und Bauingenieur Santiago Calatrava entworfen wurde, soll einem Vogel ähneln, der aus den Händen eines Kindes flieg" und einem Ort der Tragödie ein Gefühl der Hoffnung verleihen.

Der Verkehrsknotenpunkt

World Trade Center Transportation Hub Oculus

Foto: Ozugi / Shutterstock

Das Oculus ist das Hauptgebäude des heutigen World Trade Center Transportation Hub, einem Terminal des Port Authority Trans-Hudson (PATH) Systems. Auf einer Fläche von 75.000 Quadratmetern bietet dieser Bereich ein Zwischengeschoss, Einzelhandelsflächen und Zugang zu den vier unterirdischen Plattformen des Bahnhofs.

Zusätzlich zu diesem Innenraum ist der Oculus bekannt für seinen weißen, skulpturalen Eingangsbereich. Zusammen bilden diese Räume ein perfektes Gleichgewicht zwischen Funktionalität und Formschönheit - eines der Hauptanliegen von Calatrava bei der Gestaltung der Anlage.

Das Design

Calatravas Fokus auf Form, Raum und Licht zeigt sich im gesamten Design des Oculus - sowohl innen als auch außen.

Beleuchteter Innenraum

Im Inneren des Oculus erwartet die Besucher ein schön erleuchteter Hauptsaal. Neben der leuchtend weißen Farbgebung fühlt sich dieser Bereich durch sein spezielles Oberlicht, das an wolkenlosen Tagen den Raum mit Sonnenstrahlen erfüllt, besonders leicht und luftig an.

Oculus NYC

Foto: Kazanovskyi Andrii / Shutterstock

Aus architektonischer Sicht ist diese Lichtführung ein wichtiges Element, da sie den Raum ästhetisch ansprechend ausleuchtet. Ihre Absicht geht jedoch über die reine Funktionalität hinaus. Sie übernimmt eine symbolische Aufgabe.

Jeden 11. September um 10:28 Uhr - das ist die Ortszeit, an dem der zweite Turm einstürzte - scheint das Sonnenlicht durch das Oberlicht und beleuchtet die Mittelachse der Haupthalle. Diese besondere Ausrichtung des Sonnenlichts ist möglich, weil das Gebäude leicht versetzt zum übrigen Straßennetz von New York ausgerichtet wurde.

Calatrava beschreibt dieses Phänomen als "Sinn für das Kosmische" und stellt fest, dass es das wichtigste Element des Gebäudes selbst ist. Kein Wunder also, dass er sich für die Bezeichnung Oculus entschieden hat. In der klassischen Architektur bezieht sich ein "oculus" auf eine Öffnung, die einen Blick auf den Himmel bietet.

Das außen liegende Flügelpaar

Es ist nicht nur das Innere des Oculus, das voller Symbolik ist. Außen bildet eine Struktur aus Stahlrippen und Glasscheiben ein Flügelpaar mit gewaltiger Spannweite, die in Richtung der umliegenden Wolkenkratzer weisen.

oculus Flügelpaar

Das Oculus des Pantheon in Rom | Foto: Pavel Ilyukhin / Shutterstock

Calatrava sah diese umgebenden Wolkenkratzer als Inspiration an - nicht nur in Bezug auf die Größe. Mit Gebäuden wie der Brooklyn Bridge, dem Grand Central Terminal und dem Schwarzman Building der New York Public Library im Hinterkopf, wollte der Architekt ein Gebäude schaffen, das der Öffentlichkeit auch noch in vielen Jahren zu Gute kommt.

Bei der Planung eines standortspezifischen Gebäudes müssen Architekten immer die örtliche Landschaft berücksichtigen. Beim Oculus war dies nicht nur ein Blick auf die umliegenden Gebäude, Calatrava musste auch berücksichtigen, dass sich der Raum auf dem Ground Zero befand.

So war es die Aufgabe des Architekten eine emotionale Beziehung zwischen seinem Bauwerk und dem Ort, an dem es sich befindet, aufzubauen. Diese Rücksichtnahme zeigt sich im vogelförmigen Eingang und in der gezielten Lichtführung, die beide als Zeichen der Hoffnung angesichts der Verwüstung verstanden werden können. 

Das Oculus am Ground Zero ist ein Meisterwerk moderner Architektur

Ground Zero

Foto: BrandonKleinVideo / Shutterstock

Das Oculus ist seit drei Jahren geöffnet. Es erfüllt seinen Zweck für die etlichen Pendler, die jeden Morgen und jeden Abend an dieser Station um- oder aussteigen. Es setzt die schreckliche Vergangenheit dieses Ortes in Verbindung zu der Hoffnung nach einer besseren Zukunft, die die amerikanischen Menschen - vor allem die New Yorker - nach dem Terroranschlag verspürt haben. Es ehrt die Verstorbenen von 9/11 auf friedvolle Art und Weise und bietet Besuchern der Stadt einen würdigen Ort, um den Opfern des Terrors zu gedenken.

Oculus ist ein modernes Meisterwerk der Architektur und darf bei einem Besuch am Ground Zero nicht fehlen.

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