Orientalismus
Kunst

Orientalismus in der Kunst: Eigenschaften, Künstler, Werke und Auswirkungen

Jean-Léon Gérôme, Bashi-Bazouk Singing, 1868

Orientalistische Künstler füllten ihre Werke mit Schlangenbeschwörern, verschleierten Frauen und Kurtisanen und schufen für das europäische Publikum fantasievolle Darstellungen des exotischen Orients.

Obwohl auch frühere Werke mit Darstellungen des Orients gibt, bezieht sich der Orientalismus in erster Linie auf die westliche Malerei, Architektur und das Kunsthandwerk des 19. Jahrhunderts, die Szenen und Motive aus einer Vielzahl von Ländern verwendete, darunter die Türkei, Ägypten, Indien und Algerien.

Auch wenn einige Künstler nach einem realistischen Abbild der Wirklichkeit strebten, fassten viele andere die einzelnen Kulturen und Praktiken dieser Länder in ihrer eigenen fantasievollen Vision des Orients zusammen. Für viele Künstler und die Betrachter ihrer Werke war der Orient beinahe wie eine europäische Erfindung - ein Ort der Romantik voller exotischer Wesen und Landschaften.

Der Orientalismus, der weitgehend unter die akademische Kunst fällt, umfasste eine Reihe von Genres, von großen historischen und biblischen Gemälden bis hin zu Aktgemälden und Darstellungen von Innenräumen.

In diesem Artikel findest du als erstes zusammenfassende Kernideen zum Orientalismus und anschließend eine kurze Einordnung der aufkommenden Popularität der Darstellungen des Morgenlandes im geschichtlichen Kontext. Darauf folgt eine Übersicht bekannter Künstler und Ausdrucksformen des orientalistischen Stils sowie eine Aufzählung bedeutender Werke.

Abschließend erfährst du mehr zur Kritik am Orientalismus, die in den weiterführenden Inhalten in der Ressourcen-Box fortgeführt wird. Du verstehst, wie die Kunst des Orientalismus unsere Vorstellungen vom Orient verzerrt hat und wie sich diese Folgen auch in der Gegenwart noch äußern.

Kernideen

  • Eine der Hauptgattungen des Orientalismus war das Haremsbild. Den Zugang zu den eigentlichen Serails verwehrt, vertrauten männliche Künstler auf Erzählungen und ihre Fantasie, um prunkvolle Innenräume und schöne Frauen darzustellen, von denen viele eher westlich aussahen. Das Genre erlaubte es Künstlern auch, erotische Akte und Erzählungen außerhalb eines mythologischen Kontextes darzustellen, da ihre exotische Stellung den westlichen Betrachter ausreichend distanzierte, um sie moralisch vertretbar zu machen.
  • Der Orientalismus verbreitete und verstärkte eine Reihe von Stereotypen, die mit den östlichen Kulturen verbunden waren. Vor allem in Bezug auf Unterschiede in der Moral, den Sexualpraktiken und dem Charakter der Bewohner wurden Vorstellungen manifestiert, die nicht unbedingt der Wahrheit entsprachen. Dies ist oft mit Propagandakampagnen verknüpft, die von Großbritannien und Frankreich als Kolonialmächte initiiert wurden und am besten im Kontext der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den östlichen Ländern betrachtet werden sollten.
  • Viele orientalistische Gemälde sind von kräftigen Farben durchdrungen, vor allem von Orangen, Gold, Rot und Blau sowie von dekorativen Elementen, die in Verbindung mit Licht und Schatten ein Gefühl von staubiger Hitze erzeugen, was mit der Sichtweise der westlichen Betrachter auf den Orient übereinstimmte.

Geschichte des Orientalismus

Die venezianische Schule der Renaissance

Von 1463 bis 1479 führte Venedig Krieg mit dem Osmanischen Reich, das von Sultan Mehmet II. regiert wurde. Venedig wurde in einer Reihe von Gebieten besiegt und musste anschließend Entschädigungen zahlen, um den Handel am Schwarzen Meer fortsetzen zu dürfen. 1479 entsandte die venezianische Regierung Gentile Bellini, den offiziellen Hofmaler des Dogen von Venedig, um für den Sultan zu arbeiten.

Bellini kehrte 1481 nach Venedig zurück, aber er verwendete weiterhin orientalische Motive in seinen Werken, wie in Die Predigt des heiligen Markus in Alexandria (1504-1507) zu sehen ist.

Orientalismus

Bellini: Die Predigt des heiligen Markus in Alexandria

Andere Künstler, darunter Paolo Veronese, begannen, eine ähnliche Vorgehensweise mit orientalischen Motiven zu kombinieren, sodass einige venezianische Kunstwerke erhalten blieben, die Themen des Nahen Ostens darstellen. Die bleibende Wirkung zeigt sich in Veronese Die Hochzeit zu Kana von 1563, das Jesus in der Mitte des Tisches darstellt, der gerade das Wasser in Wein verwandelt hat.

Die Hochzeit zu Kana Veronese

Paolo Veronese: Die Hochzeit zu Kana

Zu seiner Rechten sind christliche Gäste und Jünger in westlicher Kleidung und zu seiner Linken sind jüdische Gäste in orientalischer Kleidung. Diese Aufteilung, die jüdische Personen anhand orientalischer Ikonographie identifiziert, wurde zu einer traditionellen künstlerischen Aufbereitung, die bis ins 19. Jahrhundert andauerte.

Turquerie im 18. Jahrhundert

Frankreich trat 1536 der französisch-osmanischen Allianz bei, die bis 1798 andauerte, was zu einem wissenschaftlichen und kulturellen Austausch führte. Vor allem in den 1700er Jahren wurden türkische Gegenstände in Frankreich sehr beliebt, was sich in der Kunst dieser Zeit widerspiegelte.

Die als Turquerie oder "Türkenmode" bezeichnete Bewegung wurde von den Künstlern Jean Baptiste Vanmour, Charles-André van Loo und Jean-Étienne Liotard angeführt. Der Stil wurde schließlich zu einem Element der Rokokoko-Kunst, wie in einigen ihrer Gemälde zu sehen ist.

Die Invasion Ägyptens 1798

Der Orientalismus als vollwertige Bewegung begann mit der Eroberung Ägyptens durch Napoleon Bonaparte im Jahre 1798 und seiner Besetzung des Landes bis 1801, was zu einem Zustrom ägyptischer Waren nach Frankreich führte. Auch Bücher gehörten zu dem Warenaustausch.

Der Baron Dominique-Vivant Denon, der die Expedition im Nahen Osten als Archäologe begleitete, veröffentlichte seine "Reisen durch Ober- und Unter-Aegypten" während seiner Feldzüge. Im Original wurde das Werk umfangreich mit ägyptischen Motiven aus Grabsäulen, Gräbern und Tempeln illustriert, die das französische Kunsthandwerk und die Architektur beeinflussten.


Prägende Künstler

Antoine Jean Gros

Antoine Jean Gros war ein früher Pionier des klassizistischen Orientalismus. Als offizieller Maler Napoleons erhielt er den Auftrag, den Besuch des Kaisers bei seinen von der Pest befallenen Soldaten in Jaffa, Syrien, nach seiner Eroberung der Stadt im Jahr 1799 zu malen. Das Gemälde Bonaparte bei den Pestkranken von Jaffa wurde 1804 im Pariser Salon anlässlich der Krönung Napoleons ausgestellt.

Antoine-Jean Gros, Bonaparte bei den Pestkranken von Jaffa, 1804v

Antoine-Jean Gros, Bonaparte bei den Pestkranken von Jaffa, 1804Antoine-Jean Gros, Bonaparte bei den Pestkranken von Jaffa, 1804

Das Werk sollte als Propagandainstrument dienen, um für die Notwendigkeit des französischen Imperialismus in Ägypten zu plädieren und einer letztlich erfolglosen Feldzugserie eine heroische Wendung zu verleihen.

Der architektonische Rahmen des Gemäldes erinnert an Jacques-Louis Davids Eid der Horatier, während ein islamischer Bogen, die Stadtmauern, eine Moschee und ein syrischer Mann dem Werk eine historische Authentizität verleihen. Gros' Malerei veranschaulichte den klassizistischen Ansatz und wies den Kurs in Richtung Orientalismus.

Jean-Auguste-Dominique Ingres

Jean-Auguste-Dominique Ingres' Die Große Odaliske von 1814 war ein innovatives Werk in der Verfestigung des Orientalismus als Bewegung und auch in seiner späteren Beeinflussung der akademischen Malerei.

Die große Odaliske

Jean-Auguste-Dominique Ingres, Die Große Odaliske, 1814

Im Auftrag von Königin Caroline Murat von Neapel entstanden, greift das Gemälde auf traditionelle Darstellungen der Venus zurück, aber anstatt durch Mythologie einen annehmbaren Kontext für den Akt zu schaffen, verwendet Ingres einen nahöstlichen Hintergrund. In den 1660er Jahren fingen die Franzosen an, das Wort "odalisque" zu verwenden, um eine Konkubine in einem Harem zu bezeichnen.

Ingres besuchte zwar nie selbst den Nahen und Mittleren Osten, sondern stütze sich auf die Berichte anderer, insbesondere auf Mary Wortley Montagus Briefe aus dem Orient. Montagu betonte jedoch schon damals die Diskrepanz zwischen ihren Berichten über das Land und den romantisierten Bildern, die im Rahmen des Orientalismus entstanden sind. Sie wies vor allem männliche Darstellungen türkischer Bäder als sexualisierte Szenen zurück. Dennoch nahmen Ingres und andere Künstler ihre Details und Schauplätze als Ausgangspunkt für ihre eigenen Vorstellungen und Themen.

Eugène Delacroix

1832 reiste Eugène Delacroix mit einer diplomatischen Gruppe nach Marokko und schuf während der Reise eine Reihe von Skizzen und Aquarellen.

Eugène Delacroix, Frauen von Algier, 1832

Eugène Delacroix, Frauen von Algier, 1832

Nach seiner Rückkehr nach Paris malte er anschließend Frauen von Algier (1834) und stellte es noch im selben Jahr im Pariser Salon vor. Das Gemälde war ein bahnbrechendes Modell für das, was zum beliebten Genre der Haremsszenen werden sollte, und weckte auch bei den romantischen Malern ein starkes Interesse an orientalistischen Themen.


Medien und Kunstformen

Der Orientalismus hatte einen spürbaren Einfluss auf die religiöse Malerei, da Künstler versuchten, den biblischen Szenen Wahrhaftigkeit zu verleihen. Britische Künstler wie William Holman Hunt, ein Führer der präraffaelitischen Bruderschaft, reisten in den 1850er Jahren nach Palästina, um ethnographisch genaue Details für ihre Arbeiten zu verwenden, und die russische Peredvizhniki-Gruppe verwendete einen realistischen Ansatz für ihre religiösen Szenen im Heiligen Land, wie in Ilja Repins Werken zu erkennen ist.

Genrebilder

Am bekanntesten unter den orientalischen Genremalern war Alexandre-Gabriel Decamps. Im Pariser Salon 1831 zeigte er sieben Gemälde, die den Alltag im Nahen Osten darstellen sollten. Seine Bilder, die Kinder im Nahen Osten oder Kaufleute in ihren Geschäften darstellen, wurden besonders bei der Mittelschicht beliebt und beeinflussten große Künstler wie Delacroix.

Weitere bemerkenswerte Beispiele für orientalistische Genremalerei ist Jean-Léon Gérômes Pelzhändler von 1869.

Haremsbilder

Das Haremsgenre war das beliebteste aller Genres, obwohl es eng mit den Szenen des Sklavenmarktes verbunden war.

Wichtige Beispiele sind Giulio Rosatis Inspektion der Neuankömmlinge (nicht datiert), Jean-Léon Gérômes Nach dem Bad (nicht datiert) und Jean Lecomte du Noüy Die weiße Sklavin von 1888:

Orientalismus Haremsbilder

Diese Arbeiten zeigten allesamt Sklavinnen nackt und betonten oft das Weiß ihrer Haut. Die Idee des Orients wurde zunehmend als Ort dargestellt, an dem man nach einer im Westen unerreichbaren sexuellen Erfahrung streben konnte. Männer durften nicht in Harems eindringen, und so griffen Künstler auf ihre eigenen Fantasien in Verbindung mit europäischen Modellen zurück, um diese Bilder zu schaffen.

Der Eindruck des männlichen Blicks, der in das verbotene Reich des Harems eindringt, wurde vielfach so interpretiert, dass die westliche Kunst versuchte, das Morgenland zu erobern oder versuchte, sich über die Grenzen des anderen zu erheben.

Militärbilder

Antoine-Jean Gros war wegweisend bei der Schaffung dramatischer, militärischer Arbeiten des Orientalismus. Solche Werke wurden durch die Propagandakampagnen der napoleonischen Regierung populär gemacht und Kampfszenen, die oft heroische französische Soldaten und Aktionen gegen muslimische Kräfte darstellen, wurden weit verbreitet. Obwohl diese Themen innerhalb der romantischen Bewegung neu interpretiert wurden, setzten sie sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts fort und wurden durch neue Kriege gegen das Osmanische Reich aufgegriffen.

Von 1821-1830 kämpfte Griechenland für die Unabhängigkeit von den Osmanen, und europäische Künstler und Intellektuelle identifizierten sich mit den Griechen, wie Eugène Delacroix' Massaker von Chios (1824) zeigt.

Das Massaker von Chios

Eugène Delacroix, Massaker von Chios, 1824

Ausgehend von zeitgenössischen Berichten über das Massaker an den Griechen auf der Insel Chios spiegelte das Werk die Betonung der Romantik auf dramatisches Leiden und extreme emotionale Zustände wider. 1830 drangen die Franzosen in Algerien ein, und Szenen aus dem langwierigen Krieg, der bis 1847 dauerte, um das Land zu kolonisieren, wurden vielfach künstlerisch dargestellt.

Architektur und Gestaltung

Der Orientalismus beeinflusste zunächst Architektur und Design, als ägyptische Motive und Designs in den französischen und britischen Regentschaftsstil aufgenommen wurden und ägyptisch anmutende Möbel und Einrichtungsgegenstände in der Oberschicht in Mode kamen.

Das ägyptisch geprägte Design findet sich auch in öffentlichen Denkmälern und als dekorative Ergänzung an Gebäuden. Während der Hauptbaustil der Epoche klassizistisch blieb und die aufstrebenden französischen und britischen Reiche mit der Römischen Republik verband, wurden ägyptische Elemente zunehmend verwendet. Eugène de Beauharnais, Napoleons Adoptivsohn und Erzkanzler des Französischen Reiches, fügte 1807 einen ägyptischen Säulenvorbau zu seiner Privatresidenz hinzu. Der Stil verbreitete sich in ganz Europa und den Vereinigten Staaten und ist in vielen Bauwerken noch heute zu sehen.

Im Gegensatz dazu wurden im der maurischen oder orientalischen Revival-Baustil Spitz- oder Hufeisenbögen, kunstvoll gemusterte Zierleisten, türkische Minarette und islamische Fliesen verwendet, um fantasievolle orientalische Räume zu schaffen. Ein bekanntes Beispiel ist der Royal Pavilion in Brighton, Großbritannien, entworfen vom Architekten John Nash, der die islamische Architektur Indiens mit Elementen aus dem Nahen Osten verknüpfte.

Royal Pavilion Brighton

Royal Pavilion in Brighton | Foto: Dmitry Naumov / Shutterstock.com

Fotografie

Maxime Du Camp war ein früher Pionier der Reisefotografie im Mittleren Osten. 1849 reiste er mit seinem Freund Gustave Flauber nach Ägypten, Nordafrika und in den Nahen Osten. Du Camp fertigte Hunderte von Kalotypien mit Schwerpunkt auf monumentalen Stätten an und veröffentlichte eine Reihe davon in seinem ersten Reisefotobuch. Ein weiterer bekannter Fotograf war Auguste Salzmann, der von einem Ministerium beauftragt wurde, die bekannten Orte des Heiligen Landes zu studieren und zu fotografieren. Eine Auswahl seiner Bilder veröffentlichte er in einem Sammelband von 1856.

In den 1860er Jahren begannen Fotografen wie Francis Firth und Félix Bonfils, fotografische Postkarten und Erinnerungsstücke für Europäer zu Hause und auf Reisen im Nahen Osten herzustellen. Bonfils, ein Franzose, zog nach Beiruit, wo er Bilder schuf, die den unverfälschten Charakter des Orients vermitteln sollten. Indem sie selektiv und überlegt nur bestimmte Elemente aus der Umgebung auswählten, versuchten sie, ihren und den Erwartungen und Interessen anderer Europäer zu entsprechen. Solche Bilder prägten auch die künstlerische Fantasie - Jean-Léon Gérôme zum Beispiel nutzte verschiedene Fotoarbeiten des Nahen Ostens für seine Kompositionsmalereien.


Bekannte Werke des Orientalismus

Jean-Auguste-Dominique Ingres, Die große Odaliske, 1814

Die große Odaliske

Beschreibung des Kunstwerks: Diese Arbeit zeigt einen liegenden Akt, der von verschiedenen Elementen umgeben ist - dem Pfauenfederfächer, den sie hält, dem bunten Turban, den sie trägt, einer Pfeife zu ihren Füßen, dem Vorhang und der Bettwäsche -, die sie in einen gedachten Harem mit einer Mischung aus türkischer und babylonischer Ikonographie versetzen.

Indem er die Frau in einen orientalischen Rahmen rückte, gelang es Ingres, einen europäischen Akt mit offener Erotik darzustellen, der durch den exotischen Raum akzeptiert wurde. Der Akt bezieht sich auf klassische Werke wie Tizians Venus von Urbino und Giorgiones Schlummernde Venus, obwohl die Pose am direktesten dem Porträt von Madame Recamier von Jacques-Louis David entlehnt ist.

Die Frauen von Algier, 1834, Eugène Delacroix

Eugène Delacroix, Die Frauen von Algier, 1834

Eugène Delacroix, Die Frauen von Algier, 1834

Beschreibung des Kunstwerks: In einem orientalischen Innenraum, eingerichtet mit persischen Teppichen und gewebten Wandteppichen, konzentriert sich dieses Bild auf vier Frauen. Die Anordnung und Posen der sitzenden Frauen sind offen und scheinen den Betrachter in den privaten Raum einzuladen. Dieser Einladung steht jedoch der herausfordernde Ausdruck der Frau zur Linken entgegen.

Obwohl das Bild nicht die offene Erotik der großen Odaliske wiedergibt, weisen die lockere Kleidung und das Auftreten der Frauen neben den orientalischen Gegenständen wie die Wasserpfeife auf ihre Rolle als Kurtisanen hin.

Auguste Salzmann, Jerusalem, Tal von Joschafat, Grab des Heiligen Jakobus, 1854

Salzmann, Auguste: Jerusalem; das Tal von Jehoshaphat mit dem Grab des Hl. Jakobus

Auguste Salzmann: Jerusalem; das Tal von Jehoshaphat mit dem Grab des Hl. Jakobus

Beschreibung des Kunstwerks: Dieses Foto zeigt das Grab des Heiligen Jakobus im Tal von Joschafat, dessen viersäuliger Eingang sich in der Mitte des Bildes befindet. Das Tal wird von den Christen als der Ort angesehen, an dem das Jüngste Gericht stattfinden wird.

Der Fotograf betont die Schwarztöne im Eingang zum Grab und erzeugt ein Gefühl des geheimnisvollen Jenseits hinter den Säulen. Die steinige Klippe, die von schattigen Rissen durchzogen ist, füllt den Bildrahmen und schafft ein starkes Gefühl von Ausdauer und Unbeweglichkeit, das die Bedeutung des Tals für den christlichen Glauben widerspiegelt.

Gustave Moreau, Die Erscheinung, 1876

Gustave Moreau

Gustave Moreau, Die Erscheinung, 1876

Beschreibung des Kunstwerks: Dieses Bild zeigt Salome, gekleidet in einem offenbarenden und mit Schmuck versehenem orientalischen Kleid, wie sie in ihrem Tanz stehen bleibt, um auf den Kopf von Johannes dem Täufer zu zeigen, seinen Heiligenschein, der Licht ausstrahlt und in der Mitte rechts im Bild schwebt.

Hinter Salome blicken ihre Mutter und König Herodes, ohne auf die Erscheinung zu reagieren. Die junge Frau, die eine Laute spielt, und der Henker, sein Schwert an seiner Seite, schauen dem Betrachter ins Gesicht, scheinen aber nicht zu wissen, dass der abgetrennte Kopf zwischen ihnen schwebt. 

Da nur Salome auf die Vision reagiert, wird die Szene bewusst mehrdeutig und bewegt sich zwischen Vision und Halluzination. Die Kulisse der Szene stammt aus der Alhambra in Granada, und ihr altes goldenes Licht, kombiniert mit Moreaus innovativer Aquarelltechnik und der Verwendung von Ritzungen und Hervorhebungen, führte dazu, dass sein Werk als byzantinisch bezeichnet wurde.

Jean-Léon Gérôme, Der Schlangenbeschwörer, um 1879

Jean-Léon Gérôme Der Schlangenbeschwörer

Jean-Léon Gérôme, Der Schlangenbeschwörer, um 1879

Beschreibung des Kunstwerks: Dieses kontroverse Werk, ein Beispiel für den späten Orientalismus, zeigt einen nackten Jungen, der eine Python um sich trägt, während er auf einem kleinen Teppich vor einem Publikum von bewaffneten Männern steht, die sich an eine geflieste Wand lehnen. Rechts neben dem Jungen sitzt ein älterer Mann auf einem Kissen, während er eine Blockflöte spielt.

Gérôme malt in seinem charakteristischen akademischen Stil und verwendet dabei eine strenge Pinselführung und eine glänzende Oberfläche, um einen nahezu fotorealistischen Ansatz zu schaffen, der eine imaginäre Szene wie eine genaue Darstellung erscheinen lässt.


Auswirkungen des Orientalismus

Die Gesellschaft der französischen Orientalistenmaler wurde 1893 mit der doppelten Absicht gegründet, den Orientalismus zu fördern und französische Künstler zu ermutigen, in östliche Länder zu reisen. Zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Gesellschaft gehörten auch Paul Leroy und Jean-Léon Gérôme. Der Kunsthistoriker Leonce Benedite fungierte als Präsident der Gesellschaft von ihrer Gründung bis zu seinem Tod im Jahr 1925. Die Gesellschaft bot mit ihren regelmäßigen Ausstellungen und Publikationen einen gemeinsamen Treffpunkt für Künstler, wurde aber auch als unterstützendes Organ der Kolonialherrschaft in Nordafrika und dem Nahen Osten angesehen.

Trotz der Arbeit solcher Gruppen war der Orientalismus bereits Ende des 19. Jahrhunderts im Niedergang begriffen. Der damit verbundene Stil der akademischen Kunst schien besonnen und veraltet zu sein, da sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neue Bewegungen wie Impressionismus und Post-Impressionismus entwickelt hatten. Viele dieser Bewegungen waren jedoch vom Japonismus beeinflusst, der eng mit derselben Faszination des Orientalismus verbunden war.

Auch der Primitivismus wurde durch die Grundlagen des Orientalismus geprägt, da sich Künstler wie Paul Gauguin den Themen und Motiven von Tahiti zuwandten, und spätere Künstler wie Pablo Picasso und Henri Matisse von der afrikanischen Kunst geprägt wurden. Vom Orientalismus inspirierte Bilder wurden noch bis ins 20. Jahrhundert von Künstlern wie Henri Matisse, Pablo Picasso, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Kokoschka und Auguste Macke geschaffen.

Zeitgenössische Künstler haben sich ebenfalls auf die orientalischen Werke von Delacroix, Ingres und anderen bezogen, obwohl sie durch die Kritik von Edward Said neu interpretiert wurden.

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