Malerei

Paul Signac – Biografie und Einfluss des Erfinders des Pointillismus

Paul Signac, 1923

Paul Signac (11. November 1863 - 15. August 1935) war ein französischer Maler, der zusammen mit Georges Seurat die die Maltechnik des Pointillismus entwickelte.

In dieser Biografie des Künstlers sehen wir uns seinen künstlerischen Werdegang und seine bedeutendsten Werke an. Du erfährst, welchen Einfluss Signac auf die Kunst der Moderne hatte und wofür seine Werke bekannt wurden.


Bücher zu Paul Signac

Nachfolgend eine Übersicht von Büchern über Paul Signac, die sein Werk noch wesentlich ausführlicher beleuchten. Bist du an der Kunst Signacs interessiert, kannst du dein Wissen mit diesen Büchern vertiefen.


Biografie von Paul Signac

Kindheit und künstlerische Entwicklung

Paul Signac wurde am 11. November 1863 in Paris in eine gutbürgerliche Familie geboren. Bezeichnenderweise siedelte die Familie schon früh in seinem Leben in das Viertel Montmartre um, das damals ein lebendiges künstlerisches Umfeld war. Dieser Umzug hatte einen enormen Einfluss auf das Interesse des jungen Signac an der bildenden Kunst und an der modernen Kultur.

In seiner Jugend fühlte sich Signac zum Werk der Impressionisten hingezogen, damals noch an vorderster Front der künstlerischen Innovation. Von seinen liberalen Eltern ermutigt, besuchte er Ausstellungen und vertiefte sich in die Ästhetik des Impressionismus. 

Im Jahr 1880 erlag Signacs Vater Jules der Tuberkulose. Nach dem Tod des Vaters beschloss seine Mutter, das Familienunternehmen zu verkaufen und in den Pariser Vorort Asnières umzuziehen. Unzufrieden mit seiner neuen Umgebung verließ Signac die Schule und kehrte nach Montmartre zurück, wo er ein Zimmer mietete und fortan seine Zeit zwischen Paris und Asnières teilte.

Auch wenn das neue Zuhause der Familie in Asnières nicht perfekt für einen angehenden jungen Künstler war, bot ihm die Gegend doch reichlich Inspiration für seine Arbeit. In der Umgebung von Asnières entstanden zahlreiche Zeichnungen und Gemälde von Signac, vom Garten vor dem Haus über die Brücken der schicken neuen Pariser Vorstadt bis hin zu den Ufern der Seine und den Fabrikschornsteinen von Clichy.

Auf dem Montmartre verbrachte er seine Zeit an beliebten Orten der Gegend wie dem berüchtigten Kabarett Le Chat Noir, das er seit 1881 besuchte. Er knüpfte über das Pariser Nachtleben Kontakte zu Künstlern, Schriftstellern, Musikern und anderen Kulturschaffenden. So nahm er beispielsweise an Treffen von Schriftstellern teil, die in der bekannten Brasserie Gambrinus sowie in den Häusern von Schriftstellern wie Robert Caze stattfanden. 

Bei solchen Gelegenheiten schloss er Freundschaften mit den Kunstkritikern Gustave Kahn und Félix Fénéon. Viele der Schriftsteller und Kritiker, die er in diesen frühen Jahren kennenlernte, wurden später zu bedeutenden Anhängern seines Werks und seines einzigartigen Stils. Bei Signacs Engagement in den progressiv denkenden literarischen Kreisen ging es nicht nur um den Umgang mit kreativen Menschen. Er war selbst ein Schriftsteller mit einem gewissen Talent.

 

In den frühen 1880er Jahren besuchte Signac weiterhin Ausstellungen und schrieb später einer besonderen Ausstellung im Juni 1880 mit Werken Monets eine entscheidende Rolle bei seiner eigenen Entwicklung als Maler zu.

Er bewunderte nicht nur Monets impressionistischen Malstil, sondern auch die wiederkehrenden Motive des französischen Meisters. Meist waren es Motive, die Monet in der freien Natur gemalt hatte und die die alltäglichsten Objekte zeigen konnten.

Signac war von Monets Herangehensweise an die Malerei inspiriert, ohne seinen Stil kopieren zu wollen.

Frühwerk

Signacs früheste Gemälde stammen aus dem Winter 1881 bis 1882, als er selbst erst 18 Jahre alt war. Abgesehen von einer recht rudimentären Ausbildung im Atelier des Porträt- und Historienmalers Émile Bin war Signac fast vollkommen Autodidakt.

Einer seiner Lieblingsorte für die Malerei war eine Küstenstadt, Port-en-Bessin. Signacs Darstellungen aus dem Jahr 1883 spieglen den Einfluss der Werke wider, die er in Monets Ausstellung in einer Galerie auf dem Boulevard de la Madeleine im März dieses Jahres gesehen hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte der junge Autodidakt die wesentlichen Merkmale des Impressionismus vollständig übernommen. 

Paul Signac, Strand von Port-en-Bessin, 1882

Paul Signac, Strand von Port-en-Bessin, 1882

Bereits 1884 war Signac so weit fortgeschritten, dass einige seiner Werke in den ersten Salon des Artistes Indépendants aufgenommen wurden, der von der neu gegründeten Organisation der künstlerischen Avantgarde in Paris ins Leben gerufen wurde.

Auch Georges Seurat stellte seine Werke aus, darunter das Gemälde "Badende in Asnières" (1884). Die beiden Künstler sollen sich auf der Ausstellung zum ersten mal begegnet sein. In der bahnbrechenden Schau wurden auch einige andere Künstler ausgestellt, die sich später dem Neoimpressionismus zuwandten. Die auf der Ausstellung von 1884 hergestellten Verbindungen erwiesen sich als wegweisend. 

Darüber hinaus wurde die Société drei Jahrzehnte lang zu einer Grundfese in der Präsentation andersdenkender, fortschrittlicher Künstler, die sich zunehmend von den Zwängen der akademischen Tradition befreiten.

Im Gegensatz zum offiziellen Pariser Salon wurden die Ausstellungen der Société nicht mit Preisen ausgezeichnet. Stattdessen wollten sie den Künstlern die Möglichkeit geben, ihre Werke in völliger Freiheit einem öffentlichen Urteil zu unterziehen.

Zusammenarbeit mit Seurat und anderen

Noch im selben Jahr lernte Signac den impressionistischen Künstler Armand Guillaumin kennen. Nur ein Jahr später kam er mit Camille Pissarro in Kontakt. Diese beiden etablierten impressionistischen Maler standen Signac mit Rat und Tat zur Seite. Im Gegensatz dazu war der Einfluss Seurats, dessen Werk er zutiefst bewunderte, in Signacs Malerei zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu erkennen. 

Signac hatte jedoch begonnen, sich regelmäßig mit Seurat zu treffen. Beide Maler teilten die Faszination für die Farbtheorie von Michel-Eugène Chevreul sowie für neuere Theorien zur Optik und Ästhetik. 

Im Oktober 1885 begann Seurat, die Methode der optischen Farbmischung zu verfeinern, indem er kleine Punkte aus reinem Pigment nebeneinander direkt auf die Oberfläche der Leinwand legte. Anstatt die Farben in fließenden Übergängen auf die Leinwand zu malen, fand die Farbmischung erst im Auge des Betrachters statt. Dazu durfte der Betrachter nicht zu nah vor dem Bild stehen, sondern musste einen gewissen Mindestabstand einhalten, damit die Sinneswahrnehmung die einzelnen Punkte als farbliche Übergänge erahnen konnte.

Seurat hatte bereits 1884 mit der Herstellung seines inzwischen berühmten Gemäldes Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte (1884-86) begonnen, aber nachdem er und Signac ihren neoimpressionistischen Stil etabliert hatten, überarbeitete er die große Leinwand umfassend, um den neuen Ansatz zu nutzen.

Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte

Georges Seurat, Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte, 1884-1886

Bis Dezember 1885 hatten Signac, Seurat und andere Mitglieder der Gruppe ihren einzigartigen Stil gefestigt, den sie als Neoimpressionismus bezeichneten.

Sowohl Signac als auch Seurat wurden eingeladen, ihre Werke, die alle in einem neuen Stil entstanden waren, in der achten und letzten Ausstellung der Impressionisten auszustellen. Es gab jedoch Einwände gegen ihre Aufnahme durch Eugene Manet und durch Edgar Degas. Trotz dieser Widerstände präsentierten die beiden ihr Werk mit überwiegend positiver Rückmeldung. 

In der Zwischenzeit hatten sie nicht nur eine erfolgreiche Arbeitsbeziehung, sondern auch eine enge Freundschaft gefestigt. Signac machte Seurat mit den Impressionisten und den symbolistischen Schriftstellern bekannt. Im Gegenzug profitierte der jüngere und meist ungeschulte Signac von der Unterweisung durch seinen älteren Kollegen.

Mittleres Werk

Obwohl Signac begonnen hatte, Innenszenen zu schaffen, darunter seine erste große Szene Die Hutmacherinnen, bevorzugte er dennoch Landschaften und Stadtbilder.

Paul Signac, Die Hutmacherinnen, 1885

Paul Signac, Die Hutmacherinnen, 1885

Signac traf Vincent van Gogh 1886 in Paris. Die beiden Künstler entwickelten eine freundschaftliche Arbeitsbeziehung und trafen sich mehrfach im ländlichen Frankreich, um Innen- als auch Außenszenen zu malen. Am meisten beeindruckt war van Gogh von der lockeren Pinselführung Signacs. Signac besuchte Van Gogh 1889 in Arles und brachte ihm das Malen in seinem entwickelten Stil bei.

Im Jahr 1891 starb Seurat, wodurch ihre fast zehnjährige künstlerische Zusammenarbeit beendet wurde. Nach Seurats Tod wurde Signacs Pinselführung insgesamt lockerer, ausdrucksstärker und farbenfroher.

Im November 1892 heiratete Signac seine langjährige Lebensgefährtin Berthe Roblès in Montmartre. Im Jahr 1897 bezog das Paar eine Wohnung im berühmten Castel Beranger, das vom Jugendstilarchitekten Hector Guimard erbaut wurde, und im selben Jahr kaufte das Paar auch ein Haus in Südfrankreich.

In dem Haus in Saint-Tropez errichtete Signac ein großes Atelier, das im Spätsommer 1898 fertiggestellt wurde. Dort schuf der Künstler einige seiner interessantesten und berühmtesten Werke im neoimpressionistischen Stil, vor allem Werke von Booten, Stränden und Meereslandschaften.

Paul Signac, Capo di Noli, 1898

Paul Signac, Capo di Noli, 1898

Zum Zeitpunkt des Salon des Indépendants 1905 hatte der neoimpressionistische Stil in der Welt der Avantgardekunst bereits erheblichen Einfluss ausgeübt.

Dieser Einfluss zeigte sich beispielsweise unmittelbar in Henri Matisse' Werk "Luxe, Calme et Volupté" von 1904, in dem die neoimpressionistische Technik und Signacs helle, expressive Palette zur Geltung kamen. Matisse hatte Signacs Essay zum Neoimpressionismus gelesen und sich zu diesem neuen Stil inspirieren lassen. Es war Signac, der das Gemälde von Matisse nach dem Ende der Ausstellung kaufte.

Signacs Tempo der künstlerischen Tätigkeit hörte auch nicht auf, als er älter wurde. Selbst zu Beginn des 20. Jahrhunderts schuf er immer noch Kunst, seien es Aquarelle, Ölgemälde oder Zeichnungen.

Im Jahr 1902 stellte er in der Maison de l'Art Nouveau, der Galerie von Siegfried Bing in Paris, über 100 Aquarelle aus. Bis 1911 war das Aquarell zu seinem bevorzugten Medium geworden. Nach seinem Umzug nach Antibes im Jahr 1915 wurde er zum offiziellen Maler der französischen Marine ernannt.

Paul Signac, Montauban im Regen, 1922

Paul Signac, Montauban im Regen, 1922

Für Signac hieß leben, malen und malen, leben; er hörte nie auf, Kunst zu produzieren und begann 1929 mit einer weiteren Serie von Gemälden über französische Häfen.

Signac starb am 15. August 1935 im Alter von 71 Jahren an einer Blutvergiftung. Sein Grab befindet sich auf dem Pariser Friedhof Pere Lachaise.

Neben einem enormen Gesamtwerk hat Signac eine Reihe wegweisender Werke zur Kunsttheorie sowie zahlreiche Essays für Ausstellungskataloge verfasst.


Künstlerisches Vermächtnis von Paul Signac

Signac spielte nicht nur bei der Einrichtung einer alternativen Ausstellungsstruktur (Salon des Artistes Indépendants) eine zentrale Rolle, sondern im größeren Zusammenhang auch bei der Befreiung der Künstler und der Kunst von traditionellen Hierarchien und Konventionen, die von der Akademie und dem Salon auferlegt wurden.

Was sein künstlerisches Schaffen und seine radikale Innovation betrifft, so war Signac für die Fauve-Künstler Henri Matisse und André Derain von enormem Einfluss. Sie modifizierten seine Technik und ahmten seine Verwendung von hellen, extrem ausdrucksstarken Farben nach.

Seine Technik, die die Formen nahe an die Abstraktion drängte, ebnete den Weg für weitere Konzepte, einschließlich der Verflachung und Fragmentierung der Formen des kubistischen Stils.