Grafik

Alle Infos zur Radierung in der Druckgrafik

Radierung Hopfer Beispiel

In diesem Artikel sehen wir uns die wichtigsten Eigenschaften der Radierung als Technik in der Druckgrafik an. Dazu gehen wir kurz auf die geschichtlichen Ursprünge der Technik und anschließend auf ihre berühmtesten Vertreter samt ihrer wichtigsten Werke ein.

Danach findest du ausführliche Informationen zu den einzelnen Druckverfahren bei einer Radierung - von der Aquatinta bis hin zum Glasklischeedruck.

Berühmte Radierer und Werke

Die Radierung, die vom deutschen Künstler Daniel Hopfer (um 1470-1536) erfunden wurde, ist neben der Gravur, der Schabkunst und der Aquatinta eine der Tiefdrucktechniken im Kunstdruck.

Aufgrund ihrer Einfachheit konkurrierte die Radierung schnell mit der Gravur als wichtiges Druckmedium.

Der Hauptvorteil gegenüber der Gravur besteht darin, dass wenig Kenntnisse in der Metallbearbeitung erforderlich sind und sie von allen Zeichnern geübt werden kann.

Die erste datierte Radierung stammt aus dem Jahr 1513 des Schweizer Künstlers Urs Graf, aber auch Albrecht Dürer machte etwa zur gleichen Zeit Radierungen, die später weltberühmt wurden.

Francisco de Goya

Francisco Goya Caprichos

In Spanien war Francisco de Goya einer der einflussreichsten Druckgrafiker der Welt. 1799 schuf er eine Serie von 80 Radierungen mit dem Titel Los Caprichos, die eine Reihe von menschlichen Verhaltensweisen kommentieren.

In den Jahren 1812-15, nach dem Napoleonischen Krieg, fertigte er eine Reihe von Wasserdrucken mit dem Titel Die Schrecken des Krieges an, die Szenen vom Schlachtfeld darstellen. Die Drucke blieben bis 1863 unveröffentlicht.

Ritter, Tod und Teufel von Albrecht Dürer

Ritter, Tod und Teufel

Die Ätztechnik gab es schon seit etwa zwanzig Jahren, aber Albrecht Dürer war der deutsche Künstler, der sie in den 1540er Jahren wirklich in Gang brachte.

Sein bemerkenswertes Talent, lebendige Motive zu entwickeln, zeigt sich deutlich in "Ritter, Tod und Teufel", einem seiner berühmtesten Stücke, das die Druckkunst zu dem gemacht hat, was sie heute ist.

Madonna in den Wolken von Federico Barocci

Madonna in den Wolken

Diese ruhige Radierung des italienischen Künstlers Federico Barocci ist bekannt für ihre Intimität. Sie ebnete den Weg für viele andere berühmte Radierungen Jahrhunderte später. Der Einfluss der deutschen Radierer lässt auf die italienische Druckkunst dieser Zeit lässt sich in diesem Werk deutlich nachvollziehen.

Barocci fertigte in seinem Leben nur vier Radierungen an, die aber zu einem wichtigen Bestandteil der Kunstgeschichte wurden.

Selbstporträt: Reflexion von Lucian Freud

Renaissance-Künstler waren nicht die einzigen Meister, die die Radierung beherrschten. Lucian Freuds moderne Radierungen sind bekannt dafür, realistische Hauttöne darzustellen.

Wusstest du, dass Freud die Metallplatte für "Selbstporträt" während der Bearbeitung wie eine Leinwand auf eine Staffelei stellte? Malerei und Radierung haben viele technische Gemeinsamkeiten, so dass die Praxis beider Kunstformen nicht so weit auseinanderliegen, wie es scheint.

Das Hundertguldenblatt von Rembrandt

Das Hundertguldenblatt

Das Hundertguldenblatt ist eine der berühmtesten Radierungen Rembrandts überhaupt und wird auch als "Christus heilt die Kranken" bezeichnet. Der Name stammt daher, dass schon zu seiner Zeit einhundert Gulden für die Radierung gezahlt wurde, eine immense Summe damals.

Der Ätzprozess

Bei der traditionellen Radierung wird eine Metallplatte, meist aus Kupfer, Zink oder Stahl, mit einer wachsartigen, säurebeständigen Substanz beschichtet, auf die der Künstler seinen Entwurf mit einer Metallnadel zeichnet und dabei das blanke Metall freilegt.

Die Platte wird anschließend in Säure getaucht. Die Säure frisst sich in das Metall ein, wo sie durch das Design freigelegt wird, was zu Linien in der Platte führt. Nun wird die Platte mit der gleichen Methode wie beim Gravieren eingefärbt.

Die Radierung kann mit anderen Stichtechniken kombiniert werden, wobei Rembrandt - der sie mit der Gravur kombinierte - und Francisco de Goya, der ebenfalls Aquatinta verwendete, berühmte Vertreter sind.

Entwicklungen in den Ätztechniken

Die grundlegende Ätztechnik wurde von Daniel Hopfer (um 1470-1536) in Augsburg eingeleitet, der sie zunächst zur Dekoration von Rüstungen einsetzte, bevor sie später für die Herstellung von Druckgrafiken eingesetzt wurde.

Ein weiterer bekannter Innovator der Radierung war der französische Drucker Jacques Callot, der die Ätztechnik deutlich verbesserte.

Zunächst erfand er die Echoppe, eine Art Nadel mit einer schrägen Spitze, die es Ätzern ermöglichte, eine aufsteigende Linienführung zu erzeugen. Als nächstes entwickelte er eine verbesserte Formel für den wachsartigen Boden, der auf der Kupferplatte verwendet wird. Diese Verbesserung führte zu tieferen Einschnitten der Säure (wodurch die Lebensdauer der Platte verlängert wurde) und minimierte das Risiko, dass die Platte an den falschen Stellen angefressen wurde.

Callot experimentierte auch intensiv mit der "Stop-out"-Technik. Dabei konnte die Säure leicht in die gesamte Platte eindringen. Ein Prozess, der die Bildung von Schattenzonen erleichterte.

Callots Fortschritte wurden in seinem Handbuch der Radierung veröffentlicht und in Italien, Holland, Deutschland und England verbreitet.

Aquatinta

Ähnlich wie bei der Schabkunst (Mezzotinto) ist die Tuschätzung (Aquatinta) mehr ein tonales Verfahren als eine Strichätzung.

Es handelt sich um eine angepasste Technik der Radierung, um transparentere Effekte ähnlich des Aquarells zu erzeugen. Während sich die traditionelle Ätztechnik auf die Zeichnungsnadel stützt, um Linien zu ziehen, die in Schwarz gedruckt werden, setzt Aquatinta auf pulverisiertes Harz, Kolophonium oder Asphalt, das als Staubschicht auf die Platte gelegt wird. Durch das Erhitzen verschmelzen die Harzpartikel mit der Metallplatte, die dann eingefärbt wird. Das Ergebnis (das durch Wiederholungen gesteuert oder variiert werden kann) ist eine subtilere Kombination von Toneffekten.

Variationen der Technik können durch Pressen eines Stückes Sandpapier auf die geerdete Platte, durch Mischen von Zucker (Reservage) mit dem Boden oder durch Vorbereiten der Platte mit Schwefel zur Färbung erreicht werden.

Der englische Rokoko-Maler Paul Sandby war der erste kreative Künstler, der das Verfahren anwandte, und der spanische Maler Goya verwendete für fast alle seine Radierungen die Aquatinta-Methode.

Der Künstler und Druckgrafiker John Piper belebte die Technik in den 1930er Jahren wieder, und Picasso verwendete den Zuckerprozess für seine Illustrationen zu Buffon. 

Picasso und die Aquatinta

Zwischen 1936 und 1942 schuf Picasso 31 Tierdrucke, Illustrationen, die im "Histoire Naturelle" von Buffon in der Auflage von 1942 werden sollten. Ambroise Vollard, der Kunsthändler von Picasso, organisierte die Kommission, starb aber 1939, bevor das Buch veröffentlicht wurde.

Picasso wurde vielleicht vom Verleger Roger Lacouriere, einem der führenden Druckgrafiker des 20. Jahrhunderts, in die Reservage mit Aquatinta eingeführt. Außerdem ließ er die Druckplatte mit Galvanikum überziehen, damit die Qualität des Drucks nicht unter der Massenproduktion litt. Unter genau dieser Problematik litt beispielsweise Rembrandt seiner Zeit.

Weichgrundätzung (vernis mou)

Vernis mou von Renoir

Vernis mou von Renoir, Femme nue assise, 1906

Dabei wird eine Bleistiftzeichnung auf einem Blatt Papier durchgeführt, das auf einer Kupferplatte liegt, die mit einem weichen, klebrigen Grund beschichtet ist. 

Der klebrige Untergrund haftet überall dort auf dem Papier, wo der Bleistift hindurchgeht, so dass das Kupfermetall in breiten, weichen Linien sichtbar bleibt. 

Es wird angenommen, dass Giovanni Benedetto Castiglione das Verfahren erfunden hat. Diese Methode wurde insbesondere von den englischen Landschaftsmalern Thomas Gainsborough, John Sell Cotman und dem Aquarellmaler Thomas Girtin angewandt.

Glasklischeedruck

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Die Diaphenradierung oder ein Glasklischeedruck erfolgt durch Zeichnen auf einer geerdeten Glasplatte mit einem Stift. Die Platte wird dann wie ein Fotonegativ behandelt und auf Fotopapier gedruckt. Der Druckgrafiker und Landschaftsmaler Jean-Baptiste-Camille Corot schuf nach 1853 mehr als 60 Fotogravuren, aber die Technik wurde nie besonders beliebt - auch wenn sie eine unbegrenzte Menge an Drucken ermöglicht.

Eine weitere kleinere Form der Radierung wurde vom englischen romantischen Maler William Blake erfunden. Bei dieser Methode, die als Reliefätzung bezeichnet wird, wurde der Hintergrund der Säure ausgesetzt, während die erhöhten Bereiche davor geschützt waren.

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