Skulptur

Zeitverlauf: Wie sich das Relief in der Bildhauerei in den letzten 2.000 Jahren gewandelt hat

Relief in der Kunst | Elgin MarblesDetail der Elgin Marbles | Foto: Adam Carr / Wiki / CC BY-SA 3.0

​Relief (vom italienischen relievare, "erheben"), bezeichnet in der Skulptur jede Arbeit, bei der die Figuren aus einem tragenden Hintergrund, meist einer ebenen Fläche, herausragen.

Reliefs werden nach der Höhe der Überstände oder Hervorhebungen der Figuren vom Hintergrund klassifiziert. Grundsätzlich werden drei Reliefarten unterschieden:

  • Bei einem Flachrelief oder Basrelief ragt das Design nur leicht vom Hintergrund hervor und es gibt wenig oder gar keine Unterschneidung der Konturen.
  • In einem Hochrelief stehen die Formen mindestens zur Hälfte oder mehr ihres natürlichen Umfangs aus dem Hintergrund und können teilweise vollständig vom Grund entkoppelt werden, so dass sie der dreidimensional wirkenden Skulptur ähneln.
  • Das Halbrelief, oder Mezzo-Relief, liegt ungefähr zwischen der hohen und der niedrigen Variante.

Eine Variation der Reliefgravur, die fast ausschließlich in der altägyptischen Bildhauerei zu finden ist, ist das versenkte Relief, bei dem das Relief unter das Level der umgebenden Oberfläche als Hohlform gearbeitet wird und in einer scharf eingeschnittenen Konturlinie enthalten ist.

Der Tiefdruck ist ebenfalls ein versenktes Relief, wird aber anstelle einer positiven Form als Negativbild wie eine Form gestaltet.

Das Relief in der Kunst der Antike

Reliefs an den Wänden von Steinhäusern waren im alten Ägypten, Assyrien und anderen Kulturen des Nahen Ostens verbreitet. Die Ägypter stellten sorgfältig modellierte Figuren dar, die sich in sehr niedrigem Relief vom Hintergrund abheben. Die Figuren sind seitlich stehend dargestellt und befinden sich in einer klar eingeschnittenen Silhouette.

Löwenjagd von Ashurbanipal

Assyrisches Relief der Löwenjagd von Ashurbanipal, ca 645-635 v.Chr. | Foto: Carole Raddato / CC BY-SA 2.0 / Wikipedia

Hochreliefs wurden erstmals in der Skulptur der alten Griechen verwendet, die die künstlerischen Möglichkeiten des Kunstgenres vollständig erkundeten.

Bemerkenswerte Beispiele sind Grabreliefs aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. mit Einzelpersonen oder Familiengruppen sowie die skulpturalen Friese, die zur Dekoration des Parthenons und anderer klassischer Tempel verwendet werden.

Elgin Marbles, British Museum, CC BY-SA 2.0

Elgin Marbles des Parthenon - Heute im British Museum | CC BY-SA 2.0

Reliefskulpturen spielten eine zentrale Rolle in den Sarkophagen der römischen Kunst im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr.

Im europäischen Mittelalter lag der Schwerpunkt der Bildhauerei eindeutig auf Reliefarbeiten. Einige der herausragendsten Beispiele schmücken die romanischen Portale von Kirchen in Frankreich, England und anderen Ländern.

Die Gotik setzte diese Tradition fort, bevorzugte aber oft ein höheres Relief, in Übereinstimmung mit dem wiedergewonnenen Interesse an der Bildhauerei, das das Spätmittelalter prägte.

Die signifikanten Veränderungen der Renaissance-Reliefs

Während der italienischen Renaissance begannen sich die Eigenschaften der Reliefarbeiten zu verändern, wie die berühmten Bronzetüren zeigen, die Lorenzo Ghiberti für die Taufkirche von Florenz schuf.

Relief in der Kunst Ghiberti

Lorenzo Ghiberti, Paradiestür Florenz | Foto: MatthiasKabel / Wikipedia / CC BY-SA 3.0

Das freie Zusammenspiel von Hoch- und Tiefrelief und der auffallend illusionistische Kompositionsstil dieser Reliefs zeigen das neue Interesse und Verständnis der Renaissance-Künstler für den Raum als subjektive visuelle Erfahrung, die originalgetreu reproduziert werden kann.

Die Figuren im Vordergrund der Komposition wurden in hohem Relief ausgeführt, so dass sie nahe beieinander erschienen, während die Hintergrundmerkmale in niedrigem Relief ausgeführt wurden, wodurch eine Entfernung suggeriert wurde. 

Relief in der Kunst Detail

Detailansicht: Lorenzo Ghiberti, Paradiestür Florenz

Donatello nutzte diese Erfahrungen weiter aus, indem er dem Wechselspiel zwischen Hoch- und Tiefrelief strukturelle Kontraste zwischen rauen und glatten Oberflächen hinzufügte, einige Formen vollständig nachbildete und andere in einem fast malerischen Zustand der Unvollständigkeit zurückließ.

Donatello, Gastmahl des Herodes

Donatello, Gastmahl des Herodes | Foto: I, Sailko / CC BY-SA 3.0 / Wikipedia

In der italienischen Reliefskulptur zeigten sich später zwei verschiedene Trends: feine und tiefe Reliefs aus Marmor und Terrakotta von Desiderio da Settignano und der robustere und plastischere Reliefstil von Bertoldo di Giovanni und später von Michelangelo.

Das Relief in der Kunst des 18. und 19. Jhdts.

Die barocken Bildhauer setzten diese illusionistischen Experimente fort, oft in sehr großem Maßstab. Ihre großen Reliefkompositionen wurden zu einer Art Marmorgemälde, die durch tiefe kastenförmige Rahmen und bühnenartige Lichtverhältnisse hervorgehoben wurden.

Lorenzo Berninis Verzückung der heiligen Theresa bietet ein beeindruckendes Beispiel. Die Figuren bilden eine fast vollständige Dreidimensionalität, sind aber in einen Marmoraltar eingelassen.

Verzückung der heiligen Theresa

Lorenzo Bernini, Verzückung der heiligen Theresa - Foto: Livioandronico2013, Wikipedia / CC BY-SA 3.0

Im frühen 19. Jahrhundert belebten klassizistische Künstler das Experimentieren mit niedrigen Reliefs vorübergehend wieder, um das zu verwirklichen, was sie als klassische Strenge und Reinheit betrachteten. Typisch dafür sind die Werke von Antonio Canova und Bertel Thorwaldsen.

Im Großen und Ganzen herrschte das Reliefkonzept aus der Renaissance bei den Bildhauern des späten 19. Jahrhunderts vor. Ihre dramatischen und emotionalen Möglichkeiten in Werken von François Rudes in La Marseillaise und Auguste Rodin in seinen berühmten Höllentoren und anderen Reliefs kraftvoll genutzt wurden.

Das Höllentor Rodin

Foto: Roland zh / Wikipedia / CC BY-SA 4.0

Die Kunstform in der Moderne 

Das Relief in der Kunst kam in der Moderne des 20. Jahrhunderts für abstrakte Kompositionen zum Einsatz, die räumliche Rückführungen und Kontraste von Licht und Schatten betonten.

Reliefs waren auch in der präkolumbischen und asiatisch-indischen Bildhauerei zu finden.