Bleib in Kontakt

Renaissance Kunst
Kunst

Die gesamte Kunst der Renaissance im Überblick: Merkmale, Künstler und bekannte Werke

Die Kunst der Renaissance umfasst die Malerei, Skulptur, Architektur, Musik und Literatur, die im 14., 15. und 16. Jahrhundert in Europa unter den vereinten Einflüssen eines erhöhten Bewusstseins für die Natur, einer Wiederbelebung des klassischen Wissens und einer individuelleren Menschenanschauung entstanden sind.

Der Großteil der Historiker geht heute nicht mehr davon aus, dass die Renaissance einen abrupten Bruch mit mittelalterlichen Werten bedeutete, wie es das französische Wort "renaissance" nahelegt (ins Dt. übersetzt: "Wiedergeburt"). 

Vielmehr deuten historische Quellen darauf hin, dass das Interesse an der Natur, dem Humanismus und dem Individualismus bereits im späten Mittelalter vorhanden war und im Italien des 15. und 16. Jahrhunderts gleichzeitig mit sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen, dem Aufstieg einer rationalen Finanzwirtschaft und einer stark gestiegenen sozialen Mobilität, zu einem Umdenken geführt haben.


Ursachen der Renaissance

Obwohl Europa unter Karl dem Großen (um 800) aus dem Mittelalter hervorgegangen war und das Wiederaufleben der christlichen Kirche mit ihrem gotischen Bauprogramm im 12./13. Jahrhundert erlebt hatte, kam es im 14. Jahrhundert in Europa zu mehreren katastrophalen Ernten, dem Schwarzen Tod (1346) und einem anhaltenden Krieg zwischen England und Frankreich.

Nicht gerade ideale Bedingungen für einen Ausbruch an Kreativität, geschweige denn für eine nachhaltige Wiederbelebung der Malerei, Zeichnung, Bildhauerei und Architektur

Darüber hinaus war die Kirche - zu dieser Zeit der größte Kunstförderer - von Meinungsverschiedenheiten über geistliche und weltliche Fragen geplagt.

Es waren aber auch positivere Tendenzen erkennbar. Drei der wichtigsten Ursachen der Renaissance sind die Folgenden.

Erhöhter Wohlstand

In Italien waren Venedig und Genua durch den Handel mit dem Orient reich geworden, während Florenz ein Zentrum der Woll-, Seiden- und Schmuckkunst war und den sagenhaften Reichtum der gebildeten und kunstbewussten Medici-Familie beheimatete.

Auch in Nordeuropa wuchs der Wohlstand, wie die Gründung der Hansestädte in Deutschland zeigte. Dieser wachsende Reichtum ermöglichte die finanzielle Unterstützung einer wachsenden Zahl von Aufträgen für große öffentliche und private Kunstprojekte, während die Handelsrouten, auf denen sie beruhten, die Verbreitung von Ideen stark unterstützten und somit zum Wachstum der Bewegung auf dem gesamten Kontinent beitrugen.

In Verbindung mit dieser Ausbreitung der Ideen, die sich mit der Erfindung des Buchdrucks deutlich beschleunigte, herrschte unbestreitbar Ungeduld über den langsamen Fortschritt des Veränderungsprozesses.

Nach Tausend Jahren des kulturellen und intellektuellen Mangels war Europa - insbesondere Italien - um eine Wiedergeburt dieser Bereiche bemüht.

Schwäche der Kirche

Paradoxerweise gab die schwache Position der Kirche der Renaissance einen zusätzlichen Impuls. Erstens erlaubte sie die Ausbreitung des Humanismus, dem man sich in früheren Zeiten stark widersetzt hätte. Zweitens veranlasste sie spätere Päpste wie Papst Julius II. (1503-13), in Rom und im Vatikan unverhältnismäßig viel für Architektur, Bildhauerei und Malerei auszugeben, um ihren verlorenen Einfluss zurückzugewinnen.

Ihre Antwort auf die Reformation um 1520 - bekannt als Gegenreformation - setzte diesen Prozess bis in das ausgehende 16. Jahrhundert fort.

Ein Zeitalter der Erforschung

Die kunsthistorische Renaissance-Ära steht im Einklang mit dem Beginn des großen westlichen Entdeckungszeitalters, in dem der allgemeine Wunsch entstand, alle Aspekte der Natur und der Welt zu erforschen. Europäische Entdecker entdeckten neue Seewege, neue Kontinente und gründeten dort Kolonien. Ebenso zeigten europäische Architekten, Bildhauer und Maler ihren eigenen Wunsch nach neuen Methoden und neuem Wissen.

Nach Ansicht des italienischen Malers, Architekten und Renaissance-Biografen Giorgio Vasari war es nicht nur der wachsende Respekt vor der Kunst der Antike, der die Renaissance antreibt, sondern auch der wachsende Wunsch, die Natur zu studieren und zu verstehen.


Merkmale

Renaissancemalerei

Wie bereits erwähnt, wurde die italienische Renaissance für vier Dinge bekannt: 

  1. 1
    Eine umfassende Wiederbelebung der antiken griechisch-römischen Kunstformen und -stile.
  2. 2
    Ein Glaube an den Edlen Geist des Menschen (Humanismus).
  3. 3
    Die Beherrschung von illusionistischen Maltechniken, die die "Tiefe" in einem Bild vergrößern.
  4. 4
    Der naturalistische Idealismus bei der Darstellung von Gesichtern und Figuren, verstärkt durch Techniken der Ölmalerei wie Sfumato.

Techniken der Renaissancemalerei

Daraus ergeben sich vier Maltechniken, die in der Renaissancemalerei entwickelt wurden und sich rasch im Werk verschiedener Künstler etablierten.

Lineare Zentralperspektive

Beispiel: Raffael: Die Schule von Athen

Die Schule von Athen (Raffael)

Perspektivische Verkürzung

Beispiel: Andrea Mantegna: Beweinung Christi

Andrea Mantegna, Beweinung Christi, ca. 1470 - 1474

Quadratura (Malerei mit illusionistisch-architektonischem Charakter)

Beispiel: Andrea Mantegna: Camera degli Sposi Fresken

Andrea Mantegna, Camera degli Sposi-Fresken, ca. 1465 - 1474

Sfumato (Farbmischungen ohne sichtbare Übergänge)

Beispiel: Leonardo da Vinci: Mona Lisa

Mona Lisa Da Vinci

In Nordeuropa war die Renaissance durch Fortschritte in der Darstellung des Lichts und der Reflexion von verschiedenen Oberflächen gekennzeichnet.

Am sichtbarsten wurden die malerischen Fortschritten in der Umsetzung eines überragenden Realismus in der Porträt- und Stilllebenmalerei. Dies lag zum Teil daran, dass die meisten Künstler der nordischen Renaissance seit Anfang des 15. Jahrhunderts Ölfarben verwendeten, anstatt Tempera oder die Freskomalerei, die aus klimatischen und anderen Gründen in Italien noch länger die bevorzugte Malweise blieb.

Die Ölmalerei ermöglichte eine intensivere Farbigkeit und konnte aufgrund der längeren Trocknungszeit viele Wochen lang nachbearbeitet werden, was die Erzielung feinerer Details ermöglichte. Ölfarben verbreiteten sich schnell nach Italien: zuerst nach Venedig, dessen feuchtes Klima weniger für Tempera geeignet war, dann nach Florenz und Rom.


Renaissance-Chronologie

Es ist üblich, die italienische Renaissancekunst in verschiedene, sich aber überschneidende Perioden einzuteilen:

  • Protorenaissance (1300-1400)
  • Frührenaissance (1400-1490)
  • Hochrenaissance (1490-1530)
  • Nordische Renaissance (1430-1580)
  • Niederländische Renaissance (1430-1580)
  • Deutsche Renaissance (1430-1580)
  • Spätrenaissance (Manierismus) (1530-1600)

Die Hochrenaissance entwickelte sich zum Manierismus, etwa zur Zeit der Plünderung Roms im Jahr 1527.

Diese Chronologie folgt weitgehend der Darstellung in "Vite de' più eccellenti architetti, pittori, et scultori Italiani" von Giorgio Vasari.


Geschichte der Renaissance-Kunst

Die Renaissance, oder auch Rinascimento genannt, wurde weitgehend durch das postfeudale Wachstum der in vielerlei Hinsicht unabhängigen Stadtrepubliken gefördert, wie es in Italien und den südlichen Niederlanden zu sehen war.

Gute Beispiele sind das Florenz des 15. Jahrhundert - der Schwerpunkt der italienischen Renaissancekunst - und Brügge - eines der Zentren der flämischen Malerei. Sie waren zwei Säulen des europäischen Handels und des Finanzsystems. Die Bildende Kunst und das dekorative Handwerk blühten auf: in der flämischen Stadt unter der Schirmherrschaft der Herzöge des Burgund und in Florenz unter dem Einfluss der reichen Bankiersfamilie Medici.

In dieser Atmosphäre interessierten sich die Maler zunehmend für die Repräsentation der sichtbaren Welt, anstatt sich auf die Auseinandersetzung mit der Spiritualität der Religion zu beschränken, die nur durch Symbole und starre Konventionen visuell gestaltet werden konnte.

Hier findest du einen Ablauf der Renaissance-Geschichte von ihren Ursprüngen in der Gotik, bis zur Spätphase des Manierismus.

Die Ursprünge in der Gotik

Der Wandel, der durch den Geschmack und die freiere Haltung der Gönner unterstützt wurde, zeigt sich bereits in der gotischen Malerei des späten Mittelalters. In ganz Europa in Frankreich, Flandern, Deutschland, Italien und Spanien zeigten Maler die Hauptmerkmale dieses Stils in einem stärkeren erzählerischen Interesse ihrer religiösen Gemälde und dem Bestreben, den Heiligendarstellungen mehr Menschlichkeit zu verleihen und ihnen einen individuelleren Charakter zu geben. Auch die Einführung weltlicher Symbolik in die Kunst war ein wichtiger Schritt, der in die Renaissancemalerei mündete.

Vertreter der internationalen Gotik wie Simone Martini waren noch immer von der Idee geleitet, eine elegante Oberflächengestaltung mit einem hellen Farbmuster zu schaffen.

Das Ziel einer nachfolgenden Generation war der radikale Schritt, durch die Oberfläche zu dringen, um ein neues Gefühl von Raum und dreidimensionaler Form zu vermitteln.

Naturalistische Malweisen voller Plastizität als Beginn der Renaissance

Dieser entscheidende Fortschritt im Realismus trat erstmals etwa zur gleichen Zeit in Italien und den Niederlanden auf, genauer gesagt in den Werken von Masaccio in Florenz und von Jan van Eyck in Brügge. Masaccio, von dem Delacroix sagte, dass er die größte Revolution, die die Malerei je erlebt hatte, ausgelöst habe, gab der Malerei der Frührenaissance mit seinen Fresken in der Brancacci-Kapelle von Santa Maria del Carmine einen neuen Ansatzpunkt (siehe auch: Der Zinsgroschen v. Masaccio)

Brancacci-Kapelle Florenz

Die Brancacci-Kapelle in Florenz | Foto: Isogood_Patrick / Shutterstock

Die Figuren in diesen erzählerischen Kompositionen schienen im Raum zu stehen und sich zu bewegen. Sie wurden mit einem Gefühl für die Dreidimensionalität eines Bildhauers modelliert, während Gestik und Mimik so variiert wurden, dass nicht nur die unterschiedlichen Charaktere der abgebildeten Personen, sondern auch ihre Beziehungen zueinander zum Vorschein kamen.

Obwohl Van Eyck auch ein neues Gefühl für Raum und Perspektive schuf, gibt es einen offensichtlichen Unterschied zwischen seinem Werk und dem von Masaccio, der auch die Unterscheidung zwischen der bemerkenswerten flämischen Schule des fünfzehnten Jahrhunderts und der italienischen Frührenaissance aufzeigt.

Beide wurden als ebenso "modern" bewundert, aber sie waren sowohl in Medium als auch in ihre Konzeption unterschiedlich. Italien hatte eine lange Tradition der Wandmalerei mit ihrem Fresko, die an sich schon für eine gewisse Größe sorgte, während der niederländische Maler, der in einem Ölmedium an relativ kleinen Tafelbildern arbeitete, zumindest einen Teil der geringen Größe beibehielt. Masaccio war jedoch kein einzelner Innovator, sondern jemand, der die erzählerischen Fresken seines großen Vorläufers Giotto di Bondone weiterentwickelte.

Die Position der Stadt Florenz und ihre Wissenschaften

Florenz hatte auch als Zentrum des klassischen Wissens und des philosophischen Studiums eine andere Ausrichtung. Die intellektuelle Energie der Stadt machte sie im fünfzehnten Jahrhundert zum Hauptschauplatz der Renaissance und war ein Einfluss in jeder Kunstform.

Wissenschaftler, die sich dem Studium und der Übersetzung klassischer Texte widmeten, waren die Lehrer in wohlhabenden und adeligen Haushalten, die ihre literarische Begeisterung teilten. Dies wiederum schuf den Wunsch nach Bildern dieser alten Geschichten und Legenden. Der Themenbereich des Malers wurde dadurch stark erweitert, sodass er neue Ausdrucksformen meistern konnte.

Auf diese Weise wurde das, was vielleicht nur eine Sehnsucht nach der Vergangenheit und ein Rückschritt in der Kunst gewesen wäre, zu einem Schritt nach vorne und einem spannenden Entdeckungsprozess.

Der menschliche Körper, der durch religiöse Bedenken so lange von der Malerei und der mittelalterlichen Skulptur ausgeschlossen war, gewann eine neue Bedeutung bei der Darstellung der Götter, Göttinnen und Helden der klassischen Sage. Die Maler mussten sich mit der Anatomie vertraut machen, um die Beziehung von Knochen und Muskeln sowie die Dynamik der Bewegung zu verstehen.

Auf dem Bild, das nun als Bühne statt als Flachebene fungierte, war es notwendig, die Wissenschaft der linearen Perspektive zu erforschen und zu nutzen. Darüber hinaus war das Beispiel der antiken Skulptur ein Ansporn, Naturalismus mit einem Ideal von perfekter Proportion und körperlicher Schönheit zu verbinden.

Die Rolle der Medici und Florenz in der Renaissance

Maler und Bildhauer behaupteten auf ihre Weise die Würde des Menschen wie die humanistischen Philosophen und zeigten einen ähnlichen Wissensdurst. Außergewöhnlich ist in der Tat die Liste der großen florentinischen Künstler des fünfzehnten Jahrhunderts und nicht zuletzt die Zahl derer, die mehr als eine Kunstform praktizierten.

Die bemerkenswerte Familie der Medici förderte in jeder Hinsicht das intellektuelle Klima und die Entwicklungen in der Kunst, die Florenz zur treibenden Kraft der Renaissance machten. Das Vermögen stammt aus dem von Giovanni de' Medici gegründeten Bankhaus mit sechzehn Niederlassungen in ganz Europa.

Die Gleichsetzung der Philosophie Platons und der christlichen Lehre in der von Cosimo de' Medici begründeten Akademie scheint die Spaltung der Tätigkeit eines Malers zwischen dem religiösen und dem weltlichen Subjekt gefördert zu haben.

Die intellektuelle Atmosphäre, die die Medici schufen, war ein belebendes Element, das Florenz dazu brachte, das benachbarte Siena zu übertrumpfen. Obwohl keine andere italienische Stadt des fünfzehnten Jahrhunderts eine solche Konstellation an Genialität in der Kunst aufweisen konnte, waren die Städte, die Florenz am nächsten kamen, die ebenfalls von aufgeklärten Förderern verwaltet wurden.

Fortschritte in Darstellung und Linienführung

Die Geschichte der Renaissance-Malerei nach Masaccio führt uns zunächst zum frommen Fra Angelico, der zwar früher geboren wurde, aber viel länger lebte. In seinem Werk bleibt etwas vom gotischen Stil erhalten, aber die konventionelle Unschuld, die vielleicht das erste Mal ins Auge fällt, wird von einer straffen Linienführung und einem ausgeprägten Strukturgefühl begleitet.

Dies zeigt sich in Gemälden seiner späteren Jahre wie der Anbetung der Könige im Louvre und den Fresken, die Ende der 1440er Jahre in der Cappella Niccolina für Papst Nikolaus V. gemalt wurden. Sie zeigen, dass er sich der sich ändernden und erweiternden Haltung seiner Zeit bewusst war und sich zu Nutze machen konnte.

Fra Angelico, Cappella Niccolina, 1447 - 49

Näher näher am Stil des Fra Angelico war Fra Filippo Lippi, ein Karmelitermönch und ein Schützling von Cosimo de' Medici, der nachsichtig auf die verschiedenen Eskapaden des Künstlers schaute, Liebesgeschichten und dergleichen.

Fra Filippo zeigt in den religiösen Motiven die Tendenz, den Charme eines idealisierten Menschen zu feiern, der im Gegensatz zum Drang des fünfzehnten Jahrhunderts nach technischer Innovation steht. Ein gewisses Maß an Wehmut des Ausdrucks wurde vielleicht auf seinen Schüler Sandro Botticelli übertragen.

Sandro Botticelli als vorläufiger Höhepunkt

In Botticellis Gemälden wird ein Großteil der bisherigen Entwicklung der Renaissance zusammengefasst. Er zeichnete sich durch die Schönheit von Charakter und Form aus, die Fra Filippo angestrebt hatte. Er interpretierte auf einzigartige Weise den Neoplatonismus der humanistischen Philosophen von Lorenzo de Medici und schuf bedeutende Werke der Renaissance, wie Die Geburt der Venus oder Primavera.

Sandro Boticelli Die Geburt der Venus

Sandro Boticelli, Die Geburt der Venus

Die Nostalgie und die Reinheit des linearen Designs von Botticelli, das noch nicht durch die gesteigerte Betonung von Licht und Schatten gezeichnet war (siehe Chiaroscuro), machten ihn im neunzehnten Jahrhundert zum bevorzugten Gegenstand der präraffaelitischen Verehrung.

Aber wie bei anderen Renaissance-Künstlern steckte auch in ihm eine Energie, die seinen linearen Rhythmen die Fähigkeit zu intensivem emotionalen Ausdruck und sanfter Ausarbeitung verlieh. Die Abgrenzung der Renaissance von der Ruhe der Klassik, wie sie durch Statuen der Venus oder des Apollo dargestellt wurde, liegt in diesem Gegensatz von Geist und Intention, auch wenn sie unbewusst offengelegt wurde.

Die anatomisch genaue Darstellung wird wichtig

Der Ausdruck der körperlichen Energie, der in Florenz natürlich die Form von Darstellungen männlicher Akte annahm, verleiht dem Werk des Malers und Bildhauers Antonio Pollaiuolo eine ungewöhnliche Ausstrahlung.

Pollaiuolo war einer der ersten Künstler, der menschliche Körper sezierte, um dem Spiel von Knochen, Muskeln und Sehnen im lebenden Organismus genau nachzugehen. Dynamische Einflüsse, wie sie in den muskulären Spannungen der Kampfhandlungen in seinen Gemälden, Bronzen und Radierungen zu sehen sind.

Antonio Pollaiuolo

Beschäftigung mit der linearen Perspektive

Die Meister der Renaissance haben nicht nur die Anatomie, sondern auch die Perspektive, die mathematische Proportion und die Wissenschaft des Weltraums untersucht. Der Wunsch nach Wissen in dieser Zeit mag teilweise für diese abstrakte Beschäftigung verantwortlich sein, aber es gab auch spezifischere Ursprünge und Gründe. 

Die lineare Perspektive galt zunächst der Erforschung von Architekten in Zeichnungen und in Rekonstruktionen der klassischen Bauweisen, die sie wiederbeleben wollten. In dieser Hinsicht war der große Architekt Filippo Brunelleschi bei seinen Forschungen in Rom führend. In Florenz gab er eine Demonstration der Perspektive in einer Zeichnung der Piazza San Giovanni, die das Interesse anderer Künstler, insbesondere seines Freundes Masaccio, weckte.

Maler, die sich mit einem Bild als dreidimensionaler Illusion beschäftigten, erkannten die Bedeutung der Perspektive als Beitrag zur Wirkung des Raumes - ein Thema, das Techniken der illusionistischen Wandmalerei wie die Quadratura betraf, die Mantegna erstmals im Herzogspalast in Mantua mit seinen Camera degli Sposi-Fresken praktizierte.

Andrea Mantegna, Camera degli Sposi-Fresken, ca. 1465 - 1474

Im komplexen Austausch von abstrakten und mathematischen Einflüssen zeichnet sich Piero della Francesca als bedeutende Figur aus. Obwohl er in Umbrien geboren wurde und in der kleinen Stadt Borgo San Sepolcro aufgewachsen ist, hat er als junger Mann die Atmosphäre von Florenz und ihrer Kunst geatmet, als er dort mit dem in Venedig geborenen Domenico Veneziano arbeitete. Domenico hatte den toskanischen Stil übernommen und sein eigenes Beispiel für eine Perspektive zu bieten, wie in der schönen Verkündigung zu sehen ist. 

Domenico Veneziano, Verkündigung, ca. 1445

Domenico Veneziano, Verkündigung, ca. 1445

Hochrenaissance: Michelangelo und da Vinci

Von der ganzen wunderbaren Entwicklung der italienischen Renaissance im fünfzehnten Jahrhundert waren Leonardo da Vinci und Michelangelo die Nachfolger. Die Universalität des Künstlers war ein entscheidender Aspekt ihrer Zeit. Zwischen Architekt, Bildhauer, Maler, Handwerker und Literaten gab es keine starre Trennung mehr. Alberti war Architekt, Bildhauer, Maler, Musiker und Autor von Theorien der Künste. Andrea del Verrocchio, ein früher Lehrer Leonardos, wird als Goldschmied, Maler, Bildhauer und Musiker beschrieben. Aber Leonardo und Michelangelo zeigten diese Universalität in höchstem Maße.

Leonardo, der Ingenieur, der prophetische Erfinder, der gelehrte Naturforscher in jeder Hinsicht, der Maler von geheimnisvollen Meisterwerken, hat es nie versäumt, Wunder zu bewirken. Sieh dir beispielsweise seine Felsgrottenmadonna, die Dame mit Hermelin oder die Mona Lisa an.

Frauenporträts von Leonardo da Vinci

Die vier Frauenporträts von Leonardo da Vinci offenbaren seine einzigartigen Maltechniken

So viel kann man auch über Michelangelo sagen, den Bildhauer, Maler, Architekten und Dichter. Der Höhepunkt der florentinischen Errungenschaften, die auch den Niedergang der Größe der Stadt markieren. Rom, das nach langem Verfall von ehrgeizigen Päpsten in seinen Bann gezogen wurde, ersuchte Michelangelo zusammen mit Raffael, um die monumentalen Vorstellungen der Hochrenaissance-Malerei zu verwirklichen: zwei absolute Meisterwerke sind Michelangelos Genesis-Fresko und die Schöpfung Adams in der Sixtinischen Kapelle sowie Raffaels Sixtinische Madonna. Darüber hinaus wurden beide Künstler zu verantwortlichen Architekten der neuen Peterskirche in Rom ernannt, die ein Symbol für den Wandel der Stadt vom Mittelalter zur Renaissance sein sollte. 

Leonardo, der in seine Forschungen vertieft war, wurde schließlich nach Frankreich gelockt. Doch in diesen großen Männern lebte der Geist von Florenz weiter.

Für die Geschichte der Spätrenaissance - einer Zeit, die die größten venezianischen Altarbilder sowie Michelangelos prächtiges, aber unheilvolles Fresko des jüngsten Gerichts an der Altarwand der Sixtinischen Kapelle umfasst - siehe: Manierismus.


Beste Museen der Renaissance-Kunst

Die folgenden italienischen Galerien verfügen über große Sammlungen von Gemälden oder Skulpturen aus der Renaissance.

  • Uffizien (Florenz)
  • Palazzo Pitti (Florenz)
  • Vatikanische Museen (Rom)
  • Galleria Doria Pamphilj (Rom)
  •  Museo di Capodimonte (Neapel)

Bekannte Renaissance-Künstler (chronologisch)

  • Cimabue (c.1240-1302)
  • Giotto di Bondone (1267-1337)
  • Gentile da Fabriano (1370-1427)
  • Jacopo della Quercia (c.1374-1438)
  • Lorenzo Ghiberti (1378-1455)
  • Donatello (1386-1466)
  • Paolo Uccello (1397-1475)
  • Tommaso Masaccio (1401-1428)
  • Andrea Mantegna (1430-1506)
  • Sandro Botticelli (1445-1510)
  • Domenico Ghirlandaio (1449-1494)
  • Leonardo da Vinci (1452-1519)
  • Michelangelo (1475-1564)
  • ​Tizian (1477-1576)
  • Raffael (1483-1520)
  • Andrea del Sarto (1486-1530)
  • Correggio (1489-1534)
  • Andrea Palladio (1508-80)
  • Tintoretto (1518-1594)
  • Paolo Veronese (1528-1588)

Schreibe einen Kommentar