Restaurierungen Sixtinische Kapelle
MalereiSkulptur

Drei Beispiele heftig kritisierter Restaurierungen an Gemälden

Kunstwerke bleiben vom Zahn der Zeit nicht verschont. Über die Jahrhunderte vergilbt ihre Farbe, ihr Farbfilm reißt, oder sie werden durch die unsachgemäße Lagerung beschädigt (siehe auch: Venus von Milo).

Ist das Kunstwerk beschädigt, kann ein Restaurator feststellen, ob eine Wiederherstellung des früheren, tadellosen Zustands möglich ist. Wird grünes Licht gegeben, können die Restaurierungsarbeiten losgehen.

Leider sind die Ergebnisse solcher Restaurierungen nicht immer "besser" als ihr Ausgangszustand. Gerade dann, wenn der Charakter des Bildinhalts verändert wird, stehen selbst renommierte Restaurierungsteams in der Kritik.

Wie du sehen wirst, scheitert es allerdings hin und wieder auch an den handwerklichen Voraussetzungen des Restaurators, die für die Arbeit nicht genügen.

Hier sind drei Beispiele viel kritisierter Restaurierungen an Gemälden, an denen Berater verzweifelt sind und die online für viel Spott gesorgt haben.

Restaurierungen an der Sixtinischen Kapelle

Stichkappe der Lünette Isai, David, Salomo - Isai Blind

Stichkappe der Lünette Isai, David, Salomo; Vor- und nach der Restaurierung

Auch die Deckenmalerei der Sixtinischen Kapelle, das Hauptwerk Michelangelos, wurde im Laufe der Zeit restauriert. In Folge dieser heftig kritisierten Restaurierungsarbeit wurde Isai blind.

In den meisten Fällen malte Michelangelo die Augen seiner Figuren im buon Fresco. Dort wo er es nicht tat und auf trockenen Gips malte (secco), entfernten die Restauratoren die Augen und malten sie nicht wieder auf. Besonders deutlich wird das in der Lünette Isai, David und Salomo. Die Augen des Isai (grünes Hemd) wurden schlichtweg entfernt und verändern so den Geschichtsausdruck, den Michelangelo für die Figur vorgesehen hatte. Auch die Blicke der anderen beiden Figuren sehen noch leerer aus, als sie vor der Restaurierung waren.

Viele Kunsthistoriker und Restauratoren kritisierten die Vorgehensweise der vatikanischen Restaurierung darin, dass sie den Charakter der Figuren verändert habe, was nie geschehen sollte. Vor allem dann nicht, wenn es so offensichtlich ist wie in diesem Fall.

Restaurierung an da Vincis "Anna selbdritt"

Leonardo da Vinci, Anna selbdritt, ca. 1510–1513

Leonardo da Vinci, Anna selbdritt, ca. 1510–1513

Selbst Leonardo da Vincis Meisterwerke bleiben nicht von Restaurierungen verschont, die zumindest umstritten sind.

Der Renaissance-Schatz Anna selbdritt, zweifelsfrei eins der wertvollsten Kunstwerke der Welt - sofern man den Wert überhaupt beziffern könnte - wurde im Jahr 2011 von Fachleuten im Louvre restauriert. Es ging vor allem um die Erneuerung der jüngsten Firnisschichten und eine Auffrischung der Farbe. 

Waren es früher dunkle Farbtöne, die sich durchsetzten, so wird das Gemälde heute von leuchtenden Farben dominiert, als ob die Handlung an einem sonnigen Tag stattfinden würde.

Zwei andere Kunstexperten des Louvres, die der Vorgehensweise des Museums kritisch gegenüberstanden, haben als Zeichen ihres Protests ihre Arbeit im meistbesuchten Museum der Welt eingestellt. Ihrer Meinung nach erzielten die ausführenden Restauratoren eine Helligkeit und eine damit verbundene Wirkung, die da Vinci im Original nicht beabsichtigt hatte.

Ecco Homo wird Ecco Mono

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts schuf der spanische Maler und Professor Elías García Martinez das Kunstwerk Ecce Homo, in dem er Jesus mit einer Dornenkrone darstellt. Das Werk ist ein Fresko in der Santuario de Misericordia in Borja in Spanien.

Bis 2012, als die damals 82-jährige Pfarrangehörige Cecilia Gimenez beschloss, die Arbeit zu restaurieren, hat sich nie jemand besonders intensiv mit der Arbeit beschäftigt. Nach der Restaurierung allerdings schon. Durch das Ergebnis, das beinahe so schlecht ist, dass es wieder etwas "Besonderes" ist, wurde die Gemeinde mit ihren wenigen Einwohnern, das Fresko und die beiden Künstler berühmt.

Das restaurierte Werk befindet sich heute noch in der Kirche und wurde von vielen scherzhaft in Ecce Mono (Mono, spanisch für Affe) umgenannt.

Probleme bei der Restaurierung von Gemälden

Eines der Hauptprobleme bei der Restaurierung von Gemälden ist die Tatsache, dass die Materialien, die dafür perfekt wären, einfach nicht mehr vorhanden sind. Nur wenige Unternehmen zerstoßen noch Lapislazuli, um es als Pigment zu nutzen. Auch die Maluntergründe sind heute etwas anderes, als damals.

Sobald die Materialien näherungsweise nachgebildet wurden, müssen sie genauso altern wie der Rest des Bildes. Wenn sie es nicht tun, können die Auswirkungen schwerwiegend sein.

Im Endeffekt gibt es so viele Wege, eine Gemälderestaurierung zu vermasseln, wie es Leute gibt, die sich an der Restaurierung versuchen. Jede Restaurierung ist eine weitere Möglichkeit, alles zu ruinieren.

Selbst dann, wenn man das Gemälde nicht wirklich beschädigt, sondern nur den "Staub der Zeit" entfernt hat, wird es Leute geben, denen die unangetastete Version besser gefallen hat.

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