Gemälde

Eine genaue Bildbeschreibung & Interpretation von van Goghs Schlafzimmer in Arles

Vincent van Gogh, Schlafzimmer in Arles, 1888 (Erste Version)Vincent van Gogh, Schlafzimmer in Arles, 1888 (Erste Version)

Schlafzimmer in Arles zeigt Vincent van Goghs Schlafzimmer am 2 Place Lamartine in Arles, das auch als "Gelbes Haus" bekannt ist. Er hatte Pläne, das Gelbe Haus in eine Künstlerkolonie zu verwandeln, in der sich Künstler aufhalten und sich gegenseitig unterstützen könnten.

Das Vorhaben wurde nie vollends verwirklicht, doch gelang es Vincent, zumindest einen seinen künstlerischen Gefährten zu ihm zu holen. Paul Gauguin war es, der eine Zeit mit Vincent im gelben Haus verbrachte, bevor sie sich heftigst stritten und Gauguin wieder auszog.

Die Tür auf der linken Seite des Gemäldes führt zu dem Gästezimmer, in dem Gauguin übernachtete.

Beschreibung von Vincent zum Schlafzimmer in Arles

Er schickte seinem Bruder Theo einen Brief und eine Skizze über das Bild:

 

Meine Augen sind immer noch müde, da hatte ich schon eine neue Idee im Kopf, und hier ist die Skizze dazu. Ein weiteres Gemälde der Größe 30. Diesmal ist es einfach mein Schlafzimmer, nur soll hier die Farbe alles erledigen und durch ihre Vereinfachung den Dingen einen größeren Ausdruck verleihen. Es soll an die Ruhe oder an den Schlaf im allgemeinen erinnern. Mit anderen Worten, soll der Blick auf das Bild das Gehirn, oder besser gesagt, die Phantasie zur Ruhe bringen.

Die Wände sind hellviolett. Der Boden ist aus roten Fliesen.

Das Holz des Bettes und der Stühle ist das Gelb frischer Butter, die Laken und Kissen sind sehr hell grünlich-zitronfarben.

Die Decke ist scharlachrot. Das Fenster ist grün.

Der Waschtisch orange, das Waschbecken blau.

Die Türen sind fliederfarben.

Und das ist alles - es gibt nichts in diesem Zimmer mit seinen geschlossenen Fensterläden.

Die groben Linien des Mobiliars müssen unantastbare Ruhe ausdrücken. Porträts an den Wänden, und ein Spiegel und ein Handtuch und einige Kleidungsstücke.

Der Rahmen - da es kein Weiß auf dem Bild gibt - wird weiß sein.

Dies als Rache für die Zwangspause, zu der ich gezwungen war.

Ich werde den ganzen Tag daran arbeiten, aber du siehst, wie einfach die Vorstellung ist. Die Schatten und der Schattenwurf werden unterdrückt; es ist in freien, flächigen Farbtönen gemalt, wie die japanischen Drucke. Es wird ein Kontrast zu beispielsweise der Postkutsche nach Tarascon und dem Nachtcafé sein.

- übersetzt nach Brief 705 von Vincent van Gogh an Theo van Gogh vom 16. Oktober 1888

Vincent van Gogh, Skizze des Gemäldes, gesendet an Theo

Vincent van Gogh, Skizze des Gemäldes, gesendet an Theo

Die Unterschiede der drei Versionen

Am 8. Mai 1889 ließ sich van Gogh in die Nervenheilanstalt von Saint-Rémy einweisen. Er blieb etwas mehr als ein Jahr bis zum 16. Mai 1890.

Während dieser Zeit schuf er zahlreiche Zeichnungen und Gemälde, darunter zwei weitere Versionen des Schlafzimmers in Arles, die sich heute im Musée d'Orsay und im Art Institute of Chicago befinden.

Eine genaue Bildbeschreibung & Interpretation von van Goghs Schlafzimmer in Arles

Vincent van Gogh, Schlafzimmer in Arles, 1889, Musée d'Orsay

Vincent van Gogh, Schlafzimmer in Arles, 1889 (Art Institute of Chicago)

Vincent van Gogh, Schlafzimmer in Arles, 1889, Art Institute of Chicago

Unterchiedliche Gemälde an der Wand

Die drei Versionen des Gemäldes ähneln sich weitestgehend, aber wenn du genau hinsiehst, wirst du feststellen, dass sich die Bilder an der Wand verändern.

Das Original zeigt ein Porträt von Eugène Boch auch bekannt als "Porträt eines Dichters" und das Porträt des Paul-Eugène Milliet.

Gemälde an der Wand

Ausschnitt aus der ersten Version

Vincent van Gogh, Porträt eines Dichters, 1888

Vincent van Gogh, Porträt eines Dichters, 1888

Vincent van Gogh, Porträt des Paul-Eugène Milliet, September 1888

Vincent van Gogh, Porträt des Paul-Eugène Milliet, September 1888

In der zweiten und der dritten Version des Gemäldes verwendete van Gogh verschiedene Kombinationen aus einem Selbstporträt und dem Porträt einer unbekannten Frau.

Gemälde an der Wand 2

Ausschnitt aus der Version im Musée d'Orsay

Gemälde an der Wand 3

Ausschnitt aus der Version im Art Institute of Chicago

Eigenschaften und Deutungen von van Goghs Schlafzimmer in Arles

Verwendung von Farbe

Van Gogh wollte, dass die Farbigkeit im Mittelpunkt des Gemäldes steht.

Die bunte Mischung aus Orange, Rot, Blau und Grün drückt die absolute Ruhe seines Schlafzimmers aus.

Die intensiven Farben Orange und Rot füllen den Großteil der Bildfläche, während Blau und Grün relativ schwach sind und eher als Akzente eingesetzt werden. Das ist interessant, weil Orange die Komplementärfarbe von Blau und Rot die Komplementärfarbe von Grün ist.

 

Merke: Denke daran, dass Komplementärfarben einen auffallenden Kontrast zueinander haben. Van Gogh dachte aktiv über seine Verwendung von Komplementärfarben in diesem Gemälde nach.

Stilistische Umrisse

Im typischen van Gogh-Stil haben die meisten Objekte des Gemäldes einen kräftigen Umriss. Dies verleiht dem Gemälde ein karikaturhaftes und stilisiertes Aussehen.

Beachte, wie van Gogh dunklere Umrisse an der Unterseite der Objekte verwendete. Dies ist das einzige Anzeichen für eine Schattierung.

In seinem Brief an Theo schrieb er: "Die Schatten und der Schattenwurf werden unterdrückt. Es ist in freien, flächigen Farbtönen gemalt, wie die japanischen Drucke."

Merkwürdige Perspektive

Das Gemälde wurde in einer bestimmten Perspektive gemalt, wobei viele der strengen Linien zu einem Punkt in der Mitte zusammenlaufen. Der Sinn für Perspektive ist jedoch ein wenig seltsam und nicht perfekt umgesetzt.

Schlafzimmer in Arles, Fluchtpunkte

Analyse einiger offensichtlicher Fluchtlinien

Ein Teil davon ist wahrscheinlich auf van Goghs künstlerische Entscheidungen zurückzuführen, nicht in einem vollkommenen Naturalismus zu malen.

Ein anderer Teil ist auf die unbestimmten Dimensionen des Raumes zurückzuführen, wobei sich in der fernen Wand ein schräges Fenster befindet, das entgegen der Dachschräge verläuft.

Über die Intention zur Wahl des Fluchtpunkts, der sich im Bereich des Fensters befindet, kann nur spekuliert werden. Es ist durchaus vorstellbar, das Vincent van Gogh damit seine Isolation von der Außenwelt betonte und ein Zeichen seiner Sehnsucht nach Kontakt mit der Außenwelt setzte.

Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die erste Version in einer Phase entstand, als sich van Gogh mit anderen Künstlern vernetzte und in der seine Psyche einen wesentlich stabileren Eindruck machte (basierend auf den Schriftwechseln mit Theo) als einige Monate darauf nach seinem Nervenzusammenbruch.

Kontrast zwischen starrem Motiv und organischen Formen

Das Gemälde hat ein sehr starres und eckiges Motiv, mit meist geometrischen Formen, die zur Darstellung des Bettrahmens, der Bilderrahmen, Tische, Stühle, Fenster und Türen verwendet werden.

Einige organische Formen sind im Bild verteilt, die für den Bettbezug, die Kissen, die hinter dem Bett hängende Kleidung und das Handtuch gewählt wurden. Dadurch entsteht ein subtiler Formkontrast, wobei das starre Gesamtthema unberührt bleibt.

Die starren Formen tragen auch dazu bei, den unbeholfenen Sinn für die Perspektive im Gemälde zu betonen. Dies scheint der gesamten Wirkung des Gemäldes entgegenzukommen, auch wenn es nicht ganz eindeutig ist.

Was du von van Goghs Schlafzimmer in Arles lernen kannst

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    Beim Malen geht es nicht nur darum, das einzufangen, was man sieht. Es geht vor allem darum, das auszudrücken, was man sehen will oder wie man sich bei einem Thema fühlt. In diesem Fall wollte van Gogh die Ruhe seines Schlafzimmers einfangen.
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    Man kann bestimmte Elemente in einem Gemälde übertreiben und pushen, um eine bestimmte Wirkung zu vermitteln. Van Gogh setzte in Schlafzimmer in Arles vor allem auf eine eigenartige Perspektive und den Einsatz von Farbe.
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    Es ist leichter, Fehler oder Unstimmigkeiten in der Perspektive bei starren Formen zu erkennen als bei organischen Formen.