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Female Artistry #5 – Die schottischen Schwestern MacDonald

Schwestern MacDonald HeroHinten: Frances Macdonald – Mitte (l. nach r.): Margaret Macdonald, Katherine Cameron, Janet Aitken, Agnes Raeburn, Jessie Keppie, John Keppie – Vorne (l. nach r.): Herbert McNair, Charles Rennie Mackintosh

Für die fünfte Ausgabe von Female Artistry begeben wir uns ins Glasgow des 19. Jahrhunderts. Dort haben die Schwestern MacDonald gemeinsam mit ihren Partnern beeindruckende Kunstwerke im Jugendstil geschaffen.

Hier erfährst du mehr zu Frances und Margaret MacDonald, die in der schottischen Metropole ihrer Zeit für viel Aufsehen gesorgt haben, aber heutzutage leider im deutschsprachigen Raum fast niemandem mehr bekannt sind.

Kindheit und Umzug nach Glasgow

Von MacDonalds Kindheit ist wenig bekannt. Die Geschwister wurden in Kidsgrove bei Stafford als jüngstes von fünf Kindern geboren. Die Familie zog häufig wegen wechselnder beruflicher Anstellungen des Vaters um. John MacDonald wurde nach und nach Bergwerksleiter, Immobilienverwalter und beratender Ingenieur.

Zwischen den frühen 1860er und späten 1880er Jahren war die Familie in den Ortschaften Congreaves, Tipton, Kidsgrove und Chesterton beheimatet. Von 1882 bis 1888 studierte Bruder Charles Rechtswissenschaften an der University of Glasgow, bevor ihm bis 1890 der Rest der Familie nach Glasgow folgte.

Frühe künstlerische Laufbahn und erste Werke

In Glasgow angekommen, meldeten sich die Schwestern Frances und Margaret als Kunststudentinnen an der Glasgower Kunsthochschule an. Sie wurden erstmals als Studenten im Jahresbericht des Jahres 1890-1 erwähnt. Angesichts der stilistischen Reife und Umsetzung ihrer Kunstwerke in den frühen 1890er Jahren ist es wahrscheinlich, dass die Schwestern schon früher eine künstlerische Ausbildung in England erhalten haben, obwohl es nur ein lückenhafte Nachweise dafür gibt, dass Margaret MacDonald Kunstunterricht erhalten hat.

In den 1890er Jahren schufen die Schwestern MacDonald vielfältige und innovative Arbeiten in Aquarell, Grafik und Metallbearbeitung. Die Entwürfe zeichnen sich durch unverwechselbare Stilisierungen menschlicher und pflanzlicher Formen aus und erzeugen lineare, oft symmetrische Muster aus ineinander verschlungenen Gliedmaßen und wehenden Haaren. Solche Stilisierungen zeigen ein Bewusstsein für die Zeitgenossen Jan Toorop, Aubrey Beardsley und Carlos Schwabe.

Gemeinsame Ausstellungen als “The Glasgow Four”

Gemeinsam mit  Charles Rennie Mackintosh und James Herbert MacNair, zwei Architekten, die die beiden später heirateten, stellten die Schwestern MacDonald ihre stilistisch ähnlichen Werke aus. Aus diesem Grund wird die Gruppierung heute auch als “The Glasgow Four” oder nur “The Four” bezeichnet,

Glasgow Four
via https://myhistorytwo.blogspot.com/2017/03/the-glasgow-four-and-viennese-secession.html

Ihr bekanntesten Werke waren die Plakatdesigns aus der Mitte der 1890er Jahre, insbesondere für das in Glasgow ansässige Unternehmen Drooko und das Glasgower Institute of the Fine Arts. Ihre Arbeiten wurden in Glasgow, London und Paris ausgestellt.

Die Kunstwerke der Schwestern MacDonald wurden viele male verhöhnt, aber etwas reflektierendere Kritiker wie Gleeson White fanden die Arbeit der Glasgower Künstlerinnen interessant.

Glasgow Four

Das Werk der späten 1890er Jahre, insbesondere  die Illustrationen zu Die vier Jahreszeiten und Die Verteidigung von Guenevere sowie anderen Gedichten von William Morris – beide in Zusammenarbeit der Schwestern MacDonald – sind eher dekorativ.

Gemeinsam mit ihren späteren Ehemännern stellten die MacDonald Schwestern ihre stilistisch ähnlichen Werke aus. Aus diesem Grund wird die Gruppierung heute auch als “The Glasgow Four” oder nur “The Four” bezeichnet,

Die Geschwister gehen getrennte Wege

Im Jahr 1900 heiratete Margaret und die beiden Schwestern lösten ihre künstlerische Zusammenarbeit auf. Margaret begann eng mit ihrem Mann zusammenzuarbeiten und sie stand hinter vielen seiner erfolgreichen Projekte. Charles gab zu, dass Margaret die Hälfte, wenn nicht sogar drei Viertel seines gesamten architektonischen Schaffens ausmachte. Er bezeichnete Margaret ein Genie.

Frances begann mit Herbert zusammenzuarbeiten, den sie 1899 heiratete, und während sie in Liverpool lehrte.

Frances MacDonald, Spring, 1900-5
Frances MacDonald, Spring, 1900-5

Trauriges Ende der Schwestern Macdonald

Nach ihrem künstlerischen Auseinanderleben nahmen die Karrieren der Schwestern verschiedene Wendungen.

Frances’ künstlerische Leistungen sind heute weit weniger bekannt als die ihrer Schwester, was zum Teil auf ihre frühzeitige Abreise aus Glasgow zurückgeführt werden kann, aber auch darauf, dass ihr Mann Herbert einen Großteil ihrer Werke nach ihrem Tod zerstört hat.

Margaret gilt auch heute noch als eine der einflussreichsten Gestalterinnen des englischen Jugendstils.  Ab 1921, 12 Jahre vor ihrem Tod, musste sie aufgrund ihrer schlechten Gesundheit das Kunstschaffen einstellen. Das Werk The White Rose And The Red Rose von 1902 wurde im Jahr 2008 für einen stolzen Preis von fast 3 Mio. Euro an einen Privatsammler versteigert.

Margaret MacDonald, The White Rose And The Red Rose, 1902
Margaret MacDonald, The White Rose And The Red Rose, 1902

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