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5 bedeutende Selbstporträts von Vincent van Gogh, die seine künstlerische Entwicklung dokumentieren

Selbstporträts von Vincent van Gogh, Selbstbildnis mit Pfeife

Wusstest du, dass Vincent van Goghs künstlerische Schaffensphase nur ein Jahrzehnt andauerte?

Das mag angesichts des umfangreichen Werkes des niederländischen Malers überraschen, da er alleine mindestens 39 Selbstporträts geschaffen hat. Diese Werke geben uns nicht nur einen Einblick in die Erscheinung des Künstlers, sondern spiegeln auch die Entwicklung seines Lebens wider.

Hier entdecken wir 5 der bedeutendsten Selbstporträts von Vincent van Gogh. Obwohl einige bekannter sind als andere, illustriert jedes von ihnen ein Kapitel der Lebensgeschichte des Künstlers und hilft uns, eine der wichtigsten Biografien der Kunstgeschichte zusammenzufügen.

Frühe Selbstporträts von Vincent van Gogh in Paris

Vincent van Gogh, Selbstbildnis mit dunklem Fellhut an der Staffelei, 1886

Vincent van Gogh, Selbstbildnis mit dunklem Fellhut an der Staffelei, 1886

Vincent van Gogh wurde am 30. März 1853 in Zundert, Niederlande, geboren. Obwohl seine Jugend durchaus künstlerisch geprägt war, beschäftigte er sich erst mit 28 Jahren ernsthaft mit der Malerei. Mit dem holländischen Maler Anton Mauve als Mentor begann er Landschaftsbilder der einfachen Leute zu malen. Eine Kunstgattung, die sich durch dunkle Farbschemata und völlig unidealisierte Motive auszeichnet.

Dieser frühe ästhetische Ansatz zeigt sich im Selbstporträt als Maler, einer Darstellung, die Van Gogh mit der Palette in der Hand vor einer Staffelei zeigt. Dieses Werk, das im Alter von 33 Jahren in Paris entstand, ist nicht nur eines der frühesten Selbstporträts Van Goghs, sondern auch das erste Mal, dass er sich selbst als Künstler malte, was einen wichtigen Übergang in der Laufbahn des Spätzünders markierte.

Van Goghs Umzug nach Paris und sein farblicher Wandel

Vincent van Gogh, Selbstbildnis mit Strohhut, 1887

Vincent van Gogh, Selbstbildnis mit Strohhut, 1887

Van Gogh malte weiterhin im Stil des Selbstporträts als Maler, bis er zu einer unglücklichen Erkenntnis kam: Seine Bauern- und Landschaftsbilder verkauften sich einfach nicht. Selbst mit der Hilfe seines Bruders Theo, einem geschätzten Kunsthändler in Paris, konnte er keine Käufer finden.

Um die Öffentlichkeit anzusprechen, beschloss er, in die Fußstapfen anderer erfolgreicher Künstler zu treten und zu seinem Bruder nach Paris zu ziehen. 

Während seiner Zeit in der französischen Hauptstadt entwickelte er ein helleres Farbschema und experimentierte mit einer lockereren Pinselführung, wie das Selbstporträt mit Strohhut zeigt.

Die einflussreiche Bekanntschaft mit Gauguin

Vincent van Gogh, Selbstbildnis (Paul Gauguin gewidmet), 1888

Vincent van Gogh, Selbstbildnis (Paul Gauguin gewidmet), 1888

Van Gogh beschloss, Paris zu verlassen, da er sich in seiner Kreativität eingeschränkt fühlte. Er verließ seinen Bruder und zog nach Arles im Süden Frankreichs.

Hier hoffte er, ein gemeinsames Künstleratelier einzurichten, in dem er und andere Maler leben und arbeiten konnten. Er mietete mehrere Räume in einem Wohnblock, den er "Gelbes Haus" nannte. Er lud Paul Gauguin ein, sich ihm anzuschließen, woraufhin dieser im Herbst 1888 zu ihm zog.

Noch vor seinem Umzug tauschten er und Van Gogh Selbstporträts miteinander aus: Gauguin beschenkte Van Gogh mit einem Selbstporträt, dessen Stil von Victor Hugos Les Misérables inspiriert ist. Im Gegenzug übersandte Van Gogh seinem künstlerischen Freund das Selbstbildnis (Paul Gauguin gewidmet).

Das Vincent van Gogh Selbstporträt nachdem er sich das Ohr verstümmelte

Vincent van Gogh, Selbstporträt mit abgeschnittenem Ohr, 1889

Vincent van Gogh, Selbstbildnis mit verbundenem Ohr und Pfeife, 1889

Kurz nach diesem Gemäldetausch zog Gauguin in das Gelbe Haus ein. Unmittelbar danach begannen die beiden allerdings schon, sich zu streiten, was Gauguin dazu veranlasste, nach nur zwei Monaten auszuziehen.

Als Gauguin seinem Mitbewohner die Nachricht mitteilte, war van Gogh so verzweifelt, dass er sich einen Teil seines eigenen Ohres abschnitt. Am nächsten Morgen wurde er in ein Krankenhaus in Arles eingeliefert, wo seine Verletzung behandelt wurde.

Als er einige Tage später ins Gelbe Haus zurückkehrte, malte er ein Selbstporträt mit einem verbundenen Ohr. Dieses Gemälde, das wohl eines seiner bekanntesten Werke ist, zeigt van Goghs energische Pinselführung gemalt mit der Impasto-Technik, die seine Werke in seiner letzten Schaffensphase bestimmte. Dieser Stil veranschaulicht auch das Interesse von van Gogh an der japanischen Druckgrafik (siehe auch: Japonaiserie).

Während Van Gogh nach der Selbstverstümmelung zunächst relativ stabil zu sein schien, erkannte er, dass sich sein Zustand weiter verschlechterte. Im Frühjahr 1889 wies er sich freiwillig in einer psychiatrischen Einrichtung in Saint-Rémy-de-Provence ein.

Selbstporträts von Vincent van Gogh in der Nervenheilanstalt

Vincent van Gogh, Selbstbildnis, September 1889

Vincent van Gogh, Selbstbildnis, September 1889

Van Gogh malte weiter, während er behandelt wurde. Nachdem er ein Zimmer in der Anstalt in sein Atelier umgewandelt hatte, stellte er in der wohl produktivsten Phase seiner Laufbahn 150 Gemälde fertig, darunter Die Sternennacht und sein Selbstbildnis aus dem September 1889, das heute ein Highlight des Musée d'Orsay ist.

Man glaubt, dass Vincent van Gogh dieses Selbstporträt malte, um sich mit dem, was er im Spiegel sah, zu versöhnen: eine Person, die er nicht sein wollte und doch war. Der Hintergrund des Bildes erinnert stark an die wirbelnden Farbschlieren, die er auch in der Sternennacht malte.

Nicht einmal ein Jahr später nach Entstehung dieses Gemäldes starb van Gogh an den Verletzungen eines Brustschusses, den er sich vermutlich selbst zugefügt hatte. Er wurde 37 Jahre alt.