Malerei

7 Selbstporträts bekannter Künstlerinnen – Die Bildgattung im Wandel

Selbstporträts weiblicher Künstlerinnen

Selfies haben die sozialen Medien übernommen und füllen die Bildschirme dieser Welt. Dieser zeitgenössischen Form des Selbstporträts kann man kaum entkommen, obwohl viele das Selfie als selbstgefällig und unkreativ empfinden. Aber ein tieferer Blick in das Genre des Selbstporträt zeigt das Potenzial für eine ehrliche Darstellung des wahrhaftigsten Selbst, um soziale Kritik zu üben oder gezielte Botschaften zu vermitteln. 

Sehen wir uns an, wie sich Selbstporträts weiblicher Künstlerinnen im Laufe der Zeit gewandelt haben und welche Intentionen sie dabei verfolgten.

1. Judith Leyster

Judith Leyster, Selbstporträt, 1630

Judith Leyster, Selbstporträt, 1630

Judith Leysters (1609-1660) Gemälde waren stets in Bewegung, illustrierten Szenen mit einer oder zwei Figuren in freudvollen Momenten oder fingen die Energie spielender Kinder ein.

Doch im Werk der Künstlerin gehört ihr Selbstporträt zu ihren auffallendsten Gemälden, das von vielen Darstellungen - insbesondere von Künstlerinnen jener Zeit - abweicht.

2. Gesina ter Borch

Gesina ter Borch, Selbstporträt, 1661

Gesina ter Borch, Selbstporträt, 1661

Gesina ter Borch (1633-1690) war Illustratorin, Aquarellmalerin und Zeichnerin im Goldenen Zeitalter der Niederlande. Sie wurde in eine Künstlerfamilie geboren und entwickelte ihre künstlerischen Fähigkeiten bei ihrem Vater Gerard ter Borch d.Ä., zusammen mit ihren Brüdern Harmen und Moses und ihrem Halbbruder Gerard.

Trotz ihres künstlerischen Talents blieb ihre Malerei ebenso wie die Poesie nicht viel mehr als ein Zeitvertreib für sie. Ihre Kunstwerke malte sie für ihre Familie und Freunde, nicht aber für wohlhabende Auftraggeber.

Dennoch sind einige Gemälde der Familie, darunter auch mehrere von Gesina, heute im Amsterdamer Rijksmuseum zu sehen.

Das Selbstporträt von 1661 zeigt die Künstlerin einen orientalischen Fächer in der Hand haltend. Es kann als modisches Accessoire verstanden werden, das in der Zeit des Handels mit Ostindien als Statussymbol und Zeichen des Wohlstandes galt.

3. Amalia Wilhelmina von Königsmarck

Amalia Wilhelmina von Königsmarck, Allegorie mit Selbstporträt und Profilbildnis von Ulrika Eleonora die Ältere,1689

Amalia Wilhelmina von Königsmarck, Allegorie mit Selbstporträt und Profilbild von Ulrika Eleonora die Ältere,1689

Amalia "Emilie" Wilhelmina Königsmarck (1663-1740) stammte aus einer deutsch-schwedischen Adelsfamilie. Sie war als Laienmalerin, Schauspielerin und Dichterin bekannt.

Das Gemälde stellt vier weibliche Figuren dar: Die Figur am rechten Bildrand mit einer Handvoll Pinsel ist vermutlich Amalia von Königsmarck selbst. Sie zeigt ein Profilporträt von Ulrika Eleonora von Dänemark, der schwedischen Königsgemahlin. 

Die weibliche Figur, die einen Lorbeerkranz trägt und auf das königliche Porträt zeigt, ist Amalias Schwester Aurora.

Hinter ihr beobachtet Fama, die griechische Göttin des Ruhms und des Gerüchts, die Szene.

4. Anna Maria van Schurman

Anna Maria van Schurman, Selbstporträt, 1633

Anna Maria van Schurman, Selbstporträt, 1633

Anna Maria van Schurman (1607-1678) war eine in Deutschland geborene niederländische Universalgelehrte und Künstlerin des 17. Jahrhunderts, die für Gemälde und Radierungen bekannt war.

1636 wurde ihr gestattet, an der neu gegründeten Universität Utrecht Vorlesungen teilzuhaben. Damit war sie inoffiziell die erste weibliche Studentin Europas, auch wenn sie in einem für die männlichen Studenten uneinsichtigen Holzverschlag saß. Sie ist auch die erste bekannte niederländische Malerin, die Pastellkreide in einem Porträt verwendete. 

Im Jahr 1643 wurde sie als Ehrenmitglied in die malerische Vereinigung der Lukasgilde aufgenommen, was als öffentliche Anerkennung ihrer Kunst verstanden werden kann.

Zusätzlich zu ihrer bildenden Kunst war Schurman Dichterin und Gelehrte und soll 14 Sprachen beherrscht haben.

5. Selbstporträts weiblicher Künstlerinnen: Amanda Sidvall

Amanda Sidvall, Selbstporträt, 1870-1871

Amanda Sidvall, Selbstporträt, 1870-1871

Amanda Sidwall (1844-1892) war eine der ersten 18 Studentinnen in der "Frauenabteilung", als die Königlich-Schwedische Akademie der Schönen Künste 1864 offiziell ihre Türen für Frauen öffnete.

Im Jahr 1874 ging sie nach Paris, um ihre Studien an der Académie Julian fortzusetzen. Sidvall wurde noch zu Lebzeiten eine etablierte Künstlerin. Im Pariser Salon von 1877 wurden zwei ihrer Gemälde an den französischen Staat verkauft. Dieses Selbstbildnis mit Hut und blauer Seidenschleife malte sie bereits während ihres Studiums an der Stockholmer Akademie.

6. Helene Schjerfbeck

Helene Schjerfbeck, Selbstbildnis mit rotem Fleck, 1944

Helene Schjerfbeck, Selbstporträt, 1944

Helene Schjerfbeck (1862-1946) hat im Laufe ihres Lebens über vierzig Selbstporträts gemalt. Je älter sie wurde, desto isolierter von der Außenwelt war sie, was dazu führte, dass sie sich aus einem Mangel an Modellen selbst malte. 

In ihren späteren Porträts offenbart sie ihren eigenen körperlichen Verfall mit schockierender Ehrlichkeit.

7. Paula Modersohn-Becker

Paula Modersohn-Becker, Selbstporträt, 1906

Paula Modersohn-Becker, Selbstporträt, 1906

Während ihr Vermächtnis in ihrem Mut fußt, sich so darzustellen, wie es noch keine Frau zuvor getan hat, wird Paula Modersohn-Becker (1876-1907) ebenso gefeiert, weil sie zusammen mit Künstlern wie Henri Matisse eine Vorreiterrolle auf dem Weg in die künstlerische Moderne eingenommen hat.

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