Malerei

Sofonisba Anguissola – Biografie, bedeutende Werke und künstlerischer Einfluss

Sofonisba Anguissola, Selbstbildnis, 1556Sofonisba Anguissola, Selbstbildnis, 1556
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Sofonisba Anguissola war die erste Künstlerin der Renaissance, die zu Lebzeiten große Bekanntheit erlangte. Sie hatte die Fähigkeit, lebensechte, anspruchsvolle Porträts zu schaffen, die intellektuell fesselnd und gleichzeitig schmeichelhaft für ihre Modelle waren. Sie benutzte Selbstporträts, um sich selbst zu präsentieren und wandte diese Fähigkeit dann an, um offizielle Porträts des spanischen Königshauses zu schaffen.

In dieser Sofonisba Anguissola Biografie findest du den gesamten Lebenslauf der Künstlerin, ihre bedeutendsten Werke, wichtige Gönner, eine Einschätzung ihres Stils und ihre Bedeutung für weibliche Künstlerinnen nach ihr.

Kernideen von und zu Sofonisba Anguissola

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    Im 16. Jahrhundert interessierten sich italienische Künstler für die Kunsttheorie. Die Idee, dass es in der Kunst um die Kunst selbst geht, war geboren. Die Gemälde Anguissolas sind keine einfachen Darstellungen der Menschen, die sie repräsentierte. Viele ihrer Werke sind Überlegungen über das Wesen der Kunst, die dazu anregen, über die Beziehungen zwischen dem Kunstwerk, dem Betrachter und dem Künstler nachzudenken.
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    In der Renaissance waren künstlerische Ausbildungen in der Regel den Söhnen von Familien vorbehalten, die die Lehrmeister bezahlen konnten. Weibliche Künstlerinnen waren meist die Töchter einer Künstlerfamilie, in der der Vater die Ausbildung selbst in die Hand nehmen konnte oder gute Beziehungen zu anderen Künstlern hatte. Sofonisba Anguissola und ihre Schwester Elena waren in diesem System eine Ausnahme, als sie mit 14 Jahren eine Ausbildung beim Maler Bernardino Campi begannen.
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    Da sie eine Adlige war, wäre es für sie unangemessen gewesen, für ihre Werke eine Bezahlung zu erhalten. Stattdessen überreichten ihr die Dargestellten wertvolle Geschenke, um ihre Dankbarkeit auszudrücken. Darüber hinaus signierte sie die Porträts, die sie in Spanien schuf, nicht. Aus diesen Gründen und wahrscheinlich auch, weil sie eine Frau war, wurden viele ihrer Werke später männlichen Künstlern zugeschrieben.
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    Die Ambitionen von Anguissola waren gesichert, als sie eingeladen wurde, Hofdame und Privatlehrerin der spanischen Königin Elisabeth von Valois zu werden, die mit Philipp II. von Spanien verheiratet war. Die Habsburger regierten damals fast ganz Europa, weshalb sie sich im intimen Kreis der mächtigsten Herrscher Europas aufhielt und auch nach ihrer Beschäftigung am Hof eine auskömmliche Rente erhielt.

Biografie von Sofonisba Anguissola

Kindheit und Jugend

Sofonisba Anguissola wurde um 1532 in Cremona in der Lombardei als ältestes von sieben Kindern geboren. Ihr Vater Amilcare Anguissola war ein Vertreter des genuesischen Kleinadels. Ihre Mutter Bianca Ponzone stammte ebenfalls aus einer wohlhabenden Familie mit adeliger Herkunft. Ihre Mutter starb, als Sofonisba vier oder fünf Jahre alt war.

Amilcare Anguissola ermutigte alle seine Töchter (Sofonisba, Elena, Lucia, Europa, Minerva und Anna Maria), ihre Talente zu entwickeln. Vier ihrer Schwestern wurden Malerinnen, aber Sofonisba war bei weitem die begabteste und schließlich auch die Einzige der Schwestern, deren Name bis heute überdauert. Elena musste die Malerei aufgeben, als sie Nonne wurde. Sowohl Anna Maria als auch Europa gaben die Kunst nach ihrer Heirat auf, während Lucia jung starb. Die andere Schwester, Minerva, wurde Schriftstellerin und Lateingelehrte. Sofonisbas Bruder, Asdrubale, studierte Musik und Latein, aber keine Malerei.

 
 

Wusstest du: Sophonisba wurde nach der Protagonistin der gleichnamigen Tragödie von Giovan Giorgio Trissino benannt, die im Jahr 1524 veröffentlicht wurde.

Ihr aristokratischer Vater sorgte dafür, dass Sofonisba und ihre Schwestern eine vielseitige Ausbildung erhielten. Sofonisba war 14 Jahre alt, als er sie zusammen mit ihrer Schwester Elena zu Bernardino Campi zur Ausbildung schickte, einem angesehenen Porträt- und religiösen Maler aus Sofonisbas Heimatstadt Cremona.

Ihr künstlerisches Frühwerk

Als Campi in eine andere Stadt zog, setzte Sofonisba ihre Studien bei dem Maler Bernardino Gatti fort. Sofonisbas Lehrzeit bei einheimischen Malern hatte einen Vorbildcharakter für die Anerkennung von Frauen als Kunststudentinnen und -auszubildende, da dies normalerweise Männern vorbehalten war. Wahrscheinlich setzte sie ihre Studien bei Gatti etwa drei Jahre lang bis 1553 fort.

Sofonisba Anguissola, Bernardino Campi malt Sofonisba Anguissola, ca. 1550

Sofonisba Anguissola, Bernardino Campi malt Sofonisba Anguissola, ca. 1550

Sofonisbas ideenreichstes Frühwerk ist Bernardino Campi malt Sofonisba Anguissola, gemalt um 1550. Das Doppelporträt zeigt ihren Kunstlehrer beim Malen eines Porträts von Sofonisba. In diesem Gemälde zeigt sie sich selbst größer und zentraler im Bild und zeigt ihren Lehrer mit einem Malstock zur Stabilisierung des Arms an der Leinwand, der nach Ansicht vieler Historiker seine mangelnden Fähigkeiten oder sein geringes Selbstvertrauen zum Ausdruck bringt.

Andere weisen jedoch darauf hin, dass sie sich später selbst mit diesem Hilfswerkzeug malte. So könnte Anguissola einfach die Absicht gehabt haben, ihren Meister so darzustellen, dass er ihr half, ihren eigenen Weg zu finden.

Mittleres Werk von Anguissola

Im Alter von 22 Jahren reiste Sofonisba 1554 nach Rom, wo sie ihre Zeit damit verbrachte, verschiedene Landschaften und Menschen darzustellen. Dort lernte sie Michelangelo durch die Hilfe eines anderen Malers kennen, der ihr Werk gut kannte.

Als er sie bat, einen weinenden Jungen zu zeichnen, zeichnete Sofonisba "Asdrubale, von einem Flusskrebs gebissen" und schickte es Michelangelo, der ihr Talent sofort erkannte. Dies führte dazu, dass sie in den Genuss einer ungezwungenen Ausbildung durch den großen Meister kam. 

Sofonisba Anguissola, Asdrubale, von einem Flusskrebs gebissen, ca. 1554

Sofonisba Anguissola, Asdrubale, von einem Flusskrebs gebissen, ca. 1554

In der Folge gab Michelangelo Anguissola Skizzen aus seinen Notizbüchern in ihrem eigenen Stil zum Zeichnen und gab Ratschläge zu ihren Ideen. Mindestens zwei Jahre lang setzte Sofonisba diese unförmliche Studienreise fort und erhielt von Michelangelo wesentliche Unterstützung.

Erfahrungen als Künstlerin

Obwohl Sofonisba viel mehr Ermutigung und Unterstützung genoss als die meisten anderen weiblichen Künstlerinnen ihrer Zeit, erlaubte es ihr ihre soziale Schicht nicht, die Einschränkungen ihres Geschlechts zu überwinden. Ohne die Möglichkeit, Anatomie zu studieren, konnte sie nicht die komplexen mehrfigurigen Kompositionen ausführen, die für großformatige religiöse oder historische Gemälde erforderlich waren.

Stattdessen suchte sie nach Möglichkeiten für einen neuen Stil der Porträtmalerei, bei dem die Themen auf lockere Art und Weise gesetzt wurden. Selbstporträts und Mitglieder ihrer eigenen Familie waren ihre häufigsten Sujets.

Sofonisba Anguissola, Das Schachspiel, 1555

Sofonisba Anguissola, Das Schachspiel (Die Schwestern der Künstlerin als Modelle), 1555

Ihre Zeit als Malerin des spanischen Hofes

Nachdem ihr Ruf ihr bereits vorauseilte, ging Anguissola 1558 nach Mailand, wo sie den Herzog von Alba malte. Dieser wiederum empfahl sie dem spanischen König Philipp II., woraufhin sie im folgenden Jahr an den spanischen Hof eingeladen wurde, was zum entscheidenden Meilenstein ihrer künstlerischen Laufbahn wurde.

Sofonisba war etwa 27 Jahre alt, als sie Italien verließ, um eine Hofmalerin der spanischen Krone zu werden. Im Winter 1559-1560 kam sie nach Madrid, um als Hofmalerin und Hofdame Elisabeth von Valois, der dritten Gemahlin Philipps II. zu dienen. Sofonisba gewann schnell die Wertschätzung und das Vertrauen der jungen Königin und verbrachte die folgenden Jahre damit, viele offizielle Porträts für den Hof zu malen, darunter die Schwester Philipps II. und sein Sohn.

Sofonisba Anguissola, Elisabeth von Valois, 1563

Sofonisba Anguissola, Elisabeth von Valois, 1563

Diese Arbeit war weitaus anspruchsvoller als die informellen Porträts, auf denen Anguissola ihren anfänglichen Ruf begründet hatte, da es enorm viel Zeit beanspruchte, die vielen komplizierten Entwürfe der feinen Stoffe und des kunstvollen Schmucks, die für königliche Sujets unerlässlich waren, abzubilden.

Während ihrer Zeit in den Diensten von Elisabeth von Valois arbeitete Anguissola so eng mit Alonso Sanchez Coello zusammen, dass das berühmte Gemälde des mittelalterlichen Königs Philipp II. zunächst Coello zugeschrieben wurde. Erst vor kurzem wurde Anguissola als die tatsächliche Malerin des Gemäldes anerkannt.

Sofonisba Anguissola, Isabella Clara Eugenia und ihre Schwester Catalina Micaela, 1570

Sofonisba Anguissola, Isabella Clara Eugenia und ihre Schwester Catalina Micaela, 1570

1570 war Anguissola 38 Jahre alt und noch unverheiratet. Nach dem Tod von Elisabeth von Valois interessierte sich Philipp II. zusätzlich für die Zukunft Sofonisbas und arrangierte eine Heirat für sie. So heiratete sie um 1571 Don Francisco de Moncada, den Sohn des Prinzen von Paterno, dem sizilianischen Vizekönig. Die Hochzeitszeremonie wurde mit großem Pomp gefeiert, und sie erhielt vom spanischen König eine Mitgift.

Nach der Hochzeit reiste das Paar, um ihre Familie sowie die Ländereien ihres Mannes in Italien zu besuchen, und kehrte schließlich nach Spanien zurück. Nach 18 Jahren am spanischen Hof verließen Sofonisba und ihr Mann Spanien schließlich im Laufe des Jahres 1578 mit Erlaubnis des Königs. Sie gingen nach Palermo, wo Don Francisco 1579 starb.

Private Veränderungen

Im Alter von 47 Jahren traf Sofonisba auf dem Heimweg nach Cremona den wesentlich jüngeren Orazio Lomellino, der Kapitän des Schiffes war, auf dem sie reiste. Im Januar 1580 heirateten sie kurz darauf in Pisa.

Orazio erkannte und unterstützte sie in ihrer künstlerischen Arbeit, und die beiden führten eine lange und glückliche Ehe. Sie ließen sich in Genua nieder, wo die Familie des Mannes lebte. Anguissola erhielt ein eigenes Atelier, wo sie viel Zeit zum Malen und Zeichnen verbrachte.

Das Vermögen Ozarios und eine großzügige Rente von Philipp II. ermöglichten Sofonisba, frei zu malen und komfortabel zu leben. Se empfing viele Künstler, die zu Besuch kamen und mit ihr über die Kunst diskutierten. Einige dieser jüngeren Künstler waren eifrig daran interessiert, ihren unverwechselbaren Stil zu lernen und nachzuahmen.

Spätwerk von Sofonisba Anguissola

In ihrer späten Periode malte Sofonisba nicht nur Porträts, sondern auch religiöse Darstellungen, wie sie es in ihrer Jugendzeit getan hatte. Leider sind viele ihrer religiösen Gemälde verloren gegangen. Sie war die führende Porträtmalerin in Genua, bis sie nach Palermo zog. Im Jahr 1620 malte sie ihr letztes Selbstporträt.

Sofonisba Anguissola, Selbstporträt, 1620

Sofonisba Anguissola, Selbstporträt, 1620

1623 wurde die alternde Sofonisba von dem flämischen Maler Anthonis van Dyck besucht, der in den frühen 1600er Jahren mehrere Porträts von ihr gemalt und Skizzen von seinen Besuchen bei ihr in seinem Skizzenbuch festgehalten hatte.

Van Dyck bemerkte, dass Sofonisba, obwohl "ihr Augenlicht geschwächt war", immer noch geistig sehr wachsam war. Von diesem Besuch sind auch Auszüge der Ratschläge erhalten, die sie ihm über die Malerei gab. Van Dyck schhuf während ihres Besuchs das letzte Porträt, das von Sofonisba angefertigt wurde.

 
 

Hinweis: Entgegen der Behauptungen mancher Biographen war sie nie ganz blind, sondern hatte möglicherweise Grauen Star.

 Sofonisba wurde eine wohlhabende Kunstmäzenin, nachdem ihr Sehvermögen geschwächt worden war. Sie starb im Alter von 93 Jahren in Palermo.

Anthonis van Dyck, Porträt der Sofonisba Anguissola, 1624

Anthonis van Dyck, Porträt der Sofonisba Anguissola, 1624


Künstlerischer Stil

Der Einfluss von Campi, dessen Ruf auf seiner Porträtmalerei beruhte, zeigt sich in Sofonisbas Frühwerken, wie etwa dem Selbstbildnis, das sich heute in den Uffizien in Florenz befindet.

Sofonisba Anguissola, Selbstbildnis, 1550

Sofonisba Anguissola, Selbstbildnis, 1550, In der Sammlung der Uffizien

Ihr Werk knüpfte an die weltliche Tradition von Cremona an, die stark von der Kunst von Parma und Mantua beeinflusst war und in der selbst religiöse Werke von äußerster Zartheit durchdrungen waren.

Von Gatti scheint sie Elemente aufgenommen zu haben, die an Correggio erinnerten. Diese neue Stilrichtung zeigt sich in Drei Schwestern beim Schachspiel von 1555, in denen die Porträtmalerei mit der Genremalerei zu verschmelzen scheint.

Sofonisba Anguissola, Das Schachspiel, 1555

Sofonisba Anguissola, Das Schachspiel (Die Schwestern der Künstlerin als Modelle), 1555

Der größte Teil ihres Werks besteht aus Selbstporträts und Familienporträts. Diese Porträts werden von vielen als ihre besten Werke angesehen.

Insgesamt wurden Sofonisba rund 50 Werke sicher zugeschrieben. Ihre Werke sind unter anderem in bedeutenden Museen in Bergamo, Madrid, Neapel, Siena und Florenz zu sehen.


Das Vermächtnis von Anguissola

Sofonisbas Werk hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die nachfolgenden Künstlergenerationen. Ihr Porträt von der Elisabeth von Valois von 1563 war das meistkopierte Porträt Spaniens. Zu den Kopisten dieses Werks gehören viele der besten Künstler der damaligen Zeit, darunter auch Meister wie Peter Paul Rubens. Auch einige spätere Bildnisse der Königin Elisabeth, gemalt von Juan Pantoja de la Cruz, scheinen von diesem Werk inspiriert worden zu sein.

Sofonisba Anguissola, Elisabeth von Valois, 1563

Sofonisba Anguissola, Elisabeth von Valois, 1563

Auch für feministische Kunsthistorikerinnen ist Sofonisba wichtig. Obwohl es in der westlichen Geschichte nie eine Periode gegeben hat, in der Frauen in der bildenden Kunst völlig abwesend waren, öffnete Sofonisba mit ihrem großen Erfolg den Weg für eine größere Zahl von Frauen, die bedeutende Laufbahnen als Künstlerinnen verfolgen konnten.

Zu den berühmten Nachfolgerinnen ihres Vorbilds gehören unter anderem Lavinia Fontana und Artemisia Gentileschi.