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Sol LeWitt – Biografie, Konzepte und bekannte Kunstwerke

Sol LeWitt hat aufgrund seiner Errungenschaften in der Konzeptkunst einen wichtigen Platz in der Kunstgeschichte sicher.

Sein Glaube an den Künstler als Ideengeber war entscheidend für den Übergang von der Moderne zur Postmoderne. 

Die Konzeptkunst, die von LeWitt als intellektueller, pragmatischer Vorgang betrachtet wurde, ergänzte die Rolle des Künstlers um eine neue Dimension. LeWitt glaubte, dass die Idee selbst das Kunstwerk sein könnte, und behauptete, dass ein bildender Künstler - genauso wie ein Architekt oder ein Designer - in der Lage sein sollte, ein Werk zu konzipieren und dann entweder die Umsetzung an ausführende Personen delegieren oder auf die Realisierung sogar komplett verzichten zu können.

LeWitts Werk umfasst die Skulptur, Malerei und Zeichnung sowie seine beinahe formlosen Konzepte, die nur als Ideen oder einzelne Elemente des Schaffensprozess existieren.

Kernideen zu und über den Künstler

  • LeWitts bildnerische Mittel bestanden vorwiegend aus Linien, Grundfarben und vereinfachten Formen. Er wandte sie nach seinen eigenen Formeln an, die auf mathematische Gleichungen und architektonische Vorgaben anspielten, aber weder vorhersehbar noch zwangsläufig logisch waren. Für LeWitt wurde die Vorgehensweise der Herstellung eines Kunstwerks zum Werk selbst. Seiner Vorstellung musste ein Kunstwerk nicht mehr eine reale materielle Erscheinung haben, um als Kunst gelten zu können.
  • LeWitts Konzeptarbeiten nahmen oft zumindest grundlegende materielle Formen an, wenngleich sie nicht unbedingt durch seine eigenen Hände ausgeführt wurden. Im Sinne des Werkstattsystems der Renaissance, in der der Meister ein Werk konzipiert und Auszubildende seine Anweisungen nach den Vorzeichnungen umsetzten, gab LeWitt einem Assistenten seine Anweisungen zur Herstellung eines Kunstwerks. Die Anweisungen für diese Arbeiten, ob großformatige Wandzeichnungen oder Außenskulpturen, hielt er absichtlich ungenau, so dass das Endergebnis nicht vollständig von ihm vorgegeben wurdet. Auf diese Weise stellte LeWitt einige sehr grundlegende Überzeugungen über die Kunst in Frage, einschließlich der Autorität des Künstlers bei der Produktion eines Werks. Sein Schwerpunkt liegt meist auf der Entwicklung von Prozessen und der Suche nach Materialien und nicht darauf, einem Werk eine bestimmte Botschaft oder Erzählung zu verleihen. Bedeutung war keine Anforderung für LeWitt, um ein Werk zu realisieren oder nicht.
  • Während sich viele Minimalisten industriellen Materialien widmeten, vereinfachte sich LeWitt weiter und verwendete weiterhin traditionelle Materialien, und konzentrierte sich stattdessen auf die Konzepte und die Systematisierung seiner Arbeit. Während die Verwendung industrieller Materialien eine gewisse Erwartung der Beständigkeit gegenüber einem Kunstwerk implizierte, schätzte LeWitt im Kontrast dazu den flüchtigen Charakter und die Vergänglichkeit der Konzeptkunst. Er ließ traditionelle Materialien für sich selbst sprechen, um ihre Verwundbarkeit gegenüber Verfall und Alterung zu demonstrieren.

Sol LeWitt Biografie

Kindheit

Solomon "Sol" LeWitt war das einzige Kind russisch-jüdischer Eltern. Seine Familie lebte in Hartford, Connecticut, bis sein Vater starb, als er gerade sechs Jahre alt war. Anschließend zogen LeWitt und seine Mutter zu einer Tante nach New Britain, Connecticut.

Obwohl LeWitt das künstlerische Schaffen als etwas abgetan hat, das nicht nur er, sondern die meisten Kinder mögen, zeigte er als kleiner Junge eine echte Vorliebe für die Kunst und insbesondere für die Gestaltung humorvoller Zeichnungen. 

Während er noch in Hartford lebte, nahm ihn seine Mutter mit zu Kunstkursen im Wadsworth Athenaeum, wo die Teilnehmer beim Musikhören gemeinsam Kunst schufen. LeWitt erinnerte sich, dass seine Mutter während einer der Malstunden einen spontanen, schwarzen Kreis gezogen hatte und ihn ermutigt hatte, dasselbe zu tun.

Wichtige Lebensentscheidungen und Frühwerk

LeWitt zögerte, in einem industriellen Arbeitszweig arbeiten zu gehen, wie es viele Männer in seiner Stadt taten . Er beschloss, sich der Kunst als Akt der Rebellion zu widmen. Seine Mutter verlangte von Sol, dass er einen Hochschulabschluss erlangt, bevor er sein Leben dem Kunstschaffen komplett widmete. Er besuchte die Syracuse University als Kompromiss. Anfangs hatte LeWitt Schwierigkeiten, sich an das formale akademische Umfeld anzupassen und fand den Lehrplan zu starr. Während seiner späteren Anwesenheit gab eine Reihe neuer Dozenten der Universität jedoch eine etwas flexiblere Atmosphäre. 

In dieser Zeit kam LeWitt mit der Druckgrafik in Kontakt. Für seine Lithographiearbeit erhielt er von der Tiffany Foundation einen mit 1000 Dollar dotierten Förderpreis, der es ihm ermöglichte, Zeit in Europa zu verbringen und das Werk der Alten Meister zu studieren.

1951 wurde LeWitt für den Koreakrieg in den Militärdienst eingezogen und den Sonderdiensten zugewiesen. Zu seinen Aufgaben während seiner Zeit beim Militär gehörte die Gestaltung von Plakaten. Während seines Aufenthaltes besuchte er Schreine, Tempel und Gärten in Korea und Japan. 

Nach der Entlassung zog LeWitt nach New York und erhielt Unterricht an der Cartoonists and Illustrators School und absolvierte ein Designpraktikum beim Seventeen Magazine. 1955 trat er als Grafikdesigner in das Architekturbüro von Ieoh Ming Pei ein.

In seiner Zeit dort sammelte er Erfahrungen, die seinen späteren Ansatz zur Kunst maßgeblich beeinflussen würden. Der architektonische überzeugte ihn, Kunst als Idee oder einen Prozessentwurf zu betrachten, der schließlich von anderen umgesetzt wird.

LeWitt sagte einmal: 

"Ein Architekt geht nicht mit einer Schaufel los und gräbt das Fundament und legt jeden Stein selbst. Er ist immer noch ein Künstler."

LeWitt malte auch weiterhin, aber seine Richtungslosigkeit wurde für ihn zu einem stärker werdenden Quell der Frustration. LeWitt verließ seinen Job, um sich ausschließlich der bildenden Kunst zu widmen, und zog in ein Loft in SoHo. Er experimentierte mit einem breiten Spektrum an Sujets, darunter die menschliche Figur, Stillleben, Einrichtungsgegenstände und er entwarf sogar Kopien alter Meister. 

Weitere Inspiration kam, als er eine Nachtanstellung im New Yorker MoMA annahm. Dort traf Sol LeWitt andere Künstler wie Dan Flavin, Robert Mangold und Robert Ryman, die ebenfalls nach Ideen jenseits des allgegenwärtigen, aus ihrer Sicht aber zunehmend unzeitgemäßen Ausdrucks des abstrakten Expressionismus suchten. Diese Künstler versuchten, die Kunst von überholten Gefühlen in Bezug auf Gestik und persönlichen Ausdruck zu befreien.

Der Besuch der Sixteen Americans-Ausstellung im MoMA war ein Wendepunkt für LeWitt, der sich daraufhin eine Vorgehensweise einfallen ließ, um die Flachheit der zeitgenössischen Malerei zu überwinden.

Mittleres Werk

LeWitt war von der Arbeit Jasper Johns geprägt worden und begann Reliefelemente und Serien von bewegten Figuren in seine Malerei zu integrieren (siehe "Run", 1961). Wall Structure, Blue (1962) markiert den ersten Schritt des Künstlers in Richtung einer vereinfachten Form und setzt auf Farbe, Form und Textur, um eine markante Aussage zu formulieren.

Wall Structure Blue

Durch die Kombination solcher vereinfachten Kompositionen mit dem Interesse an der Räumlichkeit entwickelte sich LeWitts Werk in den nächsten Jahren hin zu seinen ersten modularen Strukturen aus schwarzem oder weißem Holz oder Metall, die sich nach vorgegebenen Variationen wiederholten. Diese skelettartigen Variationen eines einfachen Quadrats oder Rechtecks waren die Bausteine, die LeWitt im Laufe seiner Karriere verwendete.

Bei seiner ersten Einzelausstellung zeigte er im Jahr 1965 eine Reihe komplexer offener Strukturen, die sich mit der Manipulation des Raumes mit abgewinkelten Wänden und unregelmäßigen Formen beschäftigten.

Unzufrieden mit den Ergebnissen solcher visueller Experimente kehrte LeWitt schließlich zu dem zurück, was er für die Grundprinzipien hielt: Er begann, vermessene Strukturen nach einem beliebig gewählten Verhältnis aufzubauen. Mit einer Ansammlung dieser Strukturen schloss LeWitt 1966 das Serial Project #1 (ABCD) ab, eine großformatige Kombination aus Würfeln und Rechtecken, die den seriellen Charakter seines Werks wieder aufgreift.

Das Jahr 1969 markierte einen wichtigen Schritt LeWitts hin zu komplexerer Kunsttheorie. Er veröffentlichte mehrere Essays, die seine Perspektive veranschaulichten und ihn als einen der Wegbereiter der Konzeptkunst manifestierten. In dieser Zeit war es auch, als er sich vom Minimalismus zu distanzieren begann.

Vier Arten der Linie, Sol Lewitt, 1969

Vier Arten der Linie, Sol Lewitt, 1969 | Foto: Wicker Paradise / Flickr / CC BY 2.0

Die ersten seiner Wandzeichnungen entstanden aus der Teilnahme von LeWitt am von Seth Belgelaub kuratierten Projekt "Xerox Book". In diesem Projekt wurden die Bedingungen der künstlerischen Produktion vereinheitlicht und den Künstlern eine Reihe von "Anforderungen" gestellt, denen sie folgen sollten. LeWitts Beitrag bestand aus 24 Variationen einer Strichzeichnung, von denen zwei 1968 in der Paula Cooper Gallery als großformatige Reproduktionen mit Bleistift gezeigt wurden. LeWitt befreite die Linie effektiv von ihren traditionellen Rollen und Funktionen, Kontur und Raum zu beschreiben und als ausdrucksstarkes Zeichen für die Absicht des Künstlers zu agieren.

LeWitt nutzte die Fotografie später ergänzend zu seinen anderen Arbeiten, darunter seine Autobiographie - eine Sammlung von 124 Fotografien, die in Buchform veröffentlicht wurde. LeWitt selbst wird in diesen Bildern selten gezeigt. Der Künstler weigerte sich meist, Bilder von sich für Veröffentlichungen einzureichen, und bestand darauf, dass der Schwerpunkt auf seiner Arbeit und nicht auf seiner Person liegen sollte.

Spätwerk und Tod

Obwohl konservative Kunsthistoriker LeWitts Werk zunächst eher mit Hohn und Verachtung werteten, wurden viele von ihnen nach der Retrospektive 1978 im MoMA umgestimmt. Diese gut kuratierte Ausstellung veranlasste sogar LeWitt selbst, seine Kunst zu überdenken und neue Techniken zu erforschen. Infolgedessen begannen andere Formen - darunter einige Elemente der Op-Art - eine größere Bedeutung in seinem Werk zu erlangen.

Visitor Symmetry

In dieser Phase seines Lebens kam es nicht nur zu künstlerischen Umschwüngen, sondern auch zu privaten Änderungen. Die Hochzeit mit Carol Androccio im Jahr 1982 und Sol LeWitts Umzug nach Italien waren zwei seiner wichtigen persönlichen Meilensteine.

Als Reaktion auf die in den 1980er Jahren gestiegene Nachfrage nach öffentlichen Skulpturen realisierte LeWitt mehrere Auftragsarbeiten aus Betonblöcken. Diese Strukturen interpretierten die Grundform des Würfels neu, die den Würfel in unterschiedlichen Anordnungen präsentierten. Die Entwürfe seiner Wandzeichnungen wurden freier und verspielter, da LeWitt mit geschwungenen Linien experimentierte.

Zum Zeitpunkt seines Todes im Jahr 2007 an den Folgen eines Krebsleiden befand sich LeWitt noch auf dem schöpferischen Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn.

Künstlerisches Vermächtnis von Sol LeWitt

Sol LeWitt nimmt mit seiner führenden Rolle in der Konzeptkunst eine wichtige Position in der Geschichte der Kunst ein. Sein Glaube an den Künstler als Ideengeber war entscheidend für den Übertritt von der Moderne zur Postmoderne.

Die Konzeptkunst, die von LeWitt als intellektueller und pragmatischer Vorgang beschrieben wurde, fügte der Rolle des Künstlers eine neue Dimension hinzu, die sich deutlich von der Romantisierung seiner Funktion im Rahmen des abstrakten Expressionismus unterschied. Sein minimalistischer Ansatz, der Einfachheit und Klarheit betonte, wurde von Künstlern wie Frank Stella aufgegriffen.

LeWitt war ein überzeugter Befürworter der künstlerischen Gemeinschaft. Seine Bereitschaft, seine Arbeiten und Ansichten mit fast jedem Künstler auszutauschen, unterstützte ein gewisses Fördernetzwerk in der bildenden Kunst. Es ermöglichte ihm auch, eine große Sammlung von regionalen und internationalen Künstlern zusammenzustellen. Zu der spektakulären Sammlung von ihm und seiner Frau zählen mehr als 9.000 Arbeiten anderer zeitgenössischer Künstler. Künstlerinnen und Künstler wie Mario Merz, Pat Steir, Robert Mangold und Alex Katz sind nur einige der Größen in ihrer Sammlung.

Die Eröffnung des Sol LeWitt Fund for Artists Work, ermöglicht durch eine großzügige Spende des Künstlers, unterstützt nach wie vor die Entstehung und Ausstellung von öffentlicher Kunst in New York City.


Kunstwerke von Sol LeWitt - Eine Auswahl

Four Sided Pyramid, 1965

Sol LeWitt, Four Sided Pyramid, 1965

Sol LeWitt, Four Sided Pyramid, 1965 | Foto: Jorik / Shutterstock

Cappella del Barolo, 1999

Cappella del Barolo, Italien, 1999

Cappella del Barolo, Italien, 1999 | Foto: andersphoto / Shutterstock

Sol LeWitt, Wall Drawing #356 BB, 2003

Sol LeWitt, Wall Drawing #356 BB | Foto: Neil R / Flickr / CC BY-NC 2.0

Sol LeWitt, Wall Drawing #356 BB | Foto: Neil R / Flickr / CC BY-NC 2.0

Wall Drawing #1144, 2004

Wall Drawing #1144

Sol LeWitt, Wall Drawing #1144, 2004 | Foto: Thomas Hawk / Flickr / CC BY-NC 2.0


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