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Moderne Stilllebenfotografie
Fotografie

Stilllebenfotografie: Der komplette Ratgeber

Foto: Florencia Potter / Unsplash

Die Stilllebenfotografie ist ein einzigartiges Genre der Fotografie. Das Besondere daran ist, dass die abgebildeten Gegenstände an und für sich häufig nicht besonders interessant sind. 

Es sind ganz normale Objekte, denen man normalerweise nicht viel Beachtung schenken würde.

Das bedeutet, dass du Wege finden musst, deine Fotos interessant zu machen, um in der Stilllebenfotografie zurechtzukommen. Das bedeutet auch, dass dieses fotografische Gerne bestens geeignet ist, um neue Fähigkeiten zu lernen.

Durch das Experimentieren mit verschiedenen Anordnungen, Lichtverhältnissen und Kompositionen können Stilllebenfotografen ihren Motiven Leben einhauchen.

Wenn du daran interessiert bist, das Stillleben in der Fotografie selber auszuprobieren, bist du hier an der richtigen Adresse. Dieser Leitfaden zur Stilllebenfotografie erklärt dir alles, was du wissen musst, um loszulegen.

Was ist die Stilllebenfotografie?

Du kennst wahrscheinlich das Stillleben schon aus der Kunst. Die Gemälde, die eine Schale mit Früchten oder Blumen in einer Vase darstellen sind zwei bekannte Beispiele eines Stilllebens.

Kurz gesagt, ist ein Stillleben ein Kunstwerk, das sich auf unbelebte Subjekte fokussiert. In der Regel sind es alltägliche Gegenstände. Dies kann sowohl künstliche Objekte als auch natürliche Objekte wie Pflanzen, Lebensmittel oder Muscheln umfassen.

Ein großer Vorteil des Stilllebens ist die Freiheit, die Objekte beliebig anzuordnen. Die Stilllebenfotografie folgt der gleichen Philosophie. Ein gesteigerter Wert wird auf die Anordnung der Elemente, die Belichtung und die Wahl des Bildausschnitts gelegt. Auf diese Weise beschäftigst du dich mit den Grundlagen der Fotografie und wirst ein besserer Fotograf.

Verbessere deine fotografischen Fähigkeiten mit Stillleben

Die Stilllebenfotografie macht das Experimentieren leicht. Im Gegensatz zur Porträt- und Landschaftsfotografie musst du dich nicht mit beweglichen Szenen auseinandersetzen und nicht nach einem interessanten Ort oder einer interessanten Fotomöglichkeit suchen. Stattdessen kannst du deine eigene interessante Komposition aus Objekten erstellen, die du in der Nähe hast oder schnell besorgen kannst.

Indem du die volle Kontrolle über jeden Aspekt der Szene hast, kannst du beim Stillleben verschiedene Kompositionen und Lichtkonfigurationen ausprobieren, um zu sehen, was passt und was nicht. Sobald du einmal verstanden hast, wie man großartige Stilllebenfotografie erstellt, bist du gut gerüstet, um in jeder Situation bessere Fotokompositionen zu schaffen.

Mehr: Verschiedene Fotokurse im Vergleich

Arten der Stilllebenfotografie

Die Stilllebenfotografie umfasst eine Vielzahl von Unterkategorien. Hier sind nur einige davon:

Tischaufnahmen

Stilllebenfotografie

Foto: Kaufmann Mercantile / Unsplash

Die Tischfotografie ist die häufigste Form des Stilllebens. Es ist genau das, woran die meisten Menschen denken, wenn sie an die Stilllebenfotografie hören. In dieser Kategorie geht es darum, Objekte abzubilden, die klein genug sind, um auf einen Tisch zu passen. Die Objekte können beliebig sein, solange sie leblos sind.

Produktfotografie

Produktfotografie

Foto: Daniel Tomlinson / Unsplash

Ein weiteres Beispiel ist die Produktfotografie. Da es sich ebenfalls um das Abbilden lebloser Objekte handelt, kann es als eine Form des Stilllebens betrachtet werden.

Diese Fotos konzentrieren sich allerdings eher darauf, ein klares Bild des Produkts ohne störende Ablenkungen zu vermitteln. Im Gegensatz dazu sind klassische Stilllebenaufnahmen meist künstlerisch orientiert und bieten mehr Möglichkeiten, kreativ zu sein.

Lebensmittelfotografie

Lebensmittelfotografie

Foto: Mae Mu / Unsplash

Die Food-Fotografie ist eine weitere Unterkategorie des Stilllebens, die eng mit der Produktfotografie verbunden ist. Hier geht es vor allem darum, Lebensmittel attraktiv zu präsentieren.

Im Vergleich zur Produktfotografie beinhaltet die Lebensmittelfotografie jedoch oft auch die Szenengestaltung, indem andere Lebensmittel und weitere Verzierungen rund um das Thema arrangiert werden.

"Objet trouvé"-Fotografie

Avocado

Foto: Elena Koycheva / Unsplash

Ein Objet trouvé ist ein Alltagsgegenstand, der wie ein Kunstwerk behandelt wird. Der Gegenstand wird meist modifiziert oder in einem außergewöhnlichen Umfeld platziert. Wird der Gegenstand nicht bearbeitet, handelt es sich um ein sogenanntes Readymade.

Sie fallen zwar unter den Oberbegriff des Stilllebens, gehen aber auch einen Schritt weiter, um den Betrachter dazu zu bringen, das Thema aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.


Stillleben Fotoausrüstung

Ein weiterer Vorteil der Stilllebenfotografie ist, dass es nicht viel braucht, um loszulegen. Wenn du es zum ersten Mal ausprobieren willst, kann dein Fotostudio auch nur ein Tisch am Fenster sein.

Da die Anordnung von Objekten ein wichtiger Bestandteil von Stilllebenaufnahmen ist, kannst du mit dem Experimentieren von Anordnungen beginnen. Dafür ist keine erstklassige Kamera oder eine professionelle Ausrüstung erforderlich.

Aber wenn du anfangen willst, professionell wirkende Fotos aufzunehmen, kann es sein, dass du eine neue Ausrüstung brauchst. Der wichtigste Faktor ist die Beleuchtungsanlage.

Belichtung

In der modernen Stilllebenfotografie ist die Lichtführung von besonderer Bedeutung. Wenn dein Motiv ein gewöhnliches Objekt ist, ist die Beleuchtung eine der besten Möglichkeiten, wie du eine bestimmte Stimmung erzeugen und Emotionen beim Betrachter erwecken kannst.

Lichtreflektoren

Licht Reflektor

Lichtreflektoren sind eine der preiswertesten und einfachsten Möglichkeiten, um mit der Aufnahme hochwertiger Fotos zu starten. Ein einfacher Lichtreflektor ermöglicht es dir, das natürliche Licht in deiner Szene zu regulieren, ohne dass zusätzliche Beleuchtungsgeräte benötigt werden. Egal, ob du versuchst, einige Schattierungen abzuschwächen, das Motiv besser auszuleuchten oder die Texturen in deiner Komposition hervorzuheben, Lichtreflektoren können helfen.

Sie sind auch ziemlich preiswert und werden von einer Vielzahl von Herstellern angeboten. Viele Produkte kosten nicht mehr als 25 Euro und werden mit einer Auswahl an weißen, goldenen, transparenten und schwarzen Oberflächen geliefert.

Blitzgerät

Blitzgerät

Ein Speedlight oder Blitzgerät ist das nächste Zubehör, das du dir ansehen solltest. Mit einem Blitzgerät außerhalb der Kamera musst du dich nicht auf natürliches Tageslicht verlassen. Stattdessen hast du mehr Freiheit, dein Motiv aus jedem Blickwinkel zu beleuchten. Darüber hinaus verleiht eine leistungsstarke Lichtquelle wie ein Blitzlicht deinen Aufnahmen ein professionelleres Aussehen und ermöglicht es dir, interessante Effekte zu erzeugen.

Ein externes Blitzgerät ist ein guter Ausgangspunkt. Sie sind erschwinglicher als Blitze und sind mehr als genug für die Bedürfnisse der meisten Stilllebenfotografen.

Softboxen

Softboxen

Softboxen sind ein weiteres wichtiges Element der Beleuchtungstechnik. Eine Softbox solltest du für Aufnahmen verwenden, bei denen du harte Schatten vermeiden möchtest. Softboxen können das Licht des Blitzes streuen oder in ein weiches und gleichmäßiges Licht umwandeln.

Außerdem reduzieren sie das Streulicht erheblich und helfen dabei, das Licht genau so zu lenken, wie du es willst.

Objektive für die Stilllebenfotografie

Du brauchst kein breites Sortiment an teuren Objektiven, aber es ist gut, ein paar hochwertige Linsen zur Auswahl zu haben. Wahrscheinlich wirst du für diese Form der Fotografie keine Weitwinkelobjektive benötigen, da die Motive meist nicht viel Platz in Anspruch nehmen. Wenn du trotzdem weitem Winkel fotografieren willst, wirst du eine Menge ungenutzten Raum in deiner Aufnahme haben.

Abgesehen davon sind hier noch ein paar Tipps zur Auswahl von geeigneten Objektiven:

Makro-Objektive ermöglichen es dir, mit der Perspektive in deinem Stillleben kreativ zu werden. Durch die geringen Mindestabstände kannst du deinem Motiv sehr nah kommen, was zu interessanteren Kompositionen führt.

Tele-Objektive sind eine gute Wahl für die Stilllebenfotografie. Zum einen hilft der enge Bildwinkel der Teleobjektive, den Bildausschnitt optimal mit dem Motiv zu füllen. Zweitens ermöglicht es dir die extrem geringe Schärfentiefe einen ganz bestimmten Fokuspunkt in deiner Komposition zu wählen.

Kameras für die Stilllebenfotografie

Die Stilllebenfotografie ist nicht allzu anspruchsvoll, wenn es um die Wahl der Kameras geht. Im Vergleich zu fast jeder anderen Art der Fotografie bietet das Stillleben eine größere Kontrolle über die Szene. Du hast die Zeit, die Szene einzurichten und die Beleuchtung anzupassen.

Das bedeutet, dass eine erstklassige Kamera nicht zwingend erforderlich ist, die schwierige Beleuchtungssituationen meistern kann oder besonders wetterfest ist.

Mit einer gewöhnlichen DSLR und einem passenden Objektiv solltest du die vollständige Kontrolle über deine Resultat haben.


Tipps zur Stilllebenfotografie

Diese Tipps helfen dir, die häufigsten Stolpersteine zu vermeiden, also behalte sie im Hinterkopf, wenn du dein erstes Shooting eines Stilllebens planst!

  • Plane deine Aufnahmen

Die Stilllebenfotografie bietet viel Freiheit, und wenn man keinen Plan hat, kann es leicht sein, die Orientierung zu verlieren. Es lohnt sich also, ein wenig Zeit damit zu verbringen, die angestrebte Bildart zu planen und einige Ideen zu entwickeln. Überlege dir, welche Gegenstände du verwenden wirst, wie du sie anordnen kannst, welche Beleuchtung du verwenden wirst und welche Stimmung du erzielen willst.

  • Kümmere dich um die Belichtung

Wenn du vorhast, neben einem Fenster zu fotografieren, wähle ein Fenster, das nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Andernfalls wird das Licht zu grell.

An leicht bewölkten Tagen ist das Tageslicht am besten, da es weich und gleichmäßig ist - die Wolken agieren wie eine Art riesige Softbox, die das direkte Sonnenlicht dämpft. Aber wenn du versuchst, an einem hellen Tag zu fotografieren und feststellst, dass das Licht zu hart ist, kannst du einen durchsichtig weißen Vorhang als Diffusor vor das Fenster hängen

  • Verwende ein Stativ 

Wenn du die Hände frei hast, ist es einfacher, die Gegenstände und die Beleuchtung zwischen den Aufnahmen neu anzuordnen. Es ist auch für Aufnahmen nützlich, die längere Verschlusszeiten erfordern.

  • Erzeuge einen thematischen Zusammenhang

Wenn du Objekte auswählst, die du in einer Aufnahme verwenden möchtest, versuche, Dinge auszuwählen, die optisch zusammenpassen. Wenn eines der Objekte zum Beispiel eine Antiquität ist, dann ist es naheliegend, das Thema konsistent zu halten, indem du andere antike Objekte einbeziehst.

Auch die farbliche Gestaltung der einzelnen Gegenstände im Stillleben können ein Gefühl der Konsistenz vermitteln. Wenn du eine Geschichte erzielen willst, ist es auch ratsam, thematisch miteinander verwandte Gegenstände zu kombinieren. Beispielsweise ein Buch und eine Brille, oder Kaffeebohnen und eine Tasse.

  • ​Wähle die Hintergründe sorgfältig aus

Wenn du sicherstellen willst, dass dem Thema keine Aufmerksamkeit entzogen wird, kannst du jederzeit den schlichten weißen Hintergrund wählen. Etwas weiße Pappe oder eine Tischdecke als Hintergrund für dein Stillleben können dafür verwendet werden. Wenn du etwas kreativer werden willst, gibt es viele Möglichkeiten.

Zum Beispiel kann die Verwendung eines farbigen Hintergrunds mit einer schönen Textur etwas Flair verleihen. Das Letzte, was du in der Stilllebenfotografie erreichen willst, ist jedoch ein ablenkender Hintergrund.

Der Trick besteht darin, bei neutralen oder subtilen Farben zu bleiben, die das eigentliche Motiv nicht überlagern. Aus diesem Grund funktionieren Weiß, Grau, Schwarz und Braun einwandfrei - je nachdem, welche Gegenstände du abbilden willst.


Drei Stilllebenfotografie Ideen für Anfänger

Wenn du denkst, dass du startklar bist, sind hier einige Ideen für dein nächstes Stillleben.

Du musst dich nicht an die traditionellen Themen wie Obst in einer Schüssel halten. Es gibt viele großartige Beispiele moderner Stilllebenfotografie, die Objekte verwenden, an die du vielleicht nicht gedacht hast. Versuche also, kreativ zu werden, wenn du die abzubildenden Objekte auswählst.

  • ​Alte Gegenstände und Vintage-Objekte inszenieren

Alte Objekte sind in der Regel interessant. Je stärker sie abgenutzt sind, desto besser. Diese Objekte bieten häufig interessante Texturen mit ihren rostigen, rissigen und abplatzenden Oberflächen. Auch Schäden, die den Betrachter hinterfragen lassen, was das Objekt wohl mitgemacht hat, können als Spannungselement eingesetzt werden.

Vintage-Stillleben

Foto: Nathan Anderson / Unsplash

  • ​Probiere dich an einem Flatlay

Versuche es mal mit einem sogenannten Flatlay. Bei diesem Stil werden Objekte auf einem Tisch oder einer anderen ebenen Fläche angeordnet und direkt von oben aufgenommen. Diese Komposition kann helfen, den Schaffensprozess zu vereinfachen, da sich alle Objekte auf einer einzigen Ebene befinden und du alles genau dort positionieren kannst, ohne dich um die Schwerkraft kümmern zu müssen.

Flatlay Komposition

Foto: Chimene Gaspar / Unsplash

  • ​Stimmungsvolle Bilder mit geringer Helligkeit

Versuche, einige Aufnahmen mit niedriger Bildhelligkeit zu machen, um stimmungsvolle Ergebnisse zu erzielen. Bei der Low-key-Fotografie werden dunkle Szenen aufgenommen, die das Licht auf bestimmte Bereiche konzentrieren. Diese Aufnahmen können auch die gesamte Aufmerksamkeit des Betrachters auf dein Motiv lenken, da es nichts anderes als einen schwarzen Hintergrund zu sehen gibt.

Der Trick besteht darin, eine sehr kurze Verschlusszeit, niedrige ISO-Einstellungen und eine kleine Blende einzustellen. Dadurch wird das Umgebungslicht abgeschirmt, so dass das einzige Licht, das im Endergebnis sichtbar ist, von deinem Blitz stammt.

Low-Key-Fotografie

Foto: Nathan Dumlao / Unsplash

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