KunstMalerei

Synthetischer Kubismus: Begriff, Merkmale und bekannte Künstler

Was zeichnet den synthetischen Kubismus aus?

Synthetischer KubismusJuan Gris, Die Jalousie, 1914
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Der synthetische Kubismus ist eine Periode in der Kunstrichtung des Kubismus, die von 1912 bis 1914 andauerte. Geleitet von zwei berühmten kubistischen Malern wurde es zu einem beliebten Kunststil, der Merkmale wie

  • Einfache Formen
  • Leuchtende Farben
  • Wenig bis gar keine Bildtiefe aufweist

Der synthetische Kubismus war obendrein die Geburtsstunde der Collagekunst, in der reale Objekte in die Bilder integriert wurden.

Was definiert den synthetischen Kubismus?


Der synthetische Kubismus ist aus dem analytischen Kubismus entstanden. Er wurde von Pablo Picasso und Georges Braque entwickelt und dann von den Salon-Kubisten kopiert. Viele Kunsthistoriker betrachten Picassos Serie “Guitar” als ideales Beispiel für den Übergang zwischen den beiden Perioden des Kubismus.

Picasso und Braque entdeckten, dass durch die Wiederholung von “analytischen” Zeichen ihre Arbeit verallgemeinert, geometrisch vereinfacht und flacher wurde. Damit wurde das, was sie im analytischen Kubismus taten, auf eine neue Ebene gehoben, weil damit die Idee der Dreidimensionalität in ihrer Arbeit verworfen wurde.

Auf den ersten Blick ist die auffälligste Veränderung des analytischen Kubismus die Farbpalette. In der Vorperiode waren die Farben sehr gedämpft und viele Erdtöne dominierten die Bilder. Im synthetischen Kubismus herrschten kräftige Farben. Lebhafte Rottöne, Grüntöne, Blautöne und Gelbtöne betonten diese neueren Arbeiten.

Im Rahmen ihrer Experimente setzten die Künstler eine Vielzahl von Techniken ein, um ihre Ziele zu erreichen. Regelmäßig benutzten sie farbliche Überlappungen mehrerer Ebenen, um das Konzept der Dimensionalität zu hinterfragen. Anstatt zweidimensionale Darstellungen von Papier zu malen, wurden echte Papierstücke verwendet und echte Musikpartituren ersetzten gezeichnete Musiknoten, die die Dimensionalität von Skulpturen mit der eines Gemäldes vermischten.

Die Künstler haben auch alles von Zeitungs- und Spielkartenfragmenten über Zigarettenschachteln bis hin zu Werbung in ihren Arbeiten genutzt. Diese waren entweder real oder aufgemalt und wechselwirkten auf der flachen Ebene der Leinwand, während die Künstler versuchten, eine völlige Durchdringung von Leben und Kunst zu erreichen.

Collagen und synthetischer Kubismus

Die Erfindung der Collage, die Zeichnungen und Fragmente realer Dinge miteinander verbindet, ist ein Bestandteil des Synthetischen Kubismus. Picassos erste Collage “Still Life with Chair Caning” entstand im Mai 1912. Braques erstes Papier collé (Klebebild), “Fruit Dish with Glass”, entstand im September desselben Jahres.

Der synthetische Kubismus hielt bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg an. Der spanische Maler Juan Gris war ein Zeitgenosse von Picasso und Brague, der ebenfalls für diese Kunstrichtung bekannt ist. Darüber hinaus beeinflusste der synthetische Kubismus auch Künstler des späten 20. Jahrhunderts wie Jacob Lawrence, Romare Bearden und Hans Hoffman.

Die Zusammenführung von “hoher” und “niedriger” Kunst (Kunst eines Künstlers in Kombination mit Kunst für kommerzielle Zwecke, wie z.B. Verpackungen) durch den synthetischen Kubismus kann als sogar als die erste Form der Pop Art angesehen werden.

Wer prägte den Begriff “Synthetischer Kubismus”?

Das Wort “Synthese” in Bezug auf den Kubismus ist in Daniel-Henri Kahnweilers Buch “Der Weg zum Kubismus” zu finden, das 1920 veröffentlicht wurde. Kahnweiler war Picassos und Braques Kunsthändler, der dieses Buch im Exil nach dem Ersten Weltkrieg schrieb. Er hat den Begriff “Synthetischer Kubismus” allerdings nicht erfunden, sondern lediglich die Vorarbeit geleistet.

Die Begriffe “Analytischer Kubismus” und “Synthetischer Kubismus” wurden von Alfred H. Barr, Jr. in seinen Büchern über den Kubismus und Picasso bekannt gemacht. Barr war der erste Direktor des Museum of Modern Art in New York und kam auf die offiziellen Bezeichnungen vermutlich durch das Buch von Kahnweiler.