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Thérèse Schwartze im Atelier
Malerei

Thérèse Schwartze – Female Artistry #1

Thérèse Schwartze in ihrem Atelier 1903, Rijksmuseum

Ein Großteil der bekannten Künstler im Laufe der Jahrhunderte waren männlich. 

Das liegt einerseits daran, dass die Rollenverteilung in der Familie lange Zeit klar getrennt war. Die Frau kümmerte sich um die häuslichen und mütterlichen Aufgaben, der Mann sorgte für den Lebensunterhalt und das finanziellee Wohl der Familie.

Andererseits kann auch der Kunstwelt an sich eine Teilschuld am Status der Frau in der Kunst zugeschrieben werden. Obwohl es in den letzten Jahrhunderten einige talentierte weibliche Künstlerinnen gab, haben es nur wenige zu einem Bekanntheitsgrad ähnlich talentierter männlicher Kollegen geschafft. 

Aus diesem Grund stellen wir in der Reihe Female Artistry wöchentlich eine dem breiten Publikum unbekannte Künstlerin vor, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat.

Thérèse Schwartze - Erste Kontakte mit der Kunst

Thérèse Schwartze (1851 - 1918) wuchs in einer Künstlerfamilie auf. Ihr Vater Johann Georg Schwartze war Maler und führte seine Tochter in eine Laufbahn als Künstlerin ein.

Damals galt die malerische Ausbildung als junges Mädchen nicht als Beruf, sondern als Teil einer kultivierten Erziehung: Geld zu verdienen war nicht die Aufgabe der Frau, sondern die des Mannes. Aber ihr ehrgeiziger Vater kümmerte sich nicht um die Konventionen der Gesellschaft. Er bildete seine Tochter von klein auf in Malerei und Zeichnung aus und wollte, dass Thérèse seine Nachfolgerin wird.

Johann Georg Schwartze, Portrait seiner Tochter

Porträt der Künstlerin, gemalt von ihrem Vater

Thérèse begann ihre ambitioniert Laufbahn im Alter von gerade einmal 16 Jahren im Atelier ihres Vaters, das sie nach Johanns Tod 1874 übernahm.

Ihr Beginn als professionelle Malerin

Thérèse verbrachte einen Studienaufenthalt in München und dann in Paris. Das künstlerische Leben in Paris inspirierte sie, insbesondere die Werke des Porträtmalers Jean Jaques Henner, der für seine Verwendung des Sfumato und des Chiaroscuro bekannt ist.

Auf diesem Gemälde, das in Schwartzes Atelier in Paris entstanden ist, tauscht sich die junge Frau in italienischer Tracht mit Puck, dem Hund zu ihrer Rechten, aus. Der Ausdruck der Dame ist faszinierend, während verschiedene üppige Stoffe ihres Kleides meisterhaft wiedergegeben werden.

Portrait einerr jungen Frau mit Puck

Schwartzes Talent und Fähigkeiten wurden sehr geschätzt und sie erhielt eine wachsende Anzahl wichtiger und wohlhabender Kunden.

Porträts der königlichen Familie

Thérèse Schwartze wurde zur Lieblingsmalerin der niederländischen Königsfamilie.

Das Porträt der Königin Emma mit der kleinen Prinzessin Wilhelmina war der erste Auftrag, den sie vom Königshof erhielt. Es war für den Geburtstag des Königs am 19. Februar 1881 gedacht.

Königliche Porträts

Alle Eigenschaften, die Schwartzes Werk beliebt und geschätzt gemacht haben, sind auf diesem Porträt sichtbar: eine gute, aber leicht schmeichelhafte Ähnlichkeit, eine ansprechende Komposition und die herrliche Farbauswahl. In den folgenden fast vierzig Jahren erhielt Thérèse Schwartze viele weitere Aufträge von der Königsfamilie. Besonders die Königin Wilhelmina, selbst Künstlerin, schätzte Schwartzes Stil, Talent und auch die Tatsache, dass sie eine Frau war.

Dieses Eröffnungsporträt wurde 1897 von Königin Emma in Auftrag gegeben, vor dem Antritt der jungen Königin Wilhelmina. Die junge Königin trägt ein Kleid mit geflochtenen Margeriten, das die Unschuld symbolisiert.

Thérèse Schwartze, State portrait of Wilhelmina, queen of the Netherlands, 1897, Paleis Het Loo Nationaal Museum

Die Ausgestaltung des Kleides ist schlicht, so dass der Schwerpunkt auf den Schmuck gelegt wird: das funkelnde Diadem und eine Diamantschnur am Dekolleté. Thérèse Schwartze durfte das Gemälde auf der "Nationalen Ausstellung für Frauenarbeit" ausstellen, die im Sommer 1898 in Den Haag stattfand.

Aufstieg zur Berühmtheit von Thérèse Schwartze

1896 erhielt Thérèse Schwartze als erste Frau den Orden von Orange-Nassau, der nur denjenigen verliehen wurde, die sich besondere Verdienste in der Gesellschaft erarbeitet hatten. In den folgenden Jahren stellte sie viel aus, erhielt mehrere Auszeichnungen und war Mitglied vieler Künstlerverbände und -komitees.

Einer von ihnen waren die Amsterdamse Joffers, Malerinnen, die sich wöchentlich trafen, um gemeinsam zu malen und ihre Werke zu diskutieren. Die Treffen fanden im Haus von Thérèse Schwartze statt und sie galt als die Hauptfigur der Gruppierung. Lizzy Ansingh, die Nichte und Schülerin der Künstlerin, war ebenfalls Mitglied.

Thérèse Schwartze, Portrait of Lizzy Ansingh, 1902, Rijksmuseum

Thérèse Schwartze, Portärt von Lizzy Ansingh, 1902, Rijksmuseum

Es war Lizzy, die alles getan hat, um den Namen und die Kunst ihrer Tante nach ihrem Tod 1918 zu ehren. Sie hatte die Idee für eine Erinnerungsausstellung im Stedelijk Museum in Amsterdam 1919, sorgte dafür, dass eine Straße in Amsterdam nach Thérèse Schwartze benannt wurde, und gründete die Thérèse Schwartze Stiftung, die der Malerin gedenkt, niederländische bildende Künstler unterstützt und die Porträtkunst in den Niederlanden bewahrt.

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