Venus in der Kunst Titelbild
Kunst

Wie sich das Motiv der Venus in der Kunst gewandelt hat

Venus (auch bekannt unter ihrem griechischen Namen Aphrodite) ist die Göttin der Liebe. In diesem Artikel werfen wir gemeinsam einen Blick auf die vielfältigen Darstellung der Venus in der Kunst. 

Wir beginnen mit dem Motiv einer römischen kauernden Venus und hangeln uns entlang zu einigen Renaissance-Gemälden der Göttin. Anschließend sehen wir uns eine surrealistische Interpretation des Motivs von Salvador Dalí und schließlich eine Version des Neo Pop Art Künstlers Jeff Koons an.

Römische Venus

Lely Venus Kunst

Ein Textabschnitt von Plinius dem Älteren beschreibt die Existenz einer hellenistischen Skulptur der Venus (Aphrodite), die sich selbst wäscht. Infolgedessen wird der Grieche Polycharmus wohl auch als der Urheber des Motivs der kauernden Venus bezeichnet.

Wichtig ist, dass die Römer viele Versionen des griechischen Originals gemacht haben. Wie bei den meisten römischen Kopien griechischer Originale sind die Ausarbeitungen und Motivinterpretation scheinbar endlos. Die kauernde Venus in der Kunst kann klein, groß, aus verschiedenen Materialien, in unterschiedlichen Haltungen oder mit anderen Statuen in einer größeren Komposition dargestellt werden.

Hinweis: Die Römer verehrten die Energie der Venus. Jedes Jahr veranstalteten sie ein eigenes Fest zu ihren Ehren. So war der 1. April in der römischen Religion der Tag der Veneralia. Die Frauen säuberten den Schmuck der Götterstatuen in einer rituellen Zeremonie mit Blumen und baten Venus um göttliche Unterstützung in ihrem Liebesleben.

Die kauernde Venus im Bild oben ist die Lely Venus. Heute befindet sie sich im British Museum in London, wo man sie kostenlos besuchen kann. Einst war sie Bestandteil der Sammlung einer italienischen Fürstenfamilie (Gonzaga), wo sie mehrere Renaissance-Maler inspirierte.

Der nächste Besitzer der Lely Venus war König Charles I. von England, der sie Ende der 1620er Jahre auf Empfehlung von Rubens kaufte.

Venus in der Kunst der Renaissance

Peter Paul Rubens, Allegorie, 1612 – 1613

Peter Paul Rubens, Allegorie, 1612 – 1613

Wir sehen den Einfluss der kauernden Venus in der gesamten Kunstwelt. In der Renaissance gibt es zahlreiche Beispiele, die dieses Motiv der Venus in der Kunst verwendeten. In seiner Allegorie stellt Rubens die Göttin dar - inspiriert von der Lely Venus nach seinem Aufenthalt bei den Gonzaga. Sie steht neben Bacchus, Ceres und Amor.

Die schöpferische Anregung stammt aus einer lateinischen Komödie, die lautet: 

Ohne Brot und Wein wird die Liebe kalt.

Dahingegen ist Tizians Gemälde der Szene (basierend auf Imagines 1.6 des griechischen Schriftstellers Philostratus) sehr verspielt. Eine Gruppe von Amoren sitzt vor einer Venusstatue, die aussieht wie eine Matrone. 

Die Liebesengel haben viele unartige Absichten: Siehst du denjenigen, der den berüchtigten Liebespfeil schießen will?

Tizian, Venusfest 1518–1520, Prado

Tizian, Venusfest 1518–1520, Prado

Weitere bekannte Darstellungen der Venus in der Kunst der Renaissance stammen von Velázquez, Botticelli und Giorgione.

Diego Velázquez, Venus vor dem Spiegel

Diego Velázquez, Venus vor dem Spiegel, 1643

Sandro Botticelli, Die Geburt der Venus

Sandro Boticelli Die Geburt der Venus

Giorgione, Schlummernde Venus

Giorgione, Schlummernde Venus, 1508/1510

Die Venus im Surrealismus: Dalís Venus de Milo mit Schubladen

Aus der Renaissance-Kunst hinausgehend und hin zum Surrealismus: Salvador Dalís "Venus de Milo mit Schubladen" ist ein beliebtes Meisterwerk des spanischen Künstlers, das sich heute im Art Institute of Chicago befindet.

Wie der Titel bereits verrät, handelt es sich bei der Skulptur um eine besondere Version der griechisch-römischen Venus de Milo.

Venus de Milo

Foto: Yuxuan Wang / Flickr / CC BY-NC-ND 2.0

Der einzige Unterschied zwischen dem unsterblichen Griechenland und der Gegenwart ist Sigmund Freud. Er entdeckte, dass der menschliche Körper, in der griechischen Epoche rein plakativ, heutzutage voller geheimer Schubladen ist, die nur die Psychoanalyse öffnen kann.

- Salvador Dalí, "Das geheime Leben von Salvador Dalí", 1942.

Die Venus de Milo mit Schubladen ist halb so groß wie die berühmte Venus de Milo und verfügt über samtweiche Nerzbüschel als Schubladengriffe. Dalí' zaubert das Kunstobjekt zu einem funktionalen Möbelstück und erschließt die Welt der freudschen Analyse, in der griechische Mythen Bilder der Psyche sind.

Eine perfekte Demonstration des surrealistischen Interesses, neue Realitäten und Erfahrungen zu wecken.

Dom Perignon Balloon Venus von Jeff Koons

Wie die Venus de Milo mit Schubladen ist die Dom Perignon Balloon Venus Kunst und Objekt zugleich. Sie besteht aus Polyurethanharz und ist Halterin für Dom Pérignon Champagner. In gewisser Weise ist das passend, wenn wir uns an das Motiv von Rubens zurückerinnern.

Koons' Skulptur wurde anlässlich der Veröffentlichung eines Millésime Rosé des Jahrgangs 2003 in Auftrag gegeben worden. Es gibt nur 650 Exemplare dieser Venus. Wie die römischen Kaiser versteht Dom Pérignon die Macht der Venus als Schutzherrin. Auch die Tatsache, dass Wein und Liebe eine perfekte Verbindung sind, ist von Bedeutung.

Welche Einstellung man gegenüber Koons Kunst hegt, ist jedem selbst überlassen. Es ist kein Geheimnis, dass seine Skulpturen die teuersten Kunstwerke eines noch lebenden Künstlers sind.